In Sachen Signora Brunetti von Donna Leon

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1999 unter dem Titel Fatal Remedies, deutsche Ausgabe erstmals 2000 bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: Italien / Venedig, 1990 - 2009.
Folge 8 der Guido-Brunetti-Serie.

  • London: Heinemann, 1999 unter dem Titel Fatal Remedies. ISBN: 0434004197. 232 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2000. Übersetzt von Monika Elwenspoek. ISBN: 3-257-06262-1. 320 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2001. Übersetzt von Monika Elwenspoek. ISBN: 3-257-23311-6. 310 Seiten.

'In Sachen Signora Brunetti' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Es beginnt mit einem Telefonanruf am frühen Morgen. Im kühlen venezianischen Frühdunst ist ein Akt von Vandalismus verübt worden. Bald allerdings muß Commissario Brunetti feststellen, dass der Täter kein kleiner Ganove ist. Am Tatort wartet auf die Festnahme keine andere als Paola Brunetti, seine Frau.

Das meint Krimi-Couch.de: »Mit viel Humor gewürzt macht es einfach Spaß, diesen Roman zu lesen« 77°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Mitten in der Nacht steht eine Frau vor dem Schaufenster eines Reisebüros in Venedig. Sie zögert kurz; dann wirft sie mit aller Kraft einen Stein auf die Scheibe, setzt sich daneben und wartet auf die Polizei.

Nach ihren Ausweispapieren gefragt, zeigt sich: es handelt sich um Paola Brunetti, die Frau des Commissario Guido Brunetti. Das Reisebüro vermittelt Reisen in Länder, die sich auf Sextourismus spezialisiert haben. Paola möchte auf diese Weise die Veranstalter schädigen, da diesen gesetzlich schwer beizukommen ist.

Commissario Brunetti findet das gar nicht in Ordnung. Zunächst, weil er als Polizist nichts von der Selbstjustiz hält, aber auch, weil Paolas Verhalten schwerwiegende Konsequenzen hat. Für sie wie auch für ihn und die ganze Familie. Beruflich kann er es sich nicht erlauben, dass seine Frau zu solchen Mitteln greift. Die Reporter belagern ihn und seine Frau, die Situation eskaliert soweit, dass er vom Dienst suspendiert wird.

Dann geschieht unverhofftes: Der Inhaber des Reisebüros wird ermordet. Bei seiner Leiche wird ein Zettel des Täters gefunden, der darauf hindeutet, dass dieser Mord wegen des Sextourismus begangen wurde, den der Inhaber unterstüzt. Brunetti kommt wieder ins Spiel und leitet die Ermittlungen.

Wenn man einen neuen Brunetti-Roman in die Hände bekommt, ist das so, wie wenn man eine nette Familie besucht und zu einem guten Essen eingeladen wird. Bei Pasta mit einem Glas Pinot Grigio bekommt man fast schon selber Appetit. Es ist diese im Prinzip gewöhnliche Atmosphäre, die den Reiz der Reihe ausmacht. Man kann sich mit den Personen der Romane gut identifizieren, teilt ihre Sorgen und erlebt ihre Freuden mit.

Wer noch keinen Brunetti-Roman kennt, wird sicherlich nicht vom ersten Buch, das er liest, gleich begeistert sein. Mir ging es zumindest so. Von Buch zu Buch lernt man den Commissario besser kennen und lebt mit ihm mit.

Die Grundidee dieses achten Falles, ein Familienmitglied in einen Fall zu verwickeln, ist nicht gerade neu und oft ein Indiz dafür, dass dem Autor nichts mehr einfällt. Ich hoffe, dass dies hier nicht so ist. Vielleicht hat Donna Leon einfach keine andere Möglichkeit gefunden, einen Auslöser für diesen Fall zu finden. Nicht gerade glaubwürdig, dass einer intelligenten Frau nichts besseres einfällt, als durch das Einwerfen von Schaufensterscheiben auf einen Mißstand unserer Gesellschaft hinzuweisen. Vielleicht sollte dadurch auch die bisher so heile Welt der Ehe der Brunettis mal aus einem anderen Blickwilnkel betrachtet werden.

