Mord in mageren Zeiten von Dorothy L. Sayers & Jill Paton Walsh

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel A Presumption of Death, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: , 1930 - 1949.
Folge 16 der Lord-Peter-Wimsey-Serie.

  • London: Hodder & Stoughton, 2002 unter dem Titel A Presumption of Death. 371 Seiten.
  • New York: St. Martin´s Minotaur, 2003. 371 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2004. Übersetzt von Beate Smandek. ISBN: 3-499-23617-6. 371 Seiten.

'Mord in mageren Zeiten' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Dorothy L. Sayers’ allerletzter Fall – England 1940: Harriet Vane – nun Lady Peter Wimsey – hat sich mit ihren Kindern in die beschauliche Countryside zurückgezogen. Doch auch hier wird es nicht langweilig. Die in der Umgebung stationierten Royal-Air-Force-Soldaten und die hübschen Mädchen vom Landdienst sorgen für reichlich Unterhaltung in Talboys. Bis eines Tages aus dem Spiel Ernst wird und die schöne Wendy tot auf der Straße liegt. Ein Opfer des Krieges ist sie jedoch ebenso wenig wie der nächste Tote.

Das meint Krimi-Couch.de: »Unterhaltsam, aber nicht wirklich spannend« 68°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Gut 60 Jahre liegen zwischen Lord Peter Wimseys vermeintlich letztem Auftreten 1939 und seinem allerletzten Fall. Wie das kommt? Dorothy L. Sayers, die literarische Mutter des adligen Detektivs, verstarb bereits 1957, hinterließ jedoch der Nachwelt einige fiktive Briefe, die von November 1939 bis Januar 1940 in »The Spectator« erschienen, und die das Leben der Wimseys in der Kriegszeit zum Thema hatten. Zusätzlich erschien eine Kurzgeschichte mit dem Titel »Talboys«, in dem die Autorin weiteren Aufschluss über den Verbleib ihrer Protagonisten gab. Insbesondere die Briefe, die sogenannten »Wimsey Papers«, bildeten die Grundlage für das vorliegende Buch. Es ist zwar meines Erachtens nicht ganz richtig, dass als Autorengespann Jill Paton Walsh & Dorothy L. Sayers genannt werden, aber es ist aus Vermarktungsgründen durchaus verständlich und wird in dieser Form des öfteren praktiziert. Schließlich basieren die James Bond-Filme seit vielen Jahren nur noch auf der von Ian Fleming erschaffenen Figur und auch Rosamunde Pilcher hat nicht so viele Bücher geschrieben, die als Drehbuchvorlage für die Sonntagsabendschnulzen dienen könnten.

Harriet als Sinnbild der Emanzipation

Jill Paton Walsh hat demgemäss die Ausgangssituation von Dorothy L. Sayers übernommen: Lord Peter hat es in den Wirren des Zweiten Weltkrieges in geheimer Mission ins Ausland verschlagen, Lady Peter, also Harriet Vane, nun Wimsey, lebt auf dem Land und muss sich mit Lebensmittelkarten, Landverschickten und der Verdunklung herumschlagen. Sie hat nicht nur ihre eigenen Kinder in ihrer Obhut, sondern auch noch die drei Rangen ihrer Schwägerin. Bei einem Luftalarm versammeln sich fast alle Bewohner des Dorfes im Keller des Gasthauses; das »fast« gilt deshalb, weil nach Ende des Alarms eine Tote auf der Straße gefunden wird. Da Lord Peter nicht in der Nähe weilt und überall Not am Mann ist, muss wie in allen anderen Lebenslagen auch hier die Frau ran und Harriet unterstützt die Polizei tatkräftig bei ihren Ermittlungen.

Verhaltener Start

Es ist bald 20 Jahre her, dass ich meinen letzten Wimsey-Krimi gelesen haben, vielleicht fiel es mir aus diesem Grund schwer, den Einstieg in die Geschichte zu finden. Vielleicht aber auch, weil man mit einigen Briefen aus den Wimsey Papers beginnt, die voller Details aus Kriegstagen sind, welche heutzutage für uns nicht so einfach verständlich sind. Wir starten langsam, ein wenig zu langsam für meinen Geschmack, aber nach einem guten Drittel wird es unterhaltsam. Jill Paton Walsh bringt einem die Figuren näher und mehr und mehr kann man auch über die Schilderungen der Dorfbewohner schmunzeln.

