Wer dem Tode geweiht von Elizabeth George

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel This body of death, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 16 der Thomas-Lynley-und-Barbara-Havers-Serie.

  • New York: HarperCollins, 2010 unter dem Titel This body of death. 692 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2010. Übersetzt von Charlotte Breuer & Norbert Möllemann. ISBN: 978-3-7645-0246-1. 832 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2010. Gesprochen von Sabine Postel. ISBN: 3837107337. 8 CDs.

'Wer dem Tode geweiht' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Thomas Lynley ermittelt wieder! Nach Wochen der Einsamkeit fernab von London kehrt Thomas Lynley in die City zurück. Als Isabelle Ardery, eine Kollegin aus vergangenen Tagen, ihn um Unterstützung bei einem komplizierten Mordfall bittet, zögert er nur kurz – und tut ihr den Gefallen. Während Ardery im Laufe der Ermittlungen zusehends ins Kreuzfeuer der Kritik gerät, besinnt Lynley sich seiner früheren Stärken. Und seiner genialen Ermittlungspartnerin Detective Sergeant Barbara Havers …

Das meint Krimi-Couch.de: »Inspector Lynley und die Neue – nichts Neues« 62°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Fast schon traditionell beschert »die große Meisterin der britischen Kriminalliteratur« (Verlagswerbung) in der Vorweihnachtszeit ihre Fangemeinde mit einer neuen Folge aus der allseits beliebten Inspector-Lynley-Reihe. Wer dem Tode geweiht, die nun 16. Folge in Serie, eroberte schon allein aufgrund der Vorbestellungen wieder Spitzenplätze in den Bestsellerlisten. Wohl dem, der so treue Fans hat, zumal gerade ihre letzten beiden Romane nicht unbedingt überzeugen konnten. Das Problem, über die Jahre immer mit dem selben Personal arbeiten zu müssen, teilt Elizabeth George mit namhaften Kolleginnen wie z.B. Patricia Cornwell oder Tess Gerritsen. Weder den beiden Genannten noch George gelingt es, zugleich konservativ und innovativ zu sein – eine scheinbar widersprüchliche Anforderung, die aber von der Leserschaft gefordert wird. Den Rahmen des reinen Kriminalromans hat Elizabeth George bei ständig steigender Seitenzahl (mittlerweile ist sie schon bei 827 Seiten) schon lange verlassen. Wenn man aber den Status einer Millionensellerin erreicht hat, kann man schließlich schreiben, was und wie viel man will. Sehr zum Missfallen der Krimiliebhaber, die es gerne etwas kürzer und prägnanter hätten. All die amüsanten Anekdötchen über den englischen Alltag, die kauzigen Personen, die malerischen Orte mit den gepflegten Gärtchen, Pubs und Inns, und hier und da ein Nebel umwallter Friedhof – das ist England, so wie wir es uns als Ausländer wünschen und wie es die Amerikanerin Elizabeth George bei ihren ein- bis zweiwöchigen Rechercheaufenthalten extrahiert. »Merry Old England« ist ein nostalgisches Bühnenbild, in das man wunderbar eintauchen kann, das aber mit dem wirklichen Leben nichts zu tun hat und die Personen, die George beschreibt, bleiben dementsprechend unwirklich. Umso überraschter ist man dann von Georges Einstieg.

Anfänge

Elizabeth Georges Roman beginnt mit einem fiktiven Text, der bewusst in der Sprache eines sozialpsychologischen Gutachtens verfasst ist, über ein Verbrechen, das drei um die zehn Jahre alte männliche Kinder an einem zweieinhalb jährigen Jungen verüben. Dem hier geschilderten Verbrechen liegt wohl ein realer Fall aus den 1990er Jahren in England zugrunde. Die drei Jungen, aus zerrütteten Familienverhältnissen stammend, entführten, misshandelten und töteten ihr wehrloses Opfer. Die Tat an sich ist schon schockierend genug, wird aber durch den nüchternen, analytischen Charakter der Erzählweise potenziert. Immer wieder in die vergleichsweise seichte Lynley-Story eingewoben, wirkt dieser Bericht wie ein Fremdkörper, als wenn es in der Druckerei zu einer versehentlicher Vermischung zweier völlig fremdartiger Manuskripte gekommen wäre. Natürlich gibt es am Ende eine Verbindung. Man stellt sich aber schon die Frage, warum Elizabeth George einen derartigen Aufwand betrieben hat. Defizite in der englischen Jugendstrafprozessordnung aufzudecken, ist ein lobenswerter Akt, aber sollte man nicht als Amerikanerin, in deren Heimatstaat Washington auf Mord immer noch die Todesstrafe steht, nicht besser erstmal vor der eigenen Haustüre kehren? Die Relevanz der einen Geschichte für die andere ist marginal. Die Lynley-Story hätte auch so funktioniert, wahrscheinlich sogar besser, denn die Vermischung der beiden bringt George am Ende in Erklärungsnot.

