Herbst der Vergeltung von Erik Eriksson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel Hämnarnas höst , deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Oktober-Verlag.

  • Stockholm: LL-förl, 2002 unter dem Titel Hämnarnas höst . ISBN: 9189451457. 176 Seiten.
  • Münster: Oktober-Verlag, 2009. Übersetzt von Christine Bode-Wein. ISBN: 978-3938568880. 413 Seiten.

'Herbst der Vergeltung' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein Selbstmord auf dem Dachboden. Ein Ertrunkener im See. Ein Unfall in der U-Bahn-Station. Zumindest sieht es auf den ersten Blick so aus …Oder haben die Opfer etwas gemeinsam? Ex- Kommissar Verner Lindgren, wegen maßloser Gewalt im Dienst vom selbigen suspendiert, ermittelt auf eigene Faust zusammen mit einer ehemaligen Kollegin in einem Vorort Stockholms. Verner Lindgren ahnt den Zusammenhang, und seine eigene Vergangenheit ist ihm Muster zur Aufklärung der Todesfälle.

Das meint Krimi-Couch.de: »Schweden – das Land der prügelnden Ehemänner« 65°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Glaubt man dem Autor Erik Eriksson, so ist es in Schweden ein gesellschaftliches Massenproblem, dass sich Männer abends in einen Vollrausch trinken und anschließend auf ihre Ehefrauen einprügeln. Dies als kleine Vorwarnung.

In Älvsjö, einem tristen Stockholmer Vorort, wird auf einem Dachboden die Leiche eines Mannes gefunden, der sich offenbar stranguliert hat. Schnell wird jedoch klar, dass es sich um einen Mord handelt, da das Opfer zuvor brutal misshandelt wurde. Die junge Polizistin Margret Mattsson will zu dem Mord den früheren Kommissar Verner Lindgren befragen, da dieser im gleichen Wohnblock wie das Opfer lebt.

Lindgren verließ auf eigenen Wunsch vor drei Jahren die Polizei, um so seiner Suspendierung zuvor zu kommen. Er hatte damals Probleme mit seinem neuen Chef, vor allem aber mit seinem unkontrollierten Hang zu Gewaltexzessen. Immer, wenn er einen Mann sah, der auf eine Frau einschlug, mischte er sich ein. Aber nicht – wie man es von einem Polizisten erwarten könnte – mit dem Mund, sondern mit der Faust. Seitdem lebt er völlig zurück gezogen in seiner spartanisch eingerichteten Wohnung, ist abhängig von starken Tabletten und weis meist nichts mit sich anzufangen.

Margret bittet Verner ihr zu helfen, da sie glaubt, dass er sich aufgrund seiner Vorgeschichte sehr gut in den gesuchten Mörder hinein versetzen kann. Erst recht nachdem die Ermittlungen ergeben, dass der Täter über lange Zeit seine Frau daheim misshandelt hat.

Nach wie vor misshandelt wird derweil Birgitta, die ebenfalls im gleichen Wohnblock lebt, von ihrem Ehemann Bengt. Dieser kommt nach Hause, trinkt vor dem Fernsehen etliche Biere oder Wein, um anschließend grundlos auf seine Frau einzuschlagen. Diese flüchtet sich ebenfalls in den Alkohol, um so die bevorstehenden Qualen abzumildern. Ihre beste Freundin Leila, sie war selbst jahrelang Opfer eines gewalttätigen Lebensgefährten, erkennt Birgittas missliche Lage und beschließt, Bengt aus dem Weg zu räumen…

Die Opfer (gemeint sind die zu Tode kommenden Personen im Roman, von denen es mehrere gibt), der Täter, Ex-Kommissar Verner, Nachbarin Birgitta und deren beste Freundin Leila – womit fast alle Personen außer Margret aufgezählt sind – haben auf unterschiedliche Weise intensive Erfahrungen mit Gewalt von Männern gegen Frauen gemacht. Extrem sind mitunter die Schilderungen von Bengts Gewaltausbrüchen gegen Birgitta. Das geht unter die Haut und ist nichts für schwache Nerven.

Die »soziale Komponente« überwiegt in diesem Buch, während die Ermittlungen der Polizei quasi gar nicht stattfinden. Dafür gibt es ja den Ex-Kommissar, der zum Protagonisten der Geschichte auserkoren wird. Wenig verwunderlich bei dessen eindrucksvoller Vita. Die Charakterzeichnung von Verner ist jedenfalls gut gelungen, vor allem, nachdem er beschließt, seine Medikamente von denen er abhängig ist ins Klo zu schütten. Der eigenbrötlerische Ermittler wird zunehmend sympathisch und da auch der eigentliche Krimiplot nicht schlecht, sondern lediglich zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig daher kommt, bleibt auf ein Wiedersehen mit dem Duo Margret Mattsson/ Verner Lindgren zu hoffen. Zu hoffen bleibt aber vor allem, dass die meisten schwedischen Frauen glücklich verheiratet sind. Ein Eindruck, den dieser Roman nicht erweckt.

Jörg Kijanski, November 2009

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