Credo. Das letzte Geheimnis von Douglas Preston

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Blasphemy, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Droemer.
Folge 2 der Wymon-Ford-Serie.

  • New York: Forge Books, 2008 unter dem Titel Blasphemy. 414 Seiten.
  • München: Droemer, 2008. Übersetzt von Katharina Volk. ISBN: 978-3-426-19798-1. 586 Seiten.
  • München: Knaur, 2009. Übersetzt von Katharina Volk. ISBN: 978-3-426-50047-7. 585 Seiten.
  • [Hörbuch] Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2008. Gesprochen von Johannes Steck. ISBN: 3-7857-3573-1. 6 CDs.

'Credo. Das letzte Geheimnis' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

In einem abgelegenen Labor erforschen Wissenschaftler eine neuartige Energiequelle. Plötzlich gerät der gigantische Teilchenbeschleuniger außer Kontrolle – und aus seinem Inneren wird eine Botschaft gesendet, ein einfaches »Willkommen«. In den Wissenschaftlern keimt ein Verdacht …doch ist es wirklich möglich, dass Gott selbst zu ihnen spricht?

Das meint Krimi-Couch.de: »Hauruck ohne Tiefgang« 75°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

AbsatMan vergrößere mit einem Budget von 40 Millionen Dollar den Teilchenbeschleuniger von CERN (immerhin 27 km Länge) auf ein Dreifaches, packe ihn 91 Meter tief unter die von Goldsuchern ausgehöhlten Berge der Red Mesa und schicke ein Dutzend der besten Wissenschaftler zu ihm unter die Erde und versuche durch Kernspaltung ein Schwarzes Loch zu durchdringen. Was in der Schweiz 3400 Mitarbeiter und 8000 Gastprofessoren noch nicht geschafft haben, wird in der Wüste Wirklichkeit. Als die Leistung der Maschine, die auf Isabella getauft wurde, 99,9 Prozent erreicht hat, spielen offensichtlich die Geräte verrückt und es erscheint der, den die Menschheit Gott, Allah oder Chaos nennt.

Na klar, da wird sofort eine Nachrichtensperre verhängt. Da aber die Regierung wissen will, was um ihr teures Geld in der Wüste passiert, schickt sie den Ethnologen und Kryptologen Wyman Ford, der jetzt als Privatdetektiv arbeitet, als Beobachter hinein in den Berg zu Professor Hazelius und sein Team. Gleichzeitig wird ein professioneller Fernsehprediger auf die Wissenschaftler aufmerksam, die versuchen, die Schöpfungsgeschichte mit ihren Forschungen ad absurdum zu führen und er beginnt eine Medienschlacht gegen das Projekt, das ihm vor allem Spendengelder der Sehergemeinde sichern soll. Dazu organisiert er noch einen verrückten Wüstenprediger vor Ort, der ihn mit Details versorgen soll, aber dieser startet einen One-Man-Kreuzzug und mobilisiert die Massen, um die Teufelsmaschine zu zerstören, denn das ist pure Blasphemy.

Aus Blasphemy wird im Verlag Droemer-Knaur auf fast 600 Seiten in der Übersetzung von Katharina Volk Credo – Das letzte Geheimnis und Douglas Preston hat damit wieder einen Stoff aufgegriffen, der pure Brisanz darstellt, auch wenn man natürlich weiß, dass der Autor zwar hervorragend die Themen recherchiert, danach aber mit sehr viel dichterischer Freiheit arbeitet und die Logik oftmals hinter der Dramaturgie hinterher hinkt. Aber wer solche Art Wissenschaftsthriller mag, die hauptsächlich mit Action und Schwarz-Weiß-Malerei punktet, der trifft auch bei diesem Elaborat genau ins Schwarze.