Lynley ist zurück

Aber nicht sofort. Denn es gibt noch ein Vorspiel, das einen Monat vor der eigentlichen Handlung spielt, in dem die kurvenreiche Gina Dickens sich den schüchternen Dachdecker Gordon Jossie angelt. Eine kleine Episode, die natürlich im weiteren Verlauf von Bedeutung sein wird.

Aber jetzt! Großes Stühlerücken im Morddezernat der Metropolitan Police in London. Ein Nachfolger für Malcolm Webberly muss gefunden werden. Detective Inspector Thomas Lynley, der designierte Kronprinz, steht nicht zur Verfügung. So fällt die Wahl auf DI Isabelle Ardery, die den Posten des Super Intendent vorerst auf Probe übernehmen soll..Ihre Berufung ist bei den Kollegen nicht unumstritten, was diese sie auch deutlich spüren lassen. Schon bei ihrem ersten Fall gerät Ardery mächtig ins Schleudern, denn ihr mangelndes Fingerspitzengefühl bei der Personalführung und ihre Unerfahrenheit bei Morddelikten verstärken die Aversionen der Untergebenen. Die sensible Chefin, die die Rolle der Macherin mehr spielt als verkörpert, steht unter Druck, den sie mit ihrem bewährten Mittel, dem Alkohol, zu kompensieren erhofft. Klugerweise bittet sie auch Thomas Lynley um seine Unterstützung. Lynley, der sich seit dem Tod seiner Frau Helen vom Dezernat zurückgezogen hatte, ist geneigt, die ersten Schritte in Richtung seiner alten Profession zu wagen. Auf dem Abney Park Cemetery, einem alten offengelassenen Friedhof, im Londoner Stadtteil Newington wurde die Leiche einer jungen Frau aufgefunden, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Augenfarben als Jemima Hastings identifiziert werden konnte. Augenzeugenberichte, Indizien und eine akribische Recherche im privaten und beruflichen Umfeld der Ermordeten führen zu einer Reihe Tatverdächtiger. Unter ihnen auch der psychisch-kranke Bruder eines weltberühmten japanischen Cellisten, so dass das Interesse der Massenmedien geweckt. Während Isabelle Ardery von einer Täterschaft des Japaners überzeugt ist, gehen Lynley – recht zögerlich – und Barbara Havers – wie immer forsch voran – andere Wege. Eine Spur führt in den New Forest, dem südlichsten Teil der Grafschaft Hampshire, in dem die ermordete Jemima Hastings aufgewachsen ist und bis vor nicht allzu langer Zeit mit dem eingangs erwähnten Dachdecker Gordon Jossie liiert war. Hier in der ländlichen Idylle haben zwei Amateure, Jemimas Bruder Robert und ihre beste Freundin Meredith, auf eigene Faust Ermittlungen aufgenommen.und sind auf sehr fadenscheinige Identitäten gestoßen. Barbara Havers nimmt die Informationen der beiden Laien auf. Im Zusammenspiel mit Lynley, der in London die Fäden in der Hand hält, kann das bewährte Team die Identität des Mörders Stück für Stück aufdecken.

