Cuba Libre von Elmore Leonard

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel Cuba Libre, deutsche Ausgabe erstmals 2000 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Kuba, 1890 - 1909.

  • New York: Delacorte Press, 1998 unter dem Titel Cuba Libre. 343 Seiten.
  • München: Goldmann, 2000. Übersetzt von Christoph Göhler. ISBN: 3-442-54104-2. 349 Seiten.

'Cuba Libre' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Man schreibt das Jahr 1898. Nach einer gescheiterten Karriere als Viehzüchter und ein paar mißglückten Bankfällen sucht Ben Tyler, der Cowboy aus Arizona, im Pferdehandel mit Kuba sein Glück. Doch auch hier scheint Ben vom Pech verfolgt. Denn als er in Havanna an Land geht, platzt er mitten in die Wirren des Spanisch-Amerikanischen Krieges – und gerät nach dem Duell mit einem spanischen Edelmann von einem haarsträubenden Abenteuer ins andere …

Das meint Krimi-Couch.de: »ein solider Garant für einige vergnügliche Lesestunden« 65°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Nachdem er als Viehzüchter ebenso gescheitert ist wie als Bankräuber, wird Ben Tyler der Boden in Arizona zu heiß. Daher kommt dem jungen Cowboy der Vorschlag eines Freundes sehr zupass: Charlie Burke braucht seine Hilfe, um eine Herde Polo-Pferde auf die Insel Kuba zu schaffen, wo sie der reiche Geschäftsmann Roland Boudreaux erwartet.

Was zunächst sehr vielversprechend beginnt, entpuppt sich vor Ort rasch als heikles Unternehmen. Man schreibt das Jahr 1898, und Kuba gleicht einem Pulverfass, das kurz vor der Explosion steht. Die spanische Kolonie wird durch bürgerkriegsähnliche Zustände erschüttert. Grosse Teile der einheimischen Bevölkerung kämpfen um die Unabhängigkeit der Insel, während das Mutterland die Aufstände erbarmungslos niederschlagen lässt. Als vermeintlich lachender Dritter beobachten die Vereinigten Staaten das Drama vor ihrer mittelamerikanischen Haustür. Die USA planen, sich Kubas unter dem Vorwand, den blutigen Auseinandersetzungen ein Ende zu bereiten, zu bemächtigen. Ein guter Grund für eine militärische Aktion ist rasch gefunden: Wenige Tage, bevor Ben und Charlie Kuba ansteuern, ist im Hafen von Havanna das US-Schlachtschiff »Maine«, das angeblich die Situation vor Ort »beobachten« sollte, wahrscheinlich durch eine Mine in die Luft gejagt und versenkt worden; viele amerikanische Matrosen haben dabei ihr Leben verloren, und in den USA verlangt die Bevölkerung, von einer kriegslüsternen Presse manipuliert und aufgehetzt, Vergeltung.

In dieser Situation treffen Ben und Charlie in Havanna ein. Ben hat inzwischen herausgefunden, dass sein Partner den Verdienst aus dem Pferdehandel aufzustocken gedenkt, indem er Waffen für die Aufständischen einschmuggelt. Ihm bleibt wenig Zeit, sich darüber Sorgen zu machen, denn beinahe sofort gerät er mit Teobaldo Bárbon, einem Angehörigen der »Guardia Civil«, einer militärischen Elite-Einheit der kubanisch-spanischen Regierung, aneinander. Außerdem wirft Ben ein Auge auf Amelia, die junge Geliebte ihres Auftraggebers Boudreaux, und diese findet durchaus Gefallen an dem jungen Cowboy.

Als Bárbon auf Ben losgeht, wird er von seinen Widersacher in Notwehr erschossen. Die »Guardia Civil« lässt Ben und Charlie kurzerhand ins berüchtigte Morro-Gefängnis werfen. Dort geraten die beiden in die Gewalt des brutalen Gardisten Lionel Tavalera, der von dem Waffenschmuggel erfahren hat. Inzwischen hat sich Amelia, die von Boudreaux genug ab, auf die Seite der kubanischen Freiheitskämpfer geschlagen. Sie kann diese überzeugen, einen Angriff auf das Gefängnis zu unternehmen. Der Überfall gelingt; mit Ben wird der Marine-Infanterist Virgil Webster befreit, einer der wenigen Überlebenden der »Maine«, den die Spanier als unerwünschten Zeugen beiseite geschafft haben. Die Revolutionäre wider Willen geraten nun endgültig in die Wirren eines Kampfes, dessen Teilnehmer quasi stündlich die Seiten wechseln und Verbündete rasch zu Feinden werden können …

Das Glück ist selten mit dem Tüchtigen

Elmore Leonard (geb. 1925) ist schon seit Jahrzehnten einer der bekanntesten und erfolgreichsten Schriftsteller der USA. Er ist berühmt für seine scheinbar simplen, dabei genial konstruierten Thriller und Kriminalgeschichten, seine treffsicheren, lakonischen Dialoge. Leonards Stil ist knapp, prägnant und präzise; in der Regel hat er seine Geschichte in weniger als 300 Seiten erzählt; eine angenehm altmodische Erscheinung in der Literaturszene, wo heutzutage jeder Quark gern allzu breit getreten wird.

Die Figuren sind keine Helden. Scheinbar farblose Zeitgenossen, Menschen wie du und ich, vom Leben schon ein wenig zerzaust, stehen im Mittelpunkt seiner Romane; Verlierer auf der Schattenseite des Amerikanischen Traums, die meinen, plötzlich einen Zipfel vom Glück in die Finger zu bekommen, letztlich aber meist scheitern, wobei Leonard sie jedoch mit einer gewissen Würde untergehen lässt.

