Frauen und Krimis – eine überflüssige Kolumne

von Dieter Paul Rudolph

Können Frauen Krimis schreiben – oder haben sie nichts Besseres zu tun? Das sind natürlich Fragen, die die Menschheit in Atem halten und dafür sorgen, dass andere, nicht ganz so wesentliche noch mehr an den Rand gedrängt werden. Die etwa, warum alleinerziehende Frauen das größte Armutsrisiko tragen, warum Frauen deutlich weniger verdienen als Männer in vergleichbaren Positionen, warum, je höher es auf der Karriereleiter geht, desto weniger Frauen die nächste Sprosse erreichen.

Uninteressant. Aber ganz Deutschland hält den Atem an, wenn das größte aller Menschheitsgeheimnisse verhandelt wird, die Frage nämlich, woran es liegt, dass Frauen nicht einparken können, schon gar nicht rückwärts. Und warum sie sich, wenn sie schon unbedingt »was mit Kunst« machen wollen, nicht auf die ihnen zustehenden Sparten konzentrieren: Malen – Musik – Modeln.

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Frauen und Kriminalliteratur: kürzer könnte eine Kolumne eigentlich gar nicht werden. Denn natürlich können Frauen Krimis schreiben, sie tun es, sehr gut und mit Erfolg. Sind sie Männern gegenüber benachteiligt? Kühne Behauptung: nein. Schreiben sie anders als Männer? Noch kühner: auch nicht. Und wenn ja, dann hat das einfache Gründe. Aber betrachten wir uns das genauer und werfen einen kurz Blick in Geschichte des Kriminalromans.

Noch vor kaum mehr als 200 Jahren galt der Roman an sich als die minderwertigste aller literarischen Gattungen. Er war zumeist »Frauensache«, d.h. seine Konsumentinnen gehörten vorwiegend weiblichen Geschlecht an. Leichte, gefühlsduselige Kost – so wurde der herkömmliche Roman abgetan, etwas für die empfindsame Frau eben. Doch das änderte sich rasch.

Auch die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts immer populärer werdende Kriminalliteratur genoss einen schlechten Ruf. Sie erschien in Familienzeitschriften wie der »Gartenlaube«, die wiederum bevorzugt von Frauen gelesen wurde. Man saß in der ruhigen guten Stube und holte sich sein Quantum Thrill, bevor man in die aufregende Welt des Abwaschs zurückgeholt wurde. Und wer produzierte diese Spannungsware? Männer. Das heißt – nicht nur. Die erfolgreichste Autorin war Eugenie Marlitt, die in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Renaissance erlebte und deren durchaus mit kriminellen Zutaten gebackenen Texte (»Das Geheimnis der alten Mamsell«) verfilmt wurden. Doch auch andere Frauen versuchten sich mit Erfolg im jungen Krimigewerbe: Franz von Busch, Herbert Ribulet, Erich Ebenstein …ach so, das sind alles Männer? Eben nicht. Denn etliche Frauen verbargen sich hinter männlichen Pseudonymen, so dass die Frage, welchen Anteil die weiblichen Autorinnen an der Krimiproduktion der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten, nicht abschließend geklärt werden kann. Er dürfte aber beträchtlich gewesen sein.

Auch die Österreicherin Auguste Groner veröffentlichte zunächst unter männlichen Pseudonymen (Olaf Björnson u.a.), bevor sie unter eigenem Namen den wahrscheinlich ersten Seriendetektiv der deutschen Krimigeschichte erfand, einen Mann mit dem Allerweltsnamen Joseph Müller. An Popularität wurde sie nur von wenigen übertroffen, unter anderem von Anna Katharina (A.K.) Green, deren erster Krimi The Leavenworth Case von 1878 auch in Deutschland zu Bestsellerehren kam.

Der Rest ist Geschichte. Frauen beeinflussten die Entwicklung des Genres maßgeblich, man braucht nur wenige Namen zu nennen, um dies zu beweisen: Agatha Christie, Dorothy L. Sayers, Margery Allingham, Patricia Highsmith …

Machen wir uns den kleinen Spaß und stellen uns vor, wie sich zum Beispiel die deutsche Kriminalliteratur etwa ab den 1970er Jahren entwickelt hätte, wären ausschließlich Frauen an ihr beteiligt gewesen. Dann hätte die heute kaum noch bekannte Helga Riedel den Hype des »Soziokrimis« ausgelöst – und das interessierte Publikum wäre besser dabei gefahren als mit den tatsächlichen und männlichen Langweilern. Pieke Biermann hätte in den Achtzigern und Neunzigern den deutschsprachigen Kriminalroman auf Zeithöhe gebracht und sprachlich rigoros entrümpelt, Astrid Paprotta das Gedankenlabyrinth lakonisch genau durchmessen. Um nur mal die Eckpunkte zu definieren. Auf dieser Fläche nun könnte sich tummeln, was mit gekonnter Arbeit alle Geschlechter gut bedient hat und weiter bedient, von Monika Geier bis Henrike Heiland, von Anne Chaplet bis Christine Lehmann, von Elisabeth Herrmann bis. …man könnte hier viele Namen einsetzen. Schweigen wir ganz von der internationalen Krimiszene, einer Ansammlung nicht nur lesenswerter, sondern auch kommerziell erfolgreicher Romane, die von Magdalen Nabb bis Fred Vargas alles zu bieten haben, was das Krimiherz begehrt. Vergessen sei auch nicht, dass der größte kommerzielle Krimierfolg der letzten Jahre hierzulande von einer Frau gefeiert werden konnte, Andrea Maria Schenkel und Tannöd. Und sollte das Gerücht stimmen, nicht Stieg Larsson, sondern seine Freundin zeichne für die Lisbeth-Salander-Romane verantwortlich, dann hätte sich der Kreis vollendet. Eine rein weibliche Kriminalliteratur wäre, sorry Jungs, durchaus in der Lage, uns mit nahrhafter Kost zu versorgen.

Und so herrscht allerorten eitel Sonnenschein. Der Kolumnist beendet seine Kolumne mit den weisen Worten: Im Genre der Kriminalliteratur sind Männer und Frauen gleichberechtigt! – und wendet sich anderen wichtigen Dingen des Daseins zu. Doch das wäre verfrüht. Wie nämlich erklärt es sich, dass etwa ab den 70er Jahren ein Phänomen wie der »Frauenkrimi« sich entwickeln konnte? Warum geistert die Behauptung, Kriminalromane von Frauen hätten bei Kritikern ein schwereren Stand als die von Männern, seit Jahren durch die Diskussion? Sind das bloße Überreaktionen, pauschale Vorwürfe? Bemühen wir noch einmal die Geschichte des Genres.

In den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts vollzog sich, was die Definition von Kriminalliteratur anbetrifft, eine Art Perspektivwechsel. Das bis dato dominierende Modell des »Ratekrimis« wurde von einem anderen abgelöst, dessen Schwerpunkt auf der gesellschaftlichen Realität mit all ihren so gar nicht idyllischen Begleiterscheinungen lag. Diese »hardboiled« genannte Richtung wurde beinahe ausnahmslos von Männern und ihren männlichen Protagonisten beherrscht, während der »Ratekrimi« seit jeher eine Domäne von Frauen (»Golden Age«) gewesen war. Natürlich verschwanden Agatha Christie und Konsorten nicht von der Bildfläche, oder aus den Regalen von Generationen begeisterter LeserInnen. Eine unsichtbare Grenze trennte dennoch fortan den »männlichen« vom »fraulichen« Krimi. Frauen, so scheint es, sind für das »subtil Psychologische« zuständig, Männer hingegen für die harte und brutale Wirklichkeit. Von Patricia Highsmith bis P.D. James, von Elizabeth George bis Ingrid Noll: all das firmiert unter einem so bezeichnenden Namen wie »Ladies of Crime« und stellt es damit in eine eher wirklichkeitsferne Ecke, in der vornehme Damen beim Teetrinken noch den kleinen Finger abspreizen und über die richtige Giftmischung für den Herrn Gemahl plaudern.