Die Neue

Während sich die Zusammenarbeit zwischen Havers und Lynley schnell wieder auf dem vertrauensvollen Level von damals einstellt, als wenn Lynley gar nicht weg gewesen, beäugen die beiden ihre neue Chefin eher distanziert. Lynley, der enger mit Isabelle Ardery zusammenarbeiten muss, entgehen natürlich nicht deren Fehleinschätzungen, Unsicherheit und heimlicher Alkoholkonsum im Dienst. Mit einer schwer nachvollziehbaren Toleranz begegnet er den Schwächen dieser Frau, die weder ihr Privatleben im Griff hat, noch in ihrer neuen Rolle als Dezernatschefin Führungsqualitäten beweisen kann. Isabelle Ardery ist geschieden, und das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder liegt bei ihrem Ex-Mann, was ihr ganz recht zu sein scheint, denn große Mutterliebe ist nicht an ihr zu entdecken. Aber mehr ist es wohl die Gleichgültigkeit einer fortgeschrittenen Alkoholikerin. Wer den Tag gerne mit einem Irish Coffee beginnt und für das Durchstehen des Tages oder gegen das Zittern der Finger diverse Fläschchen Wodka braucht, befindet sich in einem gefährlichen Stadium der Abhängigkeit. Alkoholkonsum im Kriminalroman gilt ja eher als ein Kavaliersdelikt. Gerade in den angelsächsischen Romanen wird gern und viel getrunken. Da es fast ausschließlich Männer sind, die das tun, wird es auch nicht weiter thematisiert, als fast normal akzeptiert. Hier nun bittet eine kranke Frau unterschwellig um Hilfe und Lynley, der doch anscheinend etwas für diese Frau empfindet, reagiert ziemlich ignorant, was ihn aber nicht davon abhält, zu ihr ins Bett zu steigen. Als Leser bekommt man schon Mitleid mit einer Person, die man eigentlich nicht besonders sympathisch findet. Elizabeth George hat sich immer schwer getan in der Zeichnung ihres weiblichen Personals.Ob nun bei Deborah St.James oder Helen Clyde – um nur die Hauptpersonen zu nennen – die Darstellung einer inneren Zerrissenheit, die schwankt zwischen Hysterie und Empathie, gelingt George meist nur oberflächlich. Am glaubwürdigsten erscheint noch Barbara Havers, die aber seit ihrem ersten Auftritt keinerlei Entwicklung durchgemacht hat. Man könnte bei ihr von Charakterfestigkeit sprechen, wenn sie nicht so unzufrieden mit ihrer Situation wäre. Die »Neue« ist ein Helen-Clyde-Ersatz, ob sie es auch für Thomas Lynley wird, sehen wir dann in der nächsten Folge.

Elizabeth George ist nicht zurück

Die Autorin beweist einmal mehr, dass sie eine großartige Erzählerin ist, die ganz charmant von »ihrem« England zu plaudern weiß. Man hat den Eindruck, dass sie während ihrer Recherche alles aufsammelt, was ihr so begegnet, in einen Sack packt und diesen dann über ihren Roman respektive über ihre Leser ausschüttet, ob es nun passt oder nicht. Der Inhalt ihres Füllhorns reicht von den Auftritten einer Wahrsagerin, eines Maskenkünstlers, eines Numismatikers, über einem Besuch im British Museum, der Kunst des Reetdachdeckens, bis hin zu einem seltsamen Blowjob und einem Goldschatz aus der Römerzeit. Ja, Elizabeth George bietet opulente Unterhaltung, nur die Krimistory bleibt frugal wie immer in den letzten Folgen. George hat schon viel versucht, ihre Plots zu variieren, indem sie die Gewichtung der Personen verschob, unterschiedliche Themen ansprach oder die Schauplätze wechselte, aber ihren Krimiplot hat sie mehr und mehr vernachlässigt. In Wer dem Tode geweiht ist er nur mäßig spannend und wenig ausgefeilt. Als Täter kam nun jeder infrage oder auch keiner, weil es am Ende gleichgültig war.

Den echten Lynley/Havers-Fan wird keine Kritik der Welt von einem Kauf des Buches abhalten, denn er oder sie muss ja lesen, wie es mit den Protagonisten weitergeht. Für den Krimifreund ist Elizabeth George schon länger nicht mehr von Relevanz, was sich wieder einmal bestätigt.

