Der Heckenschütze von Felix Huby

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei Scherz.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1990 - 2009.
Folge 1 der Peter-Heiland-Serie.

  • Frankfurt am Main: Scherz, 2005. ISBN: 3-502-10286-4. 382 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2006. ISBN: 978-3-596-16373-1.

'Der Heckenschütze' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Peter Heiland ist alleinstehend, Anfang 30 und geht auf Anraten seines früheren Chefs, Hauptkommissar Ernst Bienzle, von Stuttgart nach Berlin, damit er nicht zum »verhockten« Schwaben wird. Sein erster Berliner Fall konfrontiert Heiland mit einem Serienmörder: dem Berliner Heckenschützen. Was bringt den Täter dazu, Menschen, zwischen denen es keine Verbindung zu geben scheint, wahllos und aus dem Hinterhalt wie Wild zu erlegen? Peter Heiland sucht Verknüpfungspunkte: Eine Spur führt ihn in seinen schwäbischen Heimatort zurück …

Das meint Krimi-Couch.de: »Zuviele Zufälle verhindern eine Höchstwertung« 74°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

In der realen Welt ist es der Lauf der Zeit, der Veränderungen im Berufsleben bringt. Irgendwann ist das Pensionsalter erreicht, man scheidet aus der Arbeitswelt aus, und ein Nachfolger übernimmt den Posten. In der fiktiven Welt des Kriminalromans ist dies nicht immer der Fall, doch hat sich Felix Huby ein Beispiel an der Realität genommen und versucht, einen fließenden Übergang zu einer neuen Serie zu schaffen. Obwohl er auch die Reihe um den in die Jahre gekommenen Bienzle weiter fortsetzt, gibt er nun zusätzlich dessen jungem Kollegen Peter Heiland eine Chance als neuem Serienhelden.

Und weil Heiland kein »verhockter Schwabe« sein will, zieht es ihn hinaus in die große Welt nach Berlin. Doch Berlin ist nicht die Welt des Felix Huby. Berlin, das sind für Huby U-Bahnhöfe, in denen man sich vor rechtsradikalen Schlägern in Acht nehmen muß. Das sind dunkelhäutige Straßenjongleure und triste Hinterhöfe. So sind es dann auch zunächst die Klischees, die negativ auffallen. Doch nach verhaltenem Beginn nimmt die Story rasch Fahrt auf.

Ein Sniper hält die Kriminalpolizei in Atem. Jemand, der aus dem Hinterhalt scheinbar wahllos Leute erschießt. Der Mann, der tödlich getroffen wurde, als er aus dem Bus ausstieg, ist bereits das vierte Opfer des Heckenschützen. Verbindungen zwischen den Opfern konnten noch keine ermittelt werden.

Richtig unterhaltsam wird es erst in Schwaben

Aufgrund der Erzählweise mit wechselnden Perspektiven kennt der Leser den Täter recht früh. Das tut der Spannung jedoch keinen großen Abbruch, denn bei der Frage nach dessen Motiven tappt man weiterhin ebenso im Dunklen wie auch die Ermittler. Erst als Peter Heiland auf eigene Faust ermittelt, geht es voran. Eine gehbehinderte ältere Frau, die Mitbewohnerin des ersten Opfers, einer Kindergärtnerin, erweckt sein Mißtrauen. Bei der völlig unmotivierten illegalen Durchsuchung ihres Kellers findet er eine Schachtel mit Munition, in der eine Patrone fehlt. Zufall Nummer 1.

Weitere Spuren führen ausgerechnet in Heilands schwäbische Heimat und es kommt noch besser: Der Täter scheint Peter Heiland gut zu kennen. Zufall Nummer 2. Dies und ein paar weitere kleinere Zufälle ist der Grund, dass »Der Heckenschütze« keine Spitzenwertung von mir bekommt, obwohl die Geschichte durchaus spannend und unterhaltsam wird, nachdem Heiland zwecks weiterer Ermittlungen nach Tübingen reist.

Sauber konstruierter Plot

Hier fühlt sich nicht nur Heiland, sondern auch sein Autor wesentlich wohler. Wenn er Heilands Opa – den heimlichen Star des Romans – schwäbeln lässt, dann spürt man die Erzählfreude und die Charaktere wirken allgemein lebendiger. Für mich wirkt das geschriebene Schwäbisch zwar leichter verständlich als manch anderer Dialekt, bietet auch viel Wortwitz, dennoch finde ich, dass Huby zu viel Gebrauch davon macht, so daß manch einer Probleme mit dem flüssigen Lesen bekommen könnte. Selbstverständlich darf auch Heilands ehemaliger Chef Bienzle nicht fehlen, der Unterstützung leistet.

