Der Hexer von Edgar Wallace

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1926 unter dem Titel The ringer, deutsche Ausgabe erstmals 1927 bei Goldmann.

  • London: Hodder & Stoughton, 1926 unter dem Titel The ringer. 260 Seiten.
  • Leipzig: Goldmann, 1927. Übersetzt von Max C. Schirmer. 260 Seiten.
  • Leipzig: Goldmann, 1933. Übersetzt von Ravi Ravendro. 217 Seiten.
  • Leipzig: Goldmann, 1938. Übersetzt von Friedrich Pütsch. 213 Seiten.
  • München: Goldmann, 1951. Übersetzt von Friedrich Pütsch. 220 Seiten.
  • München: Goldmann, 1953. Übersetzt von Friedrich Pütsch. 216 Seiten.
  • München: Goldmann, 1973. Übersetzt von Gregor Müller. 155 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 1983. Übersetzt von Gisela Stege. 189 Seiten.
  • München: Heyne, 1988. Übersetzt von ?. 218 Seiten.
  • München: Goldmann, 2005. Übersetzt von Gregor Müller. 190 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Airplay Audio, 2002. Gesprochen von Jochen Striebeck. 2 CDs.

'Der Hexer' ist erschienen als Hörbuch

In Kürze:

»Der Hexer«: »Hexer« – diesen Namen trägt der geheimnisvolle Meister der Verkleidung zu Recht. Bisher konnte er der Polizei stets entkommen. Nun kehrt er nach London zurück – ein Risiko, das er auf sich nehmen muß, um Rache an dem Mann zu nehmen, demer seine Schwester anvertraut hatte... – »Das Gasthaus an der Themse«: Ein Bankeinbruch und der Mord an einem Unbekannten beschäftigen Inspektor John Wade. Alle Spuren führen zu dem berüchtigten »Gasthaus an der Themse«. Als Wade dem Fall nachgeht, muß er eine grausige Entdeckung machen... – »Der grüne Bogenschütze«: In dem alten englischen Schloß Garre Castle geht der grüne Bogenschütze um. Der Schloßherr, Abel Bellamy, ein hartgesottener Geschäftsmann aus Chikago, glaubt allerdings nicht an Gespenster. Doch eines Tages wird sein Freund getötet. In seiner Brust steckt ein giftgrüner Pfeil …

Das meint Krimi-Couch.de: »Krimi aus der guten, alten Zeit – die soo wohl doch nicht war« 10°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Inspektor Alan Wembury von Scotland Yard übernimmt den »R-Bezirk« im Londoner Stadtteil Deptford. Der ist ein unruhiges Pflaster, in dem sich diverse Größen der Unterwelt behaglich eingerichtet haben. Zu ihnen gehört der halbseidene Rechtsanwalt Maurice Messer, der Polizei bekannt und verhasst als höchst eloquenter Streiter weniger für als gegen das Gesetz, dem er seine zwielichtigen Klienten vor den Schranken des Gerichts immer wieder zu entreißen weiß.

Dass Messer selbst ein Verbrecher ist, blieb bisher unbekannt. Der junge Johnny Lenley ist da besser im Bilde, ist er doch gerade dabei, ein Geschäft mit dem Anwalt abzuschließen. Aus vornehmen Hause stammend, aber inzwischen völlig verarmt, will Johnny die Rückkehr in jene Kreise, denen er sich zugehörig fühlt, notfalls auf krummen Wegen erzwingen. Vor einiger Zeit hat er die berühmte Perlenkette der Lady Darnleigh gestohlen, deren Verkauf Messer als Hehler übernehmen soll.

Die Polizei ist misstrauisch, aber machtlos. Inspektor Wembury ist zudem privat in den Fall verwickelt. Er kennt Johnny Lenley seit Jahrzehnten, desgleichen dessen blutjunge Schwester, die hübsche Mary, für die Wembury mehr als freundschaftliche Gefühle hegt. Messer verfolgt dagegen weniger ehrenhafte Absichten. Die Geldnot der Geschwister ausnutzend, stellt er Mary als seine Privatsekretärin ein. Als Johnny ihn durchschaut, lässt ihn Messer in eine Falle laufen, die ihn direkt ins Gefängnis bringt. Zwischen der unschuldigen Mary und ihrem schurkischen Arbeitgeber scheint nur noch Inspektor Wembury zu stehen, aber der hält sich fern, weil er fälschlich glaubt, von Mary für die Verhaftung des Bruders verantwortlich gemacht zu werden.

