Wo kein Zeuge ist von Elizabeth George

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel With No One as Witness, bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 13 der Thomas-Lynley-und-Barbara-Havers-Serie.

  • New York: HarperCollins, 2005 unter dem Titel With No One as Witness. ISBN: 0060798459. 630 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2006. ISBN: 978-3-7645-0165-5. 787 Seiten.
  • : Blanvalet, .

'Wo kein Zeuge ist' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Thomas Lynley und Barbara Havers ermitteln in ihrem 13. Fall. Es wird ihr bislang härtester werden. Und er wird ihr Leben von Grund auf verändern …Ein Teenager wird tot auf einem Grabstein in London aufgefunden – alles scheint auf einen Ritualmord hinzuweisen. Als man Thomas Lynley und Barbara Havers von New Scotland Yard den Fall überträgt, ist soeben klar geworden, dass ein brutaler Serienmörder bereits sein viertes Opfer gefunden hat. Brisant ist, dass die ersten drei Opfer alle dunkler Hautfarbe waren. Doch warum reagiert die Polizei erst jetzt? Rassendiskriminierung, so lautet der Aufschrei der empörten Öffentlichkeit. Die forensischen Untersuchungen lassen keinen Zweifel: alle Morde tragen dieselbe Handschrift. Welche Gemeinsamkeit verbindet aber die Opfer? Barbara Havers, degradiert wegen eigenmächtigen Handelns, stößt auf eine erste heiße Spur. Doch der Tod eines fünften Jungen weicht vom Muster ab. Waren Lynley und Havers auf der falschen Fährte? Hat der Killer seinen modus operandi verändert – oder hat ein Nachahmungstäter zugeschlagen? Trotz fieberhafter Ermittlungen kann die Polizei den verstörenden Verlauf des Falles nicht verhindern. Und Lynley wird mit der größten persönlichen Tragödie seines Lebens konfrontiert... 

Leseprobe

Das meint Krimi-Couch.de: »Lynley auf ganz neuem Terrain« 83°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Dass die Existenz von Serienkillern nicht nur den USA vorbehalten ist, das ist hinlänglich bekannt. Val McDermid zeigt mit ihren Profiler-Krimis par excellence, dass Good Old England nicht ganz so beschaulich ist, wie andere Autoren dies zuweilen vermitteln möchten. Elizabeth George betritt damit jedoch neues Terrain, war es ihrem Superintendent doch bisher vorbehalten, Einzeltäter mit einem relativ klaren Motiv aufzuspüren. Doch nun zieht eine Reihe von Mordfällen das Augenmerk der Bevölkerung auf sich.

Die Leichen von vier Jugendlichen wurden bisher gefunden, doch die einzelnen örtlichen Polizeistationen, in deren Distrikte die Opfer aufgefunden wurden, hatten bisher keinen Zusammenhang gesehen und die Fälle nach kurzer Ermittlungszeit zu den Akten gelegt, da es sich bei den ersten drei um gemischtrassige Jungen handelte (was natürlich nicht offiziell als Begründung diente). Erst beim vierten Mord wird Scotland Yard in Person von Superintendent Lynley und seinem Team eingeschaltet. Dieser agiert im Moment kommissarisch als Chief Superintendent, da sein Chef noch nicht von seiner Schussverletzung genesen ist.

Probleme über Probleme

Sein derzeitiger Chef, Assistant Commissioner Hillier, vermutet zurecht, dass die Presse der Londoner Polizei die Hölle heiß machen wird. Um dem entgegenzutreten und die Journalisten ruhig zu stellen, benutzt er einen Mitarbeiter aus Superintendent Lynleys Team, den schwarzen Detective Sergeant Winston Nkata (übrigens frisch befördert), und lässt ihn bei jeder Pressekonferenz als Alibi-Schwarzen auftreten. Ferner zieht er ohne Absprache mit seinem leitenden Beamten eine Art Profiler hinzu. Mit einem weiteren, seiner Ansicht nach genialen Schachzug, will er die Berichterstattung lenken und lädt einen Journalisten ein, die Ermittlungen hautnah mitzuverfolgen. Lynley fällt es immer schwerer, einen kühlen Kopf zu bewahren und Hillier nicht persönlich anzugreifen.

Eine Spur führt zu einem Jugendzentrum, in dem straffällig gewordene Jugendliche resozialisiert werden sollen. Die Zeit drängt, denn schon wird eine fünfte Leiche gefunden, die den Beamten jedoch noch mehr Rätsel aufgibt. Der Täter scheint von seinen bisherigen Ritualen abgewichen zu sein.

Das Buch wiegt für zwei

Martin Suter sagte unlängst in einem Interview in ttt: »Schreiben hat sehr viel damit zu tun, Dinge wegzulassen, zu abstrahieren.« Elizabeth George sieht dies offensichtlich anders. Bei oberflächlicher Betrachtung möchte man meinen, sie hätte sich vorgenommen, jeweils die Länge ihres vorherigen Buches zu übertreffen. Lange hält die Autorin dies jedoch nicht mehr durch oder die Leser bleiben weg, denn jetzt schon jetzt klagen sogar Fans über die Weitschweifigkeit. Mit 795 Seiten (der Vorgängerband Wer die Wahrheit sucht umfasste 734 Seiten) wiegt dieses Buch soviel wie zwei und entsprechend lange liest man daran. Erstaunlicherweise macht sich keine Langeweile breit, zumindest nicht für den, der den Whodunits englischer Tradition zugeneigt ist, obwohl sich die Ermittlungen in die Länge ziehen.

Immerhin bietet uns die Amerikanerin sechs Leichen und einen Profiler in einer Nebenrolle. So schreibt man einen Serienkiller-Krimi auf die langsame Art, ganz anders als die bereits erwähnte Val McDermid, die viel rasanter und direkter an dieses Thema herangeht (siehe ihre Tony Hill/Carol Jordan-Reihe, die schließlich auch in England spielt). Hier gehen die Uhren noch anders. Die detaillierte Erzählweise basiert auf jeden Fall nicht auf tausenden von Nebensächlichkeiten, sondern dient dazu, die Charaktereigenschaften der einzelnen Personen von verschiedenen Seiten gründlich zu beleuchten.

Ich schätze, auch dieses Buch aus der Lynley/Havers-Reihe wird polarisieren. Eines ist klar: Es ist wirklich nur für geduldige Leser geeignet, doch außer der Länge gibt es meines Erachtens nur noch einen Kritikpunkt, der etwas schwerer wiegt: Ein Überraschung gelingt der Autorin bei der Enthüllung des Täters nämlich nicht wirklich, die Auswahl bei den Verdächtigen ist einfach zu gering. Ansonsten bietet sie wieder einmal ihre Erzählkunst auf und schildert das persönliche Schicksal ihres Protagonisten sehr anrührend und ebenso eindringlich wie das Unglück der Opfer.

