Schöne der Nacht von Dominique Sylvain

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel Passage du désir, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei List.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich / Paris, 1990 - 2009.
Folge 1 der Lola-Jost-und-Ingrid-Diesel-Serie.

  • Paris: Viviane Hamy, 2004 unter dem Titel Passage du désir. 281 Seiten.
  • Berlin: List, 2006. Übersetzt von Anja Nattefort. ISBN: 978-3-548-68075-0. 323 Seiten.
  • Berlin: List, 2008. Übersetzt von Anja Nattefort. ISBN: 978-3-548-60785-6. 323 Seiten.

'Schöne der Nacht' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Im 10. Arrondissement von Paris wird eine junge Frau grausam ermordet. Für den neuen Polizeichef eine klare Sache: Maxime Duchamp, der Chef und Geliebte ihrer Mitbewohnerin, ist hochverdächtig. Lola Jost, Kriminalkommissarin im Ruhestand, sieht das anders. Unterstützt von der amerikanischen Striptänzerin Ingrid Diesel macht sie sich selbst auf die Jagd nach dem Mörder …

Das meint Krimi-Couch.de: »Schön am Tag wie in der Nacht« 84°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Bühne frei für ein neues Ermittlerinnen-Duo, das nicht nur originell und etwas skurril sondern auch mit intelligentem Esprit daherkommt: Mesdames, Messieurs, wir wünschen Ihnen viel Spaß mit der rüstigen Ex-Kommissarin Lola Jost und ihrer Kumpanin, Masseuse und Ex-Catcherin Ingrid Diesel bei ihrem ersten Fall im herbstlichen Paris!

Ein Überfall und eine Tote ohne Füße

Dominique Sylvains Schöne der Nacht beginnt mit einem Überfall dreier Jungspunde, zwei davon mit – political correct – Migrantenhintergrund. Die drei machen fette Beute, insgesamt 500.000 Euro. Farid hat im Gegensatz zu seinen Mitstreitern wenig Interesse daran, seinen Anteil komplett für sich selbst zu bunkern und begibt sich zu seiner Ex-Freundin Vanessa Ringer. Die am nächsten Tag von ihren Freundinnen Chloé und Khadidja, Farids Schwester, mausetot in ihrer Wohnung aufgefunden wird. Erwürgt, die Füße mit einem Beil abgetrennt. Und die Beute ist noch da.

In Verdacht der Polizei gerät der ehemalige Foto-Journalist Maxime Duchamps, mittlerweile Inhaber von Lola Josts Stammcafé »Belles de jour«. Seine japanische Frau wurde vor einigen Jahren unter ähnlichen Umständen ermordet. Für Lola Josts ehemalige Kollegen von der Pariser Polizei ist die Sache klar. Aber Duchamps bekommt in seinem Arrondissement tatkräftige Unterstützung von weiblicher Seite: Ingrid Diesel, stämmige Amerikanerin und Betreiberin eines Massagesalons, schwärmt für den Inhaber des »Belles de jour«. Und bittet Lola darum, ihr 5000-teiliges Puzzle mal Puzzle sein zu lassen, um wieder ihrer alten Arbeit nachzugehen. 

Wunderbare Sprache und Atmosphäre parisienne 

Schöne der Nacht ist 2004 im Original bei »Editions Viviane Hamy« erschienen. Dort hat auch die mittlerweile europaweit sehr erfolgreiche Fred Vargas ihr schriftstellerisches Zuhause und tatsächlich verbindet die beiden französischen Autorinnen mehr als das selbe Verlagshaus. Dominque Sylvain ist wie Kollegin Fred Vargas mit einer wunderbaren Sprache und einem klugen Wortwitz gesegnet. Sehr atmosphärisch bringt sie das verregnete Paris und die für die französische Hauptstadt so typische Café-Stimmung aufs Papier.

Noch schöner sind Sylvain die Figuren gelungen, an vorderster Front natürlich das ungleiche Paar Lola Jost und Ingrid Diesel. Anfangs spinnefeind, entwickelt sich aus einer Zweckgemeinschaft eine Freundschaft. Und die beiden ergänzen sich prächtig: Die Amerikanerin Ingrid überrascht nicht nur durch ausgefallenste Kleiderwahl, sondern auch durch spontane Ideen und vor allem durch eine erfrischende Art, im wahrsten Sinne des Wortes dazwischenzuhauen – notfalls auch »bewaffnet« mit einer mexikanischen Bierflasche.

Lola als übergewichtiger, ergrauter Konterpart ist grummelig, tatkräfitg, intelligent und lässt wenig Gelegenheiten aus, Ingrid daran zu erinnern, wie sich eine Amerikanerin in Frankreich nicht zu verhalten hat. Selten verlegen, mit Zitaten um sich zu schmeißen (»Essen ist ein Bedürfnis des Magens, trinken ein Bedürfnis der Seele«), hat Lola nichts von ihrer Gewieftheit verloren.

Danke, List-Verlag!

Über kleinere Schwächen und ein etwas zu umfangreiches Panoptikum an falschen Fährten und angeschnitten Themen sieht der Leser gerne hinweg. Zu köstlich hat Dominique Sylvain ihre Charaktere gezeichnet, zu sprachgewandt gesetzt sie sie in Szene. Schöne der Nacht ist Auftakt einer vielversprechenden neuen Krimi-Reihe, zu der man sowohl Autorin als auch dem List-Verlag für die Entdeckung und edle Ausstattung des Buches gratulieren muss. Einer der wenigen Kriminalromane, die man bedenkenlos als »schön« und mit einer unverbrauchten Idee ausgestattet bezeichnen kann. Merci beaucoup!

