Verbrechen von Ferdinand von Schirach

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.

  • München; Zürich: Piper, 2009. ISBN: 978-3-492-05362-4. 205 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2010. ISBN: 978-3-492-25966-8. 205 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2011. ISBN: 978-3-492-27243-8. 208 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2011. Gesprochen von Burghart Klaußner. ISBN: 3837108767. 3 CDs.

'Verbrechen' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ferdinand von Schirach hat es in seinem Beruf alltäglich mit Menschen zu tun, die Extremes getan oder erlebt haben. Das Ungeheuerliche ist bei ihm der Normalfall. Er vertritt Unschuldige, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten, ebenso wie Schwerstkriminelle. Deren Geschichten erzählt er ...Ein angesehener, freundlicher Herr, Doktor der Medizin, erschlägt nach vierzig Ehejahren seine Frau mit einer Axt. Er zerlegt sie förmlich, bevor er schließlich die Polizei informiert. Sein Geständnis ist ebenso außergewöhnlich wie seine Strafe. Ein Mann raubt eine Bank aus, und so unglaublich das klingt: er hat seine Gründe. Gegen jede Wahrscheinlichkeit wird er von der deutschen Justiz an Leib und Seele gerettet. Eine junge Frau tötet ihren Bruder. Aus Liebe. Lauter unglaubliche Geschichten, doch sie sind wahr.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der tiefgründige Blick eines blinden Mädchens« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

Ein ungewöhnlicher Autor, ein ungewöhnliches Buch. Ferdinand von Schirach ist nicht nur der Enkel des ehemaligen NS-Reichsjugendführers Baldur von Schirach (wofür er natürlich nichts kann), sondern auch erfolgreicher Rechtsanwalt in Berlin.

»Stories« steht lapidar unter seinem ersten belletristischen Werk Verbrechen. Elf Geschichten zwischen 14 und 32 Seiten, die auf realen Fällen aus von Schirachs Kanzlei beruhen.  Knappe, lakonische Fallbeschreibungen, die darauf hinaus laufen, dass der Anwalt von Schirach engagiert wird  – in einem Fall, der Böse endet, auch wieder entlassen wird – und es zu einem überraschenden Finale kommt. So verbindet das erzählende Anwalts-Ich die kurzen Episoden, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Es finden sich ein:

 – ein menschenfreundlicher Arzt, der sich auf radikale und tödliche Weise von seinem Ehejoch befreit, da er ein gegebenes Versprechen nicht brechen will.
 – eine Teeschale, die mehrere Menschenleben wert ist. Zumindest für ihren Besitzer und seine Vorstellung von kulturellem Vermächtnis.
 – familiäre Kälte, die auch durch die Kraft der Musik nicht gebrochen werden kann. Stattdessen sämtliche Familienmitglieder bricht.
 – ein Underachiever, der Vorurteile gegen die Justiz ausspielt.
 – ein tödlicher Herzinfarkt, der direkt ins Schlachthaus bedingungsloser Liebe führt.
 – die Tücken der Zeitumstellung.
 – zwei Skinheads, die sich mit dem Falschen anlegen.
 – Zahlen, Farben, bedrohliche Schafe und der kurze Weg zwischen einem verstohlenen Liebestrip und Lynchjustiz im Herzen.
 – die Hölle des Alltäglichen. Ein Vergessener auf seiner Mission, den Stachel im versteinerten Fleisch zu finden.
 – der verführerische Geschmack von Menschenfleisch. Es gibt einen Unterschied zwischen einem Liebesbiss und einem Lieblingshappen.
 – Hoffnung und Glück, die in Äthiopien wohnen.

Soll man erschrecken oder zustimmen, wenn einer Kritikerin des WDR nichts anderes einfällt als: »Boah!«; wenn in Foren gerätselt wird, WELCHER Fall sich GENAU hinter den jeweiligen Geschichten verbirgt. Die Fallgrube liegt nahe: mit der Wirklichkeit hausieren gehen, wie der Redakteur eines Privatsenders, der ein neues Konzept für eine sensationelle Reality Show sucht. Da endet die Bewerberin für Germanys Next Top Model eben nicht auf dem Laufsteg, sondern mit eingeschlagenem Schädel auf einem Hotelbett; das Casting für das Supertalent bringt nicht nur eine Siegerin, sondern auch Sterbehilfe und zwei Selbstmorde hervor, und »Bankräuber sucht Frau« endet hoffnungsvoll im Herzen Afrikas. Ganz kann Verbrechen dieser Gefahr, zu einer Peepshow realitätsäquivalenter Begebenheiten zu mutieren, nicht entgehen. Das liegt aber weniger an den kurzen Erzählungen selbst, als an der Dauerpräsenz des abseitigen Alltags im jederzeit krawallig aufgestellten und ausgerichteten Medienparcours.