Die Folgen sind bekannt: Die »hardboiled« – Schiene mit ihren sämtlichen Ablegern von Pulp bis Noir beschrieb die Realität aus der Perspektive männlicher Protagonisten. Frauen waren bevorzugt Opfer oder Objekte der Begierde, tragische Heldinnen und gefallene Mädchen, Verführerinnen und Lockvögel. Es ist nur folgerichtig, dass gerade das Aufkommen einer neuen feministischen Bewegung in den 70er Jahren damit nicht zufrieden sein konnte. Als eine der ersten und erfolgreichsten trat Sara Paretsky auf den Plan und beschrieb aus dem Blickwinkel ihrer Heldin Vic Warshawski die für Frauen alles andere als sonnige Wirklichkeit. Viele andere folgten und etablierten den »Frauenkrimi«: Krimis von Frauen mit Frauen für Frauen. In Deutschland an vorderster Front dabei die Reihe »Ariadne Krimi« im Argument Verlag mit ihrer »Chefin« Else Laudan. Was sagt sie zum »Frauenkrimi«?

»Die Aufgabe eines feministischen Krimiprojekts ist noch längst nicht abgegolten! Gehen wir davon aus, dass Frauenunterdrückung in die herrschende Kultur eingeschrieben ist, dass sie in Regeln, Werten, Normalitätsvorstellungen und gewöhnlicher Orientierung auch von Frauen selbst reproduziert wird. Also müssen wir kulturzerstörerisch vorgehen und etwas Alternatives anbieten. Feministische Krimis müssen einer möglichen Realität zur Sprache verhelfen, in der Frauen aufrechte, kompetente und handlungsfähige Menschen sein können. Eine typische feministische Krimiheldin hat mit genau den Widersprüchen zu tun, die der ›gewöhnlichen‹ realen Frau das Leben schwer machen.« (aus einem Interview mit dpr)

Hier wird deutlich, dass »Frauenkrimi« weit über die Grenzen des (Unterhaltungs-)Genres hinausreicht und daher auch nicht isoliert als bloßes »Subgenre« betrachtet werden kann. Das mag die große Empfindlichkeit erklären, mit der die Reaktionen vor allem der Kritik auf Autorinnen gesehen und kommentiert wird. Andererseits würden sich die meisten der mir persönlich bekannten Krimiautorinnen dagegen verwahren, in die Frauenkrimikiste gesteckt zu werden. Die Argumente beider Seiten sind nachvollziehbar. Manchmal braucht man ein »Label«, um Kräfte zu bündeln und berechtigte Interessen durchzusetzen. Dass dies gelegentlich in feministische Nummernrevuen ausartet, gehört dazu. Wichtig scheint mir, dass solche Etikettierungen wie »Frauenkrimi« nur dann legitim sind, wenn man sie überwinden möchte. Das dürfte noch nicht gelungen sein, doch wer unvoreingenommen liest, hat erkannt, dass die besten Vertreterinnen des »Frauenkrimis« ihren Blick längst über den Tellerrand gelenkt haben. Etwas, das man von vielen »Männerkrimis« wahrlich nicht behaupten kann.

Und dennoch: Schreibende Frauen fühlen sich benachteiligt. Werden Sie von der überwiegend männlichen Schar der Kritiker geflissentlich übersehen, wenn es um Preise und Hitlisten geht? Betrachtet man sich das Ganze statistisch, fällt die Antwort leicht: Ja, Frauen räumen weniger ab als Männer. Warum dies so ist? Keine Frage, sagen die Frauen. Die Jurorenschaft des Deutschen Krimipreises etwa setzt sich aus 28 Männern – und ganzen 6 Frauen zusammen. Über der von Tobias Gohlis initiierten KrimiWelt-Bestenliste, die jeden Monat die 10 »besten« Krimis kürt, grübeln 13 Kritiker und 6 Kritikerinnen. Der Fall scheint klar: Alles ist männerdominiert und Männer bevorzugen nun einmal ihresgleichen.

