Böses mit Bösem von Elliott Hall

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel The rapture: the innocent disappear first, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei dtv.

  • London: John Murray, 2010 unter dem Titel The rapture: the innocent disappear first. 377 Seiten.
  • München: dtv, 2011. Übersetzt von Barbara Ostrop. ISBN: 978-3423248563. 368 Seiten.

'Böses mit Bösem' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Isaac Taylor hingegen ist nicht verschwunden. Denn laut offiziellen Angaben hat er nie existiert. Doch das kann der Privatermittler Felix Strange nicht glauben – schließlich ist Isaac ein früherer Army-Kumpel gewesen, der Felix einst in Teheran das Leben gerettet hat, in einem der schlimmsten Abschnitte des Irankrieges. Was ist mit ihm geschehen? Sehr bald findet Felix heraus, dass Isaac nicht der Einzige ist. Im ganzen Land verschwinden Menschen – alte, junge, gute, böse – spurlos.

Das meint Krimi-Couch.de: »And Here It Comes, A New Dark Age« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

Auch beim zweiten Teil der Felix-Strange-Trilogie bleibt der dtv-Verlag bibeltreu, obwohl der Originaltitel The Rapture dies gar nicht nahelegt. Ein zutiefst sarkastischer Titel, denn von »Verzückung« ist die Welt, in der Felix Strange lebt, weiter entfernt als je zuvor.

Die fundamentalistischen Kleriker halten das Machtzepter weiterhin in festen Händen; der atomare Schatten des zerstörten Houston schwebt bedrohlich über den USA, der Vergeltungsschlag gegen den Iran ist völlig aus dem Ruder gelaufen – wie der infizierte Felix am eigenen Leib erfahren musste; Teheran wurde dem Boden gleich gemacht, dem Rest des Landes erging es nicht viel besser. Irgendwann zogen die Truppen ab; einige Soldaten lebten als traumatisierte, geistige und körperliche Wracks weiter, andere nahmen ihr vorheriges Leben unter anderen Begleitumständen wieder auf, und der Rest, wozu auch Felix Spezialeinheit gehört, stellt seine Fähigkeiten (Verhörtechnik, Folter, Entführung, Mord) ganz in den Dienst der neuen Machthaber. Was Felix Strange natürlich überhaupt nicht gefällt. Denn unter dem Deckmantel des Heimatschutzes und im Verbund mit einer obskuren Sicherheitsfirma wird ein Verdikt umgesetzt, das da lautet, dass man Gott ganz besonders beflissen dient, wenn man in ständiger Angst lebt. So wird aus der Suche nach einem verschwundenen Armeekameraden der Kampf gegen eine groß angelegte Kampagne, die auch vor staatlichen Vertretern nicht Halt macht. Eingeschlossen auch Angehörige des FBI; was besonders bitter für Felix ist, sorgt doch die Bundesbehörde, quasi als Dank für seinen Einsatz im Vorgänger, für regelmäßigen Medikamentennachschub, damit Strange seine rätselhafte und höchstwahrscheinlich todbringende Krankheit im Griff behält.

Böses mit Bösem löst das Versprechen ein, das Den ersten Stein gegeben hat. Hall erschafft erneut ein beklemmendes und in sich geschlossenes Universum, in dem seine Charaktere, getrieben von ihren jeweiligen Interessen, höchst überzeugend agieren. So agiert Felix Strange zwar wieder als hartnäckiger und integrer Detektiv, der sich maulwurfsgleich Schicht um Schicht durch die Machenschaften eines perfiden Regierungsapparates gräbt, der aber in Armeezeiten selbst freiwilliger, wenn auch zweifelnder, Handlanger der Schergen dieses Systems war. So gewinnt Felix eine wohltuende Ambivalenz, die sich auch in seinen folgenden Aktionen und Gedanken niederschlägt. Ähnliche Brüche sind aber bei allen Figuren Halls möglich, was der Spannung und den Entwicklungsmöglichkeiten sehr zuträglich ist. Er bricht sich dabei keine unwahrscheinlichen Wendungen aus dem Kreuz, nur um der Dramaturgie zu dienen. Was auch und insbesondere für die Handlung und das Setting zutrifft.

Elliott Halls Dystopie ist deshalb so beklemmend, weil er seine Fiktion eines dem christlichen Fundamentalismus anheimgefallenen Amerika nur haarscharf neben reellen Gegebenheiten und Denkungsweisen platziert, seine Quellen, zumindest in Kürze, nennt. So ist die sinistere Security-Firma »Fisher Partners« das literarische Äquivalent zur realen und höchst suspekten »Academi« (früher »Blackwater Worldwide«), deren drakonische Irak-Aktivitäten ebenfalls Niederschlag im Roman finden. Das Parallel-Universum in dem sich Felix Strange zwischen Entsetzen und dem Wunsch das Richtige zu tun, um die Welt vielleicht doch noch in einen besseren Ort zu verwandeln, bewegt, ist von nachvollziehbarer Logik und Geschlossenheit. Die harte, zum Ende hin auch aktionsreiche Kriminalhandlung steht gleichberechtigt neben den gesellschaftskritischen und –philosophischen Elementen und wirkt zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt. Hall nutzt die Mechanismen des hardboiled Genres noch gekonnter als im Vorgänger, erweitert sie u.a. um Schilderungen aus einem (selbst)zerstörerischen Krieg und gibt einer Verschwörungstheorie die Grundlage, die darauf hinausläuft, dass die Gottesliebe umso größer ist, je mehr die liebenden Schäfchen in Furcht leben. Erleichtert zudem das Regieren und Bereichern. Potenzieller Widerstandsbewegungen werden ausgelöscht, bevor sich Widerstand überhaupt regt.

Böses mit Bösem ist die erhoffte Steigerung zum bereits sehr guten Vorgänger, eine eigenständige, dramatische und von finsterer Komik durchsetzte Krimi-Variante, die sich weit vom mausgrauen Mainstream absetzt. Hier sind die (ideellen) Serienkiller noch wirklich erschreckend.

21.05.2011. »The Rapture« (hier vermutlich im Sinne von »Entrückung«) ist gerade noch einmal an uns vorüber gegangen. Harold Camping, Chefredakteur des kalifornischen Family Radio, sagte voraus, dass 3% der Weltbevölkerung im Zuge der »Rapture« nach einem gewaltigen Erdbeben gen Himmel fahren würden, um dem definitiven Ende der Welt ein halbes Jahr später zusehen zu dürfen.

Nicht weit entfernt treffen wir Newt Gingrich, immerhin möglicher Präsidentschaftskandidat der Republikaner bei den nächsten Wahlen, der mit einem Schreckensszenario aufwartet, das ein neues dunkles Zeitalter heraufbeschwört. Gewisse Schurkenstaaten (zu denen auch der Iran gehört) lassen in Kansas eine Atombombe explodieren. Millionen werden sterben. One Second After. Gingrich Spezi (und gelegentlicher Co-Autor) William Forstchen hat einen Roman darüber geschrieben. Alternative zum Anbruch der Finsternis: Gingrich wird´s richten. Kommt bekannt vor?

Elliott Hall ist schon ein Guter.

Jochen König, Januar 2012

Ihre Meinung zu »Elliott Hall: Böses mit Bösem«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

katja zu »Elliott Hall: Böses mit Bösem« 18.09.2011
Die ersten 30-40 Seiten sind spannend und gut geschrieben, das Protokoll am Anfang, mal was komplett anderes ist spannend und macht Hoffnungen auf ein spannendes Buch, auch die folgenden Schilderungen der Zustände im HEUTE sind spannend geschrieben, sie haben mich noch gefesselt.Dann der Wechsel in die Zeit von vor 10 jahren und damit fiel das Buch ins Bodenlose ab,ein schwer lesbarer Teil beginnt,der durch Kriegsschilderungen unnötig gestreckt wird und mich echt belastet hat, es wird leider aber nicht besser. Das Verschwinden von Isaac Taylor hat mich mittlerweile,angekommen auf Seite 90,überhaupt nicht mehr interessiert, es ist einfach nur langweilig, düster, zäh und ein für mich typisches amerikanisches Buch,das mir leider komplett missfällt.

Ab Seite 120 habe ich es weggelegt, es ging einfach nicht mehr. Es passiert nicht oft, das ich Bücher weglege, hier ließ es sich nicht vermeiden. Es war ein Qual für mich, vielleicht beginne ich irgendwann mit einem neuen Anlauf, momentan aber kann ich nur sagen, dieses Buch ist nicht mein Geschmack,auch wenn der Themenansatz sicherlich sehr gut und gerade in der heutigen Zeit brandaktuell ist,vor allem in einem Land wie die USA.
Moehrchen zu »Elliott Hall: Böses mit Bösem« 08.09.2011
Nach dem Tag X...

Houston wurde von einer Atombombe zerstört und christliche Fundamentalisten haben daraufhin die Macht in den USA übernommen. Felix Strange ein Kriegsveteran arbeitet nun als Privatdetektiv und versucht seinen verschwundenen alten Kriegskameraden Isaac Taylor zu finden. Laut den offiziellen Datenbanken existiert Isaac Taylor nicht einmal. Felix macht sich auf die Suche nach Isaac und sticht in ein Wespennest...

Das Buch spielt in der nahen Zukunft. Alles ist, wie wir es kennen, bis auf die Tatsache, dass in den USA die christlichen Fundamentalisten an der Macht sind. Eine wirklich erschreckende Vorstellung. Der Autor versteht es, wie ich finde sehr gut, dieses Szenario zu beschreiben. Man kann sich ohne Probleme vorstellen, dass es wirklich so sein könnte aber man wünscht sich das ganz sicher nicht.

Mit Felix Strange hat Elliott Hall einen Protagonisten erschaffen, der versucht gegen die Ungerechtigkeit zu kämpfen und damit sehr schnell überall aneckt. Strange ist aus dem Krieg mit einer Krankheit zurückgekehrt, die bis dahin völlig unbekannt war und es größtenteils immer noch ist. Die Krankheit wird totgeschwiegen und nur durch Zufall hat man einen Medikamentencocktail entdeckt, der die Symptome lindert. Strange hält dies aber nicht davon ab, seinem Beruf als Privatdetektiv nachzugehen. Ein, wie ich finde, sehr sympathischer Held oder sollte man eher sagen Antiheld?

Das Buch ist kein Buch, das man schnell runter lesen kann. Die Story erfordert schon etwas Konzentration und man braucht auch ein wenig bis man im Buch drin ist - unter anderem könnte es auch daran liegen, dass ich den ersten Band nicht kenne und somit fehlte mir die Vorgeschichte. Ich lese eigentlich keine Politthriller aber dieses Buch fand ich wirklich gut und es hat mich sofort gepackt. Unter andrem liegt die Faszination für mich darin, dass das Buch nicht im hier und jetzt spielt sondern, wie ich finde, in einer gar nicht so unrealistischen Zukunft. Manchmal, das muss ich zugeben, war ich etwas verwirrt ob der vielen Namen aber das legt sich im Laufe des Buches.

Bei diesem Buch handelt es sich um den zweiten Teil. Ich hab den ersten Teil nicht gelesen aber ich würde jedem empfehlen dies vor dem Lesen dieser Fortsetzung zu tun. Es werden einfach zu viele Dinge erzählt, die im ersten Band passiert sein müssen. Der Schluss des Buches lässt auf eine Fortsetzung hoffen, auf die ich schon sehr gespannt bin.

Ein wirklich guter Politthriller mit einem (Anti)-Helden der sich trotz aller Widrigkeiten nicht aufgibt. Möge dieser Roman nie Wirklichkeit werden...
subechto zu »Elliott Hall: Böses mit Bösem« 02.09.2011
Was wäre wenn...

Nach einem Atombombenangriff auf Houston haben in den USA christliche Fundamentalisten die Macht übernommen und aus Rache einen Krieg gegen den Iran geführt. Es gibt eine Moralpolizei und einen Ältesten Rat. In Wirtschaft und Politik haben nur noch Männer das Sagen. De facto ist die Kirche an der Macht. Amerika ist eine Diktatur geworden!

Privatermittler Felix Strange, der nach einem militärischen Einsatz in Teheran an einer seltsamen Krankheit leidet, wird von der Geheimpolizei an einem unbekannten Ort verhört. Isaac Taylor, ein ehemaliger Kampfgefährte von Strange ist verschwunden, aber angeblich hat er nie existiert!

Man sollte sich schon ein bisschen auskennen mit dem Islam, der Scharia und dem Extremismus der in manchen Ländern herrscht, um diese gelungene Projektion wirklich zu verstehen. Ein erschreckendes Szenario, das Elliott Hall sich da ausgedacht hat!

Denn warum sollten Menschen 'nur' im Iran oder Irak verschwinden? Dasselbe passiert in Hall‘s USA: sowohl Isaak als auch Iris und viele andere sind spurlos verschwunden, scheinbar ohne erkennbares Muster. Doch was hat die geheimnisvolle Cassandra damit zu tun?

Leider hat die Leseprobe mehr versprochen als das Buch. In Rückblenden werden immer wieder Szenen aus dem Irankrieg geschildert. Einerseits ist das für das Verständnis sicher nötig, da wir einigen Personen - Freund wie Feind - in der Gegenwart erneut begegnen. Aber mir war das streckenweise zu detailliert.

„Böses mit Bösem“ ist der 2. Teil einer Trilogie, was mich etwas gestört hat, weil ich den 1. Teil, „Den ersten Stein“, nicht gelesen habe, dieser aber wohl zum besseren Verständnis beigetragen hätte. Dennoch hat der Autor m.E. einen genialen Politthriller geschrieben, wenn auch mit ziemlich viel Gewalt und Action. Und so bin ich schon gespannt, wie es mit Felix, Benny und den anderen weitergeht...
Ihr Kommentar zu Böses mit Bösem

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: