Satori von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2010
unter dem Titel Satori,
deutsche Ausgabe erstmals 2011
bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: Japan / Tokio, 1950 - 1969.
- New York: Grand Central, 2010 unter dem Titel Satori. 592 Seiten.
-
München: Heyne, 2011.
Übersetzt von Conny Lösch.
ISBN:
978-3-453-40808-1. 592 Seiten.
'Satori' ist erschienen als
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In Kürze:
Tokio 1951: Das Schicksal der Welt steht auf Messers Schneide. USA und Russland kämpfen mit allen Mitteln um die Vorherrschaft in Asien. Die CIA, die Nikolai Hel inhaftiert und gefoltert hat, macht ihm ein Angebot: seine Freiheit gegen den Tod des sowjetischen Botschafters in Peking. Getarnt als Waffenhändler gerät Hel in ein tödliches Netz politischer Intrigen und verfolgt dabei ganz eigene Ziele: Rache und den Weg zu Satori, der Erleuchtung.
Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Wiederbelebungsversuch«
Krimi-Rezension von Jürgen Priester überspringen
Satori und Shibumi – zwei Titel. Winslow und Trevanian – zwei Autoren. Nicolai Hel – ein Held. Shibumi, 1979 veröffentlicht, ist einer der parodistisch angehauchten Spionageromane, die der 2005 verstorbene, amerikanische Schriftsteller Rodney William Whitaker unter dem Pseudonym Trevanian schrieb. Auch wenn die Chronik von internationalen Bestsellern schreibt, dürften Autor und Werk eher vergessen sein. Ob nun auf Initiative der Erbengemeinschaft oder aus wirtschaftlichem Kalkül eines Verlages ist jetzt der Versuch gestartet worden, Shibumi wiederzubeleben. Dazu wurde kein Geringerer als Don Winslow als Re-Animateur auserkoren. Winslow, spätestens seit seinem hervorragenden Tage der Toten auch in Deutschland kein Unbekannter mehr, schrieb eine Art Vorgeschichte zu Shibumi, in der Winslow geschickt ein Zeitfenster von vier Monaten in der sonst ausführlich abgehandelten Biografie des Helden nutzt. Satori und Shibumi wurden bei uns zeitgleich und in einem aufeinander abgestimmten Design veröffentlicht. Wem der beiden Romane der Heyne-Verlag mehr Erfolgsaussichten zutraut, zeigt allein schon das Format. Während das überarbeitete Shibumi als Taschenbuch erschienen ist, präsentiert sich Winslows Satori als großformatiges Klappenbroschur zu entsprechendem Preis. Aber das korreliert auch mit der Qualität.
In seinem monatlich erscheinenden »Leichenberg« bezeichnet Krimi-Kritiker Thomas Wörtche Satori als »ein fröhliches Märchen für Jungs«. Damit liegt er ziemlich richtig, denn schon der Beginn der Geschichte scheint aus einem Märchen zu stammen. Ein junger Mann kommt aus dem Gefängnis frei und gleitet unversehens in die Arme einer verführerischen Französin. Solange, gülden-lockig, grün-äugig, wohl proportioniert ist nicht nur eine Zauberin am Kochtopf, sondern auch in anderen Künsten wohl bewandert. Wie es in Märchen so mal ist, verlieben sich die beiden ineinander und leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Nein, nein, das ist ihr gemeinsamer Traum; die Realität sieht aber anders aus, außerdem sind wir noch ganz am Anfang.
Der junge Mann heißt Nicolai Hel, entstammt der Liaison seiner russischen Mutter mit einem landadligen Deutschen, aufgewachsen bis zum Tode seiner Mutter in Shanghai, danach unter den Fittichen seines japanischen Ziehvaters bei einem Go-Meister in Japan untergebracht. Mit Ende des 2. Weltkrieges gerät Hels Ziehvater in Kriegsgefangenschaft. Hel verhilft ihm zu einem ehrenvollen Tod. Aus diesem Grund wird er seinerseits von den Amerikanern misshandelt und inhaftiert. Nach drei Jahren in Isolationshaft bietet ihm die CIA eine vorzeitige Haftentlassung, wenn er im Gegenzug Stalins Oberbevollmächtigten in Peking liquidiert. Dazu soll Hel die Identität eines französischen Waffenhändlers übernehmen. Das »Savoir vivre« soll ihm die betörende Solange beibringen.