Betrachtet man sich die Sache allerdings genauer, beginnt man zu zweifeln. Erstens: Beide Jurys achten auf »Ausgewogenheit«, die nicht geschlechts-, sondern eher medienspezifisch zu sein scheint. Wenn etwa für die ausgeschiedene »Tagesspiegel«-Kritikerin Andrea Fischer bei der »Bestenliste« Kolya Mensing nachrückt, dann nur, weil er eben beim Medienpartner »Tagesspiegel« schreibt. Als Mensing noch für die taz rezensierte, gehörte er nicht zur Jury, weil eben die taz (für die jetzt Katharina Granzin die Krimikritik übernommen hat) KEIN Medienpartner der Liste ist. Ähnliche Proporz-Erwägungen dürften auch die Zusammensetzung der Jury des Deutschen Krimipreises bestimmen, und so wird eben eine Frau durch einen Mann ersetzt, ohne dass man von »Benachteiligung« reden könnte.

Hinzu kommt, dass es wohl tatsächlich weniger Krimikritikerinnen als Krimikritiker gibt. Wer nun hier eine Verschwörung von Medienmännern vermutet, sei darauf verwiesen, dass auch unter den Krimiblog-Betreibern das weibliche Element nicht so stark vertreten ist. Selbst auf der Krimicouch sitzen mehr rezensierende Männer als Frauen, was nun ganz gewiss nicht am Chauvinismus der Redakteure liegt, sondern eher am mangelnden weiblichen Angebot.

Wichtiger aber: Bei genauerer Betrachtung der gekürten Titel stellt man fest, dass weniger das Geschlecht als vielmehr das »Subgenre« bestimmt, wer sich auf Preise und Platzierungen freuen darf. Rabenschwarzer Noir à la David Peace und überbordendes Lustigsein mit »literarischem« Anspruch (Haas, Steinfest) sind momentan hoch im Kurs – Männerdomänen. Auch die berücksichtigten Autorinnen stammen im weitesten Sinne aus diesem Umfeld, seien es Jenny Siler mit ihren Abstechern in die Welt der Geheimdienste oder Christine Lehmann, deren taffe Protagonistin auch schon mal einem Mann locker in den Schritt grätscht und auch sonst nicht weniger hartgekocht ist als ihre männlichen Kollegen.

Und dies führt uns zur interessantesten aller Fragen in Sachen Frauen und Kriminalroman. Schreiben Frauen anders als Männer? Einfühlsamer, mehr an der Psyche orientiert, »fraulicher« eben? Ist das jeweilige »Krimi-Gen« also bei den Geschlechtern unterschiedlich ausgeprägt? In einem Artikel von Christine Lehmann heißt es:

»Susanne Mischke, Trägerin des Wiesbadener Frauenkrimipreises 2001, meinte bei einer Lesung auf der Criminale 2002 auf die Frage, ob Frauen anders schreiben als Männer: «Diese Szene beim Friseur hätte kein Mann so schreiben können. Dafür machen Männer nie Fehler bei Autos.” Verschiedene Alltagserfahrungen und unterschiedliche Lebenswelten also. Doch weil der Kriminalroman von sozialen Konflikten im Privatleben handelt und weil Mädchen traditionell besser auf soziale Sensibilität trainiert werden, sind Frauen besser darauf vorbereitet, Krimis zu schreiben."

Nun ja. Mit Friseuren kenne ich mich tatsächlich nicht aus, mit Autos allerdings noch weniger. Auffällig ist aber, dass auch hier die soziale Rolle der Frau betont wird und die Verschiedenheit der jeweiligen geschlechtsspezifischen Lebensmilieus. Unvorstellbar etwa, dass sich ein männlicher Detektiv andauernd Gedanken machen muss, wie er seine minderjährigen Plagen versorgt, während anderswo fleißig gemeuchelt wird. Man kann es auch übertreiben. In meinem einzigen gelesenen Krimi von Liza Marklund etwa, scheint es weniger um Täter und Motiv zu gehen als darum, welche Tagesmutter wann auf die Kinder aufpasst.

