Der Schneegänger von Elisabeth Herrmann

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 2010 - heute.
Folge 2 der Sanela-Beara-Serie.

  • München: Goldmann, 2015. 448 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2015. Gesprochen von Eva Mattes. ISBN: 3844517278. 6 CDs.

'Der Schneegänger' ist erschienen als HörbuchE-Book

In Kürze:

Der zweite Fall für Sanela Beara.
Ein kleiner Junge wird entführt – und alle Ermittlungen laufen ins Leere. Vier Jahre später wird sein Skelett im Wald gefunden. Polizeimeisterin Sanela Beara muss dem Vater die schlimme Nachricht überbringen. Doch die Begegnung mit dem gut aussehenden Darko, der in den Wäldern Brandenburgs als Wolfsforscher arbeitet, löst Zweifel in ihr aus: War es wirklich eine Entführung? Oder wurde der Junge aus einfachen Verhältnissen etwa verwechselt? Doch alle Beteiligten schweigen eisern. Für Sanela gibt es nur eine Chance, Licht ins Dunkel zu bringen: Sie schleust sich undercover in die Villa der schwerreichen Familie Reinartz ein, bei der die Mutter des ermordeten Jungen damals gearbeitet hat – und wird hineingezogen in einen Strudel aus Hass, Gier und Verachtung, der sie selbst zu vernichten droht …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Blick in menschliche Abgründe« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Im Berliner Grunewald wird die skelettierte Leiche eines Jungen von einem Förster und seinem Jagdhund gefunden. Die Ermittler um Kriminalhauptkommissar Lutz Gehring finden bald heraus, dass es sich um den vor vier Jahren entführten Darijo handelt. Der Fall des neunjährigen Kroaten war damals ungelöst geblieben. Es wurde gemutmaßt, dass die Entführer ihn mit dem gleichaltrigen Sohn eines reichen Industriellen verwechselt hatten, bei dem seine Mutter als Putzfrau arbeitete. Nach dem Erpresseranruf beim Arbeitgeber von Lida Tudor gab es keine weitere Kontaktaufnahme. Zum Gespräch mit den mittlerweile getrennt lebenden Eltern nimmt Gehring seine junge Kollegin Sanela Beara mit. Die geborene Kroatin soll ihm als Übersetzerin helfen. Die ehrgeizige junge Polizei-Studentin ermittelt zum Unwillen von Gehring anschließend alleine weiter – und so nimmt der schwierige Fall einen turbulenten Verlauf.

Ermittlerin mit unkonventionellen Methoden

Elisabeth Hermann ist es in ihrem neuen Roman einmal mehr perfekt gelungen, gesellschaftlich relevante Themen mit einer spannenden Kriminalgeschichte zu verbinden. Da ist die Savoyer Straße, mit den gutbürgerlichen Villen, Hausangestellten, wohlsituierte Bewohner mit entsprechendem Standesdünkel. Auf der anderen Seite der Vater von Darijo, ein Biologe, der in einer Wolfsstation in Brandenburg lebt und arbeitet. Lida Tudor ist eine Art Klammer für beide Welten, offenbar aber derart mit sich selbst beschäftigt, dass sie nur noch eine getrübte Wahrnehmung ihrer Umwelt hat. Sanela Beara versucht ihrerseits, beide Welten zu verstehen, was ihr durch ihre Kontakte in die kroatische Gemeinschaft natürlich viel besser gelingt als ihrem älteren Kollegen Lutz Gehring. Die junge Frau, derzeit als Studentin in der Ausbildung für den gehobenen Polizeidienst, eckt mit ihrer unkonventionellen Art ständig an – und wird so schnell zum Liebling des Lesers.

Ermittlerduo der Gegensätze

Beara brennt vor Ehrgeiz, ist von einer Art missionarischem Eifer erfüllt. Sie lässt sich auch von persönlichen Empfindungen leiten, was eine Art Markenzeichen von ihr ist. Sie ist eine sympathische Figur, die noch einiges an Entwicklungspotenzial hat. Ihr Kratzen an der Autorität ihres Vorgesetzten wirkt nicht aufsässig, sondern getrieben vom Wunsch, es besser zu machen als der erfahrene Kollege. Dabei macht sie auch reichlich Fehler, die sie allerdings mit Glück wieder ausbügelt. Ihr Einsatz in der Villa der Millionärsfamilie verläuft keineswegs pannenfrei, aber mit Geschick und Instinkt sammelt sie dann doch die nötigen Informationen. Lutz Gehring wirkt demgegenüber leicht hölzern, stur, nicht wirklich flexibel. Er muss sich zuweilen auf seinen Status als Chef von Beara berufen, aber im Duo bewirken die beiden Ermittler dann doch einiges. Man darf gespannt sein, wie es mit den beiden gegensätzlichen Figuren weiter geht – wenn es denn eine Fortsetzung in dieser Kombination gibt.

