Liebe Leserinnen und Leser,
Schon mal in Hillesheim gewesen? Der malerische Ort in der Vulkaneifel ist geradezu ein El Dorado für Krimifreunde. Zu finden ist dort das Kriminalhaus, das nicht nur das Krimi-Archiv mit seinen rund 26 000 auf Deutsch erschienene Krimis unter einem Dach versammelt. Besonders interessant für Liebhaber alter und nicht ganz so alter Schätzchen, die kaum noch im Buchhandel zu bekommen sind. Hinsetzen und stundenlanges Schmökern ist fast Pflicht. Doppelte Exemplare werden übrigens unglaublich günstig verkauft. Raten sie mal, wer Derek Raymonds unvergleichlichen Ich war Dora Suarez in der 2000er Ausgabe des Pulp-Master-Verlags für zwei Euro ergattern konnte? Genau. Moi.
Im gleichen Gebäude befindet sich noch die, gerade spannungsmäßig, gut sortierte Buchhandlung »Lesezeichen«, Ralf Kramps KBV-Verlag und das Café Sherlock, in dem man stilgerecht einen garantiert unvergifteten »Chocolat Poirot« (oder wonach es sonst gelüstet) zu sich nehmen kann.
Wer länger bleibt, kann in einem der Themenzimmer des Krimihotels nächtigen und sich bspw. zum James-Bond-Thema, des Beißers Zähne im Visier, in die Horizontale begeben. Aber auch Miss Marple, der Orient Express, Maigret, Alfred Hitchcock, Sherlock Holmes und weitere Gastgeber warten. Das hoteleigene Restaurant lockt mit feinen Menüs, Krimirätseln, ganzen Wochenenden mit Krimiautoren und Lesungen zum Dinner. Das ich mit Carola Clasen nicht gerade das hellste Licht am Eifeler Krimihimmel erwischt habe (wer glaubt ernsthaft, dass die Polizei wegen eines Zweimetermannes im Poncho ausrückt, der auf dem Eifelsteig für ein Ungeheuer gehalten wird?) war angesichts des 4-Gang-Menüs zu verschmerzen, brauchte aber einiges an Wein und guten Worten meiner Tischnachbarn, um in den Lesepausen nicht zum Länderspiel Deutschland – Österreich zu verschwinden. Ob das allerdings ein Gewinn gewesen wäre… Glücklicherweise hatten Malla Nunn, Jim Nisbet und John Harvey vorausschickend und anschließend tröstliche Worte parat.
Wen es nach der anderen Seite des Gesetzes gelüstet oder wem einmal im Jahr Karneval nicht genügt, kann im Amtsrichter in quer gestreiften Sträflingsklamotten seine Henkersmahlzeit einnehmen und später hinter Gittern schlafen gehen. Man sollte aber darauf gefasst sein, zumindest am Wochenende, tagsüber im Panzerknacker-Outfit durch den Ort tingeln zu dürfen. Gelegentlich in Ketten gelegt.
Wer’s agil mag, kann den Eifelkrimi-Wanderweg erkunden oder an einer der innerstädtischen, auch für Verweigerer der Eifel-Krimiflut, vergnüglichen Führungen (mit abschließendem Krimidiplom) teilnehmen. Dort bekommt man zudem etwas ganz seltenes zu sehen: Ein richtiges, echtes Kino. Nicht so einen multifunktionalen Eventbauklotz, sondern die »Eifel-Film-Bühne« mitsamt schummerigem Saal und einer einzigen, großen Leinwand. Kartenverkauf an einem Kassenhäuschen, das seinen Namen auch verdient und an dem, wie es sich gehört, eine Hand voll Snacks zu erwerben sind; Schaukästen und echte, wahre Kinosessel. Wenn jetzt noch das Licht langsam verlöschen und Édouard Niermans’ »Engel aus Staub« beginnen würde, ich würde den Saal nie wieder verlassen. Zumindest nicht bis zur Abreise …
Wer also in den kommenden Sommermonaten nach Urlaubsoptionen sucht, ohne allzu weit in die Ferne schweifen zu wollen, oder wer nur einen Kurztrip plant: Hillesheim und die Eifel lohnen sich.
Am besten noch ein paar der auf diesen Seiten besprochenen Bücher mitnehmen (oder im Krimi-Archiv antesten), dann wird die Eifel zum Portal für die ganze Krimiwelt.
Einen sonnigen Sommeranfang in jeder Beziehung wünscht ihr,
Jochen König

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