Venezianisches Finale von Donna Leon

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1992 unter dem Titel Death at La Fenice, deutsche Ausgabe erstmals 1995 bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: Italien / Venedig, 1990 - 2009.
Folge 1 der Guido-Brunetti-Serie.

  • New York: HarperCollins, 1992 unter dem Titel Death at La Fenice. ISBN: 0060168714. 263 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1995. Übersetzt von Monika Elwenspoek. ISBN: 3-257-01973-4. 345 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1995. Übersetzt von Monika Elwenspoek. ISBN: 3-257-22780-9. 345 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2002. Übersetzt von Monika Elwenspoek. ISBN: 3-257-05606-0. 393 Seiten.
  • München: Süddeutsche Zeitung, 2006. Übersetzt von Monika Elwenspoek. ISBN: 978-3866152571. 239 Seiten.
  • [Hörbuch] Mainhardt: Steinbach, 2002. Gesprochen von Philipp Schepmann. ISBN: 3886985660. 8 CDs.
  • [Hörbuch] München: Audioverlag, 2007. Gesprochen von Philipp Schepmann. ISBN: 3939606499. 4 CDs.

'Venezianisches Finale' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Skandal in Venedigs Opernhaus La Fenice: In der Pause vor dem letzten Akt der Traviata wird der deutsche Stardirigent Helmut Wellauer tot aufgefunden. In seiner Garderobe riecht es unverkennbar nach Bittermandel – Zyankali. Ein großer Verlust für die Musikwelt und ein heikler Fall für Commissario Guido Brunetti. Dessen Ermittlungen bringen Dinge an den Tag, wonach einige Leute allen Grund gehabt hätten, den Maestro unter die Erde zu bringen. Der Commissario entdeckt nach und nach einen wahren Teufelskreis aus Ressentiments, Verworfenheit und Rache.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Krimi der ruhigen Töne, ohne viel Action und Aufregung« 52°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Zu den erfolgreichsten Kriminalautoren der 90er Jahre zählt ohne Zweifel die Amerikanerin Donna Leon, die seit rund 20 Jahren als Lehrerin für Literatur an einer Schule eines amerikanischen Truppenstützpunktes im italienischen Vicenza arbeitet. Sie lebt im nahen Venedig, dessen einmalige Stimmung zwischen Palästen, Kirchen und auf den Kanälen in ihren Büchern eine hervorragende Kulisse für die Ermittlungen des Commissario Brunetti bilden. Eine kleine Welt, in der jeder jeden kennt und in der viel getratscht wird.

Espresso mit besonderem Geschmack – Zyankali

Im ersten Fall »Venezianisches Finale« stirbt der deutsche Stardirigent Wellauer in der Pause vor dem letzten Akt der Oper La Traviata im Theater La Fenice. Sehr schnell steht fest, dass der Espresso des Dirigenten mit Zyankali vergiftet war. Als Täter kommen nicht viele Personen in Verdacht, da der Bereich hinter der Bühne nicht ohne weiteres zugänglich ist. Commissario Brunetti kann sich bei seinen Nachforschungen in erster Linie auf das Theaterpersonal und das Ensemble konzentrieren. Bald zeichnet sich ein überraschendes Bild von dem vergifteten Maestro. Von der Öffentlichkeit geliebt, aber von allen, die mit ihm arbeiteten, gehasst. Motive für einen Mord findet Brunetti wirklich zahlreich.

Die Ruhe, die die Lagunenstadt ausstrahlt, findet sich auch in Donna Leons Romanen wieder. Die gesamte Erzählung plätschert langsam vor sich hin und Brunetti wandert von einer Vernehmung zur nächsten. Alle seine Gesprächspartner sind dabei bemerkenswert auskunftswillig und Brunetti beweist in jedem seiner Gespräche ein Übermaß an Einfühlungsvermögen und Feinsinn, um auch bei leichtesten Andeutungen kein Detail zu übersehen. Er weiß genau, wie er ein Gespräch mit seinem jeweiligen Gegenüber einzuleiten hat, um eine persönliche Beziehung aufzubauen und zu einem Ergebnis zu gelangen.

