Frankie Machine von Don Winslow

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel The Winter of Frankie Machine, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Suhrkamp.

  • New York: Alfred A. Knopf, 2006 unter dem Titel The Winter of Frankie Machine. 299 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2009. Übersetzt von Chris Hirte. ISBN: 978-3518461211. 346 Seiten.

'Frankie Machine' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Frank Macchiano ist ein geschiedener Kleinunternehmer, ein leidenschaftlicher Liebhaber und eine feste Stütze des Strandlebens von San Diego – der Mann vom Angelladen, den alle mögen und der immer noch gerne surft, obwohl er nicht mehr der Jüngste ist. Er ist auch ein Mafiakiller im Ruhestand: Frankie Machine, bekannt für gnadenlose Effizienz. Er hat das Geschäft hinter sich gelassen, und so soll es auch bleiben. Doch dann holt ihn die Vergangenheit ein: Jemand will ihn töten, und Frankie Machine muß ihn zuerst finden. Das Problem: Die Liste der Verdächtigen ist länger als die kalifornische Küste …

Das meint Krimi-Couch.de: »Zeit für die Abrechnung« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Frank Machianno ist ein rüstiger, 62 Jahre alter Surferboy, den alle Leuten in San Diego als den netten Mann vom Angelladen kennen. Machianno beliefert außerdem die Restaurants mit frischem Fisch und hat einen Reinigungsdienst. Seine Tage hat er streng durchgeplant und er tut alles, um seine verbitterte Frau Patty finanziell zu unterstützen, seiner geliebten Tochter Jill das Studium zu finanzieren und seine Freundin Donna hin und wieder stilvoll ausführen zu können. Sein Leben verläuft in geregelten Bahnen.

Doch das war nicht immer so und soll auch nicht mehr lange so bleiben. Denn Frank Machianno ist Frankie Machine, der wohl gefürchtetste, kaltblütigste und professionellste Killer der italienischen Mafia im gesamten Westen der USA. Und als der Sohn eines Mafiabosses aus L.A. eine alte Schuld einfordert, rennt Frankie blindlings in eine Falle. Da er jedoch auch mit 62 noch nichts an Professionalität eingebüßt hat, kann er seinen Hals noch einmal im wahrsten Sinne des Wortes aus der Schlinge ziehen und seine vermeintlichen Mörder selber über den Jordan bringen. Den einen kennt er sogar, Vince Vena, gerade ins Präsidium der Mafia von Detroit aufgestiegen. Deshalb weiß Frankie, dass für ihn die Jagd gerade erst begonnen hat, denn Detroit wird mindestens auf Rache sinnen – oder gibt einen Grund, weswegen Detroit Frankie nun töten muss, irgendeine alte Geschichte, über die Frankie zu viel weiß?

Who the fuck is Winslow?

Es ist schwierig, näheres über den Autor Don Winslow zu erfahren. Sein Verlag Suhrkamp beschreibt ihn als ehemaligen Privatdetektiv in New York und Safariführer in Kenia, der nun als Autor in Südkalifornien lebt und arbeitet. Auf seiner Homepage, die zudem nicht den Anspruch erheben kann, sonderlich aktuell oder regelmäßig mit Inhalten bestückt zu werden (der letzte Eintrag ist über ein Jahr alt vom September 2008) steht auch nicht viel mehr. Also gut, konzentrieren wir uns auf das Wesentliche: den Inhalt.

Frankie ist also auf der Flucht und überlegt, wer ihm an den Kragen will. Er geht seine gesamte Karriere als Berufskiller durch, gekennzeichnet von Genauigkeit, Effizienz, aber auch Ehre, Anstand, und Freundschaftsdiensten. Wann hat er es sich mit wem verscherzt? Sind seine Freunde wirklich noch seine Freunde, oder kennen sie zumindest noch die Bedeutung des Wortes Freundschaft? Frankie geht zum Gegenangriff über und bringt nach und nach Licht ins Dunkel.

Frankie Machine ist ein wahnsinnig fesselnder Thriller, voller Tempo, Action und Überraschungen. Kein Wunder, dass die Verfilmung bald in die Kinos kommt. Für die Qualität des Romans spricht die Hauptrolle: Robert de Niro als Frankie. Das passt. Nur einer hätte es noch authentischer spielen können, nämlich Frank Sinatra. Aber von dem und seiner Rolle in The Mann with the Golden Arm (1955) hat Frank Machianno schließlich schon seinen Spitznamen.

In der neuen Krimireihe von Suhrkamp ist Frankie Machine bereits der zweite Roman von Winslow, der eine deutsche Übersetzung erhalten hat. Ein Hochkaräter, der durchaus das Zeug hat, zum Zugpferd für die gesamte Edition zu werden.