Die 311 Seiten in Kleinformat sind so flüssig geschrieben, dass man das Buch gut in 2 Tagen gelesen hat. Mit viel Humor gewürzt macht es einfach Spaß, diesen Roman zu lesen. Auch die Nebenfiguren sind so gut gezeichnet, dass sie schon reell wirken. So tut es auch dem Lesevergnügen keinen Abbruch, dass es sich hier nicht um einen durchgängig spannenden Thriller handelt. Doch es gibt auch spannende Abschnitte.

Vergleichend kann ich keinen Fall der Reihe besonders herausheben, weder nach oben noch nach unten. Das gleichbleibende Niveau ist sicher einer der Hauptgründe für den Erfolg der Brunetti-Serie.

Man wartet schon wieder ganz gespannt auf den nächsten Brunetti-Fall. So ähnlich, wie man sich freut, wenn einen gute Freunde besuchen. Die Brunetti-Serie ist mehr als eine Krimireihe. Sie ist außer Kriminalroman auch noch ein wenig Familiengeschichte, kritisches Gesellschaftsporträt, Reisebericht und kulinarischer Führer. Und dies nicht so, dass alles nur angerissen ist, sondern eine geschlossene Einheit bildet.

Ihre Meinung zu »Donna Leon: In Sachen Signora Brunetti«

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Kerstin zu »Donna Leon: In Sachen Signora Brunetti« 09.12.2005
Ich (34) habe alle Krimis von Donna Leon bereits mehrfach gelesen, eine sehr gelungene und unterhaltsame Abwechslung nach Feierabebnd zu den Büchern, die ich sonst so lese (Sidney Sheldon, Clive Cussler, Dan Brown, etc.).

Ich denke, die Donna Leon-Bücher kann man vor allem dann besonders genießen, wenn man Venedig und die geschilderten Orte dort selbst gut kennt. Ich selbst hatte bereits das Vergnügen, Venedig mehrfach zu besuchen und sehe beim Lesen der Bücher die Brücken, Häuser, Palazzos etc. - einfach ein Genuß, der immer wieder Lust auf Venedig macht!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Patrick zu »Donna Leon: In Sachen Signora Brunetti« 09.06.2005
Ich bin mittlerweile beim 13. Fall angelangt und muss sagen dass mich noch keines der Bücher gelangweilt hat. Vielleicht liegt es daran dass ich ein großer Italien-Fan bin und Venedig liebe. Je besser man die Gegebenheiten und Schauplätze kennt und mag, desto besser kann man sich der Lektüre hingeben, deshalb glabe ich auch dass sich die Romane nicht als Schullektüre eignen!!!
andrea zu »Donna Leon: In Sachen Signora Brunetti« 20.05.2005
ich musste das buch für ein schularbeitsthema nehmen die ersten 105 seiten die ich gelesen habe haben mir gereicht!!
ich bin kein großer Krimi leser und bei so einer faden gschicht npoch da zu ist das förmlich nicht das ware
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
keine Angabe zu »Donna Leon: In Sachen Signora Brunetti« 26.01.2005
Ich finde das der Roman nicht so gut gelungen ist! Ich meine wer hat jetzt die Frau von dem Mann der für die mafia ausagen wollte ermordet??
war das er selbst oder die mafia???
und ich find das es abslolut nicht fließend erzählt ist !!!
Auserdem es kommt kein fehrnsehn, keine Handys, und nur ein Computer vor! Hallo wir sind nicht mehr im Mittelalter
übrigens hab ich schon bessere Bücher gelesen die von 13- Jährigen geschrieben worden sind!
also halte ich nichts von euren lob-hymnen!
besonders das auf diese Seite hauptsächlich Donna Leon- Fans gehen. wer kommt schon auf den gedanken auf die seite zu gehen der die donna leon nicht mag. Ich muss ja leider ein Referat über die Frau halten.
Ps: Sie ist nichts im vergleich zu Agatha Christi!!!!!
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Heinz Unger zu »Donna Leon: In Sachen Signora Brunetti« 17.08.2004
Phantastisch.Mit sehr viel Einfühlungsvermögen und mit Sinn für Gerechtigkeit und Achtung vor dem ,besonders schutzbedürftigem, Nächsten geschrieben, gelingt Donna Leon ein zum Nachdenken und zur Zivilcourage anregendes Werk.
Monika Schulz zu »Donna Leon: In Sachen Signora Brunetti« 15.07.2004
Es gibt wirklich bessere, aber wirklich schlecht ist er auch nicht, aber auch wieder typisches in seinem Schema
Vivian zu »Donna Leon: In Sachen Signora Brunetti« 30.12.2003
dieser roman haette doch durchaus passieren koennen. vile wollen auf misstaende in der gesellschft hinweisen doch auf dem normalen weg findet man keine hilfe. die verantwortlichen kuemmern sich dann doch extrem gut darum nicht entdeckt zu werden
la donna zu »Donna Leon: In Sachen Signora Brunetti« 18.10.2003
bin absoluter "brunetti" fan - dieser wie auch die vorangegangenen krimi finde ich supertoll - wie auch ihren letzten krimi - den "feine freunde" fand ich am schwächsten - aber wie der, wie schon gesagte letzte krimi zeigte; WIE SOOO OFT SUPERSTARK - die bücher von donna leon ka. ich kaum erwarten - bestelle sie immer schon vor u. kaufe sie immer gebunden ;) freue mich schon auf den nächsten ...