Kuba und die USA – das ewige Trauerspiel

Kuba im Jahre 1898 – das ist nur auf den ersten Blick der Kampf einer Kolonie um ihre Unabhängigkeit. Die kubanischen Freiheitskämpfer haben niemals eine echte Chance. Schon lange vor dem Krieg ist durch Stärkere entschieden worden, was mit der Insel geschehen wird. Für die USA stellt sie seit jeher eine begehrenswerte Beute dar. Strategisch äußerst günstig vor der amerikanischen Ostküste gelegen, kann eine hier stationierte Flotte praktisch die gesamte Karibik beherrschen. Auch wirtschaftlich ist Kuba von Interesse – von hier aus wird beispielsweise ein Großteil des Welt-Zuckerbedarfs gedeckt, und schon im 19. Jahrhundert ist die Insel für ihren vorzüglichen Tabak berühmt.

Spanien würde sich von seiner einträglichen Kolonie niemals freiwillig trennen. Der Unabhängigkeitskampf kommt daher den USA wie gerufen. Der zwar bedauerliche, aber letztlich auch willkommene Verlust der »USS Maine« ist der Anlass, auf den man gewartet hat. Etwaige Einwände gegen eine militärische Intervention werden im Sturm patriotischer Vergeltungsrufe fortgeweht. Die US-Presse ruft praktisch zum Krieg auf; der mächtige Zeitungs-Zar William Randolph Hearst steuert sogar seine Privat-Yacht nach Kuba, um vor Ort den »nach Programm« ausbrechenden Krieg publizistisch auszuschlachten.

Der Militärmacht USA haben die spanischen Verteidiger wenig entgegen zu setzen. So wird Kuba rasch »befreit« und geht – wen hätte es überrascht – in den Besitz der Vereinigten Staaten über. Dort bleibt die Insel mehr als ein halbes Jahrhundert. In dieser Zeit entwickelt sie sich zu einem Tummelplatz korrupter Politiker, zwielichtiger Geschäftsleute und wird ein beliebter Urlaubsort für amerikanische Gangster vom Schlage Al Capones, bis einer neuen Unabhängigkeitsbewegung unter ihrem Anführer Fidel Castro Ende der 1950er Jahre das gelingt, was sechzig Jahre zuvor misslingen musste.

Cowboys stechen in See

Vor diesem farbigen Hintergrund spielt »Cuba Libre«. Der Autor betritt hier zum Teil Neuland. »Historisch« waren seine Western-Romane auch, die Parallelen zum vorliegenden Werk fallen sofort ins Auge: Ben Tyler und Charlie Burke sind waschechte Cowboys, die indes feststellen müssen, dass ihre große Zeit längst vorbei ist. So ziehen sie weiter, um ihr Glück dort zu suchen, wo Männer mit ihren Fähigkeiten auch an der Schwelle zum 20. Jahrhundert ihr Glück machen können. Allerdings geraten sie in Kuba rasch vom Regen in die Traufe, denn hier verfangen sie sich in den Fußangeln der »großen« Politik, die aus der Nähe betrachtet ein recht schmutziges Geschäft ist.

Krieg als Abenteuer?

Anders als beispielsweise »Schnappt Shorty« (»Get Shorty«, 1990) und die meisten anderen Romane Leonards fand das vorliegende Werk in den USA keine ungeteilte Begeisterung; die einen liebten das Buch, die anderen hassten es. Diese Kritik lässt sich nachvollziehen. Leonard ist für sein Talent berühmt, die Verrücktheiten der selbsternannten Eliten dieser Welt mit sarkastischem Witz zu kommentieren. Daher ist es seltsam, dass ihm der Spanisch-Amerikanischen »Krieg« nur als Kulisse für eine eigentlich recht beliebige Geschichte dient. Dabei geht Leonard durchaus auf die zahlreichen Absurditäten dieses Konfliktes ein und erwähnt beispielsweise die peinliche Tatsache, dass die Amerikaner trotz ihrer erdrückenden Übermacht den Kampf durch absolute Planlosigkeit, Ruhmsucht und die schiere Dummheit ihrer Befehlshaber um einige Tage verlängerten und wesentlich mehr Soldaten im Lazarett als auf dem Schlachtfeld sterben mussten, weil man vergessen hatte, die medizinische Betreuung der Verwundeten zu organisieren.

Leider vertieft Leonard solche vielversprechenden Ansätze nicht, sondern folgt lieber seinen Protagonisten, die verständnislos durch das Chaos dieses lächerlichen Krieges taumeln und dabei haarsträubende Abenteuer erleben. Unterhaltsam ist das aber auf jeden Fall, denn als gewiefter Routinier hält Autor Leonard die Fäden seiner Geschichte stets fest in der Hand. »Cuba Libre« ist kein Meisterwerk, aber ein solider Garant für einige vergnügliche Lesestunden!

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Abdel Álvarez Rodríguez zu »Elmore Leonard: Cuba Libre« 10.06.2005
ich bin ein Kubaner, der in Deutschland wohnt, ich finde die Erzählung als ein gutes Resümee der kubanischen Geschichte dieser Zeit aber es fehlt eine wichtige Information. Wie haben die Amerikaner Kuba für sich genommen? Kuba wurde USA verkauft, wie viel hat Kuba gekostet?....
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