Doch der lange Arm der Gerechtigkeit greift bereits nach Messer. Der hatte vor einigen Monaten Marys Vorgängerin vom Sekretärinnenstuhl auf sein Lotterbett gezogen, ausgiebig entehrt und dabei geschwängert. Erst (zu) spät besann sich Gwenda Milton ihrer Ehre und wählte (wie es sich gehört) den Freitod in der Themse. Das weckte den Zorn ihres Bruders, und der ist ein Gegner, den man ungern gegen sich aufbringt: Henry Artur Milton, genannt der »Hexer«, ist ein international bekannter und verfolgter Verbrecher. Als moderner Vigilant hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die Bösewichter dieser Welt dort zu strafen, wo das Gesetz machtlos bleibt: Er bringt sie kurzerhand um und ist sehr erfolgreich dabei!

Messer weiß um Miltons Rachedurst, macht sich aber keine Sorgen. Der Hexer gilt als tot, gestorben vor Monaten in Australien auf der Flucht vor der Polizei. Allerdings war dies eine Falschmeldung, deren Richtigstellung Messer in Panik versetzt. Auch Scotland Yard ist alarmiert, denn dass Milton nach England kommen wird, gilt als sicher: Des Hexers Gattin Cora Ann ist bereits dort eingetroffen, und Milton wird nicht lange auf sich warten lassen. Aber der Hexer trägt seinen Spitznamen nicht ohne Grund. Er ist ein Meister der Verkleidung und der Täuschung und tritt unter vielen Masken immer genau dort auf, wo ihn seine Verfolger am wenigstens vermuten …

»Es ist unmöglich, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein!« Mit diesen großen Worten warb einst der Goldmann-Verlag für die zahlreichen Romane dieses Autoren. Zur Dankbarkeit bestand genug Grund, denn über viele Jahrzehnte bildeten seine Werke nicht nur ein Standbein, sondern geradezu das Fundament des Hauses Goldmann. Die fünf Jahre nach dem II. Weltkrieg eingeführte und bis heute fortbestehende Reihe der »Roten Goldmann-(Taschen-)Krimis« gründete ihren Ruhm und ihren Erfolg auf Edgar Wallace; zeitweise stammte jeder zweite Band der Reihe aus seiner Feder.

Mehr als vier Jahrzehnte wurden diese frühen Goldmann-Krimis immer wieder aufgelegt. In den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts konnte man in Deutschland die Begriffe »Wallace« und »Krimi« durchaus als Synonyme verstehen. In dieser Zeit entstanden auch die unzähligen Wallace-Kinofilmen, die noch heute einen festen Bestandteil in den Programmplänen deutscher TV-Sender bilden. Generationen von Lesern, Kinobesuchern und Fernsehzuschauern wurden von Edgar Wallace-Krimis geradezu geprägt.

Das ist heute kaum mehr verständlich. »Der Hexer« ist einer der bekanntesten Wallace- Thriller, doch die Lektüre lässt den Leser, der zuvor womöglich nie ein Werk dieses Schriftstellers gelesen hat, recht ratlos zurück. Nach einem recht verheißungsvollen Beginn, der das ganze nostalgische Inventar des britischen Kriminalromans zwischen den beiden Weltkriegen auffährt, tritt die Handlung bis zum spannungsarmen Schluss unverkennbar auf der Stelle. Sie verlässt bis auf wenige kurze Episoden nie die staubige Höhle des Übelfingers Messer, und die Protagonisten beschränken sich darauf, gern und ausgiebig zu reden …und zu reden …und zu reden. Kein Wunder, denn »Der Hexer« hat das Licht der Künstlerwelt nicht als Roman, sondern als Theaterstück (»The Gaunt Stranger«, 1925) erblickt, das vom geschäftstüchtigen Wallace später umgeschrieben wurde. Wie es seine Art war, hat er sich dabei auf die nötigsten Handgriffe beschränkt, das Honorar eingestrichen und zum nächsten Wettschalter getragen.