In seinen besten Geschichten gelingt es von Schirach tatsächlich, einen tiefschürfenden Blick auf menschliche Befindlichkeiten zu werfen, und über das erste Erschrecken, welche Abgründe in unserer kultivierten Zivilisation lauern, hinaus zu weisen. Manche Geschichte mag wie der Rohentwurf eines noch auszuarbeitenden Drehbuchs wirken, aber in seiner distanzierten, scheinbar emotional unberührten Art,  offenbart sich eine analytische Nachdenklichkeit, die andere Autoren in weitschweifigen Romanen nicht erreichen. Leider unterminiert das erzählende Ich die Poesie einer möglichen Wahrheit durch seine relativierende, altkluge Haltung. Paradebeispiel ist die ansonsten stärkste Geschichte des Bandes »Notwehr«. Eigentlich eine rasiermesserscharfe Umkehrung von Ernest Hemingways berühmter »The Killers«-Story, wird die Geschichte durch ihren moralinsauren und wie angeklebt wirkenden Schluss auf ordentliches Mittelmaß zurück geschraubt. Anstatt in einer Studie niederer Instinkte und kühler Berechnung, endet das Ganze mit dem Epilog eines modernen Pontius Pilatus: ich mache mir die Hände nicht schmutzig, wenn ich das Hemd wegwerfe, das ich während der Verhandlung trug (bzw. verliehen habe). Was natürlich auf eine ganz andere, eigenwillige Art und Weise wieder erhellend ist. Freispruch erwirkt und trotzdem schlechtes Gewissen dabei. So sorgt Verbrechen für viel Nachdenkenswertes. Und es lässt sich verdammt gut und – viel zu – schnell lesen.

Nicht alle Geschichten sind gleich gelungen; die längste läuft auf eine allzu vorhersehbare Pointe hinaus. Hat mit ihrem ambivalenten Schluss aber immerhin einen kleinen Widerhaken zu bieten. Die eigentlich treffende Studie eines angehenden Kannibalen verliert durch ihren »ich hab’s ja gewusst« Duktus etwas an Wirkung. »Der Igel« ist eine nette Eulenspiegel-Tirade für zwischendurch, und der rührselige »Äthiopier« ist reinstes Bollywood, auch wenn kaum getanzt wird. Ohne Augenzwinkern als Abschluss präsentiert: Respekt!

Dass es nebenbei noch ein wenig über das deutsche Rechtssystem zu lernen gibt, wird gerne in Kauf genommen.

Eine letzte spannende Frage bleibt indes, ob Verbrechen einen Nachfolger erhalten wird; oder ob wir nur Zeuge eines einmaligen, wenn auch lesenswerten, egozentrischen Ausbruchs geworden sind.

Jochen König, Januar 2010

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Darix zu »Ferdinand von Schirach: Verbrechen« 18.07.2013
Ob "Verbrechen" zu den "True Crime" oder nicht gehört, sei dahin gestellt. Die einzelnen Geschichten des Buches sind eine faszinierende Auseinandersetzung mit dem Thema Schuld. Sehr spannend, den Leser tief vereinnahmend schreibt von Schirach, irgendwie wie gut verfasstes Kino im Schreibformat. Sehr lesenswert.
Torsten zu »Ferdinand von Schirach: Verbrechen« 17.05.2013
True Crime der etwas anderen Sorte.
Gerade die distanzierte, lakonische Erzählweise zeichnet dieses Buch aus - das ist die Stärke und nicht etwa eine Schwäche des Autors.
Durch diese lakonische Ditanziertheit - ich kann da eigentlich keinerlei Altklugheit darin entdecken - enthält sich Schirach ja gerade jeder Wertung; wenn da jemand Sympathie mit den Tätern empfindet oder meint eine spezielle Moral, spezielle Maßstäbe zu entdecken, dann sind es die eigenen, die des Lesers, die man beim Lesen selbst empfindet und die durch die nüchterne Erzählung geweckt werden.
Das hebt diese Sammlung über die Vielzahl von ähnlichen True Crime Storys deutlich hervor.
Noch eine Anmerkung zu der harschen Kritik über die Geschichte mit der Zeitumstellung: Natürlich ist da ein Logikfehler enthalten. Genau das ist ja der Clou. Im letzten Absatz erkennt das auch der damalige Staatsanwalt, ebenso wie die Tatsache, dass sich insbesondere die Uhrzeit der Armbanduhr gar nicht erklären lässt. Schirach selbst hat übrigens in einem Gespräch über dieses Buch ebenfalls klar gesagt, dass sich das insgesamt nicht vollständig und logisch auflösen lässt. Man kann also allerhöchstens darüber diskutieren ob so etwas tatsächlich in einem Prozess vorkommen kann - ich glaube schon. Wie ebenfalls in dem Buch angeklungen ist, werden Lösungen gerne genommen wenn sie einfach sind - und auf den ersten oberflächlichen Blick war das einfach genug um die nötigen Zweifel zu wecken.
Eglfinger zu »Ferdinand von Schirach: Verbrechen« 26.04.2013
Klappentext:

