Das Herz des Jägers von Deon Meyer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel Proteus, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Rütten & Loening.
Ort & Zeit der Handlung: Südafrika, 1990 - 2009.
Folge 1 der Thobela-Mpayipheli-Serie.

  • Kapstadt: Human & Rousseau, 2002 unter dem Titel Proteus. 358 Seiten.
  • London: Hodder & Stoughton, 2003. Übersetzung aus Afrikaans. 422 Seiten.
  • New York: Little, Brown, 2004. 374 Seiten.
  • Berlin: Rütten & Loening, 2005. Übersetzt von Ulrich Hoffmann. Übersetzung aus dem Englischen. ISBN: 3352007276. 409 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2007. Übersetzt von Ulrich Hoffmann. ISBN: 978-3-7466-2328-3. 409 Seiten.

'Das Herz des Jägers' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Thobela führt ein bürgerliches Leben in Kapstadt, Südafrika. Er ist in Miriam verliebt, kümmert sich um deren Sohn und arbeitet in einer Motorradwerkstatt. Niemand weiß, dass Thobela ein Killer war, der im Namen der Befreiungsbewegung tötete. Bis eines Tages die Tochter eines alten Freundes vor seiner Tür steht. Ihr Vater, ein ehemaliger Regierungsbeamter, ist gekidnappt worden, weil er eine Festplatte mit belastendem Material besitzt. Thobela eilt seinem Freund zu Hilfe, doch schon am Flughafen wird er vom südafrikanischen Geheimdienst abgefangen. Es gelingt ihm zu fliehen – und nach langer Zeit erwachen seine alten Instinkte wieder. Auf einem Motorrad jagt er quer durch das Land.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ausflug in die Seele Südafrikas« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Krimi-Couch-Volltreffer Oktober 2005

Südafrika ist auch über 10 Jahre nach dem offiziellen Ende der Apartheid und der Machtübernahme durch den ANC, die Partei Nelson Mandelas, nicht zur Ruhe gekommen. Zwar hat sich die Situation der farbigen Bevölkerungsteile rechtlich grundlegend gebessert, dennoch ist ein klarer sozialer Riss jedem Besucher des Landes offenbar. Der extreme Gegensatz zwischen Reichtum und Armut, Eigentum und Besitzlosigkeit ist Bestandteil des Alltags am Kap und Quell von Neid und Verbrechen. Bei einer Arbeitslosenquote von offiziell rund 20% sind die meisten Farbigen, die einen Job haben, in einfachen Handlangerjobs untergekommen. Die wirtschaftliche Elite wird weiterhin von den Weißen gestellt. Staatliche Interventionen wie das BEE (Black Economic Empowerment) helfen nicht, das Zusammenleben der ethnischen Gruppen zu fördern. Eine Einheit im Vielvölker- und Vielsprachenstaat ist nicht in Sicht. Die Suche nach Idolen hingegen ist nach dem politischen Abgang Mandelas ungebrochen.

Der Freundschaftsdienst

Thobela »Tiny« Mpayipheli vom Stamme der Xhosa (dem auch Mandela angehört) führt ein ruhiges Leben in einem Vorort Kapstadts zusammen mit seiner Lebensgefährtin und deren Sohn. Sein Leben war nicht immer so beschaulich, den zu Zeiten der Arpartheid war er Widerstandskämpfer und Berufskiller, eingesetzt von internationalen Geheimdiensten. Ein Leben, dem er aus eigener Einsicht abgeschworen hat. Als nun ein Freund aus alten Tagen einen Hilferuf übermittelt, steht für Tiny jedoch sofort fest, dass er zur Hilfe eilen muss. Die Tochter des Freundes übergibt ihm eine Festplatte, die er innerhalb von 72 Stunden nach Lusaka, der Hauptstadt Sambias bringen soll. Ohne zu fragen, in welche Gefahr er sich begibt und was sich auf der Festplatte befindet, begibt sich Tiny zum Flughafen.