Die Auflösung der Geschichte ist zwar nicht ganz so, wie man sich das nach dem Verlauf der Story vorher zusammenreimt, bietet aber trotzdem keine allzu große Überraschung. Das Motiv des Täters wird einleuchtend erklärt, so daß man schon fast Verständnis für ihn bekommt. Der Plot ist sauber konstruiert und lenkt die Gefühle des Lesers immer wieder in verschiedene Richtungen. Zwar nicht unbedingt realistisch das Ganze, dennoch hat man seinen Lesespaß.

Das Privatleben von Hubys neuem Protagonisten ist aufgrund seiner Schüchternheit noch ein wenig trist, doch die Anfänge sind gemacht und bieten Anknüpfungspunkte für Peter Heilands zweiten Fall, in dessen erstes Kapitel man sich am Ende des Buches schon mal einlesen kann.

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Dagobert1 zu »Felix Huby: Der Heckenschütze« 22.04.2014
Der Krimi selber was sehr gut mit einer spannenden Handlung. Aber wenn ein Schwabe über Berlin schreibt, muss er noch viel lernen. Da fährt gleich zu Anfang aus dem Tunnel ein S-Bahn-Zug in den U-Bahnhof ein, die Gradestraße wird von Britz (oder allenfalls Mariendorf) nach Treptow "verlegt", die Hochbahn fährt über der Schönefelder Allee und nicht der Schönhauser Allee und die Berliner Polizei fährt zu einem Einsatz nach Caputh, also in das Bundesland Brandenburg - br - da kann sich jeder Ur-Berliner nur schütteln. Deutlicher Punktabzug!
detno zu »Felix Huby: Der Heckenschütze« 20.04.2009
Peter Heiland hat den Weg in die Hauptstadt gefunden und ermittelt nun bei der Kripo in Berlin. Die Spuren eines Serienmörders führen ihn aber bald wieder in seine Heimat Schwaben zurück. Gut geschildert, wie die Polizeiarbeit in beiden Ländern funktioniert und das Netz um den Heckenschützen immer enger wird.

Hervorragend gefallen hat mir Opa Henry, für den Berlin "kurz vor Sibirien liegt" und die reinste Hölle sein muss. Seine Sprüche zum Thema "Lebensalter und in Würde alt werden" im schwäbischen Dialekt waren dufte.

Der flüssiger und humorvoller Schreibstil entschädigen für die tatsächlich doch etwas vielen Zufälle in diesem Werk.

84° aus Berlin für den Schwaben Peter Heiland.
Lis zu »Felix Huby: Der Heckenschütze« 29.11.2005
Das Buch ist besser als es die Krimi-Couch-Besprechung vermuten lässt. Berlin ist für den "schwäbischen Heiland" (mit dem Namen muss man in Schwaben leiden, schliesslich ist dort "Heiland" der volkstümliche Begriff für Christus) anfangs befremdlich und fremd - je länger er aber dort ist, desto positiver nimmt er auch seine Umgebung wahr. Das drückt sich literarisch darin aus, dass Dinge und Personen, die anfänglich als bedrohlich und fremd wahrgenommen werden, mit der Zeit ausgesprochen positiv rüberkommen: beispielsweise der dunkelhäutige Jongleur. Und so entwickelt sich auch die Geschichte zwischen dem Fremdsein des Schwaben in Berlin und dem - am Ende des Buches - auch nicht mehr ganz heimisch Seins in Schwaben. Und Heiland ist eine gelungene Abwechslung zum älteren und verhockten Schwaben Bienzle.
Marco zu »Felix Huby: Der Heckenschütze« 06.07.2005
Ich "muss" den Heckenschützen als Buch in der Schule lesen, selbst hätte ich mir das Buch nicht gekauft, weil ich nicht gedacht hätte, dass es so gut ist.
Das Buch ist spannend und spielt in meiner Nähe, ich halte den Roman für sehr gelungen und werde ihn nun auch für mich privat kaufen.
Ich freue mich auf weitere spannende Romane mit Peter Heiland und werde diese auf jeden fall lesen.
In spannender Erwartung auf weitere Fälle:
Marco Novak
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