Ferdinand von Schirach hat es in seinem Beruf alltäglich mit Menschen zu tun, die Extremes getan oder erlebt haben. Das Ungeheuerliche ist bei ihm der Normalfall. Er vertritt Unschuldige, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten, ebenso wie Schwerstkriminelle. Deren Geschichten erzählt er - lakonisch wie ein Raymond Carver und gerade deswegen mit unfassbarer Wucht.
Ein angesehener, freundlicher Herr, Doktor der Medizin, erschlägt nach 40 Ehejahren seine Frau mit einer Axt. Er zerlegt sie förmlich, bevor er schließlich die Polizei informiert. Sein Geständnis ist ebenso außergewöhnlich wie seine Strafe. Ein Mann raubt eine Bank aus, und so unglaublich das klingt: Er hat seine Gründe. Gegen jede Wahrscheinlichkeit wird er von der deutschen Justiz an Leib und Seele gerettet. Eine junge Frau tötet ihren Bruder. Aus Liebe. Lauter unglaubliche Geschichten, doch sie sind wahr.

Inhalt:

Ferdinand von Schirach erzählt in elf Geschichten Fallbeschreibungen, zu denen er als Anwalt hinzugezogen wird. Es geht dabei um ganz unterschiedliche Geschichten. In einem Fall beschreibt er ein über vierzig-jähriges Eheleben, das mit dem Mord an der Ehefrau endet, in einem anderem Fall erzählt er die Geschichte von zwei Skinheads, die an den falschen geraten, in wieder einem anderem Fall geht es um eine gestohlene 400 Jahre alte japanische Teeschale, die für den Besitzer von so kulturellem Wert ist, das er dafür Menschenleben auf das Spiel setzt. Aber es geht auch um Familienbande, Kannibalismus und Liebe.

Der Autor:

Ferdinand von Schirach (* 1964 in München) ist ein deutscher Strafverteidiger und Schriftsteller. Von Schirach ist Sohn des Münchner Kaufmanns Robert von Schirach (1938–1980) und Frau Elke (geb. Fähndrich, * 1942) und Enkel des NS-Reichsjugendführers Baldur von Schirach. Er wuchs in München und Trossingen auf und besuchte das Jesuiten-Kolleg St. Blasien, über das er anlässlich der Missbrauchsfälle im Spiegel schrieb. Nach seinem Studium in Bonn und seinem Referendariat in Köln und in Berlin ließ er sich 1994 als Rechtsanwalt nieder, spezialisiert auf Strafrecht. Von Schirach gilt als „Promi-Anwalt“ und vertrat unter anderen den BND-Spion Norbert Juretzko, ferner Günter Schabowski im so genannten „Politbüroprozess“. Er machte im Rahmen der Liechtenstein-Affäre von sich reden, als er Strafanzeige gegen den Bundesnachrichtendienst erstattete, oder als er im Namen der Familie des verstorbenen Schauspielers Klaus Kinski Strafanzeige gegen den Berliner Datenschützer erstattete, als dieser der Veröffentlichung der Krankenakte Kinskis zustimmte. Schirach ist ausschließlich auf dem Gebiet des Strafrechts tätig. (Quelle: wikipedia.de)

Meine Meinung:

Zu Beginn einer jeden Geschichte beschreibt er nüchtern die Fälle und die Geschichte der Personen. Dabei tun sich manchmal persönliche als auch psychische Abgründe in den Seelen der Menschen auf. Danach erzählt er, wie er als Anwalt an die Sache geht und man lernt dabei noch etwas über das deutsche Rechtssystem. So sachlich wie es auch manchmal wirkt, so sorgt es doch dafür, dass man über den einen oder anderen Fall ins Grübeln kommt und dabei liest es sich sehr gut und leider viel zu schnell.

