Der Tod ist in der Stadt von Doris Gercke

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 bei Hoffmann & Campe.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg, 1990 - 2009.

  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 1998. ISBN: 3-455-02294-4. 267 Seiten.
  • München: Goldmann, 2000. ISBN: 3-442-44426-8. 252 Seiten.

'Der Tod ist in der Stadt' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Ein Mann bezieht die Dachwohnung eines renovierten Hauses im Hamburger Stadtteil Hammerbrook. Er macht sich Notizen über die Hausbewohner, auch über die junge Frau, die er sich als nächstes Mordopfer ausgesucht hat. Als diese sich ihm vertrauensvoll mit einem Anliegen nähert, ist er gerührt und ermordet an ihrer Stelle eine ebenfalls im Hause wohnende Rollstuhlfahrerin. Inzwischen ermittelt die Polizei. In Brunner, einem fähigen, aber alkoholabhängigen Beamten, erkennt der Mörder einen ernstzunehmenden Gegner und handelt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Bella-Block-Intermezzo, ein temporeiches Zwischenspiel«

Krimi-Rezension von hyby

Ein dicklicher, weißblonder Mann mittleren Alters ist aus einer norddeutschen Kleinstadt nach Hamburg-Hammerbrook umgezogen. Der Mann ist ein Frauenmörder.

Er sucht und findet seine Opfer, schlägt beid er ersten Gelgenheit zu, löst seine Wohnung auf und taucht unter – so seine bisher übliche Vorgehensweise. Seine verrückte Innenwelt, seine schwülen Gedanken und eiskalten Pläne erfährt der Leser durch ein akribisch geführtes Tagebuch des Mörders. Mit kühler Raffinesse geht der Killer nachts in seinem neuen Wirkungskreis ans Werk – tagsüber ist er ein unauffälliger, eher unansehnlicher Mann, mit dem seine Yuppie-Nachbarn wenig anzufangen wissen. Lediglich die Nachbarin Sonja, eine verhärmte, zaghafte Frau, knüpft scheue Kontakte zu dem fremden Sonderling.

Doch so intelligent der Mörder seine Taten auch zu verschleiern weiß, seine nächtlichen Aktivitäten bleiben nicht verborgen: Ina, Studentin und selbsternannte Geliebte eines renommierten Psychologen, kommt die zurückgezogene Lebensweise dieses Mitbewohners seltsam vor. Sie entschließt sich, auf eigene Faust die Lebensverhältnisse des Verdächtigten auszuforschen. Dem bleibt ihre Neugier allerdings nicht lange verborgen und er entschließt sich zum handeln …

Zwischenzeitlich sind die ersten ermordeten Frauen aufgefunden worden und die Ermittler haben ihre Arbeit aufgenommen. Und hier bgegnen wir einem alten Bekannten, der in vielen Bella-Block-Romanen zumindest eine periphere Rolle spielen durfte: Kriminalkommissar Brunner, alleinerziehender Vater einer 16jährigen Tochter Marie – durch eine zwei Jahre zurückliegende Vergewaltigung hat sie ihr Sprachvermögen verloren – , schwerer Alkoholiker, aber im allgemeinen ein fähiger Polizist, wenn er nüchtern bleibt. Und hat ihn ein Fall wirklich gepackt, dann bleibt er auch nüchtern. Dann raucht er einfach ein paar Stangen Zigaretten mehr. Dies mag vielleicht eine etwas blauäugige Sicht Sicht der Dinge durch die Autorin sein, aber egal – Peanuts!

Im Zuge der Ermittlungen bekommt Brunner natürlich auch mit dem neu Zugezogenen zu tun und eher intuitiv bleibt sein Interesse an diesem schwerleibigen Mann hängen. Der Mörder spürt sehr wohl das Mißtrauen seines Gegenübers, doch erschüttern kann ihn das nicht: die Planung und Durchführung seiner Morde hält er für absolut wasserdicht. Dennoch schickt er sich an, etwaige Schwächen des Polizisten auszuloten. Und da stößt er sehr bald auf Brunners verstummte Tochter.

Die Autorin hat ihre Hausaufgaben gemacht, keine Frage: sie muß umfassend zum Thema Sexualmörder/Serienkiller recherchiert haben. Und so gelingt ihr ein bemerkenswert differenziertes, beklemmendes Profil eines Psychopathen mit all seinen extremen Stimmungsschwankungen und Triebschüben. manchenHandlungsabläufe gründen sich hier und da vielleicht ein bischen sehr auf das prinzip Zufall, aber insgesamt ist die Geschichte sehr spannend und der Leser wird einem Showdown in Brunners Wohnung entgegen getrieben. Und hier offenbart sich auch die letzte bittere Pointe.

Auch in diesem Buch finden sich belehrende Marginalien der Autorin zum real existierenden Tagesgeschehen, erfreulicherweise allerdings deutlich weniger exzessiv als in späteren Werken.
Dieses Buch ist quasi ein Bella-Block-Intermezzo, ein temporeiches Zwischenspiel ganz konkret um die Jahreswende 1997/98 angesiedelt. Und das Buch schließt recht effektvoll mit der Ankunft einer nach drei Jahren Sibirien-Aufenthalt noch etwas desorientierten Bella Block auf dem Hamburger Hauptbahnhof.

Das meinen andere:

»Kriminalromane werden gewöhnlich zur Unterhaltungslektüre gezählt. Dieser hier gehört nicht dazu, er ist mehr, viel mehr.« (Westdeutscher Rundfunk)

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Astro Eva zu »Doris Gercke: Der Tod ist in der Stadt« 28.01.2016
Ich stimme dee Rezi von hyby weitestgehendst zu. Aus der Sicht des Mörders geschrieben.
Ein aussergewöhnlicher Thriller. Ein "netter" Nachbar... Ein Triebtäter. Unvergessliche S Bahn Tunnel.
Wenn ich die Auflösung nicht kennen würde, würde ich ihn gerne nochmals lesen.
Empfehlung. Einer der besten Krimis. Besser als Weinschröter, Nachsaison und Moskau, meine Liebe
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