Das Gesetz der Lagune von Donna Leon

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel A Sea of Troubles, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: Italien / Venedig, 1990 - 2009.
Folge 10 der Guido-Brunetti-Serie.

  • London: Heinemann, 2001 unter dem Titel A Sea of Troubles. 247 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2002. Übersetzt von Monika Elwenspoek. 373 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2003. Übersetzt von Monika Elwenspoek. ISBN: 3-257-23379-5. 321 Seiten.
  • [Hörbuch] Schwäbisch Hall: Steinbach, 2002. Gesprochen von Christoph Lindert. 7 CDs.

'Das Gesetz der Lagune' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Zu nachtschlafender Stunde erschüttert ein riesiger Knall das Fischerdorf Pellestrina auf dem schmalen Landstreifen, der die venezianische Lagune von der Adria trennt: Zu Tode kommen zwei Muschelfischer, Giulio Bottin und sein Sohn Marco, die jeder im Dorf kennt, doch über die niemand gerne spricht. Außerhalb seiner vertrauten Gassen und ohne seine venezianischen Connections fühlt Brunetti sich, als wären ihm die Hände gebunden. Bis Signora Elettra in den Fall hineingezogen wird …

Das meint Krimi-Couch.de: »Eindeutig der Tiefpunkt der Brunetti-Reihe« 46°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Pellestrina ist ein kleiner Fischerort auf einem schmalen Landstreifen aus Sand, der die Adria von der Lagune von Venedig trennt. Und eines Nachts im Mai bricht in diesem Dorf in der Kabine eines Fischerbootes ein Feuer aus, das alle Bewohner aufweckt, als sich das Flammen bis zu den Benzintanks vorgearbeitet hatten und eine Explosion verursachten. Ganz Pellestrina war in Nu auf den Beinen und zum Hafen gestürzt, teils im Schlafanzug und einzelne sogar nackt. Es fehlte eigentlich nur der Besitzer des Bootes, Giulio Bottin, und dessen Sohn Marco. Als die Suche nach den beiden erfolglos bleibt, beschließt man, zu tauchen und auf dem gesunkenen Schiff nach dessen Besitzer zu suchen. Dort findet man dann zwei Leichen. Es dauert geraume Zeit, bis die Carabinieri eintreffen, denn zunächst hatte keiner der Bewohner die Polizei benachrichtigt, weil jeder glaubte, dies hätte bereits ein anderer getan. Und dann dauert es wieder eine Weile, bis die Questura in Venedig verständigt wird und Brunettis engster Mitarbeiter Vianello zusammen mit dem Bootsführer Bonsuan nach Pellestrina kommt und veranlasst, dass die Leichen von Tauchern geborgen werden. Dann erst stellt man fest, dass dem Vater der Schädel eingeschlagen wurde und der Sohn erstochen wurde.

Nun stehen die Beamten vor dem Problem, dass die Inselbewohner so verschlossen sind wie die Muscheln, die für ihren Lebensunterhalt sorgen. Obwohl Bottin alles andere als beliebt war, beantwortet doch jeder nur die allernötigsten Fragen, so daß weder ein Motiv noch Verdächtige für die Morde zu finden sind. Und so kommt Commissario Brunetti keinen Schritt voran. Schließlich bietet Signorina Elettra, die Sekretärin von Brunettis Vorgesetztem Patta, und Beschafferin von Informationen aller Art in Sekundenschnelle, an, ihren Urlaub bei ihrer Cousine in Pellestrina zu verbringen mit dem Hintergedanken, vielleicht so etwas erfahren zu können. Brunetti ist zwar strikt dagegen aus Angst um die junge Dame, doch kann er ihr schließlich nicht vorschreiben, wo sie ihren Urlaub zu verbringen hat. So schickt er zusätzlich den jungen Pucetti incognito auf die Insel, wo dieser zur Aushilfe als Kellner arbeiten soll. Einerseits, um selber die Bewohner etwas auszuhorchen, andererseits zum Schutz von Signorina Elettra.

Viel mehr kann ich vom Inhalt von Commissario Brunettis zehntem Fall nicht schreiben, ohne Wesentliches zu verraten, denn sehr viel mehr passiert eigentlich nicht bis zur Mitte des Buches. Über drei Viertel des Romans breitet sich gepflegte Langeweile aus und die Handlung zieht sich zäh wie Kaugummi dahin. Sogar das furiose Ende kann nicht über die doch allzu schwache Handlung zuvor hinwegtrösten. Dagegen konnte mich die detaillierte Landkarte der »Laguna Veneta«, die auf den Klappeninnenseiten sowohl vorn als auch hinten abgedruckt ist, absolut begeistern. Interessiert hätte mich ansonsten einzig noch die Marke von Brunettis »telefonino«. Denn dieses hat auch nach einem Vollbad im Meer noch klaglos seinen Dienst verrichtet.