es ist natürlich kein "lector" - halt eben kein thriller, die ich auch lese - aber die ital. schwabt nur so aus den büchern ... brunetti mit seiner art kaffee trinken zu gehen - blumen oder auch ni., für seine frau, zu kaufen - wenn er das treppenhaus betrifft - riecht man förmlich das essen

ich liebe brunetti u. donna leon

auf ein Neues *träumvomnächsten
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SilkeW zu »Donna Leon: In Sachen Signora Brunetti« 10.10.2003
Tja, einer der leiseren Romane von Donna Leon.

Der eigentliche Fall tritt ein wenig in den Hintergrund, dafür wird Brunettis Konflikt zwischen Job und Familie sehr schön deutlich und einfühlsam as usual beschrieben.

Die Aufklärung zum Schluß hätte ich mir eigentlich auch etwas ausführlicher gewünscht-hatte Signora Leon keine Lust mehr?

Trotzdem war es wieder ein sehr schöner Brunetti-Roman, wie immer sind Charaktere und Stadt toll beschrieben.

Und "Anja S.", du solltest wohl doch nochmal zu einem Leon greifen, es lohnt sich!
renate zu »Donna Leon: In Sachen Signora Brunetti« 01.03.2003
Besonders interessant an diesem Krimi ist für mich, wie der Commissario und seine Frau als Paar diese Situation meistern, die einen gewaltigen Loyalitätskonflikt darstelt.

Als Vertreter des Gesetzes sieht er sich in der misslichen Situation, dass seine Frau zwar eine moralisch überlegene Position vertritt in ihrem Kampf gegen den Sex-Tourismus, sich aber mit den Mitteln, die sie einsetzt, auf die andere Seite der Legalität stellt. Das hat für seine berufliche Laufbahn ernste Konsequenzen, denn er wird für die Taten seiner Frau sozusagen in Sippenhaft beruflich kaltgestellt. Andererseits gesteht er als solidarischer Ehemann seiner Frau, die er als Mensch und als intellektuellen Partner respektiert, das Recht auf eine eigene Meinung zu und darauf, diese zu äußern.

Auch Paola steht im Interessenkonflikt: ihre Verpflichtung dem eigenen Gewissen gegenüber sowie die Verpflichtung ihrem Mann gegenüber, dem sie das berufliche Leben durch ihre Handlungen schwer macht.

Es ist für mich bewundernswert, mit wie viel Feingefühl, Bereitschaft zu Verständnis auch für den anderen und dessen Beweggründe, vor allem aber unabdingbarem gegenseitigem Respekt die beiden sich in dem von Donna Leon entworfenen Szenario bewegen. Die eigentliche kriminalistische Handlung schrumpft daneben zum Stilmittel für die dramatische private Entwicklung - dramatisch wohlgemerkt in piano-Tönen und moll-Akkorden.
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