Herzlich willkommen beim Krimi-Couch-Blog

"Blog", das steht in aller Kürze für Web-Log und ist eine Art Internet-Tagebuch, in dem man kurz auflistet, über was man so alles im Web gestolpert ist oder was sonst beschäftigt.


Hier im Blog der Krimi-Couch geht es natürlich vor allem um Krimis, um News & Nonsense, Ansichten und Einsichten. Hier sind wir gnadenlos subjektiv und entsprechend meinungsfreudig. Und hoffentlich auch entsprechend unterhaltsam. Viel Spaß!

Liebe Leserinnen und Leser,

»Winter time winds blue and freezin, Comin’ from northern storms in the sea« – Das scheint bislang an uns vorüber gegangen zu sein. Stattdessen Aprilwetter im Dezember, zwischen Sonne, heftigen Gewittern, trockener Ruhe vor dem Sturm und Nieselregen, lässt es sich trotzdem wunderbar auf der heimischen Couch Bücher lesend dem Jahresende entgegen treiben.

Wunschzettel schon geschrieben? Vielleicht findet sich ja einer der neuen E-Reader darauf? Untergang des papiernen Buches und des Buchhandels, oder Chance ein neues Medium zu entdecken, das die alten ergänzt und nicht verdrängt? Gegner und Befürworter kommen selten zu einer Einigung, aber wenn man dem Großhändler LIBRI folgt, ist der kommende Weg wohl vorgezeichnet: »Im Oktober 2011 waren E-Books unter www.libri.de das erste Mal das absatzstärkste Buchformat, d.h. die Anzahl der verkauften Bücher im digitalen E-Book-Format war höher als die Anzahl verkaufter physischer Bücher im Hardcover Format und höher als die Anzahl der verkauften Bücher im Taschenbuch Format.« Aufzuhalten wird diese Entwicklung nicht sein, aber ich glaube auch nicht, dass der Flachbildschirm die wirklichen, riech-, fühl- und lesbaren Bücher mit Papierseiten ausmerzen wird. Aber als Ergänzung, Bewahrung solcher Werke, die keinen Verlag mehr finden, aber im Digitalen weiterexistieren oder als Chance für Jungautoren, sollte man E-books nicht per se verdammen. Letztlich liegt es an den Lesern wohin die Reise führt …

… und da beißt die Maus keinen Faden ab: Gekauft wird, was gefällt. Das kann unterdurchschnittliche Seitenquälerei oder große Kunst sein. Unscheinbar oder mit massiven Aufwand auftrumpfend. Und gerade Kriminalliteratur hat so viel zu bieten, vom reinen Vergnügen über gedärmezuckende Gewaltexzesse, penetrante Niedlichkeiten bis hin zu Nachdenklichem, Experimentellem und Büchern, die in den Schrein gehören, den jeder für sich selbst erbaut. Für mich gehören aus diesem Jahr unbedingt die Bücher von Pete Dexter, James Sallis, Lee Child, Daniel Woodrell, Mechtild Borrmann, Josh Bazell, Rainer Gross, Dominique Manotti, Joe Lansdale und etliche mehr hinein. Keine perfekten Bücher (selbst wenn es die gäbe), aber solche die bewegen und nachwirken, wenn die Lektüre längst beendet ist. Und davon gab es viele 2011. Auf Papier oder als Datei …

Die letzte Krimi-Couch-Ausgabe des Jahres. So vielfältig wie die Menschen, die dahinter stehen. Unterschiedliche Rezensenten, Ansichten, Meinungen und Rezensionen. Wiederfinden werden sie sich höchstwahrscheinlich nicht überall, aber dass jemand ihren Lesenerv trifft, ein Gefühl vermittelt, dass das besprochene Buch eines ist, das sich für sie zu lesen lohnt; diese Chance ist groß. Das erfahre ich auch im Alltag. Lob und Kritik. So soll es sein. Und ein bisschen ist die Krimi-Couch wie das Leben: Hier findet sich hervorragendes, mittelmäßiges und mitunter misslungenes. Nur Gefälligkeitsgutachten werden sie vergeblich suchen.

Das Jahr endet und mit ihm auch ein paar großartige Menschen. Einem soll das Schlusswort gehören. Jackie Leven. Begnadeter Musiker und Geschichtenerzähler, guter Freund Ian Rankins, der ihn in diversen John-Rebus-Romanen verewigte, und ein Album mit ihm aufnahm. Für mich ein wichtiger und treuer Begleiter über mehr als zwanzig Jahre, ein Mann, der genau die Musik und Worte kennt, die man für dieses Leben braucht. »The Kirkcaldy Book Of The Dead« von seinem letzten Album Wayside Shrines And The Code Of The Travelling Man, einer Hommage an Deutschland und seine Hotelzimmer, mit mehr als einer Ahnung vom eigenen Sterben.

was a man who sang a song
on street corners in the rain
nobody liked it the words were wrong
they felt hurt by the dark refrain
but the broken words kept drifting
like snow down a lonely glen

Der dunkle Refrain ist es, worauf es ankommt. Kriminalromane, die es in sich haben, die vielleicht mehr sind als bedruckte Seiten Spannungsliteratur. Wir werden es lesen. In welcher Form auch immer. 2012.

Das gesamte Team der Krimi Couch wünscht Ihnen ein wunderbares Weihnachtsfest, einen traumhaften Start ins Neue Jahr und natürlich viele großartige Bücher unterm Tannenbaum,

i.A. Jochen König

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