A long Walk up the Water Slide von Don Winslow

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1994 unter dem Titel A Long Walk up the Water Slide, deutsche Ausgabe erstmals 2015 bei Suhrkamp.
Folge 4 der Neal-Carey-Serie.

  • New York: St. Martin's Press, 1994 unter dem Titel A Long Walk up the Water Slide. 300 Seiten.
  • Berlin: Suhrkamp, 2015. Übersetzt von Conny Lösch. ISBN: 978-3518465837. 300 Seiten.

'A long Walk up the Water Slide' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Neal Carey hat die Frau fürs Leben gefunden und ein Zuhause und könnte jetzt endlich seine Doktorarbeit beenden, wären da nicht Joe Graham und die »Bank«, die wieder einmal eine Gegenleistung dafür erwarten, dass sie Neals Leben finanzieren. Der neue Auftrag scheint immerhin mehr als einfach zu sein: Neal soll aus der großmäuligen Tussi Polly Paget eine seriöse Lady machen, bevor sie gegen einen landesweit bekannten Fernsehmoderator aussagt. Aber natürlich wird es alles andere als einfach, denn nicht nur Neal wünscht sich nach wenigen Tagen Pollys Tod – allerdings meinen die anderen es wirklich ernst. Die anderen, das sind übrigens ein ehemaliger FBI-Agent, ein verhaltensgestörter Killer und die Mafia – um nur ein paar zu nennen  …

Das meint Krimi-Couch.de: »Prolliges Vergewaltigungsopfer wird gnadenlos gejagt« 80°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Neal Carey lebt auch im vierten Band der Reihe in Nevada, ist mit seiner Freundin Karen Hawley sesshaft geworden, und treibt seine akademische Ausbildung voran. Die Fertigstellung seiner Doktorarbeit wird allerdings noch etwas dauern, denn sein väterlicher Vorgesetzter Joe Graham bringt ihm – und das ist wörtlich zu nehmen – einen neuen Auftrag ins Haus. Polly Paget, eine exzentrische junge Frau, soll von Neal und Karen kommunikations- und gesellschaftsfähig gemacht werden. Sie soll in einem Prozess wegen Vergewaltigung gegen einen bekannten Fernseh-Moderator aussagen. Neals Auftraggeber haben ein geschäftliches Interesse an der Verurteilung des Mannes. Im Grunde ein Auftrag mit überschaubarem Schwierigkeitsgrad – bis sich herausstellt, dass Polly von verschiedenen Interessengruppen gejagt wird. Sie ist in Lebensgefahr, und Neal und Karen bald ebenfalls.

Reißerischer Aufdruck suggeriert falschen Glamour

Für den vierten Fall von Neal Carey hat sich Don Winslow wieder einen ausgeklügelten Plot zurecht gelegt. Zunächst dominiert für ein paar Seiten die seltsame Lehrer-Schüler-Beziehung zwischen dem jungen Privat-Detektiv und dem prolligen Vergewaltigungsopfer. Aber dann wird die Spannung schrittweise hochgefahren, weil immer neue Akteure auftauchen, die Polly aus höchst unterschiedlichen Gründen suchen. Dabei muss man als Leser zunächst rätseln, welcher Protagonist die auf dem Buchumschlag angekündigte Rolle ausfüllen soll. Ex-FBI, Mafia, gestörter Killer – da wird schon eine bunte Mischung aufgefahren.

Konzentriertes Lesen ist angesagt, denn es passiert eine ganze Menge, wenn auch die Zusammenhänge oft erst nach einiger Zeit klar werden. Aber das macht für mich bei diesem Roman auch den Reiz aus, ich finde die Geschichte überhaupt nicht vorhersehbar. Die Dialoge sind – wie man es von Don Winslow ja gewohnt ist – angemessen, knackig, und oft mit mehr als amüsanten Inhalten. Unpassend ist allerdings der reißerische Aufdruck auf der Buchrückseite. »Der beste Privatdetektiv New Yorks im Neondschungel von Las Vegas«. Das suggeriert einen Glamour-Faktor, der im Buch überhaupt nicht zum Tragen kommt. Aber solche Aufdrucke hat der Verlag zu verantworten, nicht der Autor – deshalb spielt das wie immer für die Bewertung keine Rolle.

Polly Paget ist eine wunderbar Klischee-behaftete Figur

Neal Carey als Hauptprotagonist steht in diesem Roman zwar nicht am Rand, dominiert aber längst nicht so, wie man es vielleicht erwarten würde. Er wächst hier eher in die Rolle eine Team-Players hinein, wenn auch höchst wiederwillig. Dafür spielt seine Freundin an der einen oder anderen Stelle eine gute Rolle, um die Handlung voran zu bringen. Eine wunderbar Klischee-behaftete Figur ist Polly. Sie redet so, wie man es sich vorstellt, ist schnell mal zickig, weiß am Ende aber ganz genau, was sie will – und vor allem, was sie nicht will. Eine hervorragend gezeichnete Figur, die genau in den Plot passt.

Jackson Landis, Pollys Ex-Lover, der sie schließlich vergewaltigt haben soll, ist im Grunde ein gieriger Loser – dessen erfolgreiche TV-Karriere vor allem von seiner cleveren und smarten Ehefrau geplant und gestaltet wurde. Candy Landis verbündet sich kurzerhand mit Polly, weil sie das miese Spiel ihres Noch-Ehemanns durchschaut, und ihm die Vergewaltigung der jungen Frau durchaus zutraut – und sie spielt am Rande der Handlung eine durchaus starke Rolle.

Auch der vierte Band der Neal-Carey-Reihe ist lesenswert

Neben einigen anderen Randfiguren ist Walter Withers ein gelungener Protagonist. Er hat viel Pech, ist aber wiederum hartnäckig wie eine Zecke. Und so hat er zuweilen dann doch wieder überraschendes Glück, und bleibt immer dran an Polly, Neal und ihrem Team. Don Winslow hat diesem drittklassigen Privat-Schnüffler zwei Jahre nach der Entstehung von A long walk up the water slide sogar einen eigenen Roman gewidmet. Manhattan wurde auf der Krimi-Couch von den Lesern und meinem Rezensenten-Kollegen Marcel Feige begeistert aufgenommen.

Auch der vierte Band der Neal-Carey-Reihe – alle in den frühen 90er Jahren geschrieben – ist also ein lesenswertes Buch. Es geht um Macht und Geld, um Eifersucht und große Gefühle, um Treue und Liebe. Und um skrupellose Killer, dummerhaftige Gangster, und die Cleverness einer zuletzt verschworenen Truppe. Nach meiner bisherigen Erfahrung ist Don Winslow immer gut für große Unterhaltung – und das gilt auch für diesen Roman.

Andreas Kurth, September 2016

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Loll zu »Don Winslow: A long Walk up the Water Slide« 13.06.2016
Wer sich einen Don Winslow a la Das Kartell erwartet hat wird vermutlich enttäuscht sein. Es ist ein Neal Carey-Buch (erschienen 1996) mit viel Spass an den Dialogen (sogar es grünt so grün wenn Spaniens Blüten blühen kommt vor) und viel Action. Für den show-down hat Winslow viel Fantasie verwendet.
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