Wo kein Zeuge ist von Elizabeth George

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel With No One as Witness, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / England / London, 1990 - heute.
Folge 13 der Thomas-Lynley-und-Barbara-Havers-Serie.

  • London: Hodder & Stoughton, 2005 unter dem Titel With No One as Witness. 584 Seiten.
  • New York: HarperCollins, 2005. 630 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2006. Übersetzt von Ingrid Krane-Müschen, Michael J. Müschen. ISBN: 978-3-7645-0165-5. 800 Seiten.
  • München: Goldmann, 2008. Übersetzt von Ingrid Krane-Müschen, Michael J. Müschen. 800 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Random House Audio, 2006. Gesprochen von Sabine Postel. Gekürzte Fassung. Regie: Sabine Buß. ISBN: 3866042981. 8 CDs.

'Wo kein Zeuge ist' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Thomas Lynley und Barbara Havers ermitteln in ihrem 13. Fall. Es wird ihr bislang härtester werden. Und er wird ihr Leben von Grund auf verändern …Ein Teenager wird tot auf einem Grabstein in London aufgefunden – alles scheint auf einen Ritualmord hinzuweisen. Als man Thomas Lynley und Barbara Havers von New Scotland Yard den Fall überträgt, ist soeben klar geworden, dass ein brutaler Serienmörder bereits sein viertes Opfer gefunden hat. Brisant ist, dass die ersten drei Opfer alle dunkler Hautfarbe waren. Doch warum reagiert die Polizei erst jetzt? Rassendiskriminierung, so lautet der Aufschrei der empörten Öffentlichkeit. Die forensischen Untersuchungen lassen keinen Zweifel: alle Morde tragen dieselbe Handschrift. Welche Gemeinsamkeit verbindet aber die Opfer? Barbara Havers, degradiert wegen eigenmächtigen Handelns, stößt auf eine erste heiße Spur. Doch der Tod eines fünften Jungen weicht vom Muster ab. Waren Lynley und Havers auf der falschen Fährte? Hat der Killer seinen modus operandi verändert – oder hat ein Nachahmungstäter zugeschlagen? Trotz fieberhafter Ermittlungen kann die Polizei den verstörenden Verlauf des Falles nicht verhindern. Und Lynley wird mit der größten persönlichen Tragödie seines Lebens konfrontiert... 

Leseprobe

Das meint Krimi-Couch.de: »Lynley auf ganz neuem Terrain« 83°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Dass die Existenz von Serienkillern nicht nur den USA vorbehalten ist, das ist hinlänglich bekannt. Val McDermid zeigt mit ihren Profiler-Krimis par excellence, dass Good Old England nicht ganz so beschaulich ist, wie andere Autoren dies zuweilen vermitteln möchten. Elizabeth George betritt damit jedoch neues Terrain, war es ihrem Superintendent doch bisher vorbehalten, Einzeltäter mit einem relativ klaren Motiv aufzuspüren. Doch nun zieht eine Reihe von Mordfällen das Augenmerk der Bevölkerung auf sich.

Die Leichen von vier Jugendlichen wurden bisher gefunden, doch die einzelnen örtlichen Polizeistationen, in deren Distrikte die Opfer aufgefunden wurden, hatten bisher keinen Zusammenhang gesehen und die Fälle nach kurzer Ermittlungszeit zu den Akten gelegt, da es sich bei den ersten drei um gemischtrassige Jungen handelte (was natürlich nicht offiziell als Begründung diente). Erst beim vierten Mord wird Scotland Yard in Person von Superintendent Lynley und seinem Team eingeschaltet. Dieser agiert im Moment kommissarisch als Chief Superintendent, da sein Chef noch nicht von seiner Schussverletzung genesen ist.

Probleme über Probleme

Sein derzeitiger Chef, Assistant Commissioner Hillier, vermutet zurecht, dass die Presse der Londoner Polizei die Hölle heiß machen wird. Um dem entgegenzutreten und die Journalisten ruhig zu stellen, benutzt er einen Mitarbeiter aus Superintendent Lynleys Team, den schwarzen Detective Sergeant Winston Nkata (übrigens frisch befördert), und lässt ihn bei jeder Pressekonferenz als Alibi-Schwarzen auftreten. Ferner zieht er ohne Absprache mit seinem leitenden Beamten eine Art Profiler hinzu. Mit einem weiteren, seiner Ansicht nach genialen Schachzug, will er die Berichterstattung lenken und lädt einen Journalisten ein, die Ermittlungen hautnah mitzuverfolgen. Lynley fällt es immer schwerer, einen kühlen Kopf zu bewahren und Hillier nicht persönlich anzugreifen.

Eine Spur führt zu einem Jugendzentrum, in dem straffällig gewordene Jugendliche resozialisiert werden sollen. Die Zeit drängt, denn schon wird eine fünfte Leiche gefunden, die den Beamten jedoch noch mehr Rätsel aufgibt. Der Täter scheint von seinen bisherigen Ritualen abgewichen zu sein.