Die Geheimmission

Was Tiny nicht weiß: dass mit seinem Auftritt die Pläne einer südafrikanischen Geheimdiensteinheit mit einem Schlag über den Haufen geworfen werden. Der alte Freund und dessen Tochter wurden überwacht, weil sie offenbar Staatsgeheimnisse aus der Endphase der Apartheid an andere Geheimdienste verkaufen wollten. Man befürchtet, dass der Name eines Doppelagenten, der noch immer in hoher Position im südafrikanischen Geheimdienst sitzt, durch diese Aktion bekannt werden könnte und will sich nach außen vor einer solchen Blamage schützen. Noch am Flughafen versuchen Agenten Tiny zu stoppen, doch die wissen nichts über dessen Vergangenheit und er entkommt. Bei seinem Arbeitgeber, einem Motorradhändler, »leiht« sich der nun als Putzmann arbeitende ehemalige Killer kurzer Hand eine BMW und begibt sich auf zwei Räder auf die lange Reise nach Lusaka – und wird verfolgt vom Geheimdienst, der Polizei und den Medien, die inzwischen von der seltsamen Aktion am Flughafen und dem Diebstahl des Motorrads Wind bekommen haben.

Die Ehre

Ein außergewöhnlich vielschichtiger Roman. Reich an Facetten wie es auch der multikulturelle Schmelztiegel am Kap ist. Für Thobela ist es eine Frage der Ehre, seinem Freund zu helfen. Egal, warum der Freund in Not geraten ist und was er für ihn tun kann – er hilft einfach. Der Geheimdienst, eine bunt zusammen gewürfelte Truppe, die nicht so funktioniert, wie sie eigentlich soll, könnte als Metapher für den modernen Staatsapparat herhalten. Die Kontrolle hat niemand so richtig in der Hand. Und wie soll man die (weiße) Presse kontrollieren, die durch eigenmächtige Nachforschungen jede Aktion untergräbt? Die Unerfahrenheit des jungen Apparates tritt hier in den Vordergrund. Und wenn nun dieser Apparat mit Militärsondereinheiten und Polizeihundertschaften einen Xhosa jagt, der offiziell nur ein Motorrad gestohlen hat, dann wird die Solidarität mit dem Gejagten im Volk geschürt und sie wächst mit jeder Minute, die dieser Biker noch immer nicht gefasst ist. Deon Meyer beleuchtet von vielen Seiten die Seele dieser jungen Nation Südafrika.

Die Mittel

Der Schreibstil des Afrikaners ist bemerkenswert abwechslungsreich mit regelmäßigen Perspektivwechseln. Die drei Protagonisten – der flüchtige Thobela, die verbissene Geheimdienstchefin und die eifrige Reporterin – sind ebenso bemerkenswert vielschichtige Charaktere geworden. Angereichert wird die Handlung noch durch Passagen, die Ermittlungsakten und Geheimdienstberichten entnommen sind, ebenso durch Presse- und Rundfunkberichte sowie Zitaten aus Internetforen.

Die Botschaft

Eine solch subtile Gesellschaftsanalyse in Form eines mitreißenden Romans an der Grenze zwischen Thriller und Agentengeschichte kommt einem selten unter. Das Herz des Jägers ist ein absolutes Highlight und Deon Meyer unter den Neuentdeckungen 2005 ganz weit vorn. Wer Südafrika kennt, wird kein Problem haben, die Bezüge zur Realität herzustellen. Aber auch Außenstehende Leser werden ein Gefühl dafür bekommen, wie kompliziert, zerrissen und problematisch die innere Lage des Landes ist, obwohl man die Apartheid seit 1994 offiziell abgeschafft hat. Dennoch finden auch Werte wie Ehre, Stolz, Hoffnung und Lebensfreude immer wieder ihren Ausdruck. Die Leiden des Alltags so vieler Menschen in den Townships sind auch die Leiden Thobelas. Und das Leid in Südafrika ist allgegenwärtig – es trifft die Kämpfenden ebenso wie die Unbeteiligten. Thobelas Geschichte darf kein Happy End haben, denn dann passte das Herz des Jägers nicht zur Seele Südafrikas.