Mein Fazit:

Ein lesenswertes und sehr zu empfehlendes Buch.
Victoria zu »Ferdinand von Schirach: Verbrechen« 09.04.2013
Lese gerade das Buch, Verbrechen.

Kann das wirklich sein, dass ich das

alles so abgespielt hat, oder wurde da

um die Geschichte spannender zu machen,

was hinzu gedichtet?? Ich kann kaum

glauben das alles so ablief, insbesondere

im Fall, dieser verschwundenen Schale,

die von den 3 Berliner mit Migrations-

hindergrund gestohlen wurde.
angyy zu »Ferdinand von Schirach: Verbrechen« 07.04.2013
das buch ist durchaus spannend und einigermaßen flüssig geschrieben. allerdings hatte ich beim lesen oft den eindruck, dass herr schirach seine eigene moral über die moral aller anderen erhebt und ganz eigene regeln und maßstäbe für gewalt, schuld etc. aufstellt. das macht das buch und ihn als autor sehr unsympathisch. das wurde für mich auch durch den oft altklugen ton unterstrichen.

auf grund dessen und dem schwerwiegendem logischen fehler (wie auch schon einer meiner vorschreiber erkannte) kann ich das buch keines falls empfehlen
Hans-Jörg Conzelmann zu »Ferdinand von Schirach: Verbrechen« 21.02.2013
Zu den "Tücken der Zeitumstellung":
diese angeblich wahre Story zeigt, dass der Autor selbst über diese Tücken gestolpert ist.
So wie im Buch dargestellt KANN sich die Geschichte gar nicht zugetragen haben.

Die Pointe, besteht bekanntlich darin, dass der Uhr auf der Videokamera, die zur Überführung des Täters führt, Winterzeit anzeigt, während am Tag der Tat die Sommerzeit gilt.
Wenn die Uhr (mit Winterzeit) 15:26 angezeigt habe, so argumentiert von Schirach, sei es in Wirklichkeit erst 14.26 gewesen, so dass der Verdächtige das Hotel eine Stunde früher als von der Anklage behauptet verlassen habe, und somit auch ein anderer Täter in Betracht komme. Angeblich sind Gericht und Staatsanwaltschaft dieser Logik gefolgt, was zur sofortigen Aufhebung des Haftbefehls und anschließendem Freispruch ohne weitere Beweisaufnahme geführt habe. (Seite 119 Mitte).

Lieber Autor, es hätte sich gelohnt, vor Verfassung dieser Story noch einmal gründlicher über die Folgen der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit und umgekehrt nachzudenken.
Wenn z.B. am ersten Tag der Sommerzeit - im Jahr 2013 am 31.März - meine Uhr die Zeit 15:26 anzeigt, und mir einfällt, dass ich vergessen habe, sie auf Sommerzeit umzustellen, und ich selbige Umstellung nachhole, was tue ich dann ??? Ich stelle die Uhr von 15:26 auf 16:26 um. Das heißt, wenn die NICHT UMGESTELLTEN Uhren noch 15:26 anzeigen, dann zeigen alle umgestellten Uhren mit der aktuellen Tageszeit 16:16 an, und nicht 14:26, Herr von Schirach!
Es ist schwer vorstellbar, dass dieser Denkfehler des Autors keinem Mitglied des Gerichts oder der Staatsanwaltschaft aufgefallen sein sollte.
Der Autor setzt ja bekanntlich noch einen drauf, in dem er den Fall so darstellt, dass auf der Videoaufnahme die Zeit auf der Armbanduhr des Angeklagten – 14:26 – deutlich zu erkennen gewesen sei. Schwer vorstellbar, es fragt sich, auf welche Zeit der Angeklagte seine Uhr eigentlich eingestellt hat. Jedenfalls war es nicht die in Deutschland aktuell geltende Sommerzeit, und auch nicht die deutsche Winterzeit . Nach deutscher Winterzeit hätte die Uhr 15:26 anzeigen müssen (wie die Videoaufnahme), nach deutscher Sommerzeit hätte sie 16:26 angezeigt. Wenn sie wie vom Autor dargestellt 14:26 anzeigte, war sie auf die Zeitzone der Azoren, der Kapverden und eines Teils von Grönland eingestellt.
Fazit: wenn die Videoaufnahme beim Verlassen der Tiefgarage tatsächlich 15:26 Winterzeit anzeigte, dann war es zu diesem Zeitpunkt nach der geltenden Sommerzeit in Berlin nicht eine Stunde früher = 14:26, sondern eine Stunde später = 16:26!!!
Auch der Autor eines Romans sollte etwas gründlicher recherchieren !!!

Wem diese Überlegungen zu kompliziert sind (auch dem Autor des Buches ???), dem sei ein Nachspielen dieses Falles mit Uhrenumstellung am kommenden Ostersonntag empfohlen.
CSIler zu »Ferdinand von Schirach: Verbrechen« 13.04.2011
Ein sehr interessantes u. lesenswertes Buch.
Es ist im klassischen Sinne kein Krimi, sondern gehört ehr zur Sorte "True Crime" u. ist aber nicht von einen Rechtsmediziner,Arzt o. Polizist geschrieben (was ehr typisch ist), sondern von einen Rechtsanwalt.
Durch die vielen kleinen Geschichten kann man das Buch sehr schnell durchlesen.
anyways zu »Ferdinand von Schirach: Verbrechen« 09.03.2011
Herr von Schirach plaudert als Anwalt und Strafverteidiger aus dem Nähkästchen. Unterhaltsam erzählt er die interessantesten und skurillsten Geschichten aus seinem Alltag. Storys, die nachdenklich machen und lange in Erinnerung bleiben. Am bewegendsten war für mich die Geschichte des Äthiopiers. Ein Mann, nicht klug aber geschickt mit den Händen, den die Gesellschaft ausschloss. Er ist so verzweifelt und begeht, recht tollpatschig, einen Banküberfall mit einer Plastikpistole. Danach flieht er nach Addis Abeba, in der Hoffnung in Asien zu landen. Über einige Umwege gelangt er schließlich in ein Kaffeedorf und wird von der dortigen Gemeinschaft aufgenommen. Die Akzeptanz, Aufmerksamkeit, Toleranz und Liebe die er dort erfährt sind so neu und einmalig, das er sich revanchiert und einen Teil seiner Dankbarkeit ausdrückt, indem er den Kaffeeanbau, Transport und Verkauf revolutioniert. Dank seines handwerklichen Könnens kommen die Einwohner des Dorfes zu einem bescheidenen Reichtum. Aber selbst in dieses kleine Kaffeedorf reicht der Arm der deutschen Justiz…

An dieser Geschichte zeigt sich sehr deutlich wie eingeschränkt wir sind in unserem Streben nach Macht, Intelligenz und Schönheit, dass wir alle die „anders“ sind verachten und ihnen kaum Chancen einräumen mit und nicht am Rande der Gesellschaft zu leben.

Die zweite Story die mich ebenfalls sehr nachdenklich stimmte war „Liebe“. Hier zeigt sich, das die anwaltliche Schweigepflicht auch sehr viele Nachteile in sich birgt.



Fazit: Ein sehr gelungenes Buch von einem begnadeten Erzähler. Kurz und knackig vermittelt Schirach seine Geschichten und würzt sie mit etwas Zynismus. Sie sind absolut lesens- und empfehlenswert.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
koepper zu »Ferdinand von Schirach: Verbrechen« 13.01.2011
Ferdinand von Schirach „Verbrechen“.
Zwar kein Krimi, aber ein lesenswertes Buch. Der Autor ist Strafverteidiger und berichtet von Verbrechen, die sich tatsächlich zugetragen haben und in die er z.T. als Rechtsanwalt selbst involviert war. Er beschreibt kühl, sachlich, scheinbar emotionslos und mehr aus der Perspektive der Täter, als aus der der Opfer. Der Autor entwickelt die Geschichten gut. Der Leser erfährt viel über die Hintergründe und Motive der Täter, die ihr Handeln in manchen Geschichten nachvollziehbar macht. Fast alle der kurzen Geschichten sind ungewöhnlich und böten Stoff für einen Kriminalroman.
Lesen!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
MaMa zu »Ferdinand von Schirach: Verbrechen« 06.01.2011
Kurze Stories eines Anwaltes mit hoher Erzählqualität. Wenn sie wahr sind, und davon gehe ich aus, ist es wieder eine Bestätigung dafür dass das Leben manchmal verrückter ist, als es in einem fiktiven Krimi erfunden werden kann.
Von Schirach hat einen sauberen, trockenen und fairen Schreibstil. Er schont weder Verbrecher noch die Juristen (auch nicht sich selbst) noch den normalen Stino-Bürger.
Trotzdem gerät man immer wieder ins Staunen wie stark die Vorgeschichte eines Menschen die Verbrechenstat beeinflusst, bzw. wie unterschiedlich und differenziert die Urteilsfindung ausfallen kann, wenn diese Vorgeschichte bekannt sind oder auch nicht.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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