Herzlich willkommen beim Krimi-Couch-Blog

"Blog", das steht in aller Kürze für Web-Log und ist eine Art Internet-Tagebuch, in dem man kurz auflistet, über was man so alles im Web gestolpert ist oder was sonst beschäftigt.


Hier im Blog der Krimi-Couch geht es natürlich vor allem um Krimis, um News & Nonsense, Ansichten und Einsichten. Hier sind wir gnadenlos subjektiv und entsprechend meinungsfreudig. Und hoffentlich auch entsprechend unterhaltsam. Viel Spaß!

Liebe Leserinnen und Leser,

»All is quiet on New Year’s Day. A world in white gets underway.« U2s sentimentale Neujahrs-Hymne war wohl selten so zutreffend wie in diesem Jahr. Eine Welt in Weiß, Silvester zusätzlich verpackt in wattigen Nebel. Wie geschaffen in Büchern zu versinken. Aktuellen und den Vorschauen auf die, die noch folgen werden.

Doch bevor die Germans es Gemütlichkeit nennen können, melden sich prompt die "Propheten des Untergangs" (Danke, dpr!) zu Wort. Nachdem Zeit-Redakteur Jens Jessen im Dezember seinen Artikel »Wann ist ein Krimi ein Krimi?« in beinahe kompletter Ahnungslosigkeit und Borniertheit veröffentlichte, stößt jetzt Kollege Joachim Käppner von der Süddeutschen Zeitung zu Jahresbeginn ins nahezu gleiche Horn ("Der Gärtner war’s»).

Es ist der Aufschrei eines eigentlich schon längst tot geglaubten Typus von Bildungsbürger, der von «hoher Literatur» schwärmt und dem gemeinen, «trivialen" Geschreibsel bestenfalls in Nachrufen einen (marginalen) literarischen Wert beimisst. Unter Dostojewskij, Tucholsky und Dürrenmatt läuft eh nichts.

Es ist natürlich ein Einrennen von offenen Türen, zu behaupten, dass viel Schrott erscheint, und der sich oftmals auch noch exzellent verkauft. Der Erfolg des Bekannten ist nicht zu verleugnen. Gipfelt gelegentlich in Äußerungen, dass der Inhalt eines Buches dem Leser ziemlich egal ist, wenn er nur etwas über die geliebten Figuren erfährt (wie man es u.a. manchen Leserkommentaren zu Elizabeth George und Karin Slaughter entnehmen kann). Dass sich dazu Spaß am völlig Abseitigen, auch wenn es noch so abstrus und unglaubwürdig erscheint, gesellt, dass Action und schlichte Spannungsdramaturgie punkten (worauf Kollege Dieter Paul Rudolph in seiner Februar-Kolumne näher eingehen wird), wer würde da widersprechen wollen?

Doch zu unterschlagen, dass es eine Menge andere Kriminalliteratur gibt, zeugt von einem arrogant zur Schau gestellten Nichtwissen. Ein Blick allein auf die Januar-Ausgabe der Krimi-Couch zeigt wie vielfältig und vor allem erfrischend unterschiedlich aktuelle Kriminalromane sein können.

So legt die von völlig zu Unrecht geschmähte Val McDermid mit Vatermord einen Thriller vor, der mit bekannten Versatzstücken arbeitet, aber weder Herz noch Kopf beleidigt. Oder unser Volltreffer London Boulevard, der mit lässiger Eleganz verschiedenste Stilmittel und Genres vermischt, neu zusammen setzt und zu einem homogenen Ganzen verschmelzt, das sowohl spannend, komisch wie von sprachlicher Finesse ist.

Weitere Beispiele lassen sich über das ganze vergangene Jahr (und hoffentlich das folgende) finden. Man braucht nur die Augen und Ohren geöffnet halten, und ab und an einen Blick auf die Krimi-Couch und manche Seite der werten Kollegen werfen. Dann bleiben »Zeit« und »SZ« solche journalistischen Ausfälle gnädig erspart.

Der kriminalliterarische Start ins Jahr 2011 ist jedenfalls vielversprechend, und das Team der Krimi-Couch wünscht allen Lesern (und sich selbst), dass es auch weiterhin abseits ausgetretener Mainstream-Pfade (und manchmal auch mitten darin) alle Unkenrufe strafende Höhepunkte gibt. Glücklicherweise besitzen wir einige Verlage, die fast schon Garant dafür sind.

Ein in allen Belangen erfülltes Jahr,

Ihr Jochen König

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