Gut vorbereitet – wie er glaubt – betritt Nicolai Hel chinesischen Boden. Doch Peking zu Beginn der 1950er Jahre gleicht einer Schlangengrube: innerparteiliche Machtkämpfe der Kommunisten, Geheimdienstaktivitäten der Großmächte und Lobbyisten aus aller Welt. Mitten in diesem Getümmel versucht Hel sich zu behaupten. Obwohl er schon nach kurzer Zeit enttarnt wird, zieht er den eigentlich fingierten Waffenhandel mit den Vietnamesen durch. Seine Handelsreise, die mehr einer Verfolgungsjagd gleicht, führt bis nach Saigon, wo auch Winslows Teilgeschichte endet.
Bei der Ausstattung der einzigen Person, die auch in Shibumi mitspielen, (mal abgesehen von der Figur des Maurice de Llandes) hält sich Don Winslow im wesentlichen an den Vorgaben Trevanians. Nicolai Hel ist sowohl Meister des Hoda korosu, einer todbringenden Kampfkunst, als auch des Go-Spiels, Sprachtalent und Besitzer einer außergewöhnlichen Gabe, des Proximitätssinnes, der Fähigkeit, die Annäherung von Lebewesen durch Mauern hindurch oder auch im Schlaf zu spüren. Somit ist er prädestiniert für einen Job als Auftragskiller, wenn er denn seinen ersten Auftrag meistert. Aufgrund seiner traditionellen japanischer Erziehung orientiert sich sein Denken mehr an fernöstliche Wertvorstellungen. Mit Abscheu betrachtet er die Auswüchse der westlichen Dekadenz, die ihm im kolonialen Saigon begegnet. Hels Weg ist der des »Satori,« des Verstehens, das zu »Shibumi«, der Vollendung führen kann. Diszipliniert und hartnäckig arbeitet er auf sein Ziel hin.
Don Winslows Satori ist eine in sich abgeschlossene Geschichte, die auch ohne Kenntnis des Ausgangsmaterials (Shibumi) gelesen werden kann. Abgesehen von dem schrecklich kitschigen Einstieg entwickelt sich Satori zu einem actionreichen Abenteuerspektakel, das zwischen den Fronten des Kalten Krieges in China und Vietnam aufgeführt wird. Kommunistische Kommandos, Drogenhändler, französische Truppen und nicht zuletzt die korsische Mafia in Saigon sind adäquate Gegner für den Superhelden. Das Go-Spiel, das ihm in Fleisch und Blut übergegangen ist, unterstützt seine strategischen Überlegungen bei den Auseinandersetzungen mit seinen Feinden. Mit der Ehrbarkeit eines Samurai verlässt er das finale Schlachtfeld als physischer und mentaler Sieger.
Don Winslow reicht den Lesern das nach, was der Spiritus Rector der Hel’schen Philosophie uns verwehrt hat. Mit der Lockerheit unserer heutigen Zeit beschreibt Winslow den Helden bei seinem ersten Einsatz. Viel Action in der beängstigenden Schlangengrube Peking oder vor der wilden Kulisse des vietnamesischen Hinterlandes. Schade nur, dass die Kampfszenen einander so ähnlich sind: Hel tappt in eine Falle und kann sich dank seiner überragenden Fähigkeiten wieder befreien. Aber dieses Manko ist ja genretypisch.
Es darf bezweifelt werden, dass das Kalkül, Satori als flankierende Maßnahme der Wiederveröffentlichung von Shibumi zur Seite zustellen, von Erfolg gekrönt sein wird. Es gibt zwar einen gemeinsamen Helden, aber die beiden Romane sind zu unterschiedlich, als dass sie ein gemeinsames Publikum ansprechen könnten. Satori ist kurzweilige und spannende Unterhaltung, die nicht den Anspruch hat, die Welt zu verändern.
Jürgen Priester, Juli 2011
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| romy.80 zu »Don Winslow: Satori« | 22.08.2011 |
|---|---|
| mo zu »Don Winslow: Satori« | 22.08.2011 |
| Thurgood zu »Don Winslow: Satori« | 04.08.2011 |
| peter köhlert zu »Don Winslow: Satori« | 17.07.2011 |
| Dieter Niehoff zu »Don Winslow: Satori« | 03.07.2011 |
| manni zu »Don Winslow: Satori« | 14.06.2011 |
| Christiane Föhr zu »Don Winslow: Satori« | 29.05.2011 |