Lediglich die Zeichnung der Charaktere ist Mr. Preston diesmal eher schmalbrüstig gelungen, denn Sympathiewerte kann Wyman Ford hier kaum erzielen, auch wenn er, welch Zufall, unter den Wissenschaftlern eine Ex-Freundin findet, die er so gerne wieder ins gemeinsame Nest zerren möchte. Doch wenn man bei solchen amerikanischen Autoren überhaupt von psychologisch durchdachter Zeichnung von Charakteren reden will, dann ist es Pastor Russ Eddy, dessen Verrücktheit bei der Jagd nach dem Antichrist als Figur am Schillerndsten in Erscheinung tritt.

Credo braucht ein wenig, um ordentlich anzulaufen, weil man dem Leser erst die unterschiedlichen Lobbyisten näher bringen muss, die sich um den Bart des Propheten und sein Geld raufen wollen, nach einem Drittel der Story ist die Maschinerie aber schon so ins Laufen geraten, dass es dem Autor sichtlich schwer fällt, die Spannungskurve zu halten. Dass darüber hinaus die Auflösung des Phänomens der Erscheinung nicht unbedingt originell und vollständig durchsichtig ist, stört insofern nicht, als der Kampf um die Verhinderung der Apokalypse noch ein gutes Stück weiter tobt.

Für meinen Geschmack hat Douglas Preston die Konfrontation zwischen Professor Hazelius und Gott viel zu seicht abgehandelt. Da nützt auch nichts, dass die immer wiederkehrenden Dialoge am Ende des Buches nochmal zusammengefasst sind. Die Möglichkeit daraus ein faszinierendes psychologisches und theologisches Diskussionsspektakel zu machen, hat Preston verabsäumt, wohl auch im Hinblick auf den Leser, der solches wohl auch nicht in einem amerikanischen Actionthriller erwartet.

Bleibt abschließend nur zu erwähnen, dass Credo – das letzte Geheimnis für Freunde des Hauruck-Action-Kino-Im-Kopf genau die richtige Lesenahrung ist, trotz des tollen Themas aber über keinerlei Tiefgang für philosophisch angehauchte Leser verfügt. Und das ist in diesem Fall verdammt schade.

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Sheila zu »Douglas Preston: Credo. Das letzte Geheimnis« 01.05.2014
Eigentlich wollte und sollte ich den heutigen Tag nutzen und meine Hausarbeit zu erledigen. Im Endeffekt habe ich aber den Tag mit der Nase im Buch verbracht und konnte es nicht beseite legen.

Douglas Preston ist so oder so einer meiner Lieblingsautoren und dieses Buch war wie die anderen: einfach toll! Spannend bis zum Schluß und ich hoffe, daß es bald noch einige weitere Geschichten mit der Hauptfigut Wyman Ford geben wird.

