Mysterium von Federico Axat

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 unter dem Titel La Última Salida, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Atrium.

  • Argentinien: Destino, 2016 unter dem Titel La Última Salida. 432 Seiten.
  • Zürich: Atrium, 2017. Übersetzt von Matthias Strobel. ISBN: 978-3855350063. 432 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: GoyaLiT, 2017. Gesprochen von Stefan Kaminski. gekürzte Ausgabe. ISBN: 3833737093. 5 CDs.

'Mysterium' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Als der erfolgreiche und todkranke Geschäftsmanns Ted McKay beschließt, sich selbst das Leben zu nehmen, bekommt er Besuch von einem Fremden, der ihn überredet, einen Mord zu begehen. Er willigt ein und findet heraus, dass ihm sein Auftraggeber etwas Wichtiges verschweigt. Ted beschließt, die ihm verbleibende Zeit zu nutzen, um das Geheimnis des Fremden zu ergründen. Doch wie kann man die Wahrheit finden, wenn die eigene Welt eine einzige Lüge ist?

Das meint Krimi-Couch.de: »Der letzte Ausweg« 92°Treffer

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Der bis dato unbekannte argentinische Autor Federico Axat hat mit »La Ultima Salida« einen fantastischen Thriller vorgelegt. Seit Februar des Jahres auch in deutscher Übersetzung vorliegend wurde der Roman in mehr als 30 weitere Länder verkauft. In seinem Begleitschreiben zum Leseexemplar spart der deutsche Verleger nicht mit Lob und Begeisterung – eine Einschätzung, die der Rezensent voll unterschreiben kann. Mysterium, so der deutsche Titel (dazu später noch ein Wort), gefällt durch eine tückische Story, ist exzellent geschrieben und eloquent übersetzt. Axat hat nun ein großes Handikap: er ist unbekannt. Hieße der Autor Sebastian Fitzek, hätte dieser Thriller schon mit Sicherheit die Spitzen der deutschen Büchercharts erklommen. Den Namen des deutschen Erfolgsautors ins Spiel zu bringen, geschieht nicht ohne Grund, denn Axat inszeniert ein perfides Verwirrspiel, das auch einem Sebastian Fitzek zur Ehre gereicht hätte. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.

In Boston, Massachusetts, sitzt der erfolgreiche Geschäftsmann Ted McKay am Schreibtisch seines Arbeitszimmers. Er ist allein, seine Familie macht einen Kurzurlaub in Disney World. Vor ihm auf der Schreibtischunterlage liegt ein Abschiedsbrief an seine Frau. In einer Hand hält er eine Pistole, deren Mündung auf seine Schläfe zielt. Er will seinem Leben ein Ende setzen. Bevor er diese Entscheidung in die Tat umsetzen kann, wird er durch ein Klopfen an der Haustür gestört. Eine ihm unbekannte Stimme fordert vehement Einlass und lässt sich nicht so schnell abwimmeln. Ted bricht sein Vorhaben vorerst ab und lässt sich auf ein Gespräch mit dem Fremden ein. Er ist erstaunt, was dieser so alles weiß.

Ob diese Szene so oder in abgewandelter Form stattgefunden hat, ist nicht sicher. Sie ist ein Teil von Teds Erinnerungen und diese sind trügerisch. Ted ist traumatisiert, befindet sich in einem Labyrinth aus Erinnerungsfetzen, Scheinrealitäten, Träumen, vielleicht sogar Halluzinationen. Was zu Teds albtraumhaften Zustand geführt hat, erfahren wir Leser peu à peu. Es gibt wohl einen akuten Auslöser, aber die Ursache seiner Störung liegt in seiner Vergangenheit verborgen.

Die ersten 150 Seiten des Romans versetzen den Leser in eine Art Schwebezustand an Ungewissheiten und der Wunsch stellt sich ein, endlich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt zu werden. Das geschieht dann auch. In einer Retrospektive wird das Leben des Helden, das von seiner besonderen Begabung, aber auch von einigen Morden geprägt ist, im Format eines spannenden Thrillers aufgearbeitet, der auch später mit überraschenden Wendungen überzeugen kann.

Langjährige Leser wundern sich des öfteren, wie wenig Wert manche Verlage auf einen aussagekräftigen und/oder inhaltsbezogenen Titel legen. Man denke nur an die arme Fred Vargas, deren »L’homme aux cercles bleus« zu Es geht noch ein Zug von der Gard du Nord verhunzt wurde. Auch der deutsche Titel des vorliegenden Romans Mysterium lässt eine ausreichende Diskussion vermissen. Das Wort »Mysterium« ist zwar vieldeutig, aber gleichwohl nichtssagend und für diesen Roman völlig unpassend, denn das einzige Mysterium ist in der Tat ein Opossum, dessen unerwartetes Auftauchen im Schlussakt Rätsel aufgibt.

Wie eingangs erwähnt heißt der Originaltitel »La Ultima Salida« und es ist als sicher anzunehmen, dass er eine Schöpfung des Autors ist. Man wird es mit »Der letzte Ausweg« übersetzen und das hätte sich auch für einen deutschen Titel angeboten. Schon allein die oben skizzierte Eingangsszene lässt einen Titel »Der letzte Ausweg« sinnvoll erscheinen, aber im Laufe der Handlung entwickelt sich noch eine andere Interpretation des »letzten Auswegs«. Diese beiden Gegenpole – Selbstmord oder Heilung – sind ursächlich für das Spannungspotenzial des Romans.

In Zeiten eines für viele Schichten immer enger werdenden Budgets, muss (sollte) man schon gut überlegen, für was man sein sein Geld ausgibt. In Federico Axats Debütroman ist das Geld gut investiert – ein spannender und intelligenter Thriller, den der Rezensent besten Gewissens empfehlen kann.

Jürgen Priester, März 2017

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geronimox zu »Federico Axat: Mysterium« 25.08.2017
Ich habe diesen Psychothriller nur mit gemischten Gefühlen zu Ende gelesen, da Autor Axat dem Leser schon in den drei Anfangskapiteln drei unterschiedlich verwirrende Scheinrealitäten zur gleichen Handlung serviert.

Da ahnte ich als Vielleser schon, dass diese Geschichte eine Abfolge von absichtlichen Täuschungen, Hakenschlägen und Winkelzügen wird, dessen Ende dann erfahrungsgemäß erst auf den letzten fünf Seiten des Buches durch DAS entscheidende Detail gelöst wird, welches der Autor dem Leser bis zum Ende vorenthalten hat.

Ich habe also weite Teile des Romans mit der starken Vorahnung gelesen, dass der Großteil des Erzählten am Ende wenig bis keine Rolle spielt. Ich habe leider recht behalten.

Damit will ich nicht die schriftstellerischen Qualitäten des Autors schmälern – die schiere Anzahl von Wendungen, die Axat dem Leser zumutet, zeugt von überbordender Fantasie des Schriftstellers. Wer offensichtliche Täuschungen, Nebelkerzen und Vexierspiele als unterhaltsam empfindet, wird hier zu 100 Prozent bedient.

Wer jedoch wie ich gerne bei Krimis mitdenkt und miträtselt, um am Ende durch die zusammengelesenen Indizien den Täter mit zu entlarven, für den wird »Mysterium« ein nerviges Mysterium.

Mein Fazit: Nur für ausgesprochene Freunde von Irrungen und Wirrungen empfehlenswert. Leser, die wie ich auf eine stringente Handlung wert legen, sollten die Finger von diesem Buch lassen.

6,5/10

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