Thomas Kürten, Oktober 2009

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Anfangsverdacht zu »Don Winslow: Frankie Machine« 22.05.2015
Lies doch Karl May Tom Sawyer.

Kenne ich einen Autor, der derart verschachtelt eine Geschichte erzählt und man gleichzeitig bei den vielen Figuren den Überblick behält? Nein.
Und das bedeutet, der Mann kann erzählen.
Zweitens, nähmen wir an die Welt des Verbrechens wäre so. Gewesen. Gibt es dann Demokratie und Rechtstaatlichkeit in den USA? Von wegen Kennedy und Nixon zum Beispiel.
Drittens, ich fühle deutlich meinen Binnenlandgeburtsnachteil.
TomSawyer zu »Don Winslow: Frankie Machine« 04.07.2013
Als ich "Frankie Machine" gelesen habe, musste ich sofort an Robert De Niro denken. Nur er könnte diese Rolle mit genügend Charakter und Präsenz ausfüllen. Das ist das erste Mal, dass ich einen Schauspieler so deutlich für eine Buchrolle vor Augen hatte.

Schön, dass er nun tatsächlich Hauptrolle und Produktion übernommen hat.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
bemchan zu »Don Winslow: Frankie Machine« 02.02.2013
Gerade habe ich mir einen wirklich angenehm-spannenden Nachmittag mit den 365 Seiten des Krimis gemacht, und ein größeres Kompliment kann ich einem Buch nicht machen.

Wie immer stört mich die eruptive Gewalt in Winslows Krimis, aber da sie auch in "Frankie Machine" nicht zum Selbstzweck dient, mindert sie das Lesevergnügen für mich kaum.
Abgesehen davon habe ich Frankie gleich auf den ersten Seiten, bei denen ich mich noch gewundert habe, wo denn bitteschön die Handlung bleibt, in's Herz geschlossen; und nach der Einführung konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Ich würde das Buch jedem, der die obligatorischen liebeskranken Ermittler bzw. die gestreßten Alleinerziehenden auf kriminalistischen Abwegen auch nicht mehr ertragen kann - von den Krimis, bei denen auf Seite 50 von 250 schon feststeht, wer warum was getan hat, ganz zu schweigen - wärmstens empfehlen!
Mo-Chen zu »Don Winslow: Frankie Machine« 26.07.2011
Ich fand das Buch großartig. Spannender Handlungsbogen, der bis zum Ende aufrecht erhalten wird, klug erzählt mit symphatischem Helden.
Hebt sich deutlich vom sonst gängigen Dedektivepos ab. 100 Punkte.

Um die Zeichen noch zu komplettieren: Frankie Machine ist echt ne saucoole Socke ;) Bloß daß er auf ne schöne Frau reingefallen ist, riecht stark nach Klischee.
Addicted-to-read zu »Don Winslow: Frankie Machine« 29.01.2011
Mein zweiter Winslow-Roman hat mich leider nicht so ganz in den Bann gezogen, wie es "Tage der Toten" vermocht hat.

Doch erst ein paar Worte kurz zum Inhalt: Es wird die Geschichte von Frankie "Machine" Machianno erzählt, der als Mafioso im Ruhestand einen Angelladen, eine Wäscherei und einen Frischfischlieferservice betreibt, um seine Exfrau finanziell zu unterstützen und seiner Tochter das Studium zu ermöglichen. Sein Leben verläuft in ruhigen und geregelten Bahnen und er hat das kriminelle Leben hinter sich gelassen. Doch jemand will ihn töten und er muss herausfinden wer...