Das Interessanteste bleiben über lange Strecken außer den gewohnt detaillierten Beschreibungen über die Speisen, die Donna Leons Figuren zu sich nehmen dürfen, noch die Landschaftsdarstellungen sowie die Diskussionen über die Ausbeutung des Meeres und die Umweltverschmutzung, durch die Fisch und Muscheln mittlerweile gesundheitsschädlich geworden sind und man Meeresfrüchte nicht mehr bedenkenlos essen sollte. Doch dies alles wird nur angerissen, ohne daß man wirklich großartig Einblick bekommt. Zu schwach bleiben ihre Ausführungen zu den genannten Themen sowie auch zum Thema Korruption innerhalb der Polizei, das sich wie ein roter Faden durch alle Brunetti-Romane zieht, als daß man wenigstens von einem sozialkritischen Roman sprechen könnte.

Nachdem die Autorin bereits einmal Brunettis Ehefrau näher mit in die Handlung einbezogen hat, so hat sie dieses mal Signorina Elettra sowie dem Bootsführer Danilo Bonsuan eine tragendere Rolle zugedacht. Im Prinzip keine schlechte Idee, einzelne Charaktere, die dem Leser bereits vertraut sind, etwas hervorzuheben, positiv auch, dass die Signorina sogar ein Privatleben und eine Affäre haben darf, doch leider gelingt die Umsetzung der Idee nicht sonderlich überzeugend.

Und dann taucht schließlich wie immer ein- bis zweimal der Charakter auf, der in allen Brunetti-Romanen nicht fehlen darf. Der alte Bekannte, nicht sonderlich beliebt, der aus irgendwelchen Gründen Brunetti noch einen Gefallen schuldig ist und der dann eine entscheidende Information dazu beiträgt, dass Brunetti endlich die richtige Spur findet.

Was bleibt, ist ein wie immer leicht lesbarer Roman und das italienische Flair, das die Autorin wie gewohnt sehr gekonnt rüberbringt. Doch wem es nur darum geht, dem ist mit jedem der Vorgängerbände besser gedient. Leider bietet auch Brunettis Familie dieses Mal wenige Reibungspunkte. Ein Hauch von Eifersucht seitens Brunettis Ehefrau Paola kann man auch nicht gerade als einen solchen bezeichnen, so daß man auch auf das bekannt humorvolle Gekabbele und die herrlichen Dialoge des Ehepaars hier vergbelich wartet.

Mit »Das Gesetz der Lagune« hat die Brunetti-Reihe nach den vorangegangenen nicht unbedingt überzeugenden Folgen nun ihren eindeutigen Tiefpunkt erreicht. Brunetti denkt in diesem Buch zwischendurch mal laut über seine Pensionierung nach. Sollte der Folgeband nicht eine wesentliche Steigerung bringen, so sollte seine Schöpferin wirklich daran denken, den Commissario in den verdienten Ruhestand zu schicken.

Ihre Meinung zu »Donna Leon: Das Gesetz der Lagune«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Manftrd Fries zu »Donna Leon: Das Gesetz der Lagune« 23.10.2014
Hallo VannyBanny, es ist nicht der fünfte Fall, dondern der zehnte Fall. Steht so auf dem Titel vorne drauf; leicht zu lesen.
Für mich einer der stärksten Romane von Donna Leon mit viel Pellestrina-Atmosssphäre!

Man kann Zeile für Zeile hier wirklich genießen! Der Film folgt leider nicht dem Buch.
Denn Brunetti kömmt nicht gemeinsam mit Vianello nach Pellestrina, sondern allein, nachdem man ihn informiert hat. Vianello war schon als erster da!

Man dollte sich in den Drehbüchern doch etwas mehr an das Buch hsalten. Schrecklichste Entglesing hier ist z.B. die Verfilmung von "Wie durch ein dunkles Glas". Diesen Film sollte man einstampfen!!!