Jürgen Priester, Dezember 2010

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H-J Luft zu »Elizabeth George: Wer dem Tode geweiht« 07.05.2015
habs in englisch gelesen bin begeistert.wie sie die vielen figuren spannend zusammenhält und einen klasse ende findet : Its awesome nur die frau dickens wurde immer unheimlicher mit ihrer verlogenen emotionaler offenheit.
Versteh auch nicht warum sie am schluß einfach als mörderin aus der Erzählung verschwindet?
Sie hätte ein besseres Ende verdient vielleicht durchbrennen bzw. neuanfang mit Herrn Baker?
Ulrike Wollenhaupt-Schmidt zu »Elizabeth George: Wer dem Tode geweiht« 12.12.2013
Dieses sehr gut geschriebene Buch ist der intelligentesten Parabeln zum Thema "Schuld und Sühne", das ich je gelesen habe, und das in die Jetztzeit übertragen!
Und dazu die englische Atmosphäre, die natürlich an Graham und Granger erinnert. Es ist ein tolles Buch. Und Wiedersehen mit Lynley und Havers macht stets Freude...
Trotz kleiner Längen: Unbedingt lesen!
Lena zu »Elizabeth George: Wer dem Tode geweiht« 24.08.2013
"Wer dem Tode geweiht" ist das erste Buch, was ich von Elizabeth George gelesen habe. Ich kannte Inspector Lynley nur aus der Verfilmung, und ich fand sie echt spannend, und habe so zum Buch gegriffen. Ich finde die Story auch echt spannend, muss aber sagen, dass ich mir das ein bisschen anders vorgestellt habe - ich dachte eher Lynley und Havers würden mehr zusammenarbeiten, stattdessen kam wieder Isabelle Ardery ins Spiel, mit der ich mich das ganze Buch lang nicht anfreunden konnte. Meine Vorstellung vom alten Detektiv-Duo ist also geplatzt. Zwischendurch kam ich auch ziemlich in Verwirrung ( kann aber auch daran liegen, dass ich erst 15 bin ) ,habe aber doch noch wieder reingefunden. Aber alles in allem war es doch ein gutes Buch, und es hat mir eigentlich doch gut gefallen. Ich hoffe aber, dass die Distanz zwischen Lynley und Havers nicht weiter wächst. Ein Hoch auf die Inspector Lynley Mysteries ! :)
Barbara D zu »Elizabeth George: Wer dem Tode geweiht« 22.07.2013
Das Gemecker ist völlig unverständlich. Die Stärke von E.G. sind ihr realistischen und humorvollen Beschreibungen der handelnden Personen und deren Lebenssituationen. Das immer wiederkehrende "Personal" entwickelt sich in einem Tempo, wie es Menschen nun Mal tun. Ich schätze gerade das vertraute Wiedererkennen. (Manch ein Kritiker langweilt sich vielleicht mit sich selbst.) Ich bin begeistert von dem Nebeneinander der verschiedenen Erzählstränge. Gerade das sozialpsychiatrische Gutachten ist sehr realistisch und macht betroffen. Die Zusammenführung der beiden Erzählstränge und die Auflösung des Hintergrundes der Geschichte am Ende ist gigantisch!
Regina zu »Elizabeth George: Wer dem Tode geweiht« 05.06.2013
Off topic:
Ich finde, Michael Lootz Anmerkungen gehen viel zu detailliert auf Dinge ein, die man nicht wissen sollte bevor man das Buch liest - sozusagen "indirektes" Spoilern.
Bitte checkt die Zuschrift daraufhin nochmal (z.B. Schatz, Mordwerkzeug in wessen Besitz, etc...)
Vielleicht bin ich auch nur zu pingelig, aber ich mag es auch nicht, wenn man mir die Spanung nimmt.

Grüße
Regina
bluesbetty zu »Elizabeth George: Wer dem Tode geweiht« 31.01.2013
Das war wohl der schlechteste Krimi von ihr, den ich gelesen habe. Weniger ist doch oft mehr. In diesem Fall hätte der zweite Handlungsstrang entweder vollständig wegfallen oder sehr viel kürzer ausfallen können. Zumal er fast durchgängig wie ein Fremdkörper daher kommt und erst ganz zum Schluß eine Verbindung sichtbar wird. Seltsam ist auch die Auflösung. Nicht, dass der Mörder unlogisch ist, aber es hätte eigentlich auch jeder andere sein können. Überhaupt sind die Charaktere schon sehr eigentümlich. Fast hat man das Gefühl, dass es keine normalen Menschen mehr gibt. Jugendkriminalität, sozial zerrüttetes Umfeld, Soziopathen, schizophrene Paranoia, Alkoholismus, ... ist dann für einen Krimi doch ein wenig zuviel des Guten. Leider bleiben in diesem doch sehr langen Krimi (mehr als 800 Seiten) einige Fragen vollständig ungeklärt, zB woher hatte der Mörder die Mordwaffe? Wie geht es mit Lynley weiter?
Da bleibt mir jetzt noch ein Blick auf die Ermittler übrig. Inspector Lynley ist noch immer in seinen Schmerz gefangen und arbeitet nicht mehr, als Isabelle Ardery auftaucht und ihn um Hilfe bittet. Wie sehr sie ihrer Inkompetenz freien Lauf lassen kann bei diesem Fall ist schier unerträglich. Ebenso ihre Art mit den Untergebenen umzugehen.
Schleierhaft bleibt mir auch, warum die Autorin nach der Aufklärung noch zwei weitere Kapitel mit ~ 30 Seiten schreibt. [Letzter Satz wegen Spoilergefahr gestrichen. Die Red.]
Michael Lootz zu »Elizabeth George: Wer dem Tode geweiht« 22.01.2013
Es ist mein 1. Elizabeth George Roman und er ist interessant und spannend geschrieben. Ich will hier gar nicht so sehr auf die Story selbst eingehen die hier schon geschildert wurde sondern vielmehr auf die "kleinen" unlogischen Zusammenhänge.

