Ein Ring aus Blut von Declan Hughes

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel The Colour of Blood, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Irland / Dublin, 1990 - 2009.
Folge 2 der Ed-Loy-Serie.

  • London: John Murray, 2007 unter dem Titel The Colour of Blood. 410 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2007. Übersetzt von Tanja Handels. ISBN: 978-3-499-24144-4. 410 Seiten.

'Ein Ring aus Blut' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Emily, die Tochter des renommierten Dubliner Zahnarztes Shane Howard, wird vermisst. Kurz darauf findet man dessen Ehefrau Jessica erstochen auf. Ist Shane der Täter oder hat jemand eine Rechnung mit der Howard-Dynastie zu begleichen? Bei seinen Ermittlungen stößt Privatdetektiv Ed Loy auf eine Mauer des Schweigens. Die Vergangenheit der Familie ist voller Geheimnisse. Viele davon sind schmutzig, manche tödlich.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Whodunit im neuen Gewand« 70°

Krimi-Rezension von Bernd Neumann

Das, was uns Declan Hughes in seinem zweiten Krimi mit Privatdetektiv Ed Loy präsentiert, ist alles andere als ein friedliches Kirchenfest im erzkatholischen Irland. Es geht um Rugby, »ein Stück irischer Religion«, der keine Weicheier verträgt, es geht um mythische Blutsteine, Hämatite, welche die magische Kraft haben, ihren Träger unsichtbar zu machen, es geht um Intrigen, es geht um Morde aus längst vergangenen und absichtlich zugeschütteten und im wahrsten Sinne des Wortes ersäuften Zeiten.

Aber auch Ed Loy ist ja alles andere als ein Frömmelnder, der sich streng und unablässig an die Zehn Gebote hält.
Ed trinkt gern und regelmäßig Whiskey der irischen Edelmarke Jameson mit einem Pint Guinness, und das auch schon mal im Laufe des Vormittags. Erschwerend kommt dazu, dass er gut aussehenden irischen Frauen mit Sommersprossen und flammend rotem Haupt- und Schamhaar einfach nicht widerstehen kann, selbst wenn diese zum Kreis der Hauptverdächtigen zählen.

Loy ist ein typischer Schnüffler, schier unkaputtbar und nach seinem Amerika-Trip (s. Erstling Blut von meinem Blut) nun wohl wieder endgültig sesshaft geworden in der alten, kalten Heimat von Irland. Hier kann er seiner irischen Kindheitserinnerungen und seines alten Freundeskreises, zusammen geschweißt mit Blut, Schweiß und Tränen, auch im zweiten Krimi von D. Hughes nicht einfach so entrinnen.

Vom Promi-Dentisten Shane Howard wird er angeheuert, dessen verschollene Tochter Emily wieder aufzutreiben, möglichst diskret und unauffällig. Schließlich existieren schamlose Pornofotografien, welche publik gemacht werden sollen, falls die Lösegeldforderungen nicht eingehalten werden. Somit hat der renommierte Familienclan der Howards mehr als nur seinen guten Ruf zu verlieren.

Stethoskop in der einen, Kruzifix in der anderen Hand

Dr. John Howard als allmächtiger Vater ist der Gründer des familiären Dubliner VIP-Imperiums. Er war ein angesehener Mediziner und einer der führenden Gynäkologen Irlands, die streng dem katholischen Moralkodex folgten. Sterilisierung, Schwangerschaftsverhütung oder gar Schwangerschaftsabbruch waren klerikales Tabu. Dann schon eher die Totaloperation, die allerdings viele irische Frauen in Bettlägerigkeit und den Tod trieb.
Irgendwann geriet der dominante Pate dann auch unwiderruflich mit dem Gesetz in Konflikt und die Approbation wurde ihm entzogen.

Geblieben und damit verewigt hatte er sich mit dem von ihm geschaffenen Howard Medical Center, welches sich um die Gesundheit der Schönen und Reichen aus Dublin und Umgebung kümmerte. Mit Rowan House haben sich die Howards eine Familienburg geschaffen. Drei gewaltige Türme demonstrieren familiären Schulterschluss, ein finaler vierter ist geplant.

Im gesamten Hause prangen unzählige Ölschinken des Narziss Dr. John Howard von den Wänden, welche seine Nachfahren ständig anstarren und misstrauisch beobachten. Als Ansporn, Drohung, oder zum Schrecken?

Sehr zum Leidwesen des Nestors wurde die alterwürdige medizinische Familienberufstradition von seinen Kindern aber nicht fortgesetzt. Sein Sohn Shane wurde Zahnarzt, zwar auch für die Upperclass, aber in den Augen des übermächtigen Vaters ist diese Branche eine schändliche Diskriminierung des eigentlichen Arztberufes.
Seine Tochter grätscht völlig aus der ärztlichen Familientradition aus und wird Lehrerin. Dr. John Howard ist sauer, verbittert und nachtragend.