Aus der Ruhe Venedigs wird schnell Langeweile

Eine große Stärke in den Kriminalromanen Donna Leons ist sicherlich die sehr gute Charakterisierung ihres Ermittlers Guido Brunetti. Diese sehr stark beschriebene Figur und die Sphäre Venedigs, die von jedem Venedigkenner als treffend bezeichnet werden muss, tragen wohl den Hauptanteil am Erfolg der Serie. In den ersten Büchern der Reihe wird aber aus der Ruhe der Stadt und der inneren Ausgeglichenheit Brunettis sehr schnell Langeweile. So auch bei »Venezianisches Finale«. Brunetti stiefelt jeden Morgen brav in sein Büro, wird von all seinen Kollegen geliebt und geschätzt. Sein Chef setzt ihn unter Druck, aber ihn selber scheint das überhaupt nicht zu kümmern. Die Zeugenvernehmungen wirken mitunter wie ein Marionettenspiel, bei dem er selber die Fäden zieht. Sein Privatleben ist geordnet, er kocht gerne, seine Frau ist ja ach so herzenslieb und seine beiden Kinder geben auch noch keinen Anlass zum Kummer. Zu allem Überfluss ist Guido Brunetti betrübt, dass er nicht mehr Zeit mit seiner Familie verbringen kann. Der absolute Traummann für jede Schwiegermutter.

Die anderen Charaktere kommen ein wenig zu flach rüber. Zu kurz sind ihre Auftritte, als dass sie einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen könnten. Die deutsche Ärztin (Signora Wellauer) und die amerikanische Archäologin (Brett Lynch) lassen lediglich einige billige Versatzstücke erkennen, an denen wohl der »typische Deutsche« oder der »typische Amerikaner« ausgemacht wird. Brunettis Vorgesetzter zeichnet sich in erster Linie durch seine Macken aus, seine akute Arbeitsunlust und sein Talent, Erfolge anderer für sich zu markieren.

Kleine, dunkle Geheimnisse und ein ganz großer Skandal

»Venezianisches Finale« bietet einen gewagten Blick hinter die Kulissen eines großen Opernhauses, getreu dem Motto »mehr Schein als Sein«. Kleine, dunkle Geheimnisse, aber auch ein ganz großer Skandal werden von Brunetti entdeckt. Diskretion jedoch gehört zur Berufsehre des Commissarios und deshalb geht letztlich auch die Auflösung des Falles ganz ruhig von der Bühne. Die Handlung des Romans ist sehr gut durchdacht und entwickelt sich ebenfalls sehr gut. Dabei bleibt »Venezianisches Finale« aber ein Krimi der ruhigen Töne, ohne viel Action und Aufregung. Sehr schnell weiß man, dass es sich bei dem Tod von Wellauer um eine Einzeltat aus persönlichen Motiven handeln muss, hinter keiner Ecke lauert die Gefahr eines weiteren Verbrechens. Der erste Fall des Commissarios Brunetti bietet somit insgesamt durchschnittliches Lesevergnügen und lebt mehr der Beschreibung der Kulisse Venedigs, der sorgsam ausgesuchten Schauplätze und von einem gut umrissenen Hauptcharakter, als von einem spannenden Kriminalfall.

Das meinen andere:

»Der erste Krimi der Amerikanerin Donna Leon, und gleich ein großer Wurf. Das Buch ist voll von den Gerüchen und vom Geschmack Venedigs und spricht den Musikliebhaber ebenso an wie den nur am Krimi-Rätsel interessierten Leser.« (Radio Bremen)

»Ein mitreißendes Debüt: betörend und ein bißchen unheimlich wie Venedig selbst. Glänzend und unwiderstehlich.« (Rita Mae Brown)

»Donna Leon hat den Freunden subtiler, gescheiter und anspruchsvoller Kriminalromane einen Grund zum Jubeln gegeben: ´Venezianisches Finale´ ist ein Lesevergnügen, das man sich nicht entgehen lassen sollte.« (Tony Hillermann)

