Isabelle von Felix Thijssen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1999 unter dem Titel Isabelle, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: Niederlande & Frankreich, 1990 - 2009.

  • Amsterdam: Luitingh-Sijthoff, 1999 unter dem Titel Isabelle. 239 Seiten.
  • Dortmund: Grafit, 2002. Übersetzt von Stefanie Schäfer. 346 Seiten.

'Isabelle' ist erschienen als

In Kürze:

Die 26-jährige Isabelle ist eigentlich alles andere als leichtfertig und viel zu nüchtern für plötzliche Gefühlsaufwallungen. Doch als dieser Mann das Restaurant betritt, in dem Isabelle als Kellnerin arbeitet, ist sie sofort fasziniert und hat das Gefühl, ihn schon lange zu kennen. Deshalb zögert sie nicht, als der Fremde, der sich als Ben Visser vorstellt, sie noch für denselben Abend zu einer Fahrt aufs Land einlädt. In dem Gasthof, in dem sie spontan beschließen zu übernachten, kommt es zur Katastrophe: Ein Mann dringt in ihr Zimmer ein und erschießt Ben, Isabelle wird schwer verletzt. Die Polizei kommt mit den Ermittlungen nicht weiter. Daher schaltet die Ehefrau des Ermordeten, Judith Visser, den Expolizisten und Privatdetektiv Max Winter ein. Er sucht als Erstes Isabelle auf, die sich, nachdem sie festgestellt hat, dass sie schwanger ist, auf einen Bauernhof zurückgezogen hat, wo sie mit zwei Junggesellen in einer Wohngemeinschaft lebt. Winter ist schnell davon überzeugt, dass die freundliche und unauffällige Isabelle mit dem Überfall nichts zu tun hat. Dann sieht er sich das Leben des Opfers etwas genauer an und findet heraus, dass Ben Visser als Baby ausgesetzt und später von einem holländischen Ehepaar adoptiert worden ist. Kurz vor dem Mord hat er einen Brief erhalten, in dem es um die Erbschaft eines gewissen Raymond Lafont, eines französischen Weingutbesitzers, ging. Ben Visser war offenbar einer der Begünstigten im Testament des reichen Mannes. Max Winter beschließt, nach Frankreich zu reisen. Mit Hilfe seiner computerkundigen Freundin CyberNel macht er dort höchst interessante Entdeckungen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Stetig fallende Spannungskurve« 48°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Das Leben hat es nicht gut gemeint mit Isabelle. Ihre Mutter starb bei der Geburt, ihr Vater ist unbekannt, Großtante Maran kümmerte sich um das Kind mit der angeborenen Hüftfehlstellung. Als 26-jährige arbeitet sie nun als Serviererin in einer Raststätte an der Autobahn, als eines Morgens der fast 20 Jahre ältere Ben Visser dort einen Kaffee trinkt. Zwischen den beiden funkt es so gewaltig, dass sie noch am selben Abend ein Zimmer in einem nahe gelegenen Hotel mieten. Die beiden schlafen miteinander bei geöffneter Terrassentür, so dass sie nicht bemerken, wie sich der Mörder ins Zimmer schleicht. Ein gezielter Schuss löscht das Leben von Ben Visser aus – doch Isabelle verliert lediglich das Bewusstsein und überlebt.

Und nun beginnt das Rätselraten: Warum musste Ben Visser sterben? Eine Eifersuchtstat? Hatte Visser – immerhin Geschäftsführer einer mittelständischen Firma – mit den falschen Leuten Geschäfte gemacht? Wie erklärt sich die äußerst löchrige Vergangenheit Vissers? Und warum hatte er sich in der Mordnacht als »Alex Hinstra« in das Hotelbuch eingeschrieben? Die Polizei kommt in ihren Ermittlungen nicht weiter, aber die Witwe Visser will mehr wissen. Sie will vor allem wissen, was das für eine Frau ist, mit der sie ihr Mann betrogen hat. Und erst da (in Kapitel 6) kommt Detektiv Max Winter ins Spiel.

Thijssen noch nicht in Bestform

Man kennt das Phänomen von vielen Krimi-Autoren: Sie veröffentlichen ihren Debütroman, erleben einen ersten Erfolg und sind eifrigst damit beschäftigt, einen würdigen Nachfolger hinterher zu schieben. Doch dann erweist sich ihr Konzept für den zweiten Roman nicht ganz ausgereift und vielleicht auch unter Zeitdruck zusammen geschustert. Einem Leser sträuben sich bei so manchem Zweitwerk die Nackenhaare.

Eventuell gilt für Thijssens zweiten Roman ebenso die Vermutung, eine Idee in zu knapp bemessener Zeit zur Vollendung zu bringen versucht zu haben. Dass er eigentlich ein routinierter Schreiber ist, dafür spricht sein Erzählstil, der gekonnt flüssig die Handlung vorantreibt. So lässt sich Isabelle auch zunächst einmal sehr gut an. Die Vorgeschichte, die sich über die ersten 5 Kapitel erstreckt, ist mehr als handfest und lässt auf interessante Ermittlungen hoffen. Spuren und Möglichkeiten für den weiteren Verlauf der Handlung legt der Autor zuhauf.

Der dann folgende Einsatz von Max Winter lässt sich in zwei weitere Teile gliedern. Seine Ermittlungen, die zunächst nur in Richtung Isabelle gehen sollen, darf er entsprechend seines eigenen Wunsches auf die Vergangenheit Ben Vissers ausdehnen. Hier findet er sehr bald heraus, weswegen die Polizei die Ermittlungen in diese Richtung hat fallen lassen müssen. Die Spuren führen ihn und seine Kollegin Cybernel schnurstracks nach Frankreich. In diesem Mitteldrittel verliert der Autor die vielen Möglichkeiten, die er sich in den Anfangskapiteln aufgebaut hat, leichtfertig aus den Augen.

Was ist das für ein Finale?

Das Schlussdrittel ist dann leider nur noch mit der heißen Nadel gestrickt. Die Geschichte um Schwangerschaften und Erbschaften wird nicht nur abenteuerlich, sondern vollends unglaubwürdig. Die Auflösung des Falles gerät gleichzeitig beinahe zur Nebensache. Unterhaltsame Überraschungen gelingen dem Autor nur noch stellenweise auf Nebenschauplätzen; die Schicksalswendungen wirken dabei einfach zu dick aufgetragen. Es schmalzt gewaltig.

Schade! Felix Thijssen hat eigentlich spannenden Stoff erzählen wollen, aber irgendwie ist ihm unterwegs spürbar die Puste ausgegangen. Denn während vor allem in den ersten Kapiteln das Buch einen beinah fesselnden Charakter hat, schüttelt der Leser gegen Ende ein ums andere mal den Kopf vor zunehmendem Argwohn. Aus einem guten Ansatz wurde so dann doch noch ein unterdurchschnittlicher Krimi. Dem Anspruch, den Leser der Max-Winter-Reihe haben dürfen, wird Isabelle leider nicht gerecht. Einziges Lob an den Grafit-Verlag: Das schäbige neue Cover verleitet nicht gerade zum Kauf dieses Buchs.

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Melisandra zu »Felix Thijssen: Isabelle« 17.10.2006
Ich habe zum ersten Mal ein Buch von Felix Thijssen gelesen, war jedoch angenehm überrascht. Dieses Buch war spritzig und leicht geschrieben. Ich habe es fast in einem Rutsch durchgelesen, weil ich ganz erpicht darauf war, die Zusammenhänge zu erfahren, die zu dem Mord an Ben Visser führten.
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