In nicht chronologischer Reihenfolge:
- es ist nicht beschrieben wie das Mordwerkzeug, der Reetnagel, in Frazers Besitz gekommen sein soll
- es ist auch unlogisch, daß sich Jemima's Freundin Meredith Powell nach 1 Jahr Trennung fast schon wie eine Psychopathin jeden und alles als Mörder verfolgt, obwohl Jemima's Bruder Rob täglich telefonischen Kontakt zu Jemima hatte
- noch unlogischer ist das Tatmotiv selbst. Ein Mord, außer bei Psychopathen und aus Eifersucht, wird nicht einfach aus der Vermutung eines Schatzes begangen den noch keiner hat und irgendwo vergraben ist. Wenn, dann nur wenn es geerbt oder beim Tod überschrieben wird, was hier aber nicht der Fall war.
- auch die nach Wildwest-Manier beschriebene Schuss auf Frazer ist Wirklichkeitsfremd. Da war der Satz von Gordon Jossie, eben Gina Dickens zu erschißen, viel Realitätsnäher
- und warum sollte Gordon Jossie die Pistole (und wann hat er sie entwendet?) von Rob Hastings entwenden? Dann doch eher von Gina Dickens, die ja Gordon erschießen sollte (oder eben Frazer wäre der Vollstrecker gewesen) um eventuell den Verdacht auf Rob für den Mord auf Gordon zu lenken
- Die Verdachtsmomente, die Lynley Acting Superintendent Isabelle Ardery vorstellt, sind alles andere als Beweise und teilweise an den Haaren herbeigezogen wie z.B. ein Schatz (das kommt nun wirklich nicht sehr oft vor) als Mord Grund. Zugegeben, Frazer war auf dem Foto wie auch - erst deutlich später identifiziert - Gina Dickens die während der Bildaustellung zu sehen waren aber reicht das wirklich aus? Es hätte sich auch jede andere Annahme hätte ableiten lassen. Frazer hatte noch das beste Alibi, bestätigt von vielen anderen. Um ihn zu verdächtigen braucht es stärkere Beweise als ein Foto um ihn genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber die bleibt die Autorin schuldig.
- auch die Erzählungen des Psychopathen, die nahelegen, daß er der Mörder ist, deutet eher auf einen 2. Psychopathen hin. Denn es wird ja erzählt, wie er versteckt hinter seinen Vorhängen in seiner Wohnung die Sachen säubert. Aber als Isabelle Ardery das Zimmer betritt ist das Waschbecken voller Blut inkl. Mordwerkzeug. Da hat sich wohl die Schriftstellerin zu sehr in den Psychopathen hineinversetzt - oder sollte ich sagen "identifiziert"??
- Die Telefonnumer von Frazer, als Meredith Powell in Gina's Zimmer des Had Hatter Tea Rooms war, wurde unterdrückt. Das dürfte sicherlich auch beim Anruf auf dem Händi von Jemima gewesen sein kurz vor dem Mord. Damit entfällt der Hinweis für die Polizei, das sie von Frazer angerufen wurde.
- das Tatmotiv wird bei Isabelle Ardery bei der Recherche des Mordes völlig außer Acht gelassen was vielleicht ihrer (Isabelle's und vermutlich von der Schriftstellering gewollten) Inkompetenz zuzuschreiben ist.
- die Hingabe von Gina Dickens an Gordon Jossie ist befremdlich, wenn nicht gar weltfremd, aber nicht völlig auszuschließen, etwa wie nach dem Motto von Frank Zander "... für Geld, Gold, Macht tu ich Alles..." im Lied der "Nick-Nack-Man" aus dem Album Wahnsinn

