Der letzte Fado von Francisco José Viegas

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1995 unter dem Titel Um céu demasiado azul, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Lübbe. 352 Seiten. ISBN-10: 3-7857-1539-0, ISBN-13: 978-3-7857-1539-0.
Ort & Zeit der Handlung: Portugal / Porto, 1990 - heute.

'Der letzte Fado' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Vorsichtig zog er den Schlüssel ab, stieg aus dem Wagen, umschritt das Auto, gelangte zum Kofferraum und hob langsam den Deckel an, so langsam, dass er erst nach und nach, im Schein des Lämpchens, das beim Öffnen des Kofferraums anging, einen zusammengekrümmten Körper erkennen konnte …

Es ist die Leiche des erfolgreichen Werbefachmanns João Alves Lopes, die in einem an einsamer Stelle geparkten Wagen in der Nähe von Porto gefunden wird. Waren es politische Gründe, aus denen der ehemalige Kommunist und Sohn eines Ministers sterben musste? Was sonst kann ihn kurz vor seinem Tod nach Mittelamerika geführt haben? Inspektor Jaime Ramos reist nach Kuba und Mexiko, um diese – wohl nahe liegendste – Spur zu verfolgen. Als sein Freund Filipe Castanheira sich unterdessen in Porto mit dem Fall befasst, fällt ihm das Foto der Frau in die Hände, mit der der Tote die letzten Stunden seines Lebens verbrachte. Ein Foto, das für Filipe eine längst vergangene Zeit wiedererstehen lässt: Amélia Lobo Correira, ehemalige Studentin der Philosophie, jetzt als Striptease-Tänzerin bekannt – und seit João Alves Lopes’ Todesnacht spurlos verschwunden.

Das meint Krimi-Couch.de: »ein ruhiges Buch« 72°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Als ein Wachmann den Wagen mit der Leiche im Kofferraum auf einer verlassenen Straße in der Nähe von Porto findet, kommt die Polizeimaschinerie gleich in Gang. Da der Tote als Jaõa Alves Lopes identifiziert wird, Sohn eines Regierungsbeamten, wird Inspektor Jaime Ramos mit den Ermittlungen betraut. Er rekonstruiert die letzten Tage von Lopes. Offensichtlich hat er zwei Stripperinnen auf der Straße aufgegabelt, als diese für zwei Verehrer mitten in der Nacht in einem Brunnen tanzten. Beide waren mit auf seinem Zimmer, mit der einen, Amélia Lobo Correia, schlief er. Ramos versucht, die Frau ausfindig zu machen, aber sie scheint wie vom Erdboden verschluckt, ihre Wohnung in Lissabon scheint verlassen.

Vor seinem Tod unternahm Lopes eine Reise nach Mexiko und von dort aus noch einen Ausflug nach Kuba. Merkwürdig. Jaime Ramos fliegt ebenfalls nach Kuba und mietet sich im gleichen Hotel wie Lopes ein, wo er erfährt, dass sein Opfer mit einer Frau unterwegs war. Währenddessen ist sein Freund Filipe Castanheira – Unterinspektor auf der kleinen Azoreninsel Saõ Miguel – auf einem Lehrgang in Lissabon. Auch er schaltet sich inoffiziell in die Ermittlungen ein, denn wie es der Zufall will, kennt er die verschwundene Amélia aus seiner Studienzeit.

Sehnsucht, Wehmut, Melancholie

»Der letzte Fado« ist mal wieder ein Krimi, in dem fast nichts passiert Auffinden der Leiche – Schauen, was der Tote vorher gemacht hat – Nachdenken – Fertig! Ganz so einfach ist die Sache aber doch nicht und auch nicht durchschaubar, denn Inspektor Ramos kommt selbst erst durch einen Zufall auf die Lösung und das wirklich erst ganz am Ende, als man die Lösung schon zu kennen glaubt. Statt irrwitzigen Verfolgungsjagden und unzähligen Personenbefragungen präsentiert Franciso José Viegas ein portugiesisches Lebensgefühl, dem die beiden Protagonisten frönen: »Saudade«, eine Art Sehnsucht, Wehmut, Melancholie kommt hier deutlich zum Ausdruck. Daneben erlebt man einen Ausschnitt aus dem Leben dieser beiden Männer, fast keine Details aus der Vergangenheit, wie sie sich z.B. kennen gelernt haben, wie ihre Freundschaft entstand, dafür umso mehr Details über ihre gegenwärtige Gemütsstimmung. Dazu werden einige Zigarren geraucht, nicht nur, weil wir unterwegs in Kuba sind, und einige Mojitos sowie Whiskeys getrunken, es wird gekocht, geliebt und geschwiegen.