Aber schön. Frauen schreiben über die Probleme von Frauen und werden daher bevorzugt von Frauen gelesen. Stimmt das? Die Leserinnen der Krimicouch sehen das ein wenig anders. Stellvertretend sei »muprl« zitiert:

"Als Buchhändlerin habe ich ja einen ganz guten Überblick darüber, wer was kauft. Da kristallisieren sich natürlich bestimmte Autoren heraus, die fast nur von Frauen gekauft werden. Ob nun Charlotte Link oder, klar, Janet Evanovich aber auch Bücher von Karin Slaughter haben ihre treueste Fangemeinde unter Frauen. Es ist aber recht schwer, Krimis zu finden, die deutlich öfter von Männern gekauft werden als von Frauen.»

Nun wird man den genannten Damen nicht zu nahe treten, wenn man sie nur bedingt als «an der sozialen Wirklichkeit der Frauen interessiert» einordnet. Könnte es tatsächlich sein, dass Frauen einfach nur spannende Krimis lesen wollen? Ganz gleich ob von ihresgleichen oder nicht? Nein, ausgeschlossen! Und keine Widerrede jetzt, Mädels, das ist nämlich wissenschaftlich erwiesen!

Vor kurzem geisterte eine Meldung durch die Presse, die nicht nur bei mir Kopfschütteln hervorgerufen haben dürfte. Laut einer Umfrage der University of Illinois lesen Frauen deshalb bevorzugt Krimis, um sich Tipps zu verschaffen, die es ihnen ermöglichen, in einer Notsituation besser überleben zu können. Das Ganze habe dann, so wird weiter behauptet, den unerwünschten Effekt, dass die Angst der Frauen vor (männlichen) Gewalttaten noch mehr steige …Genau. Das erinnert mich an jene Umfrage, bei der es um die Frage ging, warum sich Männer gerne betrinken. Antwort: Um die zerstörerischen Kräfte des Alkohols besser kennenzulernen und sich ihrer erwehren zu können.

Die Frau in der naturgegebenen Opferrolle? Der Krimi als Überlebenshilfe? Könnte es nicht einfach sein, dass auch Frauen gerne spannende Krimis lesen, gerne auch mit etwas Gewalt und gesellschaftlicher Aussage? Wir wollen es hoffen. Denn sonst hätten all die guten Autorinnen umsonst geschrieben, diejenigen, die genau diese Attitüde überwinden wollten und noch wollen.

Hinter dieser Trennung von Mann und Frau beim Krimischreiben und –lesen dürfte meiner bescheidenen Meinung nach etwas anderes stecken: geschäftliches Kalkül. Der Krimikuchen ist in den Marketingabteilungen der Verlage aufgeteilt, was die Zielgruppen und ihre Lieferanten betrifft. Männer schreiben «Thriller" und sind hartgesotten, Frauen mögen es mit Herz. Zu diesem Konzept gehört natürlich auch die Ausnahme. Christa Faust darf für »Hard Case Crime« schreiben und ist sich der Aufmerksamkeit ebenso gewiss wie Mo Hayder, die es männlich-brutal krachen lässt.

Die bittere Wahrheit dürfte sein, dass sich das Gros der Autorinnen und Autoren nicht so sehr durch individuelle oder gar geschlechtsabhängige Eigenheiten voneinander unterscheidet, sondern durch marktstrategische. Wie jedes andere Genre auch lebt der Krimi von Schnittmustern und Klischees, neigt zur industriellen Massenfertigung. Es werden Zielgruppen bedient, alte Rollen übernommen, vorgetrampelte Pfade bis zum Gehtnichtmehr benutzt. Hier ist alles austauschbar, Sebastian Fitzek könnte Sabine Fitzek heißen und Sabine Thiesler Sebastian Thiesler.

Die wahre »Frauenliteratur« definiert sich über die Qualität der Texte und die Persönlichkeit ihrer Schöpferinnen. Hier gibt es eine Menge zu entdecken, auch von männlichen Lesern. Zu hoffen bleibt, dass sich mehr Frauen auch öffentlich mit dem Genre Kriminalliteratur beschäftigen. Hier gibt es einigen Nachholbedarf. Also traut euch! Wer nicht ewig in der Opferrolle verharren will, muss selbst »Täter« werden. Und zwar auf dem Papier.

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ISSN 1862-7528