Der Mordfall steht nicht im Mittelpunkt und scheint mir etwas dünner zu sein, als man das von Dorothy Sayers gewohnt ist – soweit ich das noch richtig in Erinnerung habe. Ich halte die Geschichte daher eher für eine Art Gesellschaftsstudie, die das Leben im Zweiten Weltkrieg authentisch darstellt, was daher herrührt, dass die Autorin hier auf die Aufzeichnungen von Dorothy Sayers zurückgreifen konnte. Mord in mageren Zeiten ist ein Buch, das Wimsey-Fans sicher gerne lesen wollen. Einsteigern in die Serie um Lord Peter Wimsey seien jedoch die Originale empfohlen, Klassiker ihres Genres.

Ihre Meinung zu »Dorothy L. Sayers & Jill Paton Walsh: Mord in mageren Zeiten«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Mechthild Krahmer zu »Dorothy L. Sayers & Jill Paton Walsh: Mord in mageren Zeiten« 21.09.2011
Ich bin diesen Nachlassbearbeitungen gegenüber immer etwas skeptisch.
Das Buch hat mir trotzdem Spaß gemacht. Es hat etwas von einem Klassentreffen, auf dem man gute Bekannte, die man länger nicht gesehen hat, trifft. Vielleicht nicht so bissig und ironisch wie die "echten" Wimseys, aber ein Lesevergnügen war es schon.
Thomas Michel zu »Dorothy L. Sayers & Jill Paton Walsh: Mord in mageren Zeiten« 20.07.2010
Ein sehr lesenswertes Buch: einerseits ein Krimi im Sayer'schen Stil, verbunden mit einer adäquaten Fortführung der bekannten Gestalten. ANdererseits ein gerade für Nicht-Briten hervorragender Einblick in die Stimmungslage in England im 2. Weltkrieg. Mich haben besoinders die Stellen angesprochen, wo die unglaubliche Divergenz zwischen dem trotz Lebensmittelbewirtschaftung schönen und beschaulichen Leben auf dem Lande, der Natur und der akuten Gefahr, dass der Krieg auch dort einbricht geschildert wird. Für mich ein literarisches MUSS:
Batavia zu »Dorothy L. Sayers & Jill Paton Walsh: Mord in mageren Zeiten« 22.08.2008
Nein, ich finde es nicht gut.
Es ist mir zu konstruiert und künstlich. Außerdem müssen "auf Deubel komm raus" noch einmal alle wichtigen Personen verwurstet werden.
Das Buch hat durchaus sayerschen Anstrich, aber es ist nicht die Sayers.
Aber - wie fast alles - es ist Geschmackssache, leider nicht meiner.
Regina Lochner zu »Dorothy L. Sayers & Jill Paton Walsh: Mord in mageren Zeiten« 13.01.2005
Wie schon bei "Thrones, Dominations" ist nicht die Mordgeschichte das Wichtigste - trotzdem ganz spannend, ich habe lange gebraucht, bis ich ahnte, worauf sie tatsächlich hinausläuft, und das obwohl, um mit der Dowager Duchess of Denver zu sprechen, ich den Mörder doch meist schon auf S. 20 errate. Wichtiger und sehr schön ausgeführt ist die innere Entwicklung von Harriet, die erst jetzt wirklich abgeschlossen erscheint: erst jetzt akzeptiert sie, was und wer Peter eigentlich ist, und das bedeutet für die selbst auch noch mal eine Art inneren Fortschritt. Eigentlich warten wir jetzt auf weitere Walsh-Sayers-Romane: Peter wird doch noch Herzog von Denver (Jerry wird sicher im Luftkampf fallen!), Harriet bekommt eine Professur für englische Literatur der Romantik am Shrewsbury College, und in Bredons Internat gibt es beunruhigende Vorgänge...Ich hoffe jedenfalls auf mehr.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Marion zu »Dorothy L. Sayers & Jill Paton Walsh: Mord in mageren Zeiten« 30.03.2004
jipjip! gibts da tatsächlich noch ein buch, wo sayers draufsteht und wimsey drin ist - und ich habe es noch nicht!!! sofort gekauft und was soll ich sagen: von "krimi" sind wir weit entfernt und peter taucht in persona erst spät auf, aber ich schwelge in erinnerung und fühle mich trotz drohender kriegsgefahr wohl mit harriet.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ihr Kommentar zu Mord in mageren Zeiten

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: