Der verschwundene Revolver von Ellery Queen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1933 unter dem Titel The American gun mystery, deutsche Ausgabe erstmals 1962 bei Signum.

  • New York: ?, 1933 unter dem Titel The American gun mystery. 154 Seiten.
  • Gütersloh: Signum, 1962. Übersetzt von Heinz F. Kliem. 154 Seiten.

'Der verschwundene Revolver' ist erschienen als

In Kürze:

Der alternde Star einer Western-Show wird vor 20.000 entsetzten Fans niedergeschossen. Unter den Zuschauern: Ellery Queen, Kriminalschriftsteller und Amateurdetektiv. Mit seinem Vater, Inspektor Richard Queen, beginnt er seine Ermittlungen, die sich dieses Mal besonders schwierig gestalten, denn es gibt kein Motiv und keine Mordwaffe, aber viele Verdächtige – und bald die nächste Leiche nach exaktem Muster.

Das meint Krimi-Couch.de:

Buck Horne ist noch ein echter Westmann, ein Zeitgenosse Billy the Kids und anderer zweifelhafter Helden. Aber der Wilde Westen ist tot. Buck ins Showbusiness gegangen. Filmstar ist er gewesen, doch nun wird er alt. Der Ruhestand liegt ihm nicht; er hat seinen alten Freund »Wild Bill« Grant gebeten, ihn in dessen berühmter Rodeo-Show auftreten zu lassen, die gerade im Kolosseum in New York gastiert.

Der alte Haudegen wird begleitet von seiner Pflegetochter Kit, die ein Auge auf ihn werfen soll. Das ist auch gut so, denn Hornes Auftritt an prominenter Stelle sorgt für viel Unmut im übrigen Ensemble, das sich zurückgesetzt fühlt. Besonders der einarmige Cowboy Woody wird dabei beobachtet, wie er wüste Drohungen ausstößt.

Kit ist abgelenkt, denn der schneidige Curly, Wild Bills Sohn, macht ihr den Hof. Ihm stellt wiederum die berühmt-berüchtigte Filmschauspielerin Mara Gay nach, die mit dem zwielichtigen Nachtclub-Besitzer Julian Hunter verheiratet ist. Buck Horne ist froh, den Wirren hinter den Kulissen ins Rampenlicht zu entkommen. Dort trifft ihn allerdings eine Kugel mitten ins Herz, als er eine 40-köpfige Horde wüst feuernder Cowboys anführt.

20.000 entsetzte Zuschauer haben es gesehen. Unter ihnen: Inspektor Richard Queen und sein Sohn Ellery, Kriminalschriftsteller und Amateurdetektiv, der dem Vater auch dieses Mal zur Seite steht. Die Ermittlungen bringen einige dunkle Punkte aus Old Bucks Vergangenheit ans Tageslicht. Das gilt auch für die übrigen Verdächtigen. Nur ein echtes Motiv findet sich nicht. Was noch schlimmer ist: Die Mordwaffe ist verschwunden, obwohl Inspektor Queen sogar die Zuschauer durchsuchen lässt.
So bleibt ihm nichts übrig als nach einigen Wochen das Kolosseum wieder die Pforten öffnen zu lassen. Wild Bills Show startet zum zweiten Anlauf – und wieder fällt ein Schuss aus der unsichtbaren Waffe. Dieses Mal trifft es den alten Woody, aber endlich hat der Mörder einen Fehler gemacht …

Mehr als vier Jahrzehnte umspannt die Karriere der Vettern Frederic Dannay (alias Daniel Nathan, 1905-1982) und Manfred Bennington Lee (alias Manford Lepofsky, 1905-1971). 1928 debütierten sie mit »The Roman Hat Mystery«. Dieses war auch das erste Abenteuer des Gentleman-Ermittlers Ellery Queen, dem noch viele, viele weitere folgen sollten. »Der verschwundene Revolver« ist das sechste der »1. Queen-Periode«, die neun Romane der Jahre 1929 bis 1935 umfasst, welche stets das Wort »Mystery« im (Original-)Titel tragen.

