Die schöne Mörderin von Doris Gercke

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg, 1990 - 2009.
Folge 11 der Bella-Block-Serie.

  • Berlin: Ullstein, 2001. 303 Seiten.
  • München: Ullstein, 2002. ISBN: 3-548-25391-1. 303 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Ullstein, 2001. Gesprochen von Hannelore Hoger. gekürzt. ISBN: 3-550-09031-5. 4 CDs.

'Die schöne Mörderin' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Bella Block, berührt vom Schicksal der jungen Tolgonai und von ihrer Schönheit, hat ihr bei der Flucht aus Odessa nach Hamburg geholfen. Die Frau wurde gesucht. Wegen Mordes. Auch in Deutschland werden ihr inzwischen zwei Morde zur Last gelegt. Irgendwann wird die Turkmenin wieder bei Bella auftauchen. Dann muss die ehemalige Kommissarin sich entscheiden, ob sie einer Mörderin noch einmal helfen will.

Das meint Krimi-Couch.de: »Bella ist müde geworden«

Krimi-Rezension von hyby

Doch, man wird dieses Buch noch als Krimi bezeichnen dürfen – schließlich weist es diverse Leichen und Massen an Polizisten auf. Aber damit hat’s sich schon, denn es ist ein schlechter Krimi.

Bella Block ist zu einer müd gewordenen Gelegenheitsaufklärerin geworden. Eine gleichgültige, schöne, junge Blonde sucht ihren untergetauchten schwarzafrikanischen Mann. Etwas unlustig macht Bella sich auf die Socken und latscht mitten hinein in die trüben Lebenswirklichkeiten in bundesdeutschen Asylbewerberunterkünften. Dabei weiß es die Autorin geschickt einzurichten, dass Bella während ihrer Anwesenheit in einem Containerdorf just in eine äußerst brutale Polizeirazzia gerät. Am Ende des Buches findet Bella den untergetauchten Mann ganz nebenbei: er ist mittlerweile emsiger Hausverwalter in Diensten eines notorischen Miethais – tja, selten so gelacht.

Aber darum geht es ja auch gar nicht in der Hauptsache – eigentlich geht es ja um Tolgonai, jene Streetfighterin aus Odessa, der Bella seinerzeit in »Dschingis Khans Tochter« zur Flucht nach Deutschland verhalf. Damals, als bella noch durch Sibirien irrte, war Tolgonai in Bellas Häuschen am Elbufer untergekrochen. Dort wurde ihr jedoch mit der Zeit die Welt zu klein und sie begab sich auf Entdeckungsreise durch das ihr unbekannte Land. Und sie entdeckte durchaus Ähnlichkeiten mit den Lebensbedingungen in ihrer Heimat: auch hier gab es zudringliche LKW-Fahrer und Motorradrocker – etwas weicher, modisch aufgemotzter und weniger kompromißlos brutal als ihre Kollegen in Odessa.

Allerdings werden auch Hamburger Hell’s Angels sauer, wenn ihnen eine Tussi eine Harley klaut und sich damit vom Acker macht. dann schwärmen sie zornig aus und ihr Opfer ist meist schnell gefunden – Tolgonai ist gut und schnell, aber viele Hunde sind des Hasen Tod. Bandenchef Jinx ist dann allerdings doch ziemlich fasziniert von dieser wilden, furchtlosen Exotin. Sein Versuch, sie in den Rang seiner Braut zu erheben, ist dann aber ein bissl naiv: Tolgonai hält sich mit wachen Augen abseits des Bandengeschehens und kommt so ziemlich rasch hinter dunkle Machenschaften: die Bande zieht Waffendeals mit der Russenmafia durch. Und einer aus dieser Bande treibt offenbar ein finsteres Doppelspiel: er legt den Bandenchef kurzerhand um. Der Täter: ein Schattenmann, ein Undercover-Polizist, der immer mehr Spaß an seinem neuen Milieu gewonnen hat und drauf und dran ist, endgültig die Seiten zu wechseln.

Aber da ist Tolgonai schon längst wieder mit der nächsten geklauten Harley unterwegs und diesmal gelingt ihr die Flucht. Zurück in Hamburg faßt sie schließlich scheues Vertrauen zu einem idealistischen Betreiber einer Armenküche – und in dessen Wohnung kommt es schließlich zu einem blutigen Showdown …

Doch – Bella taucht auch immer noch mal auf, doch gegen die kompromißlose Dynamik der Jungen wirkt sie fast matt und unbeweglich. Und zwischen die Handlung gesetzt finden sich – wenn auch erfreulicherweise nicht ganz so oft wie im letzten Buch – Frau Gerckes feministische Reflektionen über Rockerrituale, hessische Ministerpräsidenten und den antiken Herakles. Eigentlich ist das Ganze eine literarische Wundertüte – für jeden was dabei.

Ich bleibe dabei – Bella ist müde geworden. Man möge ihr einen bequemen Sessel an das Fenster mit Elbblick rücken und sie mit lyrischen und linkstheoretischen Schriften allein lassen. Verdient hätte sie es – jedenfalls auf Grund früher Taten.

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Isabelle zu »Doris Gercke: Die schöne Mörderin« 07.04.2004
Ich finde, dass dieser Krimi eine überraschende Wendung hat. Man sollte jedoch, auch über das Bescheid wissen, was sich in Odessa ereignet hat. Deshalb ist es meiner Meinung nach schwer (wenn man zum ersten Mal einen Bella-Blok-Roman liest) sich in die Situation von Bella Blok hineinzuversetzen.
Leider hab ich die älteren Romane von Doris Gercke noch nicht gelesen.
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