Der Atem des Jägers von Deon Meyer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel Infanta, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Rütten & Loening.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 2 der Thobela-Mpayipheli-Serie.

  • Pretoria: Lapa, 2004 unter dem Titel Infanta. 428 Seiten.
  • London: Hodder & Stoughton, 2007. Übersetzung aus Afrikaans. 428 Seiten.
  • New York: Little, Brown, 2007. Übersetzung aus Afrikaans. 428 Seiten.
  • Berlin: Rütten & Loening, 2007. Übersetzt von Ulrich Hoffmann. ISBN: 978-3352007460. 428 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2009. Übersetzt von Ulrich Hoffmann. ISBN: 978-3-7466-2470-9. 428 Seiten.
  • [Hörbuch] Frechen: Delta Music, 2007. Gesprochen von Thomas Friebe. 6 CDs.

'Der Atem des Jägers' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Einst war Benny Griessel der beste Polizist Kapstadts, doch dann begann er zu trinken. Nun ist er am Ende. Einzig sein Chef glaubt noch an ihn und übergibt ihm den spektakulärsten Fall der letzten Jahre: Ein Killer läuft durch die Stadt und tötet in Selbstjustiz Kinderschänder. Griessel weiß, dass diese Ermittlung seine letzte Chance ist. Er versucht, die Prostituierte Christine und ihr Kind als Lockvogel einzusetzen. Doch bald ahnt er, dass er diesem Fall nicht gewachsen ist. Denn plötzlich gerät er selbst ins Fadenkreuz eines Drogenbarons ... 

Das meint Krimi-Couch.de: »Jäger atmen …unterschiedlich!« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Wer hätte es gedacht, Thobela Mpayipheli darf ein weiteres Abenteuer erleben. Wer geglaubt hatte, mit »Das Herz des Jägers« hätte der Südafrikaner einen Stand-alone Romane geschrieben, der nicht zu einer Fortsetzung geeignet sei, der irrt. Und for the sake of Wiedererkennungseffekt hat der deutsche Verlag den vom Autor genehmigten englischen Titel Devil’s Peak mit ganz ergreifend einfach mit Der Atem des Jägers übersetzt. Der Afrikaanse Originaltitel Infanta macht aber allein deutlich, was der Leser erwarten darf: Es geht um Kinder in diesem Buch, um Verbrechen an Kindern und wie eine Gesellschaft damit umgeht.

Drei Charaktere stehen im Zentrum dieses Romans: Zum einen ist da Thobela, ein ehemaliger Widerstandskämpfer gegen das Apartheid-Regime. Christine van Rooyen ist ein Nymphomanin, die ihren Körper an betuchte Kundschaft verkauft. Einer ihrer Stammkunden, der kolumbianische Drogendealer Carlos, verliebt sich in sie, was dem Geschäft nicht gerade dienlich ist. Außerdem lernt der Leser Benny Griessel kennen, einen Polizisten, der die psychische Belastung seines Berufs mit Alkohol zu bekämpfen versucht. Er ist der heimliche Star dieses Romans.

Im ersten Teil hat Der Atem des Jägers einen Schluckauf: viele und schnelle Perspektivwechsel zwischen drei parallel erzählten Handlungssträngen resultieren in einem galoppierenden Erzähltempo.

Der Ziehsohn von Thobela gerät in den Kugelhagel eines Tankstellenraubes. Thobela will als Zeuge vor Gericht gegen die Gangster aussagen, wird aber aufgrund seiner Vergangenheit vom Verteidiger als unglaubwürdig dargestellt. Als die Angeklagten noch vor Urteilsverkündung fliehen, schwört Thobela das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen. Seine Jagd führt ihn zurück nach Kapstadt, wo er einem geständigen, aber aufgrund von Verfahrensfehlern nicht verurteilten Kinderschänder begegnet. Angeekelt lauert er ihm mit einem Assegai (dem Kurzspeer der Zulu) auf und lyncht ihn.

Benny Griessel verfolgt gerade einen Frauenmörder, als er von der eigenen Frau vor die Haustür gesetzt wird. Seine jahrelangen Saufeskapaden reichen der resoluten Gattin und auch die beiden Kinder haben sich von ihrem Vater abgewendet. Mit Hilfe eines alten Arztes und Unterstützung seines Chefs versucht Benny trocken zu bleiben und er erkennt, wie viele Chancen er sich durch den Alkohol verbaut hat. Da kommt der neue Fall, von der Presse als »Artemis-Mord« bezeichnet, gerade recht, um ihm als letzte Chance zu dienen. Packend und intensiv ist Griessels Kampf nicht nur gegen den zunächst unbekannten Mörder, sondern besonders auch gegen den Alkohol und für seine Kinder.

Christine hat ganz andere Probleme. Ihre Erzählperspektive ist rückwärts gewandt, sie beichtet einem Priester die Schuld, die sie auf sich geladen hat. Sie erzählt ihm ihre ganz eigene Wahrheit von einem streng religiösen Vater, gegen den sie mit ihren frühen sexuellen Abenteuern rebellierte. Sie erzählt von ungewollter Schwangerschaft, wechselnden Liebhabern und schließlich ihren Einstieg in den Eskort-Service. Und der Priester hört ihr zu, da er – wie auch der Leser – das Geheimnis des Pakets erfahren will, das Christine zu dem Gespräch mitgenommen hat.

Nachdem der Jäger seinen Schluckauf aus dem ersten Teil besiegt hat, atmet er flach, ruhig, aber auch sehr wachsam. Die Erzählung wird weniger sprunghaft, ohne aber an Spannung zu verlieren. In dieser Phase führen die drei Stränge zusammen und dieser leise Atem der Erkenntnis gipfelt schließlich in ein sprichwörtlich atemberaubendes, nach Sauerstoff japsendes Finale aller erster Klasse.

Deon Meyer schafft es mit Der Atem des Jägers spielend, Vergehen an und Gewalt gegen Kinder aus vielen Perspektiven zu beleuchten. Außerdem spielt er mit der schnellen Verachtung und Vorverurteilung der Gesellschaft gegenüber vermeintlich Pädophilen. Thobela, dem einige Polizisten sogar dankbar für seine Morde sind, wird sich erst spät seiner rasenden Wut bewusst; die Erkenntnis, dass Lynchjustiz grundsätzlich falsch ist überlässt der Autor hingegen seinen Lesern. Hierin liegt die wahre Klasse eines guten Autors: ohne den erhobenen Zeigefinger motiviert er seine Leser, moralische Schlüsse zu ziehen. Und nicht nur mit einem Finale, das die Bezeichnung »Kopfkino« redlich verdient hat, lässt er auf eine weitere Fortsetzung hoffen.

Thomas Kürten, Dezember 2007

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Ilse Deissenberger zu »Deon Meyer: Der Atem des Jägers« 06.10.2010
Mit "Weisser Schatten" und Lemmer fing es an und seit dem bin ich von allen DM Büchern fasziniert. Es sind immer tolle Plots und ich finde es gut, dass einige Personen halt immer wieder auftauchen, so wie Thobela sicher (ich hoffe es) in einem vierten Buch auftauchen wird. Auch die zuletzt erschienen Short-Stories gefielen mir gut.
Schrodo zu »Deon Meyer: Der Atem des Jägers« 22.06.2010
Einst war Benny Griessel der beste Polizist Kapstadts, doch dann begann er zu trinken. Nun ist er am Ende. Einzig sein Chef glaubt noch an ihn und übergibt ihm den spektakulärsten Fall der letzten Jahre: Ein Killer läuft durch die Stadt und tötet in Selbstjustiz Kinderschänder. Griessel weiß, dass diese Ermittlung seine letzte Chance ist.
Es gibt drei Handlungsstränge. Um den Ex – Killer Thobela, dessen Kind unter den Händen erschossen wird und der daraufhin beschließt Rache zu nehmen. Um die Prostituierte Christine, die ein neues Leben beginnen möchte und um den Cop Griessel, der Schwierigkeiten hat sich zwischen seiner Frau und der Flasche zu entscheiden.
Es geht um Rauschgifthandel, Korruption und Menschenhandel. Um Prostitution und Selbstjustiz und vor allem um gebrochene Menschen.
Hört sich schon mal ziemlich deprimierend an, ist es aber ganz und gar nicht. Es ist interessant und teilweise sehr spannend. Atmosphärisch kommt sogar einiges von Südafrika rüber, auch eine gewisse Melancholie. Nun denn, die drei Stränge prallen in einem packenden Finale aufeinander, da zeigt sich Hollywood von seiner besten Seite.
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HerrHansen zu »Deon Meyer: Der Atem des Jägers« 22.06.2010
Dem allgemeinen Lob meiner Vorschreiber kann ich mich eigentlich anschließen. Deon Meyer hat wirklich ein gelungenes Werk abgeliefert, ABER:

