Nachruf auf einen Spion von Eric Ambler

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1938 unter dem Titel Epitaph for a Spy, deutsche Ausgabe erstmals 1963 bei Fischer.
Ort & Zeit der Handlung: , 1930 - 1949.

  • London: Hodder & Stoughton, 1938 unter dem Titel Epitaph for a Spy. 287 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 1963 Die Stunde des Spions. Übersetzt von Peter Fischer. 320 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 1971 Die Stunde des Spions. Übersetzt von Peter Fischer. ISBN: 3436015113. 178 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 1977 Die Stunde des Spions. Übersetzt von Peter Fischer. ISBN: 3-596-21986-8. 217 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1979. Übersetzt von Peter Fischer. ISBN: 3-257-20605-4. 272 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2002. Übersetzt von Matthias Fienbork. ISBN: 3-257-23250-0. 320 Seiten.

'Nachruf auf einen Spion' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Sonne tanken, wie alle Touristen – mehr möchte Joseph Vadassy an der Côte d’Azur nicht. Doch als sein Fotoapparat zufällig vertauscht wird, wird aus dem Lehrer innerhalb von Minuten ein potentieller Staatsfeind. Seine »Ferien« werden auf unangenehme Weise »verlängert« – und für Erholung bleibt keine Zeit …

Ihre Meinung zu »Eric Ambler: Nachruf auf einen Spion«

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Stefan83 zu »Eric Ambler: Nachruf auf einen Spion« 10.08.2009
Wenn man heute in einer Buchhandlung nach einem guten Spionage-Thriller fragt, wird einem Ken Follett ans Herz gelegt werden, eventuell noch John le Carré empfohlen. Eric Ambler ist, meiner Meinung nach leider völlig zu Unrecht, in Vergessenheit geraten und gilt wohl als zu antiquiert. Eine Ansicht, die ich so überhaupt nicht teilen kann, denn Amblers Bücher sind auch mehr als siebzig Jahre nach ihrer Entstehung noch absolut lesenswert, ja kommen sogar erstaunlich modern daher. Das gilt selbst für seine ganz frühen Werke, wie "Nachruf auf einen Spion", das im Jahre 1938 quasi am Vorabend des 2. Weltkriegs erschienen ist und wie bei seinen beiden Vorgängern eine gehörige Portion Weitsicht enthält. Im Mittelpunkt der Geschichte steht abermals ein absoluter Jedermann:

Joseph Vassady, ein ziemlich harmloser und vor allem völlig unpolitischer Sprachlehrer mit leichtem Hang zur Naivität, wollte eigentlich nur seinen lang ersehnten Urlaub an der Cote d'Azur nahe Toulon genießen. Warme Sonne, blaues Meer, Entspannung am Strand. Vielleicht nebenbei noch ein wenig seinem Hobby, der Fotographie, frönen. Allerdings bringt ihn gerade letzteres in eine ziemlich missliche Lage. Eine dumme Verwechslung von Fotoapparaten hat eine Verhaftung vor der örtlichen Drogerie zur Folge und ehe er sich versieht, ist Vassady in ein Netz von Spionage und staatspolitischen Intrigen verwickelt. Von der Polizei benutzt und erpresst, um einen feindlichen Agenten zu enttarnen, steht nun seine eigene Existenz auf dem Spiel. Doch wo beginnen?

Ohne Ideen kehrt er in sein Hotel zurück unter dessen Gästen sich der wahre Spion befinden muss. Jeder gerät nun in Verdacht und wird Zielscheibe von Vassadys trotteligen Ermittlungsbemühungen, während die Zeit gnadenlos heruntertickt. Nur zwei Tage hat er nämlich Zeit. Dann wird er vom strengen Direktor an der Pariser Schule zurückerwartet...

Wer ist denn jetzt der Agent? Was hat es mit den Verhalten der einzelnen Hotelgäste auf sich? Fragen, die sich der Leser zwischendurch immer wieder stellt, während Ambler eine spannende Geschichte auf Papier bringt, die in erster Linie aufgrund ihrer Atmosphäre zu packen weiß. Die schönen Beschreibungen der Cote d'Azur sind beeindruckend, fangen das Flair der späten 30er Jahre bis ins Detail ein. Schon nach wenigen Seiten ist man in diese längst vergangene Ära eingetaucht, atmet man das Lebensgefühl dieser Jahre ein. Natürlich lebt auch dieser Roman von den Überzeichnungen. Ein britischer Soldat im Ruhestand muss da ebenso anwesend sein, wie der unvermeidliche junge Aufreißer. Genreklischees derer sich auch schon Agatha Christie bedient hat, an die man auch immer wieder erinnert wird, da Vassady in bester Hastings-Manier mit hehrsten Motiven in schwierige Situationen gerät, um sich mit traumwandlerischer Sicherheit für eine Lösung zu entscheiden, die unweigerlich eine noch grässlichere, nahezu ausweglose Lage mit sich bringt. Vom Regen in die Traufe und noch mal zurück scheint also das Motto zu sein, was jedoch für Lesespaß und lautes Lachen sorgt.