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E. Secchi zu »Donna Leon: Venezianisches Finale« 26.08.2016
Die Plots ihrer Krimis sind ja nicht schlecht. Ihre oberflächliche, nicht belegbare Kritik an Italien nervt allerdings. Sie ist so schlau, die Übersetzung ins Italienische und die Publikation ihrer Bücher in Italien zu verhindern, denn das könnte ihr Unannehmlichkeiten bereiten.
Ich bin Italienerin und stelle immer wieder erstaunt fest, wie viele Fehler sie macht, wenn sie italienisch zitiert. Dabei lebt sie doch angeblich schon längere Zeit in Venedig.
Igelmanu66 zu »Donna Leon: Venezianisches Finale« 28.08.2015
»Der Tod hatte die Züge des Mannes verzerrt, der in dem Sessel mitten im Zimmer lag. Seine Augen waren starr ins Leere gerichtet und die Lippen zu einer häßlichen Grimasse verzogen. Der Körper hing schwer zur einen Seite, der Kopf war gegen den Sesselrücken gepreßt. Auf der gestärkten, blendendweißen Hemdbrust waren Spritzer einer dunklen Flüssigkeit. Einen Augenblick dachte die Ärztin, es sei Blut. Sie trat näher und roch mehr, als daß sie es sah, den Kaffee. Der andere Geruch, der sich mit dem des Kaffees vermischte, war ebenso eindeutig. Es war der durchdringende, säuerliche Geruch nach bitteren Mandeln, über den sie bislang nur gelesen hatte.«

An diesem Abend wird die Pause vor dem letzten Akt von „La Traviata“ in Venedigs Opernhaus „La Fenice“ ungewöhnlich lang, denn das Publikum wartet vergeblich auf die Rückkehr des deutschen Stardirigenten Helmut Wellauer, der tot in seiner Garderobe liegt. Der durchdringende Geruch von Zyankali lässt keinen Zweifel aufkommen, dass Wellauer ermordet wurde. Die Musikwelt trauert und Commissario Brunettis Vorgesetzter erklärt deutlich, dass sich die Stadt Venedig einen solchen Skandal – den Mord an einem der berühmtesten Künstler unserer Zeit – nicht erlauben kann!
Brunetti, der sich nicht nur „mit den üblichen Verdächtigen“ befassen will, erkennt schnell, dass der Maestro so einigen Leuten Grund gegeben hatte, ihn zu hassen…

Das war ein Krimi ganz nach meinem Geschmack! Brunetti ist mir als Charakter sehr sympathisch. Er gehört nicht zu der Sorte von Ermittlern, die sich – durch irgendein schreckliches Erlebnis traumatisiert oder völlig desillusioniert – durch den Tag quälen. Brunetti mag sein Leben, seine Stadt und seinen Beruf. Er liebt seine Familie, gute Bücher und guten Wein. Dabei geht er aber durchaus nicht unkritisch durch die Welt, bildet sich seine eigene Meinung und steht auch dazu. Ein intelligenter Mann, der mir mit seiner trockenen und oftmals ironischen Art ans Herz gewachsen ist.
»Brunetti? … Warum machen Sie keine Notizen?« Brunetti erlaubte sich die Andeutung eines Lächelns. »Oh, ich vergesse nie etwas von dem, was Sie sagen, Signore.«

Sehr gefielen mir auch die vielen Details und Beschreibungen, die Venedig deutlich vor meinen Augen erscheinen ließen. Zusammen mit der schillernden Welt der Opernbühne ergab das ein wunderschönes und verlockendes Szenario. Doch werden nicht nur die schönen Bilder Venedigs gezeigt, auch die dunklen Flecken kommen nicht zu kurz, die Makel, die es in der Stadt und auch in der Gesellschaft gibt. Den Fall fand ich hochinteressant und vielschichtig, die Auflösung schlüssig. Das Ende sagte mir sehr zu und begeisterte mich noch mehr für Commissario Brunetti.

Fazit: Intelligenter und anspruchsvoller Krimi mit einem sehr sympathischen Ermittler und vor toller Kulisse.

»Ich dachte, Sie wollen vielleicht mit den Sängern sprechen, Commissario. Da habe ich sie gebeten, oben zu warten. Es schien ihnen nicht zu gefallen…« Opernsänger, dachte Brunetti, und wiederholte es noch einmal: Opernsänger. …
»Wer war am ungeduldigsten, Follin?«, fragte Brunetti, als sie oben angelangt waren.
»Die Sopranistin, Signora Petrelli«, antwortete Follin und deutete rechts den Korridor hinunter auf eine Tür ganz am Ende.
»Gut«, sagte Brunetti und wandte sich nach links. »Dann heben wir uns Signora Petrelli bis zum Schluß auf.«
Anfangsverdacht zu »Donna Leon: Venezianisches Finale« 27.07.2010
Maestro Kürten: Sind sie an ihren Erwartungen gescheitert?
Am Buch kann es nicht liegen.
Das ist gut.