Emotionale Belastung für alle Beteiligten

Neben den Einblicken in die Gemeinschaft der kroatischen Einwanderer, und den Mikrokosmos der gut betuchten Bürger an der Savoyer Straße schafft es Elisabeth Hermann mit vielen falschen Fährten und überraschenden Wendungen, enorme Spannung aufzubauen. Die Ermittler sind ständig mit neuen Spuren und wechselnden Aspekten konfrontiert. Hinzu kommen die internen Probleme zwischen Gehring und Beara. Zudem wird dem Leser eine phasenweise düstere Stimmung vermittelt. Die Konflikte zwischen Wolfsschützern, Jäger und Nutztierhaltern werden dabei nur am Rande thematisiert. Eine Vertiefung an dieser Stelle hätte den Roman nach meiner Auffassung aber auch überfrachtet, so bleibt es knackig und spannend – und der Leser kann sich selbst seine Gedanken zu diesem speziellen Thema machen. Ein Mord an einem Kind sorgt zudem bei allen Beteiligten für eine enorme emotionale Belastung. In den düsteren brandenburgischen Wäldern passieren außerdem Dinge, die die Phantasie weiter anheizen. Insgesamt ist Elisabeth Hermann ein lesenswertes und fesselndes Buch gelungen, Lesekino der besseren Art. Auf die Fortsetzung mit der jungen Polizeirebellin freu ich mich jedenfalls schon jetzt.

Andreas Kurth, Februar 2015

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Hans Bulat, Dormagen zu »Elisabeth Herrmann: Der Schneegänger« 15.02.2017
Ich weiß nicht, ob ich dieses Machwerk zu Ende lesen soll. Welche blöden Einfälle soll Fräulein Beara denn noch entwickeln? Frau Superbulle in spe kann anscheinend alles. Zum Glück habe ich das Buch nur ausgeliehen. Ich hätte mich sonst massiv für diese unnütze Geldausgabe geärgert. Leider kann ich es (da entliehen) nicht in die Papiertonne werfen.
Maria frank zu »Elisabeth Herrmann: Der Schneegänger« 14.06.2015
Leider muss ich mich meinen Vorgängern anschließend. Das Buch ist sehr klischeehaft und unglaubwürdig. Die Aufklärung über den Tod des Kindes ist so unglaubwürdig, dass ich das Buch mehrere Male wütend aus der Hand gelegt habe. Das. Buch hat mich gelangweilt, zum Glück Habe ich es in der Stadtbücherei ausgeliehen und werde es nicht weiterempfehlen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Sarajlic zu »Elisabeth Herrmann: Der Schneegänger« 08.04.2015
Danke, das war's. Nachdem ich den Sanela-Beara-Erstling ja schon mit leichtem Bauchgrimmen beendet hatte, steht für mich nach dem „Schneegänger“ fest: Ich brauche kein Buch von Godpodjica Beara mehr.

Das liegt daran, dass KEINE der Hauptfiguren im vorliegenden Buch auch nur annähernd nachvollziehbar handelt. Die können doch nicht alle gleichzeitig mit Dummheit, Blindheit und Egomanie geschlagen sein, oder? Schade, dass man spoilern müsste, um die Abstrusität ihres Handelns genauer zu schildern; allein, wer in der konstruierten Ausgangsproblematik keine andere - geschmeidigere, geschicktere, gefälligere - Lösung findet als die hier beschrieben, welche dann im Verlaufe des Romans aufgedröselt wird, dem ist beim besten Willen nicht mehr zu helfen.

Und das liegt leider auch wieder daran, dass Frau Herrmann offenbar bei ihren Recherchen in der kroatischen Community einen Sljivovica zuviel getankt und viele Details vergessen oder verwechselt hat; hinzu kommt ein gewisses „Händchen“ dafür, immer die unwahrscheinlichere oder seltsamere Schreibweise von Namen zu wählen (Oder ist etwa sonst niemandem aufgefallen, dass zwar >80% aller kroatischen Familiennamen auf -ic enden, aber keiner von Frau Herrmanns Kroaten? Die heißen nämlich Beara, Kolar, Tudor...).
Ulrike Stöhr zu »Elisabeth Herrmann: Der Schneegänger« 15.03.2015
Ich schließe mich in allen Punkten meinen Vorrezensent/Innen an, ich habe nach einem Drittel nur noch quergelesen. Figuren klischeehaft gezeichnet, Handlung extrem unglaubwürdig, kein Vergleich mit "Das Dorf der Mörder". Auch wenn wir Krimileser Spannung mögen, wenn es zu abstrus wird, leidet das Vergnügen!
Frank Erkelenz zu »Elisabeth Herrmann: Der Schneegänger« 07.03.2015
Leider keine gelungene Anknüpfung an den mit jeder Seite besser werdenden Sanela-Beara-Erstling. Dabei waren alle Vorzeichen auf grün gesetzt, denn die Charaktere waren eigentlich vertraut und gut ausgearbeitet. Aber nach mehr als 200 Seiten ohne wirklichen "Kriminellen" Tiefgang muss ich mich echt zwingen, weiter zu lesen. Schade drum, Chance vertan, ein neues Ermittler-Team in die Top 5 zu bringen. Klischee-Krimi! 4 minus!
Annemarie Noth zu »Elisabeth Herrmann: Der Schneegänger« 05.03.2015
Ich kann mich der Meinung meiner 'Vorschreiberinnen' nur anschließen. Habe bis jetzt die Bücher von Elisabeth Herrmann mit Genuss und viel Vergnügen gelesen, musste mich nun zwingen, den 'Schneegänger' aus den bereits genannte Gründen fertigzulesen. Die Charaktere sind schlecht gezeichnet und völlig unglaubwürdig, die Dialoge (auch die inneren) muten hölzern und gekünstelt an. M.E. ist Elisabeth Herrmann mit diesem Roman weit unter ihrem sonstigen Niveau geblieben. Schade!
Gundrun Spata zu »Elisabeth Herrmann: Der Schneegänger« 01.03.2015
Mir ging es ähnlich wie Anja S. Ich bin durch "Das Dorf Der Mörder" auf E. Herrmann aufmerksam geworden - ein großartiger und beklemmender Kriminalroman, bei dem mir besonders die scharfsichtige und düstere Darstellung der Situation der Neuen Bundesländer nach der Wende gefallen hat, ein Kapitel deutscher Geschichte, über das so mancher politische Wendehals und mitleidslose Goldgräber vermutlich gern den Schleier des Vergessens fallen sehen würde.
Die Thematik schlecht bis gar nicht aufgearbeiteter deutscher Geschichte, bzw. eine sehr kritische und schonungslose Kritik an deutscher Rechts- und Sozialstaatlichkeit fand ich dann auch in ihrer Reihe um den Anwalt Vernau wieder, die ich mit großem Vergnügen verschlungen habe.
Umso enttäuschter war ich jetzt beim Lesen des Schneegängers.Sanela Beara als "Assi" des launischen, unnahbaren Lutz Gehring tritt hier dermaßen unglaubwürdig, unorganisiert und eigenmächtig auf, daß nicht einmal ihr faszinierender Background als kroatischer Kriegsflüchtling und Mitglied einer kulturell eingeschworenen Minderheitsgemeinde innerhalb Berlins sie noch davor retten kann, hölzern und nicht nachvollziehbar zu erscheinen. "Unkonventionell" geht für mich anders, und auch, wenn mir die Welt der Schönen und Reichen im Berliner Stadtteil Wannsee bisher herzlich schnurz war, so halte ich doch keine noch so reiche, schöne und reaktionäre Familie für so dämlich, daß sie das diensteifrige Fräulein Nelly nicht innerhalb von fünf Minuten als Kasperle entlarvt hätte, auch bei aller situationsbedingter Blindheit nicht. Und L. Gehring, der coole Bulle mit den zu engen Hosen (warum eigentlich?) hätte sich solch einen Bauernschwank ebenfalls nicht bieten lassen. Schade um die Geschichte, die eigentlich lauter leckere Zutaten aufweisen kann (Wölfe in Deutschland, geheimnisvoller und attraktiver Wolfsforscher, Degenerierter Reichtum, Upstairs-Downstairs Syndrom, Osteuropa usw usf.) und mir ohne Sanelas unberechenbare Zappeligkeiten bestimmt vorzüglich gemundet hätte.
Anja S. zu »Elisabeth Herrmann: Der Schneegänger« 28.02.2015
Ich mag die Krimis von Frau Herrmann sehr, mein Liebling ist "Das Kindermädchen". So war ich auf eine neue Reihe mit einer weiblichen Hauptfigur sehr gespannt und der Erstling "Das Dorf der Mörder" hat mir auch sehr gut gefallen. Daher habe ich mich sehr auf den Nachfolger gefreut, der mir aber bedeutend schlechter gefallen hat. Ich finde die Figuren unglaubwürdig gezeichnet, vor allem die Nachbarin Diana, die Biologin Julia, Siegfried und Tristan, aber auch Lida können mich in ihrer Handlungsweise nicht überzeugen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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