Big Bad City von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1999
unter dem Titel Big Bad City,
.
334 Seiten.
ISBN-10: 3-570-06835-8, ISBN-13: 978-3-570-06835-9.
Ort & Zeit der Handlung: USA / New York, 1990 - heute.
'Big Bad City' ist erschienen als
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Das meint Krimi-Couch.de: »Selbst ein McBain auf Autopilot findet sein Ziel, die Unterhaltung des Publikums mit traumwandlerischer Sicherheit«
Krimi-Rezension von Michael Drewniok
August in Isola. Die sommerliche Hitze setzt den Menschen in der großen Stadt zu. Gewalt und Verbrechen erreichen einen neuen Höchststand. Die Polizei ist in ständiger Alarmbereitschaft. Auch im 87. Revier geht es hektisch zu. In der Urlaubszeit ist man chronisch unterbesetzt; die überlasteten Beamten schieben Doppelschichten.
Die Detectives Steve Carella und Artie Brown werden an den Tatort eines Mordes gerufen. Eine junge Frau wurde erwürgt; eine Nonne, wie sich herausstellt. Deshalb ist die Überraschung groß, als der Pathologe in der Leichenhalle meldet, dass Schwester Mary Vincent sich vor kurzem Brustimplantate einsetzen ließ …
Weil Carella mit den Ermittlungen und einigem privaten Ärger beschäftigt ist, entgeht ihm, dass der junge Kriminelle Sonny Cole ihn beschattet. Cole hat vor einiger Zeit Carellas Vater erschossen, kam aber wegen eines juristischen Formfehlers frei. Carella hatte Cole selbst festgenommen und war kurz davor gewesen, ihn »in Notwehr« zu erschießen. Die Angst, die er dabei empfunden hat, kann Cole nicht vergessen. Gemäß seiner simplen, von Brutalität und Gewalt geprägten Weltsicht muss er nun Carella umbringen, bevor dieser ihm zuvor kommt …
Ein weiteres Verbrechen wird von den Detectives Meyer Meyer und Bert Kling untersucht. Der »Cookie Boy«, ein Serieneinbrecher, der bei seinen Opfern immer ein Päckchen selbst gebackener Schokoladenkekse zurückläßt, hält die Polizei schon lange in Atem. Bei seinem letzten Raubzug ist ihm ein bizarrer »Betriebsunfall« unterlaufen, der zwei Menschen das Leben gekostet hat …
Eine ganz normale Sommerwoche in Isola, der fiktiven, nach dem Vorbild New Yorks geformten Großstadt, die Ed McBain (alias Evan Hunter, geboren 1926 als Salvatore A. Lombino) bereits im Jahre 1956 erfand. »Big Bad City« ist der 49te (!) Roman der Serie um das 87. Polizeirevier.
Ed McBain hat den modernen Polizei-Roman nicht erfunden, wie man oft lesen kann. Er hat ihn weiter entwickelt und auf ein besonderes Niveau gebracht. Ihm ist es zu verdanken, dass aus eindimensionalen Gutmenschen, tumben Handlangern genialer Privatdetektive oder uniformierten Erfüllungsgehilfen korrupter Politiker und skrupelloser Geschäftsleute »echte« Menschen wurden, die einem schwierigen und gefährlichen Job nachgehen. Auch über die Arbeit der Polizei herrschte bis dato eher Unklarheit. Doch in McBains Romanen um das 87. Revier konnten die Leser Näheres erfahren, denn wie sich dem Vorspann entnehmen läßt, der seit 1956 in jedem der Bücher zu lesen ist, basiert »die Darstellung der Polizeiarbeit …auf authentischen Ermittlungsmethoden«.
Es gibt in der Welt des Kriminalromans durchaus noch länger laufende Serien, doch wenige können ihre Klasse halten oder werden vom Publikum und von der Kritik gleichermaßen geschätzt. Die einmalige Mischung aus Talent und schriftstellerischem Können auf der einen und dem fiktiven, ein erstaunliches Eigenleben entwickelnden Kosmos der Stadt Isola und ihrer Bürger auf der anderen Seite hat sich seit gut einem halben Jahrhundert nicht abgenutzt – und das ist allerdings etwas Besonderes!