Manfred
Brigitte Kühn zu »Donna Leon: Das Gesetz der Lagune« 17.02.2012
Vorneweg muss ich gestehen, absoluter Brunetti-Fan zu sein. Dieser Fall unterscheidet sich von den anderen dadurch, dass es richtige Actionszenen gibt. Glücklicherweise ist das eine Ausnahme, denn die Geschichten um den
Commissario, seinen Vorgesetzten Patta, Vianello, ect, sowie seiner Familie, sind ja eigentlich keine Krimis, sondern Geschichten aus Venedig, mit den Augen eines Venizianers betrachtet, sehr präziese beschrieben von der wundervollen Donna Leon. Dass es Geschichten mit kriminellen, oft mit politischem Hintergrund, sind, die mich gemütlich mit Brunetti durch Venedig schlendern lassen, ist mir eher nebensächlich. Auf jeden Fall kann ich jeden Weg in der Stadt nachvollziehen, es stimmt eben immer alles! Danke Donna Leon.
PeterGreen zu »Donna Leon: Das Gesetz der Lagune« 21.08.2010
Nun bin ich absolut kein Donna Leon Fan aber gerade dieses Buch fand ich insofern besonders und habe es tatsächlich geschafft zu Ende zu lesen. Wahrscheinlich weil es eben nicht ein üblicher Donna Leon ist und endlich mal ein bißchen was passiert. Das fast actiongeladene Ende hat mich richtig überrascht und zum Schluss konnte ich meiner Frau, die absoluter Fan ist, sogar sagen, dass ich es ganz gut fand. Ich glaube es ist gerade die Beziehung die Brunetti zu seiner Frau und seinen Kindern hat, diese leise geführten Auseinandersetzungen die aber doch immer wieder zueinanderführen und die venezianische Atmosphäre die vielen gefällt und überzeugt. Aber muss es denn auch immer ein gescheiterter Kommissar sein? Ist eben doch nicht für jeden was, so Gestalten wie Kurt Wallander und Co. Also zum Einstieg in die Brunetti-Reihe finde ich ist "Das Gesetz der Lagune" nicht schlecht.
VanyBunny zu »Donna Leon: Das Gesetz der Lagune« 18.02.2010
Mit hohen Erwartungen nahm ich Donna Leons fünften Band in Angriff mit dem Ziel, mich von ihm mitreissen zu lassen.
Leider war dem nicht so. Der Stil, in dem das Buch geschrieben ist, sprach mich überhaupt nicht an. Dazu kam auch noch, dass nach einem spannenden Intro ein endlos langer und einschläfernder Mittelteil folgte, dessen scheinbar einzige Aufgabe es war, die Umgebung Venedigs zu beschreiben. Ich war kurz davor, das Buch in die Ecke zu schmeissen, da die Handlungen nie zu einem klaren Ende führten. Doch dann offenbarte sich mir einen Lichtblick, denn Brunetti kam endlich mit seinen Ermittlungen voran und es wurde nicht mehr nur über das Essen gesprochen.
Gegen den Schluss kam wieder etwas Bewegung in die Szenen, jedoch herrschte ein Durcheinander zwischen den Mördern und den Ermittlern. Die ganze Story wirkte etwas verwirrend und die Verbrecher konnten nicht überführt werden. Ich habe mich gefragt, was die Leser der Donna- Leon- Reihe so fesselt und fasziniert. Ich denke, der Grund dafür ist das schöne Leben, das Brunetti führt und seine scheinbar perfekte Familie. Diese Punkte reichen für mich nicht aus, „Das Gesetz der Lagune“ als gelungenes Werk zu bezeichnen. Als ich das Buch weglegte, stellte ich mir die Frage, warum ich es überhaupt gelesen hatte.
Was mir an diesem Buch am besten gefallen hat? Die Garnelen und die Spaghetti. Dieses Werk ist kein Detektivroman, jedoch könnte es sich als Venedig- Guide versuchen.
Kriminalromane erhalten durch Donna Leon einen völlig neuen Charakter. Sie hat es geschafft, dass das Wort „Krimi“ von nun an mit Langeweile und Stillosigkeit in Verbindung gebracht wird. Ich hoffe, dass es mir in ferner Zukunft einmal gelingen wird, wieder einen Detektivroman zu lesen; doch bis dahin muss ich diesen Schock erst mal überwinden.
Leo Werner zu »Donna Leon: Das Gesetz der Lagune« 21.06.2009
Es gibt nicht nur viele Arten von Krimis, sondern auch viele Arten von Krimilesern. Was der eine gut findet, findet der andere schlecht. So auch hier. Komisch ist nur die Endgültigkeit, mit der hier geurteilt wird. Hier schient niemand auf die Idee zu kommen, dass man den einen oder anderen Donna-Leon-Roamn auch ganz anders lesen kann, als es der jeweilige Resensent tut. Wobei ich keinen Unterschied zwischen Laien- und Profirezensenten erkennen kann.