Das Buch wiegt für zwei

Martin Suter sagte unlängst in einem Interview in ttt: »Schreiben hat sehr viel damit zu tun, Dinge wegzulassen, zu abstrahieren.« Elizabeth George sieht dies offensichtlich anders. Bei oberflächlicher Betrachtung möchte man meinen, sie hätte sich vorgenommen, jeweils die Länge ihres vorherigen Buches zu übertreffen. Lange hält die Autorin dies jedoch nicht mehr durch oder die Leser bleiben weg, denn jetzt schon jetzt klagen sogar Fans über die Weitschweifigkeit. Mit 795 Seiten (der Vorgängerband Wer die Wahrheit sucht umfasste 734 Seiten) wiegt dieses Buch soviel wie zwei und entsprechend lange liest man daran. Erstaunlicherweise macht sich keine Langeweile breit, zumindest nicht für den, der den Whodunits englischer Tradition zugeneigt ist, obwohl sich die Ermittlungen in die Länge ziehen.

Immerhin bietet uns die Amerikanerin sechs Leichen und einen Profiler in einer Nebenrolle. So schreibt man einen Serienkiller-Krimi auf die langsame Art, ganz anders als die bereits erwähnte Val McDermid, die viel rasanter und direkter an dieses Thema herangeht (siehe ihre Tony Hill/Carol Jordan-Reihe, die schließlich auch in England spielt). Hier gehen die Uhren noch anders. Die detaillierte Erzählweise basiert auf jeden Fall nicht auf tausenden von Nebensächlichkeiten, sondern dient dazu, die Charaktereigenschaften der einzelnen Personen von verschiedenen Seiten gründlich zu beleuchten.

Ich schätze, auch dieses Buch aus der Lynley/Havers-Reihe wird polarisieren. Eines ist klar: Es ist wirklich nur für geduldige Leser geeignet, doch außer der Länge gibt es meines Erachtens nur noch einen Kritikpunkt, der etwas schwerer wiegt: Ein Überraschung gelingt der Autorin bei der Enthüllung des Täters nämlich nicht wirklich, die Auswahl bei den Verdächtigen ist einfach zu gering. Ansonsten bietet sie wieder einmal ihre Erzählkunst auf und schildert das persönliche Schicksal ihres Protagonisten sehr anrührend und ebenso eindringlich wie das Unglück der Opfer.

Sabine Reiss, August 2006

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marco zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 31.10.2009
dieser fall wird nicht nur der tiefpunkt im leben von inspektor lynley, sonder ist auch der bisherige tiefpunkt in der schriftstellerischen arbeit von frau george! es tut mir sehr leid, aber ich kann die zum teil sehr positive bewertung überhaupt nicht nachvollziehen. ich bin der festen überzeugung, wäre dies das erstlingswerk eines autors, kein verlag hätte es gedruckt!
wie kommt es, dass eine autorin, die einige erstklassige romane verfasst hat auf einmal einen solchen flop hinlegt? ein thriller über einen serienkiller verlangt nun mal einen anderen stil, als eine klassische who-done-it-novel. die große stärke von frau george, ein familiendrama aus unterschiedlichen blickwinkeln zu beleuchten, geht hier nicht auf. stattdessen wird ein temporeicher stil verlangt und eine handlung, die auch schonmal eine überraschende wendung nimmt. beides ist nicht die sache von elisabeth george. stattdessen beschreibt sie mit brutaler langatmigkeit jedes detail der ermittlungsarbeit und "foltert" den leser mit kleinlichen ränkespiele bei scotland yard (die angesichts des ernst der lage nicht sonderlich realistisch wirken). man kann nur hoffen, dass frau george bald wieder zu ihrer alten stärke zurück findet.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Alexander zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 16.08.2009
Na also, endlich wieder ein packender Fall fuer Havers und Lynley - nach den zwei Vorgaengertiteln eine ware Erloesung!
Vieles wurde hier schon (negativ) erwaehnt, wie die typischen ausfuehrlichen Erlaeuterungen und Charakterstudien - ich finde in diesem Buch ist es ertraeglich.
Die Entwicklungen in Lynleys Privatleben find ich sehr mutig - ich bin gespannt wie es weiter geht (naja, wer hier bei KC guckt kanns nachlesen...).
Was mich stoerte ist die mangelnde Aufloesung bzw. Erlaeuterung des Taetermotivs. Ein Teil folgt im naechsten Buch, aber was treibt den Serientaeter tatsaechlich an? Und die bemuehten Sexszenen sind nicht ueberzeugend sondern wirken wie auf Anraten (durch Lektor etc.) widerwillig eingesetzt.

Alles zusammen ergibt 88% und Vorfreude auf den naechsten Titel.
Otto Quaing zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 19.04.2009
Das Buch beginnt ja ganz interessant und verspricht eine spannende Tätersuche. Dann bekam ich aber immer mehr das Gefühl, dass E. George alles tut, um ja nicht zum Ende zu kommen. Das Lesen der Details zu Personen oder Orten, der ständige Konflikt zwischen den Beteiligten machte zuletzt keine Freude, sondern war nur noch anstrengend. Da gibt es eine Reihe von Krimis, in denen Charaktere sehr genau beschrieben werden, was aber nicht langweilig wird, weil es zur Handlung und Motiv- und Tätersuche dazugehört. Bei diesem Buch war es nervig. Schade!
swigl88 zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 12.04.2009
Super Krimi!