Das Lektorat bzw. wahrscheinlich die Übersetzung weist einige Schwachpunkte auf. Einige Sätze sind grammatikalisch einfach nicht einwandfrei und stören den Leser - Schade eigentlich.
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mylo zu »Deon Meyer: Der Atem des Jägers« 11.03.2010
Das war der vierte Roman von Deon Meyer und er war, wie von mir nicht anders erwartet wieder ein sorgsam recherchierter, spannender mit interessanten Personen ausgestalteter Krimi/Thriller. Die Prostituierte Christine erzählt in den anfangs resch raschen Wechsel zwischen den drei Handlungssträngen ihr Leid, ihr Trauma aus der der Sicht der Prostituierten und lässt Verständnis und Mitleid entstehen. Auch der aus früherem Buch sehr wohl bekannte Thobela lässt fast ein wenig Verständnis ja Rechtfertigung für Lynchjustiz aufkommen und bei der Hauptperson erfahren wir viel über die Qualen des Alkoholismus und dem Entzug. Zum Schluss findet alles zusammen, immer mehr werden die Zusammenhänge klar und doch sind die tatsächlichen Abläufe überraschend. Lebt Thobella nun noch oder ??? Die nächsten Romane werden es zeigen. Von mir 85 Punkte.
sirod53 zu »Deon Meyer: Der Atem des Jägers« 11.01.2010
Ich bin erst vor kurzem auf Deon Meyer gestoßen dank krimi Couch! Bin von Der Atem des Jägers restlos begeistert. Das Buch ist so spannend und rasant geschrieben, dass man es nur schwer aus der Hand legen kann. Beeindruckend fand ich auch die Beschreibung wie Benny Griessel versucht von seiner Alkoholsucht los zu kommen. Das ist mir richtig unter die Haut gegangen. Habe bereits weitere DM im Regal,.unbedingt lesen!
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Krilla zu »Deon Meyer: Der Atem des Jägers« 10.11.2009
Ich kann mich den Lobpreisungen der vorherigen SchreiberInnen nur anschliessen.
Es war das beste der von mir in 2009 gelesenen Bücher und verdient weiterempfohlen zu werden.

Von der ersten bis zur letzten Seite wurde ein wunderbar komponierter Spannungsbogen gehalten, drei Handlungsstränge, die sich miteinander verknüpfen, drei Protagonisten, die mit all ihren Brüchen menschlich und nachvollziehbar daherkommen - große Kunst des Schreibens (und des Übersetzens!)
brabra zu »Deon Meyer: Der Atem des Jägers« 02.11.2009
Ein spannender Krimi, gut geschrieben und wohl auch gut übersetzt in dem man, wie nebenbei, viel über Südafrika lernt, alles wissenswerte über einen Alkoholentzug erfährt und auch das psychopathologische Bild einer Borderline-Persönlichkeit kennen lernt. Und all das, während man atemlos der Geschichte folgt die komplex aber nie verwirrend ist. Und ein Schluß der vieles offen läßt aber die wichtigsten Fragen beantwortet, sehr gekonnt! Ich werde das Buch mit Freude an meine Krimi-Freundinnen /Schwestern weitergeben!
Anja S. zu »Deon Meyer: Der Atem des Jägers« 28.05.2009
Das hier ist ein ausserordentlich spannender, gut zu lesender Thriller mit einem intelligenten, sorgfaeltig recherchiertem Plot. Alle 3 Protagonisten (der alkoholkranke Polizist Benny, er ehemaliger Killer Thobela und die Prostituierte Christine) sind einfuehlsam und glaubwuerdig dargestellt, besonders der Kampf gegen den Alkoholabusus ist brilliant beschrieben.
Hut ab, Herr Meyer und weiter so!!!
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Rolf.P zu »Deon Meyer: Der Atem des Jägers« 25.10.2008
Schon "Der traurige Polizist" war brillant, die beiden Nachfolger überragend, und mit "Der Atem des Jägers" katapultiert sich Deon Meyer in den Himmel der genialen Autoren.

Der Atem des Jägers beschreibt nicht nur die Zerrissenheit dieses Riesenlandes (sowohl geografisch als auch ethnisch) sondern besticht durch exzellente geschichtliche Recherche und hochdramatische Spannung.
Eine interessante, gut verwobene Geschichte mit Einfühlungsvermögen in seine schwierigen Charaktere, mit Weisheiten über das Leben an sich und im Besonderen.
Die Hauptperson, Detective Griessel, ist eine ebenso zerrissene Persönlichkeit. Das ganze Land spiegelt sich in ihm wider. Es geht natürlich um Rauschgift, Korruption, Menschenhandel aber auch um mystische Morde. Es geht um Kindheitstraumata und Prostitution, es geht um Selbstjustiz und vor allem um gebrochene Menschen.
In diesem Buch lernt man mehr über das Leben und die widersprüchlichen Gefühle der verschiedenen Ethnien und Rassen im post-apartheids Südafrika als in so manchem Geschichtsbuch.
Sprachlich wendig, das Antlitz Afrikas wunderbar beschreibend, schuf Meyer einen rasanten Thriller. Das Tempo nimmt zu, bis zum Finale, das überrascht, aber ins sich logisch und gut ist. Genau hier, wo andere Geschichten verlieren, bietet "Der Atem des Jägers" dem Leser ein überzeugendes Ende.

Ein beeindruckender Krimi erzählt von einem großartigen Autor. Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt und gehört zu den besten Romanen, die ich in letzter Zeit gelesen habe.
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T.B. zu »Deon Meyer: Der Atem des Jägers« 22.10.2007
Nachdem ich "Das Herz des Jägers" ja schon grandios fand, muss ich sagen, dass Deon Meyer sein Niveau halten kann: auch der zweite "Fall" ist ihm äußerst gut gelungen.
Das Schönste ist sowieso die Kulisse, von der man leider so selten liest...
Empfehlenswert!

Schöne Grüße
T.B.

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