Dennis Lehane

Dennis Lehane

Dennis Lehane wurde 1966 in Dorchester, Massachusetts, einer Vorstadt der Metropole Boston, als jüngstes von fünf Geschwistern geboren. Sein Vater arbeitete für die Warenhauskette Sears & Roebuck, seine Mutter in einer Schulcaféteria. Seine Schul- und Collegejahre verbrachte Dennis in Boston. Anschließend übernahm er eine Reihe von Gelegenheitsjobs, bevor er sich als therapeutischer Berater versuchte. Lehane betreute geistig Behinderte sowie sexuell missbrauchte Kinder. Hier machte er jene psychologischen Erfahrungen, die er später in seine Romane einfließen ließ.

Doch Lehane wollte Schriftsteller werden. Er lernte seinen Job an der Florida International University in Miami. Nach dem Abschluss begann er ernsthaft zu schreiben, während er anspruchslose Tätigkeiten als Parkplatzwächter oder Limonadenausfahrer annahm, um seinen Lebensunterhalt zu sichern und einen freien Kopf für seine Geschichten zu behalten.

Lehane las zwar sehr gern Kriminalromane, legte es jedoch nicht darauf an, in diesem Genre zu starten. Eher zufällig wurde ein Thriller seine erste Veröffentlichung. Das Manuskript zu »A Drink Before the War« (dt. Streng vertraulich) hatte er bereits 1990 verfasst, aber bis zur Veröffentlichung dauerte es noch vier Jahre. »A Drink ...« wurde zum ersten Band der Serie um Patrick Kenzie and Angela Gennaro, die in Dorchester als Privatdetektive arbeiten.

Für seinen ersten Thriller erhielt er den Shamus Award. Alle seine Romane standen mehrere Wochen auf der Krimi-Bestsellerliste und wurden von der US-Presse begeistert aufgenommen. Hierzulande bekam Dennis Lehane im Jahr 2001 und 2002 den Deutschen Krimipreis verliehen.

Bis auf den jüngsten Roman stehen in allen Romanen die zwei Privatdetektive Patrick Kenzie und Angela Gennaro im Mittelpunkt. (Gennaro hieß auch John McClanes Gattin in den Bruce-Willis-Actionkrachern »Stirb langsam I II«, und genau wie Bonnie Bedelia stelle ich sie mir auch vor. Allerdings hat Angela den fiesen Charakter und die freche Klappe von Linda Fiorentino.) Angie hat 12 Jahre Ehe-Hölle hinter sich, als sie ihren Mann verlässt, um bei Kenzie einzuziehen: eine taffe Frau. Sie kennt Kenzie noch aus dem Sandkasten.

Patrick Kenzie hingegen stammt aus der rein irisch-katholischen Arbeiterklasse von Boston (die Lehane eingehend in Spur der Wölfe untersucht). Er hat seine Lehre bei einer der feinsten Privatdetekteien von Boston gemacht, wie wir in In tiefer Trauer erfahren. Er zögert nicht, kräftig hinzulangen, wenn ihm einer blöd kommt, und trägt ständig eine Wumme bei sich. Beide Partner wissen ihre Knarren auch einzusetzen, wenn´s drauf ankommt.

Der Verfasser selbst beschrieb das überaus erfolgreiche Duo als »Nick & Nora Charles – nur sehr viel taffer!«. Er spielt damit auf eines der erfolgreichsten Pärchen der klassischen Kriminalliteratur an, das der große Dashiell Hammett (1894-1961) in »Thin Thin Man« (1934; dt. Mordsache Dünner Mann) schuf und das zwischen 1934 und 1947 sechs Mal im Kino von William Powell und Myrna Loy gespielt wurde. Scheinbar lässig im Umgang und unberührt, brodeln unter der Oberfläche sichtlich große Gefühle füreinander, wobei Lehane die Situation zuspitzt, indem er Angela ausgerechnet Patricks besten Freund heiraten ließ.

Dennis Lehane hat beim Schreiben mittlerweile eine besondere Routine entwickelt: In aller Frühe geht er mit seinen Hunden spazieren, wobei er die besten Ideen bekommt, um diese nachts umzusetzen, »da dann nicht die Gefahr besteht, dass das Telefon klingelt oder jemand einfach vorbeikommt«. Beim Schreiben selbst ist Lehane übrigens Traditionalist. Er bevorzugt nach einigen Versuchen mit dem Computer wieder den Stift, um seine Ideen zu Papier zu bringen.

Inzwischen wurde Lehane vom Kino entdeckt. Clint Eastwood, der als Regisseur ein waches Auge für filmreife Bücher jenseits des Blockbuster-Mainstreams besitzt, hat 2003 mit großem Erfolg Mystic River auf die Leinwand gebracht. Der Schauspieler Ben Affleck möchte es ihm 2006 gleichtun: Seine erste Regiearbeit wird »Gone, Baby, Gone« nach dem gleichnamigen Kenzie/Gennaro-Roman (dt. Kein Kinderspiel).

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