Liebe Leserinnen und Leser,
Dreizehn Stunden Zeit hat Inspector Benny Griessel für seine Mordermittlung und sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Wenige Augenblicke reichen Roxy Palmer für eine Entscheidung, die ihr Leben endgültig in die Hölle verwandeln wird. Zwei düstere Geschichten unterschiedlicher Couleur, beide aus dem Land, dass nicht nur die Fußballweltmeisterschaft ausrichtet, sondern gerade in den letzten Monaten beachtenswerte Autoren und Bücher hervor gebracht hat. Seien es die Debütantin Malla Nunn, die bereits mit ihrem Erstling Ein schöner Ort zu sterben eines der Highlights des vergangenen Jahres verfasste, der viel versprechende Richard Kunzmann, der noch beweisen muss, wie viel Potenzial in ihm steckt, oder Roger Smith, der sich mit seinem zweiten Roman Blutiges Erwachen nur knapp seinem arrivierten Kollegen Deon Meyer bei der Wahl zum Volltreffer geschlagen geben musste. Aber Verlierer gibt es eh nicht. Auch die deutschen Autoren Jan Zweyer und Jörg Maurer überzeugen, auf ganz unterschiedliche Weise mit ihren aktuellen Büchern; ebenso der Norweger Torkil Damhaug mit seinem eigenwilligen Erfolg Die Bärenkralle.
Betrübliches gibt es allerdings ebenfalls zu berichten. Im Alter von 89 Jahren starb mit Dick Francis im Februar einer der modernen Klassiker des Genres. Die Werke des ehemaligen Jockeys wurden und werden nicht nur von Pferdefreunden überall auf der Welt geschätzt. Ein passendes Epitaph liefert der irische Songwriter Christy Moore: »Ride on«!
Stoff für einen oder mehrere Kriminalromane liefert eine Welle, die seit einiger Zeit das Internet überrollt: »Cyber-Stalking«, bzw. »Cyber-Mobbing«. Davon durfte sich der Autor dieser Zeilen in den letzten Tagen überzeugen. Der gläserne Mensch, das Schlagwort aus vergangenen datenschutzbewegten Tagen, ist nur noch ein fragiles Wesen, kein Politikum mehr. Je öffentlicher es wird, umso mehr lockt es anscheinend Personen aus dem Schatten, die tiefe Befriedigung in Diffamierung und dem Produzieren von Paranoia finden. Grenzen sind fließend, Täter und Opfer oft schwer auseinander zu halten. Manchmal gelingt es, wenn sich eine dieser armen Seelen zu unbedarft äußert. Das wächst sich bis zu Fällen für die Staatsanwaltschaft aus und belegt einmal mehr den alten Spruch, dass man nicht unbedingt Paranoiker sein muss, um zu glauben, dass man verfolgt wird.
Dagegen nehmen sich die gelegentlichen Scharmützel im Forum der Krimi-Couch geradezu harmlos aus. Unerfreulich und zeitraubend sind sie trotzdem. Es wäre erfreulich und an der Zeit, dagegen zu halten und das nach vorne zu bringen, was die Krimi-Couch ausmacht: Interesse und kritischer Umgang mit einer Literaturgattung, die ein derart großes Spektrum besitzt, das jeder seine Nische oder einen breit bevölkerten Marktplatz finden dürfte.
Wesentlich erfreulicher hingegen: das Team der Krimi-Couch hat erneuten Zuwachs gefunden, der gleich in seinem ersten Monat den Volltreffer präsentiert. Georg Patzer, auch bekannt als »Giorgione«, dessen eigener, lesenswerter Blog hier zu finden ist, wird die Krimi-Couch mit seinen Rezensionen bereichern.
Das Schlusswort gehört Erich Mühsam:
»Wollte nicht der Frühling kommen?
War nicht schon die weiße Decke
von dem Rasenplatz genommen
gegenüber an der Ecke?
Nebenan die schwarze Linde
ließ sogar schon (sollt ich denken)
von besonntem Märzenwinde
kleine, grüne Knospen schwenken.
In die Herzen kam ein Hoffen,
in die Augen kam ein Flüstern –
und man ließ den Mantel offen, und man blähte weit die Nüstern …
Ja, es waren schöne Tage.
Doch sie haben uns betrogen.
Frost und Sturm und Schnupfenplage
sind schon wieder eingezogen.
Zugeknöpft bis an den Kiefer
flieht der Mensch die Gottesfluren,
wo ein gelblichweißer, tiefer
Schnee versteckt die Frühlingsspuren.
Sturmwind pfeift um nackte Zweige,
und der Rasenplatz ist schlammig.
In mein Los ergeben neige
ich das Auge. Gottverdammich!«
Ob Gedicht oder 1000-seitiger Roman, spannende Frühlingsgefühle und –lektüre wünscht,
ihr Jochen König

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