Verschwiegene Kanäle von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2003
unter dem Titel Uniform Justice,
deutsche Ausgabe erstmals 2004
bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: Italien / Venedig, 1990 - 2009.
Folge 12 der Guido-Brunetti-Serie.
-
London: Heinemann, 2003 unter dem Titel Uniform Justice.
ISBN:
0434007951. 272 Seiten.
-
Zürich: Diogenes, 2004.
Übersetzt von Christa E. Seibicke.
ISBN:
3-257-06390-3. 336 Seiten. -
Zürich: Diogenes, 2005.
Übersetzt von Christa E. Seibicke.
ISBN:
3-257-23523-2. 330 Seiten.
-
[Hörbuch] Schwäbisch Hall: Steinbach, 2004.
Gesprochen von Christoph Lindert.
ISBN:
3886986918. 7 CDs.
'Verschwiegene Kanäle' ist erschienen als
![]()
![]()
In Kürze:
An einem kalten, grauen Novembermorgen wird in der Kadettenschule von San Martino der sechzehnjährige Ernesto Moro erhängt im Waschraum aufgefunden. Bringt sich ein so junger Mensch grundlos um? Oder vertuscht hier jemand etwas, um seinen guten Ruf zu schützen? Als die Polizei dies klären will, stößt sie auf eine Mauer des Schweigens: Die Ränge haben sich geschlossen. Niemand, weder die Lehrer noch die gedrillten Mitschüler, ja nicht einmal die Familie will Genaueres darüber wissen. Doch Brunetti läßt jener Junge, dessen Vater Fernando Moro berühmt ist für seine politische Unerschrockenheit, nicht los. Selbst Vater, ruht er nicht, bis er die wahren Hintergründe aufgedeckt hat. Eliten und ihre Loyalitäten: Donna Leon ergründet die verschwiegenen Kanäle zwischen militärischer und politischer Macht.
Das meint Krimi-Couch.de: »Wieder kein zufriedenstellender Abschluß des Falles«
Krimi-Rezension von Peter Kümmel überspringen
Wie verschwiegen die Kanäle von Venedig sein können, das hat uns Donna Leon in ihren Romanen um Commissario Brunetti schon oft genug gezeigt. Die »verschwiegenen Kanäle« des zwölften Falles sind die der Kadettenschule San Martino, einer Privatschule für die Sprößlinge reicher Eltern, in der sie ihre Söhne militärisch ausbilden lassen können.
Im Waschraum der Schule wird der 17-jährige Ernesto Moro, Sohn eines bekannten Arztes und Politikers, von einem Mitschüler frühmorgens erhängt aufgefunden. Brunetti und seine Mitarbeiter treffen auf eine Wand des Schweigens. Keiner war mit dem Toten näher bekannt, niemand ist etwas in seinem Verhalten aufgefallen und auch die Schulleitung reagiert ablehnend auf die Befragungen der Polizei.
Brunettis Vorgesetzter, Vize-Questore Patta, der sich nicht gerne mit Prominenz anlegt, möchte den Fall möglichst schnell als Selbstmord zu den Akten gelegt wissen. Da muß Brunetti viel Diplomatie walten lassen, denn er ist davon überzeugt, dass der Junge ermordet wurde. Da aber auch die Gerichtsmedizin zu dem eindeutigen Ergebnis Selbstmord kommt, bleibt dem Commissario wieder mal nichts anderes übrig, als seine Ermittlungen weitgehend im Verborgenen weiterlaufen zu lassen. Wie immer unterstützt wird er dabei von Signorina Elletra, deren Recherchen unverzichtbare Ergebnisse bringen.
So forscht er in der Vergangenheit von Ernestos Eltern. Dessen Mutter wurde vor zwei Jahren bei einem mysteriösen Jagdunfall angeschossen, die Tochter des getrennt lebenden Ehepaars ist wie vom Erdboden verschluckt. Brunetti ist sich sicher, dass das Motiv für Ernestos Tod in der politischen Vergangenheit seines Vaters zu suchen ist. Dottor Moro war als unbestechlicher und unbequemer Politiker bekannt, bevor er sich nach dem Unfall seiner Frau weitestgehend aus der Politik zurück zog.
Nur sehr langsam kommen die Ermittlungen von Brunetti in Fahrt, doch ist man ja gewohnt, dass es bei Frau Leon eher subtil zugeht.
Sehr hart ins Gericht geht die Autorin in diesem Roman mit militärischen Tradionen und Eliteschulen, die den Söhnen reicher Eltern den nötigen militärischen Schliff verleihen sollen. Dabei geht sie sogar soweit, das Militär mit der Mafia zu vergleichen. Beide seien »unfähig zu moralischem Handeln [...] machtgierig, arrogant gegenüber der Zivilbevölkerung, gewaltbereit und feige zugleich«.
Und das Ehepaar Brunetti zeigt hier, dass ihre Dialoge auch dann spritzig und unterhaltsam sind, wenn sie ausnahmsweise mal der gleichen Meinung sind.
Schließlich ist es wie so oft schon seine Intuition, die Brunetti zur Auflösung des Falles führt. Der Leser darf dabei jeden einzelnen seiner Gedankengänge mitverfolgen. Mit psychologischen Tricks ermittelt er schließlich auch den Täter, doch wer die Brunetti-Serie kennt, der weiß, dass die Kenntnis des Täters oftmals nicht gleichzusetzen ist mit dem Abschluss des Buches. Kaum einmal bleibt ihm die Genugtuung, sich am Ende eines Falles zufrieden zurücklehnen zu können. Hier lässt er den Leser durch seine Gewissenskonflikte sogar nachdenklich zurück.
Auch mit »Verschwiegene Kanäle« kann Donna Leon nicht an die besseren Krimis der Brunetti-Reihe anknüpfen. Und wollten die Leser den Commissario vor Kurzem noch in Pension schicken, so ist es dieses Mal Brunetti selbst, der amtsmüde scheint. Seien wir gespannt, wie lange er noch ermitteln wird.
Ihre Meinung zu »Donna Leon: Verschwiegene Kanäle«
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!
| Teeshan zu »Donna Leon: Verschwiegene Kanäle« | 25.07.2008 |
|---|---|
| Zorica Dragic zu »Donna Leon: Verschwiegene Kanäle« | 30.05.2008 |
| Susan Eberle zu »Donna Leon: Verschwiegene Kanäle« | 28.05.2008 |
| Mona13 zu »Donna Leon: Verschwiegene Kanäle« | 08.01.2007 |
| Elisabeth zu »Donna Leon: Verschwiegene Kanäle« | 09.07.2006 |
| Sonja zu »Donna Leon: Verschwiegene Kanäle« | 20.03.2006 |
| Bernd Horn zu »Donna Leon: Verschwiegene Kanäle« | 28.02.2006 |
| Silvia zu »Donna Leon: Verschwiegene Kanäle« | 01.01.2005 |
| betty zu »Donna Leon: Verschwiegene Kanäle« | 06.09.2004 |
| Christina zu »Donna Leon: Verschwiegene Kanäle« | 29.08.2004 |
Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 20.
» alle Kommentare anzeigen