Ihre Meinung zu »Deon Meyer: Das Herz des Jägers«

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otto Quaing zu »Deon Meyer: Das Herz des Jägers« 21.07.2010
Das war das dritte Buch von Deon Meyer, das ich gelesen habe.
Es hat mich gefesselt, weil es spannend geschrieben ist und weil es gleichzeitig Einblicke in Personen und ihre Handlungen, in Geheimdienste und in das Land Südafrika bietet. Manchmal wirkt die Hauptperson schon wie eine Mischung von James Bond und einem Heiligen, aber dennoch kann man sich gut in das Problem hineinversetzen. Und so habe ich bis zum Schluss mitgefiebert. und mir gleich die nächsten beiden Bände gekauft!
Schrodo zu »Deon Meyer: Das Herz des Jägers« 07.11.2009
Thobela Mpayipheli, führt ein friedliches und zufriedenes Leben. Er arbeitet als Hausmeister in einem Motorradladen und genießt die Liebe zu seiner Freundin Miriam und deren Sohn Pakamile. Doch Thobela hat ein kleines Geheimnis. In seinem früheren Leben arbeitete er als Auftragskiller für den KGB und die Stasi.
Als die Tochter eines alten Freundes, mit der Bitte um Hilfe, bei ihm auftaucht, holt ihn seine Vergangenheit wieder ein. Um das Leben seines Freundes zu retten muss er eine Computer Festplatte nach Sambia bringen. Im realen Leben sicher recht einfach, aber das ist hier ja ein Krimi. Der Superheld Thobela wird von Geheimdiensten gejagt und so wird bei seiner Reise allerhand schief laufen.
Deon Meyer schrieb eine gut kombinierte Geschichte über die Zustände, nein eher über die Zerrissenheit Südafrikas kurz nach der Apartheid. Anfänglich voller Rätsel und Geheimnisse die sich natürlich im Verlauf des Buches nach und nach aufklären.
Die Flucht mit dem Motorrad vor den bösen Häschern ist an manchen Stellen etwas langatmig geworden, da hat doch einige Male das Tempo gefehlt.
Gut sind die immer wiederkehrenden Rückblenden über Thobelas Vergangenheit, sowie seine Emotionalen Gewissenskonflikte über sein tun.
Groß, stark, schwarz und geheimnisvoll ist die treffende Charakterisierung des Superhelden. Aber auch die anderen handelnden Personen sind sehr gut gezeichnet.
Ein interessantes Buch mit vielen Verwicklungen bis zum bösen Ende…voller Überraschungen!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mira23 zu »Deon Meyer: Das Herz des Jägers« 14.06.2009
Ich habe diesen meinen zweiten Deon Meyer Krimi gelesen, kurz nachdem ich die Kapregion bereist hatte.
Obschon die Handlung äusserst spanned und packend ist und einem durch das Buch treibt, hinterliess dieser Krimi in nur den Eindruck von Leere und Brutalität. Es gibt in dieser Geschichte weder geniesserische, ästhetische noch irgendwelche kulturellen Ruhepunkte, welche die Werke bestimmter anderer Krimiautoren so bekömmlich und menschlich nahbar machen. Die Handlung könnte fast irgendwo geschehen, und es fehlt mir mehr Charakteristisches von Südafrika. Geschmäcker und Stimmungen sind sehr verschieden, aber ich wüsste keinen Menschen und keine Lebenslage, in welcher ich dieses Buch zum Lesen empfehlen würde.
Kinsey zu »Deon Meyer: Das Herz des Jägers« 30.01.2009
Wäre „Das Herz des Jägers“ ein Film, dann wär’s ein Roadmovie in Reinkultur. Die Geschichte einer Reise quer durch Afrika. Bei der das Ziel letztendlich keine Rolle spielt. Nur der Weg. Aber es ist auch im übertragenen Sinne die Reise zum eigenen Selbst der Hauptfigur, des ehemaligen KGB-Killers Thobela Mpayipheli, der als Randfigur bereits in „Tod vor Morgengrauen“ auftauchte.
Es gelingt dem Autor sehr gut, den Lesern sein offenbar sehr geliebtes Heimatland in allen Facetten nahezubringen. Dabei taugen die Verwicklungen und Strategien der Geheimdienste hervorragend als Metapher für die Zerrissenheit, Vielschichtigkeit, Unüberschaubarkeit und Uneinigkeit des modernen Südafrika. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Das gilt für die Figuren, aber auch für das Land selbst, das sich nicht mehr wie zu Zeiten der Apartheid in die „böse“ Schublade stecken, sondern sich gar nicht so leicht kategorisieren läßt.
Es ist aber auch die in Rückblenden erzählte Geschichte eines Mannes, der, ursprünglich als Auftragskiller vom KGB und der Stasi ausgebildet, nach dem Fall der Mauer von einem Tag auf den anderen völlig orientierungslos und alleingelassen sich einen neuen Platz im Leben suchen mußte. Und ihn fand. Nur um am Ende doch von der eigenen Vergangenheit eingeholt zu werden.
Ein unglaublich beeindruckendes Buch, das mir den Schwarzen Kontinent ein Stück näher gebracht hat.
mylo zu »Deon Meyer: Das Herz des Jägers« 19.12.2008
Leider Hat Meyer auch bei mir schon lange im Regal gestanden, 2 Jahre,bis ich das Buch aufgrund eines Beitrages auf Krimi Couch TV hervorgeholt habe.
Ein tolles Buch mit einer spannend rassanten Geschichte, viel Information über Südafrika und insbesondere einen kleinen Einblick in die Geburtswehen eines Landes auf dem Weg zur Demokratie. Es wurde aufgezeigt wie eng die Ereignisse der Welt untereinander verzahnt sind und Auswirkungen auf viele Menschen, so wie hier in Südafrika, haben.
Aber über allem ein großartiker Thriller, der Lust auf mehr macht.
85 Punkte.
Rolf.P zu »Deon Meyer: Das Herz des Jägers« 05.07.2008
Deon Meyer versteht es, den Leser von Beginn an eine andere Welt zu entführen.
Aufregend, mitreißend, dramatisch, mit einem tragischen Helden, der sich mit seiner Vergangenheit konfrontiert sieht und nicht weiß, weshalb er sein Leben riskiert. Ein Genuss für alle, die Spionagethriller mit Action mögen, aber gern auch ein paar interessante Details aus dem heutigen Südafrika erfahren wollen.
Der Wandel von einer Apartheidsregierung zu einem demokratischen Staat bildet den realistischen Hintergrund zu Meyers Thriller: Mit einem Mal müssen alte Feinde zusammenarbeiten und rassistische Beamte ihren Platz in Regierungs- und Geheimdienstausschüssen mit ehemalige Freiheitskämpfern teilen.
Neben Verfolgungsjagden und gekonnten Beschreibungen der wunderschönen Landschaft Südafrikas geht es dem Autor aber auch darum, ein Bild von der komplizierten innenpolitischen Lage in Südafrika zu zeichnen. Nicht nur das emotionsgeladene Verhältnis zwischen schwarz und weiß, sondern auch die Spannungen zwischen den verschiedenen schwarzen Volksgruppen werden hier angesprochen.
Eine pulsierende und klug kombinierte Geschichte voller Rätsel und Geheimnisse mit einem sympathischen Helden. Sprachlich wendig, das Antlitz Afrikas wunderbar beschreibend, schuf Meyer ein rasantes Roadmovie.
Das Tempo nimmt zu. Bis zum Finale, das überrascht, aber ins sich logisch und gut ist.
Genau hier, wo andere Geschichten verlieren, bietet "Das Herz des Jägers" dem Leser ein überzeugendes Ende.