Von zornigen, missbrauchten Frauen, die endlich etwas ausleben wollen

Der Familienclan um John Howard, frömmelnder irischer Katholik, Wasser predigend, aber heimlich Wein trinkend, ist Dreh- und Angelpunkt der irischen Familiensaga. Es geht um skrupellose Morde und Familienschande, stark erinnernd an einsame Berggehöfte in deutsch-österreichischer Felsentristesse, wo im endlos langen und dunklen Winter Inzest kein Geheimwort war.

Was uns Autor Declan Hughes präsentiert, ist ein Whodunit im neuen Gewand, spannend zu lesen und mit einem durchaus glaubwürdigen Irland-Feeling. Für Anhänger der grünen Insel und verregnete Spätherbstabende ein lohnenswertes Lesevergnügen. Erstaunlich viele Morde, verteilt über eine Spanne von mehr als zwanzig Jahren, sorgen für reichlich Spannung und Abwechselung.

Aber: Ein nicht zu unterschätzendes Leseproblem ist die Vielzahl von ca. zwanzig Personen, welche teilweise zusätzlich erschwerend mit sich verändernden Namen auftreten. Es lohnt sich deshalb, auf kleinem Spickzettel ein Personenregister zu führen, um den Überblick zu bewahren. Bei der Krimis der rororo-Thriller-Serie aus längst vergangenen Zeiten war das übrigens Gang und Gebe. Versierten Lesern dürfte ein gut funktionierendes Kurzzeitgedächtnis von enormem Vorteil sein.

Es empfiehlt sich die Lesung am Stück, da müssen die demnächst eintreffenden Schulkinder einfach mal auf das anzurichtende Mittagbrot verzichten. Basta!

Bernd Neumann, Oktober 2007

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Krimi-Tina zu »Declan Hughes: Ein Ring aus Blut« 13.02.2010
Ed Loy wird gebeten die verschwundene Tochter eines Zahnarztes zu finden. Dieser wird mit höchst freizügigen Fotos seines Kindes erpresst. Ed nimmt den Auftrag an und kommt bald auf die Spur eines Familiendramas das den Vergleich mit einer antiken Tragödie nicht zu scheuen braucht.
Declan Hughes ist ein meiner Entdeckungen des Jahres 2010. Klassischer Hardboiled- Schreiber in dessen Büchern nach meinem dafürhalten alles stimmt. Und dieses zweite Buch gefällt mir durchaus noch besser als das Erste. Epischer und melancholischer. Ed läuft restlos desillusioniert durch die Gegend, verzweifelt an der Welt und lässt doch nicht locker wenn er glaubt ein Unrecht aufdecken zu können.
Kleiner aber sehr schöner Nebeneffekt: der titelgebende Ring aus Blut kommt tatsächlich (man wundert sich direkt) vor, und zwar in Form des Hämatit auch Blutstein genannt, ein grüner rotgeäderter Stein dem magisch Kräfte zugesprochen werden (schließlich sind wir in Irland). Und dieser Stein sowie generell die Farben rot und grün ziehen sich als ständig wiederholtes und variierte Motiv durch das ganze Buch.. Sehr schön, traurig und ganz besonders irisch
Mimi zu »Declan Hughes: Ein Ring aus Blut« 18.08.2008
Das Buch war extrem spannend und nur weiteremphehlbar!

der Autor versteht es wirklch alles mit einander zu verknöpfen !

Hat mir sehr spaß gemacht es zu lesen und ich wedre mir auf alle Fälle seon erstes Buch holen und gebe außerdem TOMTO recht, denn er/sie weiß wirklich was gut ist!!!

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Tomto zu »Declan Hughes: Ein Ring aus Blut« 17.05.2008
Habe heute erst dieses Buch beendet und kann es nur weiterempfehlen. Ed Loy wirkt für mich wie die irische Version von Mike Hammer. Jeder der Spillane oder auch Chandler mag, kann sich getrost dieses Buch kaufen.
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Chika45 zu »Declan Hughes: Ein Ring aus Blut« 08.04.2008
Ich finde beide Romane sehr gut! Wenn man sie liest geht nicht die spannung verloren. Dieses bücher Ein Ring aus Blut ist nur weiter zu empfehlen!
es ist einfach gut und man sollte es auf jedenfall gelesen haben.
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herbstmeier1806 zu »Declan Hughes: Ein Ring aus Blut« 05.04.2008
Ich habe gerade "Ein Ring aus Blut" von Declan Hughes gelesen und fand es einfach furchtbar. Tausend verschiedene Personen, die alle irgendwie miteinander verwandt sind und alle in ihrer Kindheit irgendwie misshandelt worden sind. Wirklich übel. Schon der Vorgängerroman "Blut von meinem Blut" war nicht unbedingt empfehlenswert, aber ich hatte gehofft, dass die Fortsetzung eventuell besser wäre. War sie aber nicht. Das war definitiv das letzte Buch von Herrn Hughes, das ich lesen werde...
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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