Gut, spannend und mitreissend aufgebaut vom Anfang bis kurz vor Schluss!
Der ganze Handlungsablauf und die Personen sind sehr ausführlich beschrieben! Dadurch bekommen die Charaktere ein Gesicht und man ist in der Lage sich in die einzelnen Personen hineinzuversetzen! Bei den Ermittlungsarbeiten wird einem ein Hinweis nach dem anderen vor Augen geführt, wodurch das Buch, trotz seiner Länge, sehr übersichtlich ung logisch aufgebaut ist!

Die Ermittlungen führen über alle möglichen Ecken und Kanten bis sie sich zu einem großen Ganzen vereinen!

Wie gesagt bis kurz vor Schluss ein super Buch!
Allerdings bin ich vom Ende dahingehend enttäuscht, dass dieses für meinen Geschmack eindeutig zu kurz kommt!
Permanent wird alles detailiert geschildert, doch hier bleiben meiner Meinung nach zu viele Fragen offen!

Während des Romans hätte man besser einige Seiten einsparen können und diese zur ausführlichen Abschlusserklärung verwenden können!

Ich hätte 90 vergeben! Durch den Schluss werdens aber immer noch 85!

Dieser Roman ist meiner Meinung nach sehr empfehlenswert!
AnnK zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 04.04.2009
Dies war das erste Buch, das ich von Elisabeth George gelesen habe und ich muss sagen:"Ich bin begeistert."
Ich finde es toll, dass die Personen so ausführlich beschrieben werden und auch die Handlung ist klasse.
Ich habe das Buch in kürzester Zeit durchgelesen und konnte es kaum aus der Hand legen.Sicher gibt es weitaus spannendere Krimis, aber die Art und Weise wie die Schriftstellerin die Handlung, die Personen und den Schauplatz nahe bringt, finde ich großartig und ich werde mir auf alle Fälle ein weiteres Buch von ihr kaufen.
dora zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 27.03.2009
Wie meine Vorgänger schon geschrieben haben, ist dieser Roman mit fast 800 Seiten sehr dick und dementsprechend umfangreich. Trotzdem, wenn man wie ich die Engländer und das Land dazu liebt, wird man nicht enttäuscht. Vom Erzählstil her eher ruhig, Charaktere sind liebevoll beschrieben und sympathisch.
Freue mich schon auf das nächste Buch dieser Reihe!
Willibert zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 26.03.2009
Endlich, muss ich sagen bin ich mit dem Buch durch. Ausschweifende Beschreibungen zu Personen und Orten ziehen den Roman endlos wie einen Kaugummi. Es gibt keine wirklichen Überraschungen und Spannungen und das Ende kann auch wirklich niemanden vom Hocker hauen.

Die Elzabetzh George Vorliebe zu London könnte meine Berufsrettung werden. Verliere ich mal meine Job - ich könnte Taxifahrer in London werden so ausführlich sind teilweise die Ortsbeschreibungen bei Tag und Nacht.
sabrina13582 zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 21.01.2009
Dies ist zwar der dreizehnte Teil der Inspector Lynley - Reihe, für mich war es aber das erste Buch von Elizabeth George. Was mir als erstes auffiel, war, das die Charaktere sehr ausführlich beschrieben wurde. Zum Teil fand ich es klasse aber ab und zu auch etwas langweilig. Meiner Meinung nach hätte man viele viele Einzelheiten (nicht nur was die Charaktere anbelangt sondern auch die Ermittlerarbeit) einfach weglassen können und das Buch wäre trotzdem gut geworden. Es war zwar spannend aber gelegentlich zog sich doch alles etwas zu sehr hin, was etwas ermüdend war. Dafür war das Ende um so spannender und richtig fesselnd. Wer auf detaillierte und genau nach zu vollziehende Ermittlerarbeit steht, sollte sich meiner Meinung nach, dieses Buch auf jeden Fall kaufen. Wer schnelle Szenenwechsel und die Ermittlerarbeit etwas zügiger mehr mag, sollte es sich nochmal überlegen, ob es sich wirklich lohnt dieses Buch anzuschaffen.
Jutta Pirzer zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 21.01.2009
Nach dem Vorgängerbuch "Wer die Wahrheit sucht", das entsetzlich langweilig und weitschweifig war, ist dieser Krimi wieder wirklich gut und spannend.Barbara Havers nervt zwar auch ein wenig, aber was solls.Nur Lynleys Privatleben hätte ich mir anders gewünscht, weil man sich schon überlegt, ob diese Serie nun weiter geführt wird.
Jessy zu »Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist« 15.01.2009
Eure Kriterie im Prositiven wie im Negativen habt ihr alle schon erwähnt deswegen möchte ich mich nicht wiederholen. Nur eine sache fand wo mit ich überhaupt nicht gerechnet habe. Das der Proviler ein Kind "ausversehn" umgebracht hat. Der Mörder war schon schnell rauszulesen. Aber trozdem klasse Buch!
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