Die fünf Farben des Todes von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2004
unter dem Titel Spelen met vuur,
deutsche Ausgabe erstmals 2005
bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Niederlande / Amsterdam, 1910 - 1929.
Folge 3 der C.J.-van-Ledden-Hulsebosch-Serie.
- Baarn: De Fontein, 2004 unter dem Titel Spelen met vuur. 368 Seiten.
-
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005.
Übersetzt von Monika Götze.
ISBN:
3-499-24006-8. 368 Seiten.
'Die fünf Farben des Todes' ist erschienen als
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In Kürze:
Amsterdam 1928, kurz vor Beginn der olympischen Spiele: Ein Erpresser verlangt, dass die Spiele abgesagt werden, sonst würden viele Menschen sterben. Das olympische Komitee ist ratlos. Eine Absage kommt nicht infrage. Doch das Leben von tausenden Besuchern riskieren? In ihrer Not wenden sie sich an den Hobbykriminalisten Van Ledden Hulsebosch. Bevor Van Ledden Hulsebosch sich auf die Suche machen kann, passieren die ersten mysteriösen Todesfälle. Van Ledden Hulsebosch findet heraus, dass der Mörder sich an den Farben der fünf olympischen Ringe orientiert …
Vom 17. Mai bis zum 12. August 1928 fanden die Olympischen Spiele in Amsterdam statt. 290 Frauen und 2724 Männer aus 20 Ländern nahmen an 109 Wettbewerben in 15 Sportarten teil. Zum dritten Mal hatte sich Amsterdam bereits beworben und die Regierung der Niederlande hatte sich sogar gegen die Stadt als Austragungsort ausgesprochen, doch durch die finanzielle Unterstützung der Bevölkerung erhielt man dennoch den Zuschlag. Erstmals durften Frauen in den Disziplinen Turnen und Leichtathletik starten, zum Leidwesen des traditionell eingestellten Pierre de Coubertins, Initiator der modernen Olympischen Spiele und Ehrenpräsident des IOC.
Terror bereits im Jahre 1928?
Soweit zur Realität. Dass diese Spiele in Amsterdam unter einem unglücklichen Stern standen und das örtliche Komitee erpresst wurde, damit das Spektakel abgeblasen wird, davon ist nichts bekannt. So haben sich die beiden Autoren Dick van den Heuvel & Simon de Waal ihrer Fantasie bedient und lassen den Apotheker und Kriminalisten C.J. Van Ledden Hulsebosch (eine real existierende Person der damaligen Zeit) in diesem Fall ermitteln. Zu dem Fall kommt er wie die Jungfrau zum Kind: Eine indische Athletin, die sich schon lange vor ihren Wettkämpfen mit ihrer Mutter in Amsterdam einfindet, wendet sich in ihrer Not an ihn. Bereits am Ankunftstag verschwindet ihre Mutter spurlos aus dem Hotelzimmer.
Noch schlimmer: Der Hotelbesitzer behauptet, es hätte das Zimmer mit der Nummer 7, in dem die beiden abgestiegen sind, gar nicht gegeben. Nur der Hartnäckigkeit des Apothekers ist es zu verdanken, dass die Organisatoren vor Ort zugeben, ihre Hand mit ihm Spiel zu haben. Die Mutter wurde von besagtem Erpresser mit Namen Narkaoo mit dem Enzephalitis-Virus infiziert. Um die Spiele nicht zu gefährden, sollte der Vorfall totgeschwiegen werden. Aber nicht mit C.J. Van Ledden Hulsebosch! Und da weitere Opfer folgen, ist seine Spürnase erwacht.
Gekonnte Mischung aus Fiktion und Realität
Wer sich für klassische Krimis begeistert, dem möchte ich die beiden Niederländer mit ihrem Rechercheur Van Ledden Hulsebosch ans Herz legen. Zum einen vereinen sie gekonnt Fiktion und Realität und bringen einem die damalige Zeit mit viel Wissenswertem über Amsterdam näher. Die Atmosphäre wird darüber hinaus glaubwürdig geschildert.
Was aber das Tüpfelchen auf dem I ist, dass sie dem Leser in die Zeiten zurück führen, wo die Kriminalistik noch in ihren Kinderschuhen steckte und Van Ledden Hulsebosch quasi als Vorreiter auf diesem Gebiet agierte, noch vor der Polizei. Ja, diese ist sogar auf seine Hilfe angewiesen, was dem Polizeipräsidenten Marcusse mitunter ein Dorn im Auge ist. C.J. arbeitet mit seinem Freund Kommissar Jonathan Saltet zusammen, der dadurch zwar manchmal auch einen schlechten Stand bei seinem Chef hat, aber im vorliegenden Band sogar kurz vor einer Beförderung steht.
Besonders interessant sind die Passagen, wo C.J. experimentelle Methoden verwendet, um dem Erpresser auf die Spur zu kommen. So unterzieht er sich z.B. einer Hypnose, um zu erfahren was der Sportlerin Ione im Hotelzimmer widerfahren ist, er untersucht das Papier der Erpresserbriefe und lässt eine Handschriftenanalyse anfertigen, um mehr über den Charakter des Verfassers zu erfahren. Ja, er baut sogar eine vegetarische Leiche, um das Verabreichen von Injektionen aus der Entfernung zu untersuchen.
Noch ein Wort zum Doping
Doping-Kontrollen bei Olympischen Spielen finden erst seit dem Jahre 1968 statt. Zu Beginn der Spiele der Neuzeit um die Jahrhundertwende waren jedoch leistungssteigernde Mittel schon ein Thema, allerdings war deren Einnahme nicht konkret verboten und außerdem verfügte man noch nicht über die Methoden, deren Verwendung nachzuweisen. Es ging damals nicht um Dinge wie Sponsoring und finanzielle Ziele, sondern nur um höher – schneller – weiter. Auch bei diesem Thema gelingt den Autoren die Mischung aus Fiktion und Wirklichkeit sehr gut. So wird einigen Athleten im Roman eine Art Wundermittel angeboten, freilich mit tödlichen Folgen – wir sind hier schließlich im Krimi.
Wo es mit den Autoren meiner Meinung nach ein bisschen durchgegangen ist: Dem legendären Schwimmer und späteren Tarzan-Darsteller Johnny Weissmüller wird eine homoerothische Beziehung mit einem anderen Athleten angedichtet. Das kann ich mir nicht vorstellen und im WWW ist bei oberflächlicher Suche auch nichts darüber verzeichnet.
Zieleinlauf: Die Niederlande liegen vorne
Die liebevoll gezeichneten Figuren machen Spaß, allen voran natürlich der Rechercheur selbst, aber auch seine pragmatische Haushälterin, die all seine Allüren erträgt und bei einem Boxkampf auch mal verbal entgleisen kann. Sprachlich gesehen ist das ganze Werk im Übrigen recht angenehm zu lesen, der Stil passt zum Umfeld, ist aber dennoch modern und überhaupt nicht antiquiert. Über die kleinen Längen im Mittelteil kann man bei all diesen Pluspunkten getrost hinwegsehen. Auf nach Amsterdam!
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| SARA DIE BELLA zu »Dick van den Heuvel & Simon de Waal: Die fünf Farben des Todes« | 18.11.2008 |
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| André zu »Dick van den Heuvel & Simon de Waal: Die fünf Farben des Todes« | 28.05.2008 |
| Bettina zu »Dick van den Heuvel & Simon de Waal: Die fünf Farben des Todes« | 02.09.2005 |