Während die (in jeder Hinsicht) blutleere Handlung besonders den irritiert, der die oben erwähnten Edgar Wallace-Kinofilme kennt (offenbar haben die viel gescholtenen Zelluloid-Handwerker des deutschen Kinos vor der bleiernen Zeit des Autorenfilms doch etwas von ihrem Job verstanden), ruft die schauerliche Figurenzeichnung echten Ärger hervor. Doppelt fremd muss uns heute die unglaubliche Popularität der Wallace- Krimis in Deutschland erscheinen, wenn wir mit den scherenschnitthaften Karikaturen konfrontiert werden, die der tiefsten Mottenkiste des Stummfilm-Melodrams entsprungen sind. Mary Lenley ist die hilflos-händeringende Schöne, die vom langweilig-edelmütigen Helden vor dem buschigbrauig-lüsternen Bösewicht gerettet werden muss. Nachdem er dies zum tausendsten Male versucht hat und sich doch wieder nicht getraut hat, dem Objekt seiner Bemühungen endlich seine Liebe zu gestehen, während dieses schlicht zu blöd ist, seine verzweifelten Anstalten zu deuten, hat man es einfach nur gründlich satt.

Der »Hexer« selbst kann da das Eisen erst recht nicht mehr aus dem Feuer reißen. Das angebliche Genie des Verbrechens, Schrecken der Polizei diverser Kontinente, ist ein selbstgerechter und eingebildeter Rächer, unsympathisch dort, wo Wallace ihn faszinierend erscheinen lassen wollte, und als dunkle Heldengestalt denkbar ungeeignet.

»Der Hexer« erfuhr übrigens eine Fortsetzung; in diesem Punkt war Wallace ganz modern. »Again the Ringer«/»The Ringer Returns« (dt. »Neues vom Hexer«) ist ein beinahe bizarres Werk; eine Sammlung von Kurzgeschichten um Henry Artur Milton, die der Autor durch schlampig formulierte überleitende Passagen notdürftig zu einem »Roman« zusammengeklittert hat.

Ihre Meinung zu »Edgar Wallace: Der Hexer«

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Hardy Schmidt zu »Edgar Wallace: Der Hexer« 13.01.2014
Haddische

Ich habe den ersten Teil des "Hexers" gelesen "Als der Meister starb".

Ich bin begeistert!

Der Inhalt erinnert mich an den Horror-Film "Nebel des Grauens".

Sehr gruselig!!

Auch dort gibt es dunkle Mächte in
einem unheimlichen Nebel.

Lese mit Vergnügen weitere Geschichten vom Hexer.

Wirklich empfehlenswert!!
symons zu »Edgar Wallace: Der Hexer« 22.06.2010
Wallace polarisiert auch fast 100Jahre später noch, keine Frage. Alleine die Reaktionen hier im Forum spiegeln das deutlich wieder. Insgesamt ist sein Werk sicherlich deutlich angestaubt, im Gegensatz zur anderen Ikone aus England wird dieses hier auf der KC recht wenig gewürdigt... Klar, die Werke der Christie mögen vielleicht nicht so häufig nach Schema F verlaufen, langweilen mich aber im Jahre 2010 als mittlerweile doch geübten Leser mindestens genauso wie die Wallace Schinken, dasselbe trifft auch auf Durbridge, Victor Gunn und einige andere der Golden Generation ( nach Julian Symons) zu.
1 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Michael Drewniok zu »Edgar Wallace: Der Hexer« 23.04.2010
(Endlich mal wieder bzw. überhaupt eine Leser-Meinung! Klar in der Aussage, ausführlich begründet - DAS ist Kritik, die keineswegs positiv sein muss und mich trotzdem nicht ärgert, sondern zur Antwort bringt.)Ich versuche als Rezensent subjektiv zu urteilen. Die "Hexer"-Rezension stellt dies heraus, indem ich meine Vorbehalte deutlich mache: Dies IST mein Versuch, so objektiv wie möglich zu sein. Was Sie zu ärgern scheint, ist die Tatsache, dass diese Rezension nicht einer Mehrheit das Wort redet, die von Edgar Wallace aber vor allem dem "Hexer" eine deutlich bessere Meinung hat. Ich bin zu einem anderen Schluss gekommen und habe dies begründet. Dass hier und überhaupt die meisten anderen Leser anders denken, ist mir einerseits bekannt und andererseits egal - was nun ich keineswegs als abwertend verstanden wissen möchte!Persönlich wäre es mir lieber, wenn jeder "Krimi-Couch"-Titel durch einen "Pro-"- und einen "Kontra-Rezensenten" repräsentiert wäre. Dies entspricht nicht dem Konzept dieser Website, sodass die Leser durch ihre Kommentare positiv oder negativ widersprechen müssen. In der Gesamtheit der Stimmen wird das Bild objektiver. Dieser Prozess gehört zu einer Rezension, die für mich nicht (nur) Lesetipp oder -warnung sein, sondern auch eine Reaktion in Gang setzen soll.Und wer weiß, ob und wie sich mein Wallace-Bild noch ändert, wenn ich noch weitere seiner Krimis lese! In Sachen Victor Gunn habe ich meine Meinung nicht unbedingt geändert aber relativiert. Rezensionen sind nicht in Stein gehauen - auch in Sachen "Ulysses" nicht ...
DrWatson zu »Edgar Wallace: Der Hexer« 22.04.2010
Zitat M. Drewniok:"Manchmal allerdings bin ich verblüfft, weil ich objektiv nicht nachvollziehen kann, wieso ein Werk zu diesem Status kam. Das gilt für den "Hexer", aber es schließt viele andere (Krimi-)Titel ein, von denen ich hier beispielhaft einige (ohne wertende Reihenfolge) nenne: "Die Wendeltreppe" von Mary Roberts Rinehart: "Casino Royale" von Ian Fleming"; die "Ironside"-Romane von Victor Gunn; die Romane von L. Weinert-Wilton." Zitat Ende

In der Tat haben Sie im Wortsinn Recht, Herr Drewniok, jeder Mensch urteilt nämlich subjektiv, daher können Sie (im Sinne von vermögen) objektiv nicht nachvollziehen, was ein Buch wie "Der Hexer" oder andere genannte Titel zu Klassikern macht. Sie sollten es allerdings versuchen! Das macht auch in meinen Augen eine fundierte Literaturkritik aus. Eine Meinung äußern und notfalls auch begründen kann fast jeder. Aber auch verschiedene Standpunkte beleuchten und zu einem ausgewogenen Urteil jenseits reiner Subjektivität zu gelangen, das ist auch Sinn von Literaturkritik. Und da wir hier nicht über James Joyce "Ulysses" reden, erscheint die große Diskrepanz zwischen ihrer werzng und der allgemeinen Leserwertung schon etwas verwunderlich, zumindest was Ihren Standpunkt betrifft. Vielleicht haben Sie Wallace einfach nicht verstanden (ich meine das nicht abwertend!)?
.... zu »Edgar Wallace: Der Hexer« 27.12.2009
Egdar Wallace schreibt fesselnd, man mag nicht mehr aufhören zu lesen und fiebert mit den Inspektoren mit - neigt aber durch das gerecht scheinende Handeln des Hexers (das ausschließlich auf Rache berührt) dazu, sich auf die Seite des Hexers zu begeben (bei "Neues vom Hexer" noch stärker spürbar); was aber ja kein Problem ist ;)
TOLLES BUCH! TOLLER AUTOR!
sahlmann zu »Edgar Wallace: Der Hexer« 18.04.2009
Viel Kritik für den armen Wallace. Mir gefällt der Hexer, und auch einige andere Wallace'. Natürlich sind sie völlig verstaubt. aber das sind die Buddenbrooks auch. Mir macht es ab und zu Spaß, Wallace zu lesen (Thomas Mann auch :-) ) Der Hexer ist einer meiner Liebsten.
Genau wie die heutige Musik ohne die Beatles und Elvis sicher ganz anders aussehen würde, so hat Edgar Wallace viel für den Krimi und Thriller getan.
Ein Klassiker wie Christie oder Sawyers, auf dessen Schultern all die Autoren stehen, die uns heute so sehr gefallen.
theredcircle zu »Edgar Wallace: Der Hexer« 08.03.2009
Ein guter Wallace mit sehr intressanten Charakteren. Er wirft ebenfalls die Frage der Selbstjustiz auf, wobei die Antwort bei jedem leser anders ausfällt.

Die Auflösung des Rätsels ist aber in diesem Wallace, verglichen zu anderen, recht einfach.

Der Film dazu ist aber meiner Meinung nach einer der Besten (neben "Die Toten Augen von London").
Michael Drewniok zu »Edgar Wallace: Der Hexer« 02.11.2007
Lieber Herr Beckmann,

wie schon gesagt, sehe ich keinen Grund, zornig zu sein. Abermals bestätigt sich, wie nützlich der Dialog ist, wo unterschiedliche Meinungen herrschen. In einem Punkt bleiben wir weiterhin konträr: Ich sehe "Klassiker" in der Tat nicht als Qualitäts-Prädikat, sondern hinterfrage Klassiker genauso kritisch wie Romane, die einfach nur alt sind. Sehr oft finde ich heraus, dass ein Roman zum Klassiker wurde, weil er in der Tat etwas hat, das ihn über die zeitgenössischen Werke hebt und bis in unsere Gegenwart trägt. Manchmal allerdings bin ich verblüfft, weil ich objektiv nicht nachvollziehen kann, wieso ein Werk zu diesem Status kam. Das gilt für den "Hexer", aber es schließt viele andere (Krimi-)Titel ein, von denen ich hier beispielhaft einige (ohne wertende Reihenfolge) nenne: "Die Wendeltreppe" von Mary Roberts Rinehart: "Casino Royale" von Ian Fleming"; die "Ironside"-Romane von Victor Gunn; die Romane von L. Weinert-Wilton.