Lars Schafft, Februar 2007

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Bio-Fan zu »Dominique Sylvain: Schöne der Nacht« 26.10.2009
"Schöne der Nacht" ist eine gelungene, amüsante Krimikomödie mit zwei aussergewöhnlichen "Frauenzimmern". Lola Jost und Ingrid Diesel haben es faustdick hinter den Ohren. Erstere: Ex-Kommissarin, Pariserin, klein und rund; letztere: Masseuse, Amerikanerin, gross und dünn wie eine Bohnenstange. Beider verbaler Schlagabtausch ist wirklich ein Genuss, wie Sylvain überhaupt sprachlich zu überzeugen weiss - sicherlich auch aufgrund einer hervorragenden Übersetzung.
Der einzige Wermutstropfen ist wohl die mangelnde Spannung. Jost und Diesel lösen ihren ersten Kriminalfall so en passant.
Aber auf ein "Revoir" freue ich mich jetzt schon.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
HERRKALEU zu »Dominique Sylvain: Schöne der Nacht« 05.02.2008
Wer mal nicht die diversen Autoren aus den USA lesen will, sondern mal was aus unserem Europa, der liegt mit "Schöne der Nacht" gold richtig.
Ein toller Roman um zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können.
Mit Sprachwitz gehts durch das nächtliche Paris auf der Suche nach dem Täter.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mylo zu »Dominique Sylvain: Schöne der Nacht« 17.01.2008
Nett geschrieben und auch die Personen sind recht interessant beschrieben. Den Krimi als solchen war mir etwas schwach in der Spannung.

Aber nett geschrieben, lässt schmunzeln, kurzweilig.

Gibt von mir 60 Punkte.
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mylo zu »Dominique Sylvain: Schöne der Nacht« 17.01.2008
Nett geschrieben und auch die Personen sind recht interessant beschrieben. Den Krimi als solchen war mir etwas schwach in der Spannung.

Aber nett geschrieben, lässt schmunzeln, kurzweilig.

Gibt von mir 60 Punkte.
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kuerten zu »Dominique Sylvain: Schöne der Nacht« 25.09.2007
Wirklich ein rundum gelungener Roman. Zwei stark herausgearbeitete Protagonistinnen, die ein ungewöhnliches, aber gerade deshalb auch sympathisches Ermittlerpärchen abgeben.
Zu der Hartnäckigkeit, ja fast schon Bärbeissigkeit der beiden Frauen passt dann auch, dass die Lösung wirklich auch das letzte Tüpfelchen umfasst und mit einem vollkommenen Happy End aufweist.
Besonders schnittig die Dialoge und spitzen Bemerkungen, die mir beim lesen ein kleines Schmunzeln ins Gesicht zauberten. Gerne mehr davon.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Penelope zu »Dominique Sylvain: Schöne der Nacht« 27.04.2007
Will ein abschließendes Urteil nicht schuldig bleiben - hier also mein Fazit:

Sylvain hat mich überzeugt trotz selbstauferlegtem Serienverbot den Nachfolger dieses Buches auf jeden Fall (!) auch zu lesen - wenn es denn endlich übersetzt wird.

Gründe:
das Buch wimmelt von ungewohntem Sprachwitz (die Dialoge zwischen Ingrid und Lola sind einfach genial), der Krimiplot kommt anders aber kein bißchen weniger spannend daher. Das Ermittlerduo "auf Umwegen" könnte unterschiedlicher nicht sein, und doch ergänzen sich die beiden auf sonderbare Weise. Selbst nebensächliche Beschreibungen des Umfelds, Wetter etc. kommen kein bißchen langweilig daher. Die Autorin macht mir Mut, dass Krimis nicht immer nur nach Schema F verfasst sein müssen um Leser dieses Genre zu überzeugen. *90 Punkte von mir
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Penelope zu »Dominique Sylvain: Schöne der Nacht« 14.04.2007
@Pascal:
Bin zwar erst auf Seite 59, aber da ich deinen Kommentar vor Beginn gelesen hatte, war mir die Bemerkung an Lars noch im Hinterkopf.
Und genau DIE fiel mir wieder ein als ich auf Seite 55 auf folgenden Satz stieß:
"Lola erkannte ein paar Stammgäste, etwa die Bohnenstange mit den blonden Stoppelhaaren, die

gebaut war wie eine Catcherin

und mit einem amerikanischen Akzent sprach..."
In den folgenden Zeilen wird deutlich, dass es sich einwandfrei um Ingrid handelt. Vielleicht ist das die "Auflösung" für Lars' Umschreibung... oder ich finde tatsächlich noch einen Beweis für Ingrids berufliche Vergangenheit ;-) .

So oder so gefallen mir der Plot bzw. die Charaktere bisher überraschend gut und ich werde eine Abschluss-Rezi hinterherschieben...
Pascal zu »Dominique Sylvain: Schöne der Nacht« 05.03.2007
Volltreffer!
Ein wunderbar sympathisches, frisches Duo, eine schöne beschauliche Erzählweise. Nicht ganz so abgedreht wie Kollegin Vargas, aber das ist auch gut so. Das Buch kommt mit Leichtigkeit ohne Blutorgien, Psychoanalysen oder Sozialkritiken aus. Gerade darum macht das Lesen doppelt Spass.

Einziger Kritikpunkt von mir: Der Spannungsbogen hätte steiler sein können.

Ich freue mich auf das nächste Abenteuer.

@Lars: Ingrid ist eine Ex-Catcherin? Das muss ich wohl überlesen haben.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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