Ich finde es gut, dass Donna Leon sich von solchen Ja-oder-Nein-Rezensionen nie beeindrucken lässt. Sie schreibt ihren Stil weiter, und natürlich ist alles ein bißchen unterschiedlich und doch auch wieder gleich. Auch mir gefällt nicht alles. Aber mir gefällt, dass sie sich für viele Jahre nicht an einen Typen klammern wollte, der zwar vielleicht "interessanter" wäre, aber den sie nicht mag. Davon ist die Krimiliteratur voll. Und es scheint viele zu geben, die dies nachvollziehen können. Auch ich wundere mich darüber, wie Signora Brunetti trotz eines anstrengenden Berufs und zweier nicht einfacher Kinder immer hervorragende Essen auf den Tisch zaubert. Aber geht es um solche Glaubwürdigkeit? Es geht um einen eigenen Stil und Menschen, mit denen man sich lieber identifizieren möchte als mit irgendwelchen Kotzbrocken. Als ob es nur immer um "Spannung" gehen müsste! Donna-Leon-Bücher sind für Donna-Leon-Fans, und die freuen sich auf das jeweils nächste. Ich denke, das ist nicht das schlechteste Urteil über sie.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Natalie zu »Donna Leon: Das Gesetz der Lagune« 02.04.2008
Ich musste das Buch im Unterricht lesen und war wenig begeistert davon. ich hatte auch gar keine so große Lust aber irgendwie hatte ich mehr erwartet, z.B. man Tipps auf den Mörder bekommt oder so nichts davon das hat mich schon entäuscht, genau so das er plötzlich da war. ich werde es nicht noch einmal lesen, aber mal den Film dazu ansehen, vielleicht ist der ja besser.
Britta Nüske-Illenberger zu »Donna Leon: Das Gesetz der Lagune« 23.06.2007
Ich habe "Das Gesetz der Lagune" gerade zum 2. Mal gelesen und fand das Buch super. Es hat meinen Mann und mich dazu inspiriert dieses Mal beim Venedigbesuch der Insel Pelestrina einen Besuch abzustatten. Vielleicht ist es auch mein Faible für Venedig, aber ich finde die Bücher alle gut gelungen und es macht Spaß das untouristische Venedig zu entdecken.
MissyMarple zu »Donna Leon: Das Gesetz der Lagune« 24.03.2007
Was mich am meisten stört:
Im nächsten Band wird nie erwähnt, das Bonsuan tot ist. Rein theoretisch müsste Brunetti doch manchmal an ihn zurückdenken! Statt dessen nimmt er einfach das Vaporetto.
Michael Angrick zu »Donna Leon: Das Gesetz der Lagune« 16.12.2006
Nun habe ich mal wieder so mitten drin, Donna Leons neuesten Roman gelesen. A Sea of Troubles heißt der Roman und er spielt in der Fischerszene von Pelestrina. Er ist brutaler als manch einer seiner Vorgänger und die Polizei verliert den freundlichen Bootsführer Bonsuan und die arme Sekretärin verliert ihr Herz an den Neffen des Mörders. Und Brunetti ist sich seiner Gefühle zur Sekretärin nicht sicher und auch sonst nicht der Stärkste. Wird ihm doch ein anderer vorgezogen bei der kommissarischen Leitung der Behörde. Aber so ist dieser Kommissar, ihm geht es um den Menschen, um das Drumherum, nicht um das „Wer ist der Mörder?“ – Spiel. So sind sie diese Romane.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Fredi R. zu »Donna Leon: Das Gesetz der Lagune« 01.08.2006
Diese Leistung war nun wirklich nicht brilliant... Eigentlich bietet die Geschichte doch etwas Abwechslung, so darf der Commissario mal in einem Fischerdorf ermitteln statt in seinem Venediger Nest, aus dem Plot wäre aber doch etwas mehr zu machen gewesen. Das Ganze ist aber mit einer derart unerträglichen Menge Pathos niedergeschrieben, dass das Lesen mit der Zeit richtig mühsam wird. Trotzdem mögen der Schreibstil und das spannende Ende das Ganze etwas aufpolieren, das wars aber schon. Zugegeben, nach Leons bisherigen Werken dürften die Erwartungen der Leserschaft doch ziemlich hoch gewesen sein, und schon wird aus einem mittelmässigen Buch eine grobe Ernüchterung.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 24.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Das Gesetz der Lagune

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: