Die Auferstehung des Bobby Z / Bobby Z von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel The death and life of Bobby Z, deutsche Ausgabe erstmals 1997 bei Blessing.
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New York: Knopf, 1997 unter dem Titel The death and life of Bobby Z.
ISBN:
0679454292. 259 Seiten.
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München: Blessing, 1997.
Übersetzt von Judith Schwaab.
ISBN:
3896670204. 251 Seiten. -
München: Goldmann, 2001.
Übersetzt von Judith Schwaab.
ISBN:
3-442-44891-3. 286 Seiten. -
Berlin: Suhrkamp, 2011.
Übersetzt von Judith Schwaab.
ISBN:
978-3518462454. 250 Seiten.
'Die Auferstehung des Bobby Z / Bobby Z' ist erschienen als
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In Kürze:
Tim Kearny ist ein wahrer Pechvogel. Als er auf dem Hof eines kalifornischen Gefängnisses einem Hell’s Angel namens Stinkdog in Notwehr die Kehle durchschneidet, kann ihn nur noch ein Deal mit der Polizei vor der Rache von Stinkdogs Rockerbrüdern retten. Auftragsgemäß muß er nun die Rolle des seit Jahren verschollenen Drogenhändlers und legendären Surfers Bobby Z., dem er verblüffend ähnlich sieht, spielen. Aber, wie könnte es bei einem Pechvogel anders sein, zuerst einmal läuft alles schief …
Das meint Krimi-Couch.de: »Good luck, bad luck, ugly luck.«
Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen überspringen
Im Verlauf der Geschichte wird es in Mexiko und den USA kaum noch einen geben, der Tim Kearny nicht töten will. Dabei hat er sich nur dem Versuch entziehen wollen, den Hell’s Angel beitreten zu müssen. Allerdings kommt die Ablehnung eines solch großzügigen Angebots auf einem Gefängnishof der Verletzung eines Sakrilegs gleich. Man kann sich also gleich einen Strick nehmen und die Sache beenden oder wie Kearny ein Autonummerschild zu einer Rasierklinge schärfen und damit Stinkdog den Hals aufzuschlitzen. Das bessert nicht unbedingt die Chancen auf das eigene Überleben. Das so etwas bei den Hell’s Angels nicht gut ankommt, liegt auf der Hand.
Kearny gehört sowieso nicht zu den Lieblingen der Götter. Er würde sich auch selber als Loser einordnen. Wer bei einem Einbruch auf der Flucht ausgerechnet über einen Wasserspender zu Fall kommt, gerät leicht in eine Situation, die er nicht zu überblicken vermag und die er nicht unbedingt als Sieger verlässt.
»Einbrechen und Stehlen ist kein Problem«, sagt Tim. »Das Problem ist, wie man hinterher abhaut.«
Ein Geistesverwandter von Richard Starks Parker oder Garry Dishers Wyatt. Allerdings muss man zugeben. Er besitzt nicht deren Klasse. Tim Kearny ist die ideale Besetzung für einen, den sie ins Messer laufen zu lassen. Der Mord an Stinkdog ebnet ihm den Weg in die Freiheit. Allerdings nicht in die eigene. Er soll sich in den legendären Bobby Z verwandeln, der unglücklicherweise einem Herzinfarkt zum Opfer fiel und der ausgetaucht werden soll.
Vor die Wahl zwischen Regen oder Traufe gestellt, wofür entscheidet man sich da? Ob man sich von den Hell’s Angels im Gefängnis abschlachten lässt oder sich mit dem gefährlichsten Drogendealer Mexikos Huertero einlässt, die Überlebenschancen sind nicht groß. Zumal Gruzsas, der das Ganze einfädelt, ein doppeltes Spiel treibt. Kearny alias Bobby Z entscheidet sich – was wir wohl alle in seiner Situation täten – dafür, jede Stunde, die er noch leben darf, als Geschenk zu betrachten.
Wo andere Autoren mühselig einen Plot aufbauen, gelingt es Winslow mitten in ihn hinein zu springen. Er benötigt ein paar Sätze, um ein Dilemma heraufzubeschwören, eine Kurzbiografie, um das Ausmaß einer Tragödie zu vermitteln. Seine Helden muss man nicht in Katastrophen verwickeln, sie schleppen sie heran, sie kleben ihnen an den Fersen und egal wie sehr sie sich auch schütteln, sie werden sie nicht los. Es wundert einen, dass sie überhaupt noch am Leben sind, wenn Winslow von ihnen zu erzählen beginnt.
Schon beim Austausch wird es Tote geben, wird Gruzsa nach Rache sinnen, um im besten Sinne von Sam Peckinpahs »Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia« Kearny zum Abschuss freizugeben. Ganz zu schweigen von den Geheimnissen im scheinbar sicheren Paradies in der Drogenenklave mitten in der Wüste, das wie ein Hochsicherheitsgefängnis daherkommt. Es stellt sich heraus, dass das Meth-Geschäft nur ein Lockangebot der mexikanischen Seite ist, um Bobby Z in die Hände zu bekommen.
Seine Flucht durch die Wüste mitsamt Kind benötigt natürlich einen Helden, der bei den Marines war, der im Irak gekämpft hat, doch trotz allem Glück, das Kearny zur Seite steht, besitzt selbst der Thrill bei Winslow Charme. Es lebt sich gut, wenn man kein Leben mehr zur Verfügung hat. Es könnte sein, dass man plötzlich wieder an sich glaubt. Ein Junge, der nicht mal der eigene ist, verschüttet geglaubte Stärken ans Licht zurück befördert.
Don Winslow bricht einmal mehr brachial in die Postkartenidylle der Surfer, des kalifornischen Mythos von der Freiheit ein. Bobby Z kann als Vorläufer des allseits gerühmten Tage der Toten gelten. In ihm wird er 2005 die Drogenmaschinerie bloßstellen, die die USA im Griff halten.
Auch in Bobby Z erzählt der Autor, von Verrat, Niedergang, Sucht und horrenden Gewinnen aus einem Geschäft, das niemand länger zu kontrollieren vermag. Nur findet er in Tim Kearny alias Bobby Z einen Taschenspieler, der am Ende mehr Schwein als Verstand hat.
Wolfgang Franßen, Mai 2011
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