Saustark dagegen die Aufklärung, warum Gordon Jossie sich so merkwürdig verhält, Geheimnisse nicht mal seiner neuen Freundin Gina mitteilt bis hin zu seinem Versuch, Jemima's Wunsch den Schatz zu bergen, zu verhindern und seine Identität zu verheimlichen
lina zu »Elizabeth George: Wer dem Tode geweiht« 13.09.2012
mein erster elizabeth george roman und ich bin sehr enttäuscht. langweilig und langatmig! uninteressante details werden zu ausführlich beschrieben. es ist sehr mühsam sich durch die über 800 seiten zu kämpfen und irgendwann vergeht einem regelrecht die lust am weiterlesen. die zweite erzählung mit den kindern ist unpassend und kommt einem tatsächlich vor wie ein "fremdkörper". null spannung - und das soll ein guter krimi sein? nein danke!
Edith Kistemann zu »Elizabeth George: Wer dem Tode geweiht« 09.07.2012
Zutiefst enttäuscht! Die Verknüpfung der abscheulichen Morde durch Kinder mit den altbekannten Protagonisten, die gar nicht mehr bekannt wirken, macht das gesamte Werk zu einem nicht nur traurigen, sondern ärgerlichen und furchtbar langsatmigen Abklatsch früherer Werke, selbst die Sprache hat sehr gelitten und gleitet teilweise ins Vulgäre ab. So einen George-Krimi brauche ich nicht mehr. War das der Schwanengesang mit der Entthronung von Linley und dem Ende aller Hoffnung für Barbara?
Warum so viel Verbitterung? Der Leser hat sich immerhin durch 827 Seiten gekämpft, denn auch die Spannung war nicht mehr so wie früher. Alles wirkte verkrampft und ach so sehr gewollt!
Es tut mir leid
E. Kistemann
Cayllie zu »Elizabeth George: Wer dem Tode geweiht« 27.04.2012
Am besten gefallen haben mir an diesem Buch die landschaftlichen, bzw. atmosphärischen Schilderungen von E.G.Das hat sie drauf, das mag ich lesen!Hingegen all diese total übertriebenen, z. t. pittoresken Nebenfiguren, mit ihren oberflächlich gezeichneten Psychogrammen, laden das Buch derartig voll, dass mir irgendwann die Lust am Lesen verging.Bei den Hauptfiguren ist das leider von der Entwicklung her genau anders herum: Lynley kann ich inzwischen gar nicht mehr greifen, immer noch voller Trauer und Schmerz läßt er sich auf diese sexuelle Eskapade ein?Die Art wie sie über Sex schreibt, geht mir eh gegen den Strich. Zu viel sexhungrige, masturbierende, unflätige, sonstige Spielarten. Too much! Bringt den Plot nicht voran und passt manchmal einfach nicht rein.
Aufgesetzt...Barbara Havers macht "das Beste aus ihrem Typ?" geht mit einem neunjährigen Mädchen während einer Mordermittlung los, um den optischen Wünschen ihrer Chefin gerecht zu werden? Sie war doch immer das krasse Gegenteil von Schleimer? Oder hatte ich da etwas überlesen?Unglaubwürdig.Außerdem: dass sie als Spannungselement Standes- und soziale Unterschiede betont, dass sie versucht sich in den Jargon und das jeweilige Umfeld einzuarbeiten, liest sich für mich leider von Buch zu Buch zunehmend aufgesetzter.Mir war relativ früh klar, was der Erzählstrang über die Kinder mit dem Hauptplot zu tun hat, bzw. zu tun haben musste.Das fand ich als Spannungselement einen von ihren besseren Einfällen. Zusammen mit dem Gedanken an Schuld, Sühne und Resozialisation - sehr nachdenkenswert.Krimi war dies für mich keiner, das waren ihre Bücher für mich übrigens nie, wohl eher Romane mit Krimi-Hintergrund. Eine ganze Weile habe ich das sehr gern gelesen.Ich glaube die E.G. Ära ist jetzt vorbei für mich.Schade!

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