Sabine Reiss, August 2006

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RobRaven zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 03.11.2014
Alles in Allem eine sehr lesenswerte Geschichte.
Ärgerlich sind dann immer wieder auftretende Schreibfehler.
Wie z.B. auf Seite 151 letzter Absatz, wo er die Milch aus der "MIRKOwelle nimmt und es wenig später an der HAUtüre klingelt.
Es kann ja mal passieren, aber das gute alte Korrekturlesen ist wohl aus der Mode.
sawil zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 09.09.2014
Ich finde das Buch ist spannend und wird auch trotz der länge nicht langweilig.
Die Andeutung der Tragödie auf dem Klapptext fand ich allerdings viel zu offensichtlich. Auch das Ende gefiel mir nicht, aber die Protagonisten und deren Lebensumstände werden meiner Meinung nach sehr gut beschrieben, so dass es leicht ist sich in die Personen einzufühlen.
Livenfly zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 15.12.2012
Ich verstehe nicht, warum die Anzahl der Seiten ein Negativ Kriterium darstellen soll - zumindest nicht, wenn diese Seiten von EG geschrieben werden. Ich freue mich besonders auf dicke Bücher, sind sie doch Garant für viele kurzweilige Lesestunden !
Wegen des Ausgangs des Buches war ich jedoch jahrelang im EG Boykott, der erst vor kurzem beendet wurde.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
kianan zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 09.07.2012
Insgesamt sehr spannend und einfallsreich geschrieben und daher empfehlenswert. Jedoch hat es mich sehr geärgert, dass allen noch so kleinen Hinweisen sofort nachgegangen wird - nur nicht ob ein Einbruch gemeldet wurde, bei dem Silbergegenstände (die bei einem Mordopfer gefunden wurden) geklaut wurde. Die Einbruchsopfer haben sich sehr viel später von selber gemeldet. Das hätte sicherlich 20 - 30 % des Buches "gespart" und damit wäre mein einziger, aber "punkteabzugsfähiger" Kritikpunkt des etwas Langwierigem weggefallen.
Reinhard zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 20.07.2011
Die Redaktion der Krimi-Couch scheint den Kommentar von Mana dankenswerterweise gelöscht zu haben. Auch ich bin darüber gestolpert und habe mich sehr geärgert. Zu Manas Gunsten will ich mal annehmen, dass er/sie den Hinweis, den Täter nicht vorab zu verraten, übersehen oder im Eifer des Gefechts nicht daran gedacht hat.Das Buch selber hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen. Das Thema Serienmord ist sorgfältig und ohne übermäßige Effekthascherei behandelt. Zwei Punkte aber stören mich doch:1) Das modische Eindreschen auf die Pädophilen. Barbara Havers bezeichnet sie als "Monster", "Stück Dreck" und ähnliches, und die Autorin unternimmt nichts, sich von diesen Äußerungen zu distanzieren. Auch ein Pädophiler ist ein Mensch, der sich - wie jeder andere auch - seine Veranlagung nicht selber ausgesucht hat. Wie er damit umgeht, ist eine andere Sache. Um Missverständnisse zu vermeiden: ich selbst bin nicht pädophil. Nicht, weil ich so moralisch wäre, sondern einfach, weil ich diese Neigung nicht besitze, was nicht im Mindesten mein Verdienst ist.2) Der Zufall spielt eine zu große Rolle. Nicht nur, dass der Zauberkünstler mehr oder minder zufällig ins Gesichtsfeld der Ermittler gerät. Noch unglaubwürdiger finde ich die Rolle der Person, die in Kapitel 30 verhaftet wird. Das ist nicht jemand, der durch die Fahndung selber ins Visier der Polizei geraten wäre, sondern jemand, der aus gänzlich anderer Richtung auftaucht und sich dann am Ende, welch Überraschung, als wichtige Gestalt im Umkreis der Taten herausstellt. So etwas kommt in Büchern recht häufig vor. Leider nur dort.
Chrkri zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 11.07.2011
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, obwohl ich leider vorher den Kommentar von Mana gelesen habe, indem sie/er die Auflösung bekanntgibt. Wer sich die Spannung erhalten will bitte Manas Ergüsse nicht lesen.
Das :
"Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten "dürfte sie/ er nicht gelesen bzw. absichtlich ignoriert haben.
So was ist absolut ärgerlich, ich werde keine Kommentare der krimi-couch mehr lesen, bevor ich mit dem Buch fertig bin, was eigentlich dem Zweck entgegenspricht.
Kasia zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 27.02.2011
Ich wundere mich oft über die Bewertungen der anderen Leser. Manchmal kommt es mir vor, als hätte ich ein ganz anderes Buch gelesen.
Denn "Wo kein Zeuge ist" ist definitiv einer der "besseren" Elisabeth George-Romane und Inspector-Lynley-Havers-Fälle.
Ich habe die fast 800 Seiten in 2,5 Tagen durchgelesen und war wie ein Junkie auf Entzug, wenn ich mal eine (Essens-/Schlafens-) Pause einlegen MUSSTE. Ich konnte jeden Satz, jede Situation nachempfinden und mich in den Fall hinein versetzen.
Die Geschichte mit den ermordeten Jungen war für mich sehr ergreifend und packend. Dazu noch die persönlichen Probleme von Havers und die von Lynley. Schade, dass meine Vorgängerin sich über den Tod einer der Nebenpersonen "gefreut" hat. Ich fand die Dame immer ziemlich "erfrischend" und sie tat dem Inspektor ziemlich gut.
Zum Glück sind die Geschmäcker ja verschieden. Für meinen persönlichen "besten" Elisabeth George gebe ich 90°
Carmen zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 23.09.2010
Ich finde diesen Roman eher bescheiden in der Lynley-Havers-Reihe, aber man muss Mrs. George wirklich dankbar sein, dass eine bestimmte Person endlich das Zeitliche gesegnet hat. Dieser Mensch ist mir wirklich von Beginn an mit dem zickigen und pseudosozialen Getue gegen den Strich gegangen. Es kann jetzt also wieder besser werden. Und überhaupt - wahre Verbundenheit kann es eh nur zwische Lynley und Havers geben. Ihr werdet`s sehen!!
Uwe zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 31.03.2010
Ich kenne viele Örtlichkeiten aus diesem Krimi prsönlich und bin immer wieder fasziniert, wie genau die Beschreibungen von George sind. Sie fängt wirklich jedes Körnchen Stimmung ein. Fliegen Sie nach London, lesen Sie eine der Tatorbeschreibungen und suchen Sie dann den Ort auf. Es wird Ihnen vorkommen, als wären Sie schon dort gewesen. Soviel zur Detailverliebtheit, die hier manche Kritiker stört. Ebenfalls fasziniert hat mich, wie hier ein schmerzhafter Verlust beschrieben wird. Dieses Loch, die Leere, das Nie-Wieder. Dass das Buch nebenbei noch ein spannender Krimi ist, ist für mich hier nur eine Draufgabe.
marco zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 31.10.2009
dieser fall wird nicht nur der tiefpunkt im leben von inspektor lynley, sonder ist auch der bisherige tiefpunkt in der schriftstellerischen arbeit von frau george! es tut mir sehr leid, aber ich kann die zum teil sehr positive bewertung überhaupt nicht nachvollziehen. ich bin der festen überzeugung, wäre dies das erstlingswerk eines autors, kein verlag hätte es gedruckt!
wie kommt es, dass eine autorin, die einige erstklassige romane verfasst hat auf einmal einen solchen flop hinlegt? ein thriller über einen serienkiller verlangt nun mal einen anderen stil, als eine klassische who-done-it-novel. die große stärke von frau george, ein familiendrama aus unterschiedlichen blickwinkeln zu beleuchten, geht hier nicht auf. stattdessen wird ein temporeicher stil verlangt und eine handlung, die auch schonmal eine überraschende wendung nimmt. beides ist nicht die sache von elisabeth george. stattdessen beschreibt sie mit brutaler langatmigkeit jedes detail der ermittlungsarbeit und "foltert" den leser mit kleinlichen ränkespiele bei scotland yard (die angesichts des ernst der lage nicht sonderlich realistisch wirken). man kann nur hoffen, dass frau george bald wieder zu ihrer alten stärke zurück findet.
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