Ein beeindruckender Krimi erzählt von einem großartigen Autor.
Cynical Sam zu »Deon Meyer: Das Herz des Jägers« 02.01.2008
Für mich die Entdeckung des Jahres 2006, ein so vielschichter Krimi habe ich selten gelesen. Klasse !! Möge Herr Meyer von Motorradunfällen verschont bleiben und möglichst lange schreiben.
heyfisch zu »Deon Meyer: Das Herz des Jägers« 15.11.2007
Genau das richtige Buch zum Südafrikaurlaub in dem ich Teile der Fluchtstrecken abfahren konnte. Es macht Spaß dieses Buch zu lesen und viel über das heutige Südafrika zu erfahren. Dass man - auch bei den Geheimdiensten - mal kurz den Überblick verlieren kann, ist bei einem Land mit mehr als 10 offiziellen Landessprachen ja wohl nicht weiter verwunderlich. Die Spannung treibt den Leser jedoch bis zum Schluss weiter und es gefällt sehr, dass das Ende nicht an den Haaren herbeigezogen ist.
Pascal zu »Deon Meyer: Das Herz des Jägers« 18.09.2006
Meine Meinung zu diesem Buch ist leider nicht so gut, wie die der anderen Leser.
Da die positiven Seiten des Buches schon erwähnt sind, hier die, welche mich gestört haben:
Für einen Thriller viel zu wenig Thrill. Die "Action" kam mir leider viel zu kurz. Hätte mir viel mehr vom Jäger in Thobela gewünscht, oder der Spezialeinheit. Ich verlor völlig den Überlick über die Geheimdienste und konnte ehrlich gesagt möchte ich keine Klassenarbeit in Form einer Buchbesprechung schreiben müssen. Ich glaube ich bekäme nicht die beste Note, was das Verständnis anbelangt.
Randolph zu »Deon Meyer: Das Herz des Jägers« 08.07.2006
Ich bereue zutiefst, dass ich dieses Juwel über ein halbes Jahr lang im Schrank habe zustauben lassen. Das Herz des Jägers ist rasant und schwerelos erzählt. Ein ausgezeichneter Thriller, der mein Interesse auf weitere Romane dieses Autors geweckt hat.

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