Interessant und erschreckend fand ich in diesem Buch vor allem, wie leicht die Menschen zu religiösen Eiferern werden und sich beeinflussen lassen.
nwef zu »Douglas Preston: Credo. Das letzte Geheimnis« 07.08.2011
Jetzt muss ich hier mal einigen wiedersprechen: Die Story mag villeicht über das komplette Buch ähnlich sein, es ist allerdings in einer Weise geschrieben die einen nicht aufhören lässt zu lesen. Die Story wird glaubhaft rübergebracht, darauf kommt es meiner Meinung nach an. Klasse Buch, es lohnt sich auf jeden Fall gelesen zu werden!
krimiwolf zu »Douglas Preston: Credo. Das letzte Geheimnis« 21.01.2010
Für mich leider das bisher schwächste Buch dieses Autorenteams. Die Story wirkt relativ flach und unglaubwürdig. Auch die Spannung kommt nicht so richtig auf Touren.
Die einzelnen Charaktere wirken zu blass.
Man kann es zwar lesen, doch von diesen Autoren bin ich allerdings weitaus besseres gewohnt.Meine Wertung: 65° Grad
Bert S. zu »Douglas Preston: Credo. Das letzte Geheimnis« 18.08.2009
Ich habe bis jetzt jedes der Preston und Preston Child Bücher gelesen.
Credo war das schwächste und liegt im Moment bei mir vor`m Haus auf dem Gehweg mit einem gelben "zu verschenken" Post It Zettel aufgeklebt.
Einzig erfreut war ich über den Holzhammer gegen die Religiöse - Rechte in den USA.
Ansonsten fand ich das Buch wie immer gut lesbar. Und trotzdem in der Story sehr dünn.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Frank zu »Douglas Preston: Credo. Das letzte Geheimnis« 14.05.2009
Was wäre, wenn es einigen Wissenschaftler gelänge mit "Gott" in Verbindung zu treten?
Und was, wenn dieser nur eine Aufforderung an die Menschheit hätte?
Dem bisherigen Glauben abzuschwören.
Preston schafft es (auch) in seinem neuesten Roman den Leser von Anfang an zu unterhalten.
Mit einem Blick auf eine Kinoverfilmung (behaupte ich mal) entwirft er ein Szenario, dass geradezu apokalyptische Ausmaße annimmt.
Natürlich ist das Mainstreamunterhaltung - aber eben verflucht unterhaltsam geschriebene. Dass nebenbei noch einige nachdenkenswerte Fragen aufkommen, ist ein weiterer Bunuspunkt.
Lediglich einige der Figuren erscheinen etwas blass - allerdings ordnen sie sich einfach dem Geschehen selbst unter.
Perfekt gemachte Unterhaltung auf hohen Niveau.
90%.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
sue82 zu »Douglas Preston: Credo. Das letzte Geheimnis« 22.06.2008
Religion vs. Wissenschaft. Eigentlich geht es in dem ganzen Buch nur darum. Ein Supercomputer behauptet von sich Gott zu sein und die Wissenschaftler sollen die Wissenschaft als neue Religion der ganzen Welt verbreiten.

12 Wissenschaftler, ein Privatdetektiv, ein fanatischer Priester, ein Fernsehpriester, ein Lobbyist, der Präsident der Vereinigten Staaten sind die Hauptakteure in dem sehr spannenden Buch.

Fazit: ein sehr gutes Buch, 80°
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
K.-G.Beck-Ewe zu »Douglas Preston: Credo. Das letzte Geheimnis« 13.06.2008
Wyman Ford bekommt einen Job in einem Berufsfeld, mit dem er eigentlich längst abgeschlossen zu haben glaubte. Er soll sich einer Gruppe von Wissenschaftlern in der Nähe von Four Corners anschließen, die dort an einem neuartigen Teilchenbeschleuniger namens Isabella arbeiten. Als Anthropologe mit dem Spezialgebiet Navajos soll er herausfinden, was die 12 Wissenschaftler da unter der Erde treiben. Offiziell ist er eine Art Pressesprecher zu den Navajo in dem Gebiet, aber in Wirklichkeit soll er mit seinen Erfahrungen als CIA-Operativer versuchen, heraus zu bekommen, was diese Leute vor ihren Geld- und Arbeitsgebern geheim halten wollen. Dabei soll ihm zugute kommen, dass eine Wissenschaftlerin seine ehemalige große Liebe ist.

Doch nicht nur die Regierung als Geldgeber ist interessiert daran, was in dem Labor vor sich geht. Auch die direkten Nachbarn in der Reservation sind neugierig – in erster Linie, weil sie nichts von ihren neuen Nachbarn erfahren und diese sich nie bei ihnen zum Einkaufen sehen lassen.

Ein Fernsehprediger wittert in Isabella einen direkten Angriff auf den Glauben. Denn die große Maschine wurde ausdrücklich mit dem Ziel gebaut, die Umstände des Big Bang nachzuvollziehen und Reverend Don T. Spates ist sich sicher, dass dies ein direkter Angriff auf die Schöpfungsgeschichte und auf den Thron Gottes ist. Und so beginnt er die Massen vor den Fernsehschirmen gegen Isabella zu mobilisieren. Und dann bekommt er durch einen eigenen Spion vor Ort noch eine weitere Nachricht, die ihn das christliche Äquivalent des Jihad ausrufen lässt.

Spannend, gut erzählt, gut recherchiert und überaus bedenkenswert. Sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen.
4 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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