Feine Freunde von Donna Leon

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 unter dem Titel Friends in high Places, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: Italien / Venedig, 1990 - 2009.
Folge 9 der Guido-Brunetti-Serie.

  • London: Heinemann, 2000 unter dem Titel Friends in high Places. ISBN: 0434004219. 250 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2001. Übersetzt von Monika Elwenspoek. ISBN: 3-257-06271-0. 332 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2002. Übersetzt von Monika Elwenspoek. ISBN: 3-257-23339-6. 332 Seiten.

'Feine Freunde' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Eine Ermittlung gegen Brunetti? Unmöglich. Zwar geht es nur um seine Eigentumswohnung und die Baubewilligung, doch Brunetti muß das Schlimmste befürchten. Als der zuständige Beamte wenig später von einem Baugerüst stürzt, weiß Brunetti mit Sicherheit, dass es in diesem Fall keineswegs nur um seine eigene Wohnung geht. Seine Ermittlungen führen Brunetti in die venezianische Drogenszene, zu Wucher und Korruption. Nur »Feine Freunde« können da noch helfen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ich tauchte ein in den Sumpf und auch in die schönen Seiten von Venedig« 77°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Commissario Guido Brunetti hat ein neues Problem. Nach der Verhaftung seiner Frau in einem der Vorgänger-Romane steht nun Franco Rossi vom Katasteramt vor der Tür, um zu prüfen, ob es für den Bau seiner Wohnung genehmigte Pläne gibt. In Venedig wird nämlich sehr viel inoffiziell gebaut und renoviert und es ist üblich, die Vorschriften zu umgehen, den Kontrolleuren etwas vorzugaukeln oder ähnliches. Brunetti hat sich beim Kauf der Wohnung leider nicht die Genehmigungen geben lassen und so kann es im schlimmsten Fall sein, dass seine Wohnung abgerissen werden muß. Er spricht mit seiner Frau darüber, ob sie seinen Schwiegervater (einen Conte mit großem Einfluss) um Hilfe bitten sollen.

Beamter mit Höhenangst stürzt von Gerüst 

Es vergeht einige Zeit, in der er noch nichts unternommen hat, da liest er in der Zeitung, dass der Angestellte des Katasteramtes von einem Gerüst gestürzt ist und im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen ist. An sich keine Tatsache, bei der man stutzig werden musste, doch Brunetti ist aufgefallen, dass Franco Rossi unter extremer Höhenangst litt und nie freiwillig auf ein Gerüst gestiegen wäre. Und kurz davor rief Rossi noch bei Brunetti in der Questura an und wollte ihm irgend etwas mitteilen, doch leider kam er nicht mehr dazu und der Commissario wartete vergeblich auf seinen Rückruf.

Brunetti möchte den Fall, der zunächst eigentlich gar keiner ist, untersuchen. In Rossis Tasche ist eine Telefonnummer, die einem Anwalt gehörte, der erschossen wurde. Die Spur führt zu Zinswucherern, Bestechungen und Drogendealern. Einmal mehr erkennt er, dass ganz Venedig korrupt ist und er die Ideale seiner Jugend schon längst aufgegeben hat. An dieser Stelle möchte ich die Inhaltsangabe beenden, denn ich möchte nicht zuviel verraten.

Ein Wiedersehen mit alten Freunden 

Es ist schön, Brunetti in seinem neunten Fall begleiten zu dürfen. Für mich ist es wie ein Wiedersehen mit alten Freunden. Da wäre einmal der Commissario selbst, der seinen Job bei der Polizei von Venedig ernst nimmt. Er will den Dingen auf den Grund gehen. Einerseits scheut er sich nicht davor, jemanden in Schutz zu nehmen, andererseits löst er auch Gefälligkeiten ein, um in seiner Ermittlungsarbeit vorwärts zu kommen. In letzter Zeit muß er feststellen, dass er die Ideale seiner Jugend vernachlässigt und so kehrt er schon auch mal etwas unter den Teppich. In seiner Freizeit liest er griechische Klassiker. Dass er Polizist ist, hängt er lieber nicht an die große Glocke. Wenn man nach seinem Beruf fragt, sagt er, er hätte Jura studiert (was auch stimmt).

Seine Frau Paola lehrt Englische Literatur an der Universität. Mit ihr kann Brunetti alles besprechen und auf mich wirken die beiden sehr harmonisch, auch wenn die Stimmung in einem der Vorgänger-Romane auch schon mal getrübt war, denn Paola hat ihren eigenen Kopf, den sie auch ohne Rücksicht auf den Beruf ihres Mannes durchsetzt. Sie kocht sehr gut. Überhaupt wird dem Essen bei Donna Leon große Aufmerksamkeit gezollt.

Cholerisch, ungerecht und enorm wichtig – der Vice-Questore 

Neben diesen beiden trifft man auch immer wieder auf Vice-Questore Patta, den Chef von Brunetti. Er ist cholerisch, ungerecht und fühlt sich enorm wichtig. Komischerweise ist sein Schreibtisch immer leer. Seine Sekretärin Signorina Elletra, immer passend zu den Akten gekleidet, ist ein Original. Wenn brisante und persönliche Informationen wie geführte Telefongespräche, Steuerbescheide oder Vermögensverhältnisse Licht ins Dunkel bringen können, dann weiß Signorina Elletra sicher einen Weg, das Gewünschte binnen kurzer Zeit zu organisieren.

Nicht immer feiert die Gerechtigkeit ihren Sieg 

Was erwartet den Leser außer dieser Bekanntschaft: kein reisserischer blutrünstiger Thriller und kein Krimi der herkömmlichen Art, sondern ein Krimi, in dem leise Untertöne mitschwingen. Man darf an Brunettis Leben teilhaben, man wandert mit ihm durch Venedig und genießt mit ihm das Essen, das Paola ihm kocht. Daneben erhält man einen guten Einblick in die Gesellschaft und das Leben der Venezianer. Nicht immer feiert die Gerechtigkeit ihren Sieg, aber das Ende ist dennoch nicht unbefriedigend. Der Mörder wird nicht erst auf den letzten Seiten enthüllt, denn man kommt ihm mit Brunetti zusammen langsam auf die Spur. Ein wenig Spannung wird meines Erachtens dennoch geboten. Ich tauchte ein in den Sumpf und auch in die schönen Seiten von Venedig und hatte das Buch in nur drei Tagen zu Ende gelesen.

Ich habe inzwischen festgestellt, dass Donna Leon die Krimileser ziemlich polarisiert. Den einen freut es, seinen liebgewonnenen Freund wiederzusehen, der andere will diese Bekanntschaft erst gar nicht ausbauen, weil sich beim ersten Treffen aufgrund der falschen Erwartungshaltung vielleicht eine Dissonanz eingeschlichen hat. Ich würde »Feine Freunde« als soliden Krimi bezeichnen, der mir zwar keine Begeisterungsstürme entlockt, der aber dennoch leichte Unterhaltung bietet. Die Vorgänger-Romane muss man nicht gelesen haben, um diesen zu verstehen, aber vielleicht sollte man mit einem stärkeren beginnen, sonst gibt man gleich auf. Mir liegt der Stil von Donna Leon auf jeden Fall und ich werde sicherlich auch das nächste Buch von ihr lesen.

Das meinen andere:

»Der amerikanischen Schriftstellerin, die seit Jahren in der langsam untergehenden Adriastadt lebt, ist mit ´Feine Freunde´ erneut ein Kriminalroman gelungen, der sicherlich wieder in die Bestsellerlisten schießen wird. Zu Recht.« (Der SPIEGEL)

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Natascia Tononi zu »Donna Leon: Feine Freunde« 20.02.2010
Ich habe den neunten Band „Feine Freunde“ von Donna Leon gelesen. Anfangs war ich sehr gespannt und freute mich dieses Buch zu lesen,dies auf Grund des Titels. Ich stellte mir vor, es könnte sich um einen Fall mit Intrigen und Verrat handeln, den Brunetti mit Hilfe seiner Feinen Freunde lösen wird und kann.
Zu Beginn des Buches konnte ich es kaum erwarten, den ersten Toten zu entdecken, der zum Glück bald kam. Schon am Anfang hatte ich das Gefühl, wenig Action darin zu finden, was sich auch bewahrheitete. Allerdings mangelte es selten an Spannung, denn immer wieder stiess Brunetti auf neue Indizien. Donna Leon schreibt den Kriminalroman ziemlich wahrheitsgetreu, im Sinne von, es könnte so eine Tatsache oder ein solcher Fall wirklich geben. Auch Brunettis Leben stellt sie als ziemlich normal dar, ohne jeglichen Probleme oder Sorgen. Weshalb ich daraus schliesse, dass das die Hauptmotive für, den grossen Erfolge dieser Bände sind. Sie widerspiegeln teilweise das Leben, das die Leute oder die Leser gerne hätten. Zum Beispiel in einer schönen Stadt wie Venedig leben, die Liebe die zwischen Guido und Paola ist, (ziemlich) kaum Problem-verursachenden-Kinder, usw.
Des Weiteren hatte ich das Gefühl, dass der Titel für dieses Buch unpassend sei. Eigentlich wird kaum etwas über seine Feinen Freunde erzählt, denn auch das Problem mit seiner Wohnung wird schlussendlich von seinem Schwiegervater gelöst und nicht, wie Brunetti es vorhatte, mit Hilfe seiner Freunde. Dieser Faktor hat bei mir ein wenig Enttäuschung hervorgerufen. Ansonsten habe ich das Buch als angenehm zum Lesen und spannend empfunden. Allerdings werde ich auf das Lesen weiterer Donna-Leon-Bände verzichten.
Torsten Janssen zu »Donna Leon: Feine Freunde« 12.03.2007
Auf einer Reise nach Venedig vom 1.-10.3.07 traf ich.....Donna Leon! Wir besichtigten zusammen mit unserer Reisegruppe die Kirche Maria del Salute ( gebaut als Dank für die überstandene Pestepidemie Mitte des 17. Jahrhunderts). Anschließend trennten wir uns bis zum Abendessen und ich schlenderte am Peggy Guggenheim Museum vorbei in Richtung Akademie Brücke. Dort kam mir eine Frau entgegen, die ich nach einer Schrecksekunde erkannte. "Donna Leon" sagte ich. Sie nickte mir zu und sagte "Buen Giorno". Ich konnte noch sage: "Hello, I am from Hamburg". Sie lächelte mir gütig zu und ging weiter mit ihren Einkaufstaschen ihrer Wege. Leider hatte ich kein Buch zum signieren dabei. Ihre Bücher erscheinen auch nicht auf italienisch, und ihre Darstellungen des Lebens eines venezianischen Polizeikommissars seien doch recht beschönigend. Nun... ich werde mich noch mal an ihrem Werke versuchen.
Michael Angrick zu »Donna Leon: Feine Freunde« 16.12.2006
Freunde in hohen Positionen heißt der neunte Fall meines Freundes Brunetti. Vielleicht heißt der Roman in der Übersetzung auch anders, aber so ist sein Originaltitel. Brunetti löst den Fall, aber nicht alle Fälle. Er ist Mensch, er wohnt in Venedig, er ist in einem Umfeld tätig, wo man Netzwerke zum Leben, zum besseren Leben durchaus benötigt. Er versucht sich immer wieder dagegen zu stemmen, aber selbst seine eigene Familie ist da nicht frei von Fehl und Tadel. Der gute aristokratische Schwiegervater!
Am Ende sind wie gesagt nicht alle Fälle zufriedenstellend gelöst, aber wo im wirklichen Leben ist das anders?
Das Buch ist auch deshalb lesenswert, weil Donna Leon meinen Urlaubsromancier Patrick O’Brian feiert.
A.Lerner zu »Donna Leon: Feine Freunde« 02.09.2006
Beim Wiedersehen(lesen) mit alten Freunden
müsste eigentlich auch der getreue Vianello an Brunetti´s
Seite erwähnt werden.
Ich habe alle Buecher gelesen und schaue mich
regelmässig in meinem Buchladen nach einer
möglichen Neuerscheinung um. Werde leider bis
2007 warten müssen.
Uli111 zu »Donna Leon: Feine Freunde« 25.08.2005
Ich bin dabei, mich in der richtigen Reihenfolge durch die Brunetti-Krimis von Donna Leon zu lesen. Auch in "Feine Freunde" gefallen mir bestimmte ironische Satzwendungen der Autorin. Es macht Spaß ihre Bücher zu lesen. Es ist nur schade, dass dem armen Brunetti die Aufklärungsquote verhagelt wird.
malaja malta zu »Donna Leon: Feine Freunde« 28.07.2005
Ich lese diese Bücher schön der Reihe nach.
Enttäuscht bin ichnur von der Tatsache, daß die anderen Verbrechen in diesem Buch leider nicht aufgeklärt werden, "nur" der Mord an dem Katasterbeamten. Schade.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ina zu »Donna Leon: Feine Freunde« 08.06.2005
"Feine Freunde" ist das erste Buch, dass ich von Donna Leon lese. Es ist leicht zu verstehen und man kann der Handlung leicht folgen. Abschließend kann ich nur sagen, dass ich auf keinen Fall enttäuscht war, als ich die ersten hundert Seiten gelesen habe!
Caro zu »Donna Leon: Feine Freunde« 15.12.2004
Momo hat sicher recht, wenn sie sagt "Feine Freunde" wäre eher ein Buch zum "nebenbei" lesen. Aber ich gestehe ganz offen, daß ich nach einem langen Arbeitstag manchmal genau das möchte. Komplizierten Handlungsabläufen zu folgen ist mir dann nämlich manchmal zu anstrengend. Deswegen mag ich auch Donna Leon. Und "Feine Freunde" ist meiner Meinung eines ihrer besten Bücher. Kurzweilige und spannende Unterhaltung.
Momo zu »Donna Leon: Feine Freunde« 13.12.2004
Es ist wahrlich eine leichte Kost, FEINE FREUNDE. Es war eher ein Buch für "neben bei", als ein Buch das ich als "umbeingt lesenswert" bezeichnen würde. Im Großen und Ganzen ist der Roman ganz passabel.
t4rget zu »Donna Leon: Feine Freunde« 15.07.2004
"Feine Freunde" ist mal wieder ein absolutes Highlight unter den Leon-Krmis. Ich bin ein erklärter Fan aller ihrer Bücher, weil sie mich jedesmal mit unvergleichlichen Charme , familiärer Stimmung und einer gleichzeitigen melancholischen Nachdenklichkeit in ihren Bann ziehen.
Dennoch ist "Feine Freunde" dahingehend ein "Deluxe-Leon",weil sie es hier wieder einmal schafft alle die obengenannten Tugenden, die alle Bände in meinen Augen besitzen, mit einer spannenden Handlung zu verknüpfen!
Auch der "Zugang" zum Mordfall über Brunettis Privatleben ist sehr geschickt gewählt!
Ein absolut zu empfehlender Krimi!

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