Donald Hamilton

Donald Bengtsson Hamilton wurde am 24. März 1916 im schwedischen Uppsala geboren. Als Achtjähriger emigrierte er 1924 mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten. Sein Vater, ein bekannter Arzt und Forscher, arbeitete als Dozent für einige der renommiertesten Universitäten der USA. Sohn Donald sollte ebenfalls eine akademische Karriere einschlagen, obwohl er sich schon früh für eine Laufbahn als Schriftsteller entschieden hatte. Als Kompromiss schrieb sich Hamilton Junior an der »University of Chicago« ein.

Ab 1942 leistete Hamilton Kriegsdienst in der Navy. Er brachte es bis zum Offizier, kam aber nicht zum aktiven Einsatz, sondern blieb in Annapolis stationiert, wo er in Marineakademie der Vereinigten Staaten tätig war. Zwei erste Romane entstanden in dieser Zeit, die allerdings unveröffentlicht blieben. Hamilton hielt die Erinnerung an seine Militärzeit wach; immer wieder wurden ehemalige oder noch aktive Marine-Offiziere seine Helden, die in lebensbedrohliche, meist durch Mord eingeleitete Krisen gerieten, in denen sie auf ihre militärischen Erfahrungen zurückgreifen konnten.

Hamilton schrieb Kriminalgeschichten. Als Vorbilder galten ihm Dashiell Hammett, Ernest Hemingway, Raymond Chandler sowie – ein unerwarteter Gast in dieser Runde – Leslie Charteris, dessen Romane um den »Heiligen« Hamilton sehr schätzte. 1946 gelang ihm ein erster Verkauf an »Collier’s Magazine«. In den nächsten Jahren verkaufte er zahlreiche Storys an ähnliche Publikationen.

Hamiltons Romandebüt »Date with Darkness« von 1947 war ebenfalls ein Krimi – ein klassischer, d. h. düsterer »Noir«-Thriller mit Figuren, die sämtlich gefährliche Geheimnisse hüteten. Moralische Ambivalenz aber ein persönlicher Ehrenkodex zeichneten zukünftig den typischen Hamilton-´Helden´ aus.

Ab 1953 machte sich Hamilton auch als Verfasser von Western-Romanen einen Namen. Sein größter Erfolg wurde der Roman »The Big Country«, nach dem 1958 unter der Regie von William Wyler das gleichnamige Filmepos mit Gregory Peck, Charlton Heston und Jean Simmons entstand, das mit einem Oscar ausgezeichnet wurde und zu den großen Hollywood-Klassikern gehört.

1960 suchte der Verlag Fawcett für seine »Gold Medal«-Reihe einen neuen Serienhelden im Stil des zu diesem Zeitpunkt in den USA allerdings noch fast unbekannten James Bond. In »Death of a Citizen« beginnt Matt Helm seine literarische Karriere als »Schläfer« im Dienst der US-Regierung, als er nach 15 Jahren ´geweckt´ wird und unter dem Decknamen »Eric« meist außerhalb der geschriebenen Gesetze feindliche Spione zu jagen beginnt, die – dem Zeitgeist entsprechend – gern mit der UdSSR oder China assoziiert waren. Dabei ging er gleichermaßen professionell wie rabiat zu Werke, wobei er sich zwar einfallsreich sämtlicher Waffenarten bediente, jedoch das Messer bevorzugte.

Zwischen 1960 und 1993 veröffentlichte Hamilton 27 Romane der Matt-Helm-Reihe. Ihr Erfolg war phänomenal; die Auflagenhöhe durchbrach bereits Anfang der 1980er Jahre die 20-Millionen-Grenze. Erwartungsgemäß wurde Hollywood aufmerksam. Zwischen 1966 und 1969 spielte Dean Martin (1917-1995) für die »Columbia Pictures« in vier Filmen den Titelhelden, ab 1975 mimte ihn Anthony Franciosa (1928-2006) in einer kurzlebigen weil erfolglosen TV-Serie. Martins Interpretation betonte die feucht-fröhlichen Aspekte des im Original wesentlich vielschichtigeren Helm-Charakters, was Hamiltons Missfallen erregte.

Nachdem Hamilton die meiste Zeit seines Lebens in Santa Fe, New Mexico, verbracht hatte, kehrte er nach dem Tod seiner Ehefrau in den 1990er Jahren in seine schwedische Heimat zurück, wo er sich in Visby auf der Ostseeinsel Gotland niederließ. Dort ist er am 20. November 2006 im Alter von 90 Jahren gestorben. In seinem Nachlass fand sich das Manuskript zu einem 28. Matt-Helm-Roman, der unvollendet blieb. (Michael Drewniok)

Krimis von Donald Hamilton:

  • Matt Helm-Reihe:
    • (1960) Der Lockvogel
      Death of a Citizen
    • (1960) Die Zerstörer
      The Wrecking Crew
    • (1961) Koks und Knallbonbons
      The Removers
    • (1962) Die Vollstrecker
      The Silencers
    • (1962) Der Verfolger / Nachts sind alle Killer grau
      Murderer’s Row
    • (1963) The Ambushers
    • (1964) The Shadowers
    • (1964) Die Unerbittliche / Manche lieben’s eiskalt
      The Ravagers
    • (1965) Eine Braut für alle Fälle / Die Gefährlichen
      The Devastators
    • (1966) Die Verräter
      The Betrayers
    • (1968) Die Scharfmacher
      The Menacers
    • (1969) Der Mann am Drücker / Der Todeskurier
      The Interlopers
    • (1971) Der zweite Mann ist eine Lady / Die Totmacher
      The Poisoners
    • (1973) Matt Helm im Netz / Fuchs im fremden Bau
      The Intriguers
    • (1974) Eiskalt serviert
      The Intimidators
    • (1975) Der Ausputzer
      The Terminators
    • (1976) The Retaliators
    • (1977) Mafia-Blut
      The Terrorizers
    • (1982) The Revengers
    • (1983) The Annihilators
    • (1984) The Infiltrators
    • (1985) The Detonators
    • (1986) The Vanishers
    • (1987) Karibisches Inferno
      The Demolishers
    • (1989) The Frighteners
    • (1992) The Threateners
    • (1993) The Damagers
  • weitere Krimis:
    • (1947) Date With Darkness
    • (1948) Träume von einem Toten
      The Steel Mirror
    • (1954) Wenn alle Stricke reißen
      Night Walker
    • (1955) Ein Mann über Kimme und Korn
      Line of Fire
    • (1956) Die letzte Wohnung ist ein Sarg / Verrat in den Augen
      Assignment: Murder / Assassins Have Starry Eyes
    • (1980) The Mona Intercept
  • Kurzgeschichten:
    • (1947) Duell der Doppelmörder / Viele Katzen sind des Agenten Tod
      Murder Twice Told
  • Western:
    • (1954) Smoky Valley
    • (1956) Verrat in den Augen
      Mad River
    • (1958) The Big Country
    • (1960) The Man From Santa Clara / The Two-Shoot Gun
    • (1960) Texas Fever
  • Sachbuch:
    • (1970) On Guns and Hunting
  • Autobiographisches:
    • (1980) Cruises with Kathleen
  • als Herausgeber:
    • (1967) Iron Men and Silver Stars

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