Dabei gehört »Big Bad City« nicht einmal zu den besten Romanen um das 87. Polizeirevier. Zwar waren für McBain die Innenwelten seiner Protagonisten und die Atmosphäre »seiner« Stadt schon immer wichtiger als die von anderen Autoren liebevoll ausgemalten Jagdszenen von Mord, Totschlag und Verfolgung. Doch dieses Mal lässt McBain die Zügel der Geschichte ein wenig zu sehr schleifen. Drei Handlungsstränge laufen locker nebeneinander her. Sie verbinden sich nicht, sondern berühren einander nur manches Mal. Das ist aber kein Grund zur Kritik, denn McBain versteht es meisterhaft, mit mehreren Bällen gleichzeitig zu jonglieren. Dennoch können die drei Plots nur punktuell, nicht aber durchgängig fesseln.
Vielleicht hat McBain einen kapitalen Fehler begangen, als er Steve Carella in eine Midlife crisis stürzte. Der Held aus so vielen Abenteuern steht kurz vor seinem vierzigsten Geburtstag und macht sich ständig Gedanken darüber, wie doch die Zeit verflogen ist. Unwillkürlich kommt mit Carella auch der Leser ins Grübeln. Er (oder sie) rechnet nach und kommt zu dem Schluss, dass Carella wohl eher seinen 80ten als den 40ten Geburtstag feiern müsste. Seine Kinder werden seit Jahrzehnten nicht erwachsen, ihre Mutter nicht älter. Doch sie alle haben Erinnerungen an Ereignisse, die zum Teil vier Jahrzehnte in die Vergangenheit reichen. Solche Erkenntnisse stören die Harmonie der McBainschen Schöpfung erheblich. Plötzlich fallen auch andere Sprünge auf. Die Detectives des 87. Reviers mögen sich ermittlungstechnisch auf der Höhe ihrer befinden. Sie denken und handeln jedoch, als seien sie irgendwann in den frühen 60er Jahren stecken geblieben.
Definitiv im 21. Jahrhundert angekommen sind allerdings die Verbrecher von Isola, die Presse und die Justiz – die Grenzen zwischen diesen drei Gruppen sind bei McBain übrigens seit jeher fließend. Überhaupt pflegt der Autor auch in »Big Bad City« die für ihn typische, unnachahmliche Mischung aus Sachlichkeit, Schrecken und Schwarzem Humor. Da wirken eine rockende Nonne mit Brustimplantaten oder ein von Alligatoren gefressener Wüstling keineswegs fehl am Platze, und als ironisches Sahnehäubchen läßt McBain ausgerechnet »Fat Ollie« Weeks, die Schande der Polizei von Isola, dem geplanten Mord an Steve Carella auf die Spur kommen.
Abgeschlossen wird »Big Bad City« mit einem langen Monolog Steve Carellas, der sich an die großen Fälle des 87. Reviers erinnert. Dies ist quasi eine vorgezogene Reminiszenz, die des 50., des Jubiläumsbandes der Serie würdig wäre, der den deutschen Titel »Dead Man’s Song« trägt und ebenfalls im Europa-Verlag gerade erschienen ist, darf man sich nun freuen.
Ansonsten gilt: Selbst ein McBain »auf Autopilot« findet sein Ziel, die Unterhaltung des Publikums mit traumwandlerischer Sicherheit. »Big Bad City« liest sich ohne Längen, zügig und in einem Stück. Das ist in der deutschen Ausgabe auch der wieder einmal vorzüglichen Übersetzung von Uwe Anton zu verdanken. Schön gedruckt, fest gebunden und günstig im Preis, erscheinen Ed McBains Romane um das 87. Revier nach ihrer langen und oft abenteuerlichen Odyssee durch beinahe sämtliche Verlagshäuser Deutschlands im Europa Verlag (seit »Long Dark Night«, dem 48. Band der Serie) endlich in dem ihnen gebührenden Rahmen.
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| Krimi-Tina zu »Ed McBain: Big Bad City« | 25.10.2009 |
|---|---|
| detno zu »Ed McBain: Big Bad City« | 15.12.2008 |
| Luca zu »Ed McBain: Big Bad City« | 27.02.2008 |
| MarianneR zu »Ed McBain: Big Bad City« | 07.10.2007 |
| Dieter Schäfer zu »Ed McBain: Big Bad City« | 18.01.2007 |