Ja, Donna Leon mag eher das Unspektaktuläre.
Auch übrigens lieblich, humorvoll Gezeichnete. Italienische Korruption
wird hier doch allerfeinst beschrieben.
Und, ich widerspreche, gerade die Frauen sind gut geschildert. Sie vergessen auch Eine, nämlich die Sängerin.
Frau Leon schreibt eben unaufgeregt,
gelassen.
Mit Verständnis für den Menschen.
Ich finde beispielsweise die Verzweiflung, Ohnmacht der Signora
eindringlich leise beschrieben.
Und Brunetti? Allerfeinst(er) Geist.
Raffaela zu »Donna Leon: Venezianisches Finale« 11.02.2010
Venezianisches Finale ist ein Buch zum Verschlingen. Es steckt voller Intrigen und Geheimnisse, welche das Lesen äusserst spannend machen. Jedoch empfand ich das Lesen gegen Mitte des Buches als ein wenig fade. Eine Befragung führte zu der anderen, routiniert erledigte Brunetti seine Aufgaben und Befragungen und im Buch fehlte es an Action. Doch durch die vielen Gegenspieler, alle mit einem starken Motiv für einen Mord an Maestro Wellauer, wurde ich als Leser selber angeregt, den Fall zu lösen. Der Schluss des Buches ist ganz klar der beste Teil des Buches, da meine Neugierde, wie Donna Leon den Fall auflöst, stieg.

Die grösste Stärke von Venezianisches Finale ist der Commissario Brunetti. Er begeisterte mich mit einem Humor, mit seiner ironischer Denkweise und seinem Charme. Donna Leon charakterisiert ihn hervorragend und sehr genau.

Dieses Buch ist der erste Erfolg von Donna Leon. Als wir in der Klasse mit den Diskussionen über ihre Brunetti-Romane begannen, wurde ich mehr und mehr von ihr enttäuscht. Ich bekam einen merkwürdigen Eindruck von der Krimiautorin, da mir auffiel, dass sie häufig über dieselben Themen schreibt und ziemlich oberflächlich sein kann. Häufig kritisiert sie Amerikaner, die Presse sowie Italien. Anscheinend ist Donna Leon eine sehr eigenwillige Person, die stur auf ihre Meinung beharrt. Ich finde es toll, wenn Menschen ihren eigenen Stil besitzen, jedoch ist bei Donna Leon der Grad zwischen Individualität und Langeweile sehr schmal.
Corinna zu »Donna Leon: Venezianisches Finale« 22.12.2009
Ich finde alle bücher von Donna leon sehr gut. Allein die Atmosphäre Venedigs ist sehr toll. Sie hat ein sehr gutes feingefühl beim schreiben. Sie ist eine der besten buchatorinnen die ich kenne. Donna leon weiß genau wie sie schreibt und hat ein sehr gute Beziehung zu Venedig. Allein die Bücher: Wie durch ein dunkles Glas oder Lasset die Kinder zu mir kommen oder Venezianische Scharade sind sehr gut Bücher habe bis jetzt alle Bücher von Donna Leon gelesen. Ich hoffe sie schreibt weiterhin so gute Bücher oder verfilmt sie so gut.
Susannah zu »Donna Leon: Venezianisches Finale« 30.11.2009
Venedig, Gegenwart: Stardirigent Helmut Wellauer ist tot - gestorben an Zyankali, in seiner Gaderobe vor dem dritten Akt seiner Oper. Commissario Guido Brunetti sieht sich nicht nur mit arroganten Diven, schweigsamen Personal und einer düsteren Vergangenheit konfrontiert, sondern auch mit jeder Menge Druck: möglichst schnell soll der Fall aufgeklärt werden, denn der Mord ist ein Schandfleck auf dem sonst so braven Antlitzt von Venendig ...