Vassady ist ein sympathischer Depp, der selbst den Bösen hier Leid zu tun scheint und der dennoch, wenn auch ungewollt, das Netz um die wahren Täter immer enger zieht. Hinzu kommt, dass Ambler den Schauplatz Hotel aufs Beste zu gestalten vermag und die Angehörigen verschiedenster Nationalitäten in ihren Schrullen aufs Unterhaltsamste beschreibt. Sehr visionär lässt er diese in Gesprächen die europäische Lage erörtern, und hinterlässt dabei beim Leser einen faden Geschmack, werden sich doch wenige Monate danach diese Menschen vielleicht auf verschiedenen Seiten im Kriege begegnen. Was den modernen Krimiautoren lästig geworden zu sein scheint, beherzigte Ambler noch: Genaueste Recherche und Unterhaltung mit unterschwelliger Botschaft.

Insgesamt ist "Nachruf auf einen Spion" wieder mal ein äußerst kurzweiliger Thriller, der zwar Ambler-typisch mit einem packenden "Shoot-Out" endet, im Gegensatz zu seinen Vorgängern allerdings weniger actionreich daherkommt. Ein schöner Roman, der bestens für einen Urlaub am Strand geeignet ist und die Lücke zwischen klassischem Whodunit und Agentenroman schließt.
7 von 9 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Pela zu »Eric Ambler: Nachruf auf einen Spion« 12.06.2009
Die Weitsicht, mit der Ambler am Vorabend des 2. Weltkriegs den Mikrokosmos Hotel mit Personen verschiedener Nationalitäten beschreibt, die sich schon bald darauf nur über Kimme und Korn zu Gesicht bekommen, ist auch bei diesem Roman spektakulär und visionär. Hinzu kommen die schönen Beschreibungen der Natur an der Cote Azur, die bei Ambler typische Naivität der Protagonisten und der spannende "Shoot-out". Natürlich legt der Autor im Roman wieder falsche Fährten. Bis zuletzt bleibt die Frage spannend: Wer ist der eigentliche Übeltäter? Ein schöner Roman für den Urlaub am Strand! Man betrachtet die Miturlauber direkt mit anderer Perspektive!
Heinz Dörfler zu »Eric Ambler: Nachruf auf einen Spion« 03.08.2007
Als ich "The mask of Dimitrios" las, war ich
trotz anfänglicherSkepsis begeistert, dann las ich ,Journey into fear" und seitdem bin ich Ambler Fan. Der Spannugsaufbau ist genial, die plots intelligent,die Helden Menschen, wie du und ich, die unentrinnbar von einem Dilemma ins andere geraten. Ambler is the best!!!
Regina Lochner zu »Eric Ambler: Nachruf auf einen Spion« 29.07.2007
Ambler ist ein Meister der bösen Überraschungen: die Hauptfiguren seiner Romane sind solide, nicht unsympathische Durchschnittstypen, die sich aus den hehrsten Motiven in schwierigen Situationen mit traumwandlerischer Sciherheit immer für die Lösung entscheiden, die sie unweigerlich in noch gräßlichere, nahezu ausweglose Zwangslagen bringt. Das macht die Spannung seiner Romane aus - plus die genaue Recherche über Handlungsorte und zeitgeschichtliche Hintergründe; letzteres scheint den meisten der modernen Krimiautoren irgendwie zu lästig geworden zu sein. Ambler ist jedenfalls der ungekrönte Meister des Thrillers, egal, wieviele sich danach noch an solchen versuchten.
Double-K zu »Eric Ambler: Nachruf auf einen Spion« 01.09.2004
Eines der besten Ambler Bücher überhaupt. Kein Regisseur vermag dies zu verfilmen ohne Kritik zu ernten!
Eric Ambler in Höchstform!!!
Das Ende ist etwas amerikanisch, aber dafür ist der rest umwerfend!!
groucho zu »Eric Ambler: Nachruf auf einen Spion« 04.08.2004
Spannend und kurzweilig. Mit ein bischen Phantasie läuft im Kopf ein wunderbarer SW-Film im Stil der 30er - 40er Jahre ab.
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