Die Geschichte wird von Herrn Winslow mit sehr vielen Rückblenden geschildert und hat oft eine sehr ruhige und bedächtige Erzählweise. Daher hält sich auch der Spannungsaufbau sehr in Grenzen, dies macht aber die Geschichte keineswegs langweilig oder dröge. Im Gegenteil. Den früheren Präzisionskiller Frankie Machine findet man auf Anhieb sympathisch und die Einblicke in korrupte Polizeihierarchien und brutale Mafiamethoden beschreibt Winslow wieder derart spannend, unterhaltsam und interessant, dass es diesen Roman durchaus zu einem Lesevegnügen macht.
Er erreicht für mich nicht die Qualität von "Tage der Toten", ist aber dennoch sehr lesens- und empfehlenswert!
G. Ottofeld zu »Don Winslow: Frankie Machine« 23.01.2011
Selten so interessante Dialoge, Sätze gelesene. Mir hat der "Stil" seeehr gut gefallen.Und auch - der mal gute - Schluß!
Ich soll einfach weiterschreiben - irgendwelchen Qautsch - nur um auf 3oo Zeichen zu kommmen. Welch ein Schwachsinn. Lob - oder Meinung muß also wenigstens 3oo Zeichen ?- das mag in der Politik so ein!Und da hörthaben man ja zuviel dummes Geschwätz!
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
spooky zu »Don Winslow: Frankie Machine« 25.10.2010
Die 89 Punkte sind mehr als berechtigt! Auch ich bin ansonsten kein Freund langer, ausschweifender Rückblenden, aber hier sind sie richtig, wichtig und schlüssig. So baut sich das ganze Szenario der Mafia an der Westküste in den vergangenen 40 Jahren auf - was für ein Panorama!
Inhalt, Schreibstil und Tempo sind deutlich überdurchschnittlich und ragen beispielhaft aus dem grauen Krimieinheitsbrei hervor. Ganz großes Kino, Klasse!
Thomas71 zu »Don Winslow: Frankie Machine« 31.08.2010
Ein Mafiaroman, der deutlich näher bei "Der Mob von Innen" von Nicholas Pileggi (verfilmt als "Good Fellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia") als bei Puzos "Der Pate" steht. Wo bei Puzos Klassiker Stil und Ehre regieren, herrscht bei Winslow Gewalt und Geschäft. Der einzig ehrenhafte Akteur in der ganzen Geschichte scheint Frank Machiano zu sein, ein alternder Mafiakiller, der sich eigentlich zur Ruhe gesetzt hat, sich aber plötzlich in mitten einer Verschwörung befindet, die seinen Tod zum Ziel hat. Wer ihn weshalb tot sehen will, bleibt dabei bis kurz vor Schluss im Dunkeln. Dabei löst Winslow das Problem der "Rückblenden", die Licht ins Dunkel der Geschichte bringen, recht elegant. Während die eigentliche Handlung in der Gegenwart spielt und im Präsens erzählt wird, wechselt der Autor bei den Erinnerungen des Killers konsequent in die Vergangenheitsform, macht also bereits durch diesen grammatikalischen Kniff klar, auf welcher Zeitebene der Roman gerade spielt. Dabei tauchen neben verschiedenen (und meistens auch kurz darauf verscheidenden ;-)) Mobstern historische Gestalten wie Bobby Kennedy, Richard Nixon und Jimmy Hoffa auf, die der Geschichte einen autentischen Anstrich verleihen. Mit Gewalt (unter anderem einer Vergewaltigung und einer angedeuteten Folterszene) und Blut wird dabei nicht gespart, diese Brutalität verkommt allerdings nie zum Selbstzweck, der den Voyeurismus des Lesers befriedigen soll, sondern ist immer ein Zielführendes Mittel, das von den Mafiosi bewusst eingesetzt wird, um ihre Standpunkte klar zu machen und ihre Ziele zu erreichen. Dadurch unterscheidet sich Winslows Abgesang auf das organisierte Verbrechen der 60er, 70er und 80er Jahre deutlich von vielen anderen aktuellen Romanen, die das Motto "Schneller, Höher, Weiter" in "Brutaler, Blutiger, Ekelhafter" verwandelt haben und den Leser mit immer ausufernderen Gewaltdarstellungen zu befriedigen suchen. Winslow präsentiert mit "Frankie Machine" vielmehr einen lakonischen, harten, durchaus brutalen, aber nie geschmacklosen Gegenentwurf zu dieser Strömung, der vom ersten Satz bis zum letzten Punkt fesselt...
mo zu »Don Winslow: Frankie Machine« 07.06.2010
Lese mittlerweile schon den 3. Winslow. Ich surfe nicht und anfangs musste ich oft retourblättern denn die vielen Surfer- und Mafiaspitznamen hab ich mir auch nicht gemerkt. Habe mich davon nicht abhalten lassen, denn alles wird auf die etwas langatmige, detaillierte Form ohnehin im Lauf der Handlung geklärt. Mir hat diese Buch am besten gefallen, der alternde Killer mit Moral, der hat schon was. Ausserdem ist die Handlung trotz Länge sehr spannend und man erfährt viel über die Strukturen des organisierten Verbrechens, wie es anscheinend heute in den USA ist. Adieu Lucky Blue Eyes!
P.S Robert de Niro als Hautdarsteller im Film ist sicher eine gute Wahl
Dani P. zu »Don Winslow: Frankie Machine« 28.03.2010
Anfangs hab ich mir sehr schwer getan. Erst die ganze übergenaue Beschreibung der einzelnen Familienmitgliedern und dann die Rückblendungen all der bösen Jungs. Tat mir schwer mich reinzufinden. Ich habe durchgehalten und habe den Faden gefunden. Mir hat es dann gut gefallen und es war sehr spannend. von mir gibt es für dieses Buch 70 Grad

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