Toller Einstieg in die Serie um den beliebten Comissario - Bruentti ist sympathisch, gewitzt, ein Feinschmecker und typisch italienisch. Mit der Figur möchte man mehr Fälle lösen. Strotzte dieser erste Fall zwar nicht vor kriminalistischer Ermittlungsarbeit, erzeugte er doch SPannung. Spätestens nach dem ersten Drittel wird es schwer, das Buch beiseite zu legen, und auch die Auflösung weiß zu überraschen. Eine schlön geschriebene und spannende Geschichte, die sich in der von mir gemochten Sphäre der ruhigen Krimis bewegt. Mehr davon!
Christian zu »Donna Leon: Venezianisches Finale« 01.09.2009
Dies ist mein erster Brunetti den ich gelesen habe. Leider riss er mich nicht so vom Hocker, dass ich sofort den Nächsten lesen muss. Jedoch den Commissario und seine Familie habe ich ins Herz geschlossen. Auch die Stadt Venedig wurde gut im Buch rübergebracht und verlockt zu einem Kurzbesuch. Doch die ganze Geschichte plätscherte für meinen Geschmack einfach so dahin, dennoch ist das Ende "überraschend"
Ticva zu »Donna Leon: Venezianisches Finale« 10.07.2009
Es beginnt mit dem letzten Akt einer Oper in Venedig. Die Zuschauer strömen in den Saal zurück und warten gespannt wie der Akt endet.
Doch der Dirigent kommt nicht, wird entschuldigt, und schon geht das Getuschel los.
Wenige Zeilen später ist Commissario Brunetti, der Hauptprotagonist, vor Ort. Der Dirigent ist tot.

Ich dachte, nun müsste es eigentlich losgehen: ermitteln, Zeugen befragen, Beweisen nachgehen usw., aber kaum was passiert.
Die Ermittlungen ziehen sich schleppend hin. Außer Zeugenbefragungen gibt es eigentlich keine anderen Tätigkeiten die der Commissario machen könnte.
Aber dadurch erfährt man vieles über den Toten. Wobei es größtenteils nur Oberflächliches oder gar Gerüchte sind.
Nur ganz langsam kann Brunetti sich ein Profil von dem Mann machen. Was er dabei erfährt, reicht bis in den 2. Weltkrieg zurück. Und er entdeckt auch eine gewisse Abneigung gegen manche Verhaltensweisen in seinem Leben.

Was die Arbeitsweise der italienischen Polizei angeht, ist sie wirklich so beschrieben wie wir sie kennen. Langsam und stockend, mit vielen Kaffee- oder Weinpausen dazwischen. Es gibt Tage, an denen Brunetti nur ein oder zwei Zeugen befragt und das war’s.

Was mich sehr gestört hat, waren die italienischen Wörter, die in den Raum geworfen und nirgends erklärt werden. Sie machen die Geschichte zwar bildhafter und auch italienischer, aber wenn sie nirgends erläutert werden, ist das aus meiner Sicht ziemlich störend. Es ist deshalb auch teilweise schwierig der Geschichte zu folgen, da man sich daran aufhält.
Auch gewinnt die Geschichte sehr lange Zeit nicht richtig Fahrt, keine Spannung die steigt, keine Abwechslung. Das hat mich etwas enttäuscht.

In der zweiten Hälfte des Buches konnte ich mir dann langsam vorstellen, wer als Mörder in Frage käme und auch Brunetti’s Familie wird endlich etwas vorgestellt.
Doch ich täuschte mich, was den Mörder betraf und die Autorin hat mich am Ende doch noch überrascht!

Fazit:
Für meinen Geschmack leider etwas zu langatmig, gerade in der ersten Hälfte des Buches. Dazu noch die italienischen Worte, die kaum übersetzt wurden, das alles bringt dem „Krimi“ leider nur 3 Sterne ein.
Kallisto73 zu »Donna Leon: Venezianisches Finale« 17.08.2008
Es geht mir wie Tedesca, und zwar genauso. Ich fand die ersten 5 Brunettis gut (70-75 Grad). Ruhig geschrieben mit interessanten Personen und sehr guter Beschreibung Venedigs (ein Regiokrimi!). Aber irgendwann wurde es dann einfach zu stereotyp und statisch. "Death of Faith" (Sanft entschlafen) war mein letzter Brunetti, da waren die Personen nur noch Schablonen, und es hat mich nicht mehr interessiert, was Brunetti zu essen hatte oder wie es Paola ging.
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tedesca zu »Donna Leon: Venezianisches Finale« 12.06.2008
Mir hat dieses erste Buch von Donna Leon auch sehr gut gefallen damals. Ich fand die Beschreibungen von Venedig so schön und mochte auf Anhieb den Commissario und vor allem seine intellektuelle Frau Paula.
Vielleicht war es nicht der spannendste Krimi aller Zeiten für mich, aber alleine das Milieu rund um "La Fenice" hat mich schon fasziniert.
Ich würde dieses und die nächsten 5 Fälle von Brunetti weiterempfehlen, dann hat's mir nicht mehr gefallen, und ich hab nach dem 7. aufgehört, die zu kaufen.

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