Es sind klassische »Wer war es?«-Krimis, zum Mitraten konzipiert. »The American Gun Mystery« macht da keine Ausnahme. Der Leser weiß stets genauso viel (oder wenig) wie Ellery Queen. Freilich sind dieses Mal einige der zu erschließenden Fakten so bizarr (sie sollen hier natürlich nicht verraten werden), dass dieser beim besten Willen nicht darauf kommen wird. Der Purist wird das Finale deshalb sogar als »unfair« bezeichnen.

Ungewöhnlich ist auch die Kulisse: Der Wilde Westen, das scheinbar ursprüngliche Amerika, wird in die große Stadt transportiert. Doch selbst Buck Horne, der ihn noch real erlebt hat, weiß um sein Verschwinden. Alles ist nur noch Show und transportiert einen Westen, wie ihn längst Hollywood neu erschaffen hat. Trotzdem ist die gewählte Umgebung eine angenehme Abwechslung vom immer gleichen, einsamen Landhaus, in dem eine Gruppe Verdächtiger und Mörder aufeinander hocken, bis sie vom Detektiv sortiert werden.

Solche Zugeständnisse sind wichtig, da »Der verschwundene Revolver« ansonsten nicht gerade zu den besten Ellery Queen-Werken gehört. Zwar steht es immer noch wahrlich turmhoch über den meisten anderen Krimiwerken seiner Zeit, aber es teilt das grundsätzliche Problem zumindest der frühen Queen-Romane: Die Handlung kann dem Plot nicht das Wasser reichen, sie ist langsam, wirkt schematisch.

Veränderte Lesegewohnheiten mögen ihren Teil dazu beitragen. Irritierend (aber auch innovativ) wirkt heute der Schluss. Er erzählt nicht die typische finale Konfrontation von Detektiv, Verdächtigen und Schuldigen, sondern setzt plötzlich einige Monate später ein, als die Ereignisse bereits Vergangenheit sind. Ellery Queen erzählt die Auflösung einem Freund. Freilich gibt dem Leser dieser Kunstgriff die Möglichkeit zu vergleichen, ob er (oder sie) mit Hilfe der dargelegten Fakten zu denselben Schlüssen gekommen ist.

Ellery Queen tritt hier noch als das »ausgestopfte Hemd« auf, wie ihn die angelsächsische Kritik so reizvoll wie zutreffend charakterisierte. Er ist ein blasierter junger Mann mit Hausdiener und Monokel, der sich stets überlegen gibt und mit seinem Wissen knausert bis zur triumphalen Offenlegung des Falls. Allerdings kann es dabei zu unerwarteten Zwischenfällen kommen; auch hier siegt die Gerechtigkeit auf recht bittere Weise. Ellery ist das durchaus bewusst. Solche für einen Gentleman-Detektiv eher ungewöhnlichen Anwandlungen werden den »späten« Ellery Queen noch oft ankommen und ihn wesentlich menschlicher wirken lassen.

Vater Richard Queen wird stets als ausgefuchster Polizist hingestellt, der sich nicht für dumm verkaufen lässt. Tatsächlich wirkt er eher wie ein netter, alter, meist ratloser Mann, dessen raunzige Freundlichkeit offenbar die behauptete Tüchtigkeit ersetzen soll. Vielleicht liegt es daran, dass wir ihn niemals bei der »normalen« Polizeiarbeit sehen, sondern stets in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Ellery, was einen vertrackten Kriminalfall außerhalb der Norm signalisiert.

Die übrigen Figuren entsprechen in ihrer charakterlichen Eindimensionalität dem Standard des »Whodunits«, der halt primär auf »den Fall« und dessen Auflösung zentriert ist. Hier haben wir also anachronistische Cowboys, die auf Schritt und Tritt markige Naturverbundenheit verbreiten und dabei auf erheiternde Weise lächerlich wirken. Nachtclub-Besitzer und Sportveranstalter sind stets so zwielichtig wie es ihre im realen Verbrechen wirkenden Berufskollegen ganz bestimmt nicht sind. Ein weiblicher Filmstar muss selbstverständlich auch außerhalb des Kameralichts wie die leibhaftige Sünde auftreten.

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