Liebe Leserinnen und Leser,
Kein & Aber, Leda, ariadne, Atrium und Edition Phantasia – kennen Sie diese Verlage? Nein? Dann wird´s Zeit. Krimis von diesen doch eher unbekannteren Verlagen haben uns nämlich so überzeugt, dass wir die Independents verstärkt in den Vordergrund rücken wollen. Vorab: Schimpfen Sie bitte nicht mit uns, dass es unwahrscheinlich ist, in die nächste Buchhandlung zu gehen und einen davon vom Fleck weg mitzunehmen. Löchern Sie Ihren Buchhändler oder Ihre Buchhändlerin Ihres Vertrauens und bestellen Sie sie. Das haben alle Titel mehr als verdient.
Zum Beispiel unser Volltreffer, Schwarze Küsse, von Joaquín Guerrero Casasola, der uns ganz tief in menschliche Abgründe wie die von Mexiko-City hinab zieht. Ein mexikanischer Hardboiled, eine Definition der Novela negra. Muy bien, was man beim schweizer Verlag Kein & Aber da entdeckt hat. Und ganz im Ernst: Dieses Cover alter Schule hat doch auch schon etwas, oder?
Zum Beispiel Das Lächeln der toten Augen von Ulrich Hefner, der uns schon mit seinem ersten Friesland-Krimi (tja, muss diese Schublade noch aufgemacht werden?) Der Tod kommt in Schwarz-Lila durchaus begeisterte. Über kleine Macken sehen wir gerne mal hinweg, wenn einer so plottet wie Hefner und sein Verlag Leda auch in Sachen Umschlaggestaltung endlich aus den Puschen kommt.
Zum Beispiel Nora Miedler mit ihrem Warten auf Poirot. Klingt alles schrecklich nach Whodunit und entpuppt sich dann doch als ein launiges Kammerspiel (da kennt sich die junge Autorin mit aus) – mit Todesfolgen. Wir freuen uns auf mehr, lieber ariadne-Verlag!
Oder Ken Bruen, den wir schon mit Besprechungen seiner nicht ins Deutsche übersetzen Krimis um Privatdetektiv Jack Taylor aus dem irischen Galway empfohlen hatten. Jack Taylor fliegt raus heißt der erste Teil der Serie – übersetzt von einem großen Namen: von Harry Rowohlt. Die einen werden die Übersetzung kongenial finden, die anderen, die das englische Original kennen, vielleicht etwas mit der Nase rümpfen, weil eben mehr Rowohlt als Bruen im deutschen Text steckt. Die Freude, Ken Bruen so ins Rampenlicht gerückt zu sehen, überwiegt. Und wenn man liest, dass die Schweizer vom Atrium-Verlag Herrn Rowohlt bereits mit der Übersetzung von Jack Taylor Nummer zwei an den Schreibtisch verbannt haben, ist das doch ein kleines Versprechen.
Bleiben wir in Irland. Tana French erzählte uns im Interview, warum sie nichts von Splatter-Orgien hält und das Schreiben über menschliche Abgründe nunmal Platz benötigt. Irland, the other way round sozusagen, ist Bruen doch eher Minimalist.
Und genau mit dem, was ich gerade angerissen habe, den Detektiv- und den Polizeiromanen, beschäftigt sich unser Kolumnist dpr ausgiebig: »Weicheier mit Pensionsberechtigung. Was aus dem Polizeiroman wurde...« heißt die zweite Folge aus seinem Krimilabor.
Viel Spaß auf unserer Entdeckungsreise diesmal recht abseits des Mainstreams wünscht
Ihr
Lars Schafft

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