In meine Besprechungen würde diese Verwunderung einfließen (und ist sie z. T. bereits) und begründet werden. Das Gute an der Krimi-Couch ist die Möglichkeit, Rezensionen ausgiebig zu kommentieren und sogar darüber zu diskutieren. Ich sehe deshalb die Kommentare als Ergänzung der eigentlichen Rezension an, denn sie machen etwas deutlich, das mir sehr wichtig ist: Selbst zu einem perfekt scheinenden Argument gibt es womöglich ein Gegenargument, das der Leser kennen sollte, um sich sein eigenes Bild zu machen - denn diese Aufgabe kann und will ich ihm als Rezensent nicht abnehmen.

Viele Grüße, M. Drewniok
Henry Beckmann zu »Edgar Wallace: Der Hexer« 02.11.2007
Sehr geehrter Herr Drewniok,

vielen Dank für Ihre offene Antwort. Sie haben auch völlig Recht, wenn Sie schreiben, dass man die Wallace-Bücher klar von den Filmen abgrenzen muss. Dies ist schon allein durch das andere Medium, allerdings auch durch die zahlreichen Änderungen an den Originalstoffen begründet.

"Der Hexer" verdient (nicht nur) meiner Meinung nach trotzdem mehr als 10°. Lassen Sie es mich wiefolgt begründen: Als Basis die von Ihnen gestellte Frage, ob und wieviel "Klassikerbonus" ein Buch bekommen sollte. Ein Klassiker verdient ganz klar einen Bonus (in welcher Höhe auch immer - das liegt im Ermessen eines jeden Einzelnen), da er es im Vergleich zu anderen Werken geschafft hat, sich über lange Zeit hinweg über Wasser und auf dem Markt zu halten, nach mehreren Jahrzehnten oder auch Jahrhunderten noch gelesen zu werden und Menschen zu begeistern oder zu fesseln.

Welche Gründe hat das, speziell auf den "Hexer" bezogen? Dass es nur eine Marketing-Strategie war, dass heute dieser eine Roman so weit über den anderen Wallace-Werken steht, glaube ich nicht. Weiterhin bin ich aber auch nicht der Meinung, dass er tatsächlich der beste ist (da wären "Die toten Augen von London" oder "Die Tür mit den 7 Schlössern" wohl erfolgreichere Anwärter). Allerdings ist dieser Roman spannend, temporeich, faszinierend und - wohl wieder ein Fan-Argument - recht typisch für Wallace. Ein weiterer Grund für den Erfolg des Romans dürfte sein, dass Wallace sich im Entstehungsprozess (den ich sicher nicht näher erklären muss) ein einziges Mal nach der Meinung eines anderen gerichtet und einen Tipp für seine Arbeit angenommen hat. Das kam dem Buch und wohl auch dem Theaterstück zugute, wie ich denke.

Zu keinem Zeitpunkt lag es mir nahe, Ihre Meinung als falsch darzustellen - mich wunderte lediglich ihre "schlechte" Bewertung im Vergleich zu den Meinungen hier im Kommentarfeld und auch denen, die man sonst liest.

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Alles, was in diesem Beitrag steht, ist, wie auch in der Beschriftung dieses Feldes vorgesehen, ausschließlich meine eigene Meinung.

MfG, Henry Beckmann.
Michael Drewniok zu »Edgar Wallace: Der Hexer« 27.10.2007
Dafür muss man sich wirklich nicht entschuldigen bzw. sollte sich von einer Rezension nie den eigenen Spaß an einem Buch oder Film verderben lassen.

Die Gleichsetzung von Roman und Film ist mir in den Kommentaren zum "Hexer" auch aufgefallen. Das bestärkt mich in der Vermutung, dass mein Text oft entweder gar nicht genau gelesen oder nicht verstanden wurde, bevor die "Rettet-den-Edgar!"-Keule zum Einsatz kam. Die Wallace-Filme würde ich deutlich positiver beschreiben, doch das ist ein anderes Kapitel, das nicht auf der "Krimi-Couch" stattfinden kann.

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