Es ist positiv, dass die beiden Inspektoren so intensiv charakterisiert werden. Allerdings bleiben die Personen um sie herum recht blass, als ob sie nur schmückendes Beiwerk wären, so z.B. die beiden Lebensgefährtinnen oder die Kollegen. Es drängt sich fast der Verdacht auf, dass der Mordfall selbst nicht gerade im Mittelpunkt steht, obwohl kaum Nebenhandlung eingeflochten wurde. Der Alltag und noch mehr die Gefühlsbeschreibungen beanspruchen eben recht viel Raum. Die Spannung ist nicht atemberaubend, auch wenn am Ende noch eine kleine Überraschung steht, auf die man gar nicht mehr hofft.

Der Autor bedient sich einer ausschmückenden Sprache, die anfangs nicht so leicht zu verfolgen ist, dann aber ein gutes Gefühl während des Lesens hinterlässt. Vielleicht ruft sie das Gefühl hervor, ein anspruchsvolles Buch zu lesen? Etwas verwirrend sind die portugiesischen Namen, so dass man ein starkes Erinnerungsvermögen benötigt, um zu bemerken, ob die Person bereits erwähnt wurde oder nicht. Obwohl die Handlung an sich nicht kompliziert ist, so ist der Perspektivenwechsel zwischen den beiden Ermittlern doch gewöhnungsbedürftig, da er so abrupt erfolgt. Plötzlich und unvermittelt wird man in eine Situation hineingeworfen, ohne dass Namen genannt werden. So ist es für die eigentliche Lösung bzw. das Verstehen derselben gut, dass Francisco José Viegas mit der Stimme von Jaime Ramos am Ende die wesentlichen Fakten noch einmal rekapituliert.

Atmosphärische Dichte

»Der letzte Fado« ist ein Buch, das für einen kleinen Leserkreis geschaffen wurde: Einige werden begeistert die Beschreibung der Atmosphäre loben, die anderen werden die fehlende Handlung bemängeln. Wer gerne Krimis liest, in denen kaum etwas passiert und die gern mit dem Schlagwort »atmosphärische Dichte« beschrieben werden, der wird seine Freude an dem sympathischen Ermittlerduo haben. Ansonsten: Finger weg. Ich persönlich habe es nicht bereut, das Buch gelesen zu haben, auch wenn es keine Begeisterungsstürme hervorgerufen hat. Ein ruhiges Buch!

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A.Scartazini zu »Francisco José Viegas: Der letzte Fado« 07.03.2007
Dieses Buch ist schon durch seine gewollte literarische Qualität eine echte Zumutung. Es gibt nicht schlimmeres als das nicht-erzählen-können einer Geschichte und das Verpacken des Unvermögens in gekünstlelte Worthülsen. Das am wenigsten Störende an diesem Buch ist eine mangelnde Spannung!
Manche Uniprofessoren sollten das bleiben was sie sind- Theoretiker!
Ingrida zu »Francisco José Viegas: Der letzte Fado« 01.10.2003
Da muss ich der Krimi-Couch in der Bewertung mal wieder recht geben.
Begeisterungsstürme oder spannende Effekte habe ich auch vermisst. Prägnante und logische Ermittlungsarbeit findet nicht statt.
Gestolpert bin ich über Seite 213. Einer der Ermittler, Filipe Castanheira, schwelgt in seinen erotisch-sexuellen Erinnerungen: "Bis heute habe ich viele Körper kenngelernt ... und jeder dieser Frauen hatte ein Geheimnis, das ich nie lüften konnte, denn es gab fleischige, feuchte, nasse, fiebrige ..." Weitere Eigenschaften werden ausführlich (über 2 Seiten!)und langatmig aufgezählt. Ich kann das Buch nicht in mein Herz schließen... Schade
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