Der Preis des Blutes von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2009
unter dem Titel All the Dead Voices,
deutsche Ausgabe erstmals 2009
bei Rowohlt.
Folge 4 der Ed-Loy-Serie.
- London: HarperCollins, 2009 unter dem Titel All the Dead Voices. 320 Seiten.
-
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2009.
Übersetzt von Anja Schünemann.
ISBN:
978-3-499-25218-1. 320 Seiten.
'Der Preis des Blutes' ist erschienen als
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In Kürze:
Der Mord liegt 15 Jahre zurück. Das Opfer: Brian Fogerty, Haupt der Finanzbehörde. Der Angeklagte: Steve Owen, Liebhaber von dessen Frau. Doch Owen scheint unschuldig. Im Zuge der Ermittlungen stößt Privatdetektiv Ed Loy auf drei potentielle Täter: Bobby Doyle, früher IRA, jetzt Immobilienhai mit besten Beziehungen. Jack Cullen, gefürchteter Drogenboss. Und George Halligan, Ed Loys bester Freund …
Das meint Krimi-Couch.de: »Sicher durch nahezu undurchdringliches Gestrüpp«
Krimi-Rezension von Jochen König überspringen
Manchmal fragt man sich, welche unbelesenen Nulpen auf die Klappentexte dieser Welt angesetzt werden. Auch der Verfasser jener wenig aussagekräftigen Zeilen, die den Rücken des vierten Romans um den irischen Privatdetektiven Ed Loy zieren, kennt weder das vorliegende Buch, noch die in den vorigen Bänden entwickelte Biographie Loys. So heißt das Opfer, dessen lang zurückliegende Ermordung, auf Wunsch der mittleren Tochter Anne, Ed Loy untersuchen soll, nicht Brian Fogerty, sondern Fogarty. Auch die Behauptung, er sei »Chef der Finanzbehörde« gewesen, ist kompletter Blödsinn. Fogarty war lediglich ein aufmerksamer und pflichtbewusster Steuerprüfer, der auf Ungenauigkeiten in den Akten der Herren Bobby Doyle, Jack Cullen und George Halligan stieß. Was die Drei zu Hauptverdächtigen des Mordfalles macht. Zumindest hierin hat der lausige Lohnschreiber recht. Bobby Doyle »früheres IRA-Mitglied, jetzt Immobilienhai [besser -mogul] mit besten Beziehungen«, und der ebenfalls mit der IRA verbandelte Cullen, ein »gefürchteter Drogenboss«, bieten sich als potenzielle Mörder, bzw. Auftraggeber des Mordes geradezu an. George Halligan der Dritte im Bunde, mit dem geringsten Motiv, ist aber keineswegs »Ed Loys bester Freund«. Loy ist ihm bestenfalls in einer Art respektvollen Hasses verbunden. Sein »bester Freund« ist immer noch Tommy Owens, der im vorliegenden Band ein paar kleine, aber eindringliche Auftritte hat.
Sorglos benutzt Declan Hughes die vertrauten Stilmittel des Hardboiled-Krimis, bricht sie nicht einmal ironisch, und schafft es trotzdem, dass sie immer noch funktionieren. Das hängt damit zusammen, dass die Geschichte um die attraktive Klientin, in die sich der beauftragte Detektive nahezu zwangsläufig verguckt, nicht im Focus der Handlung steht. Eine ironische Volte gibt es allerdings doch, denn die körperliche Annäherung geht von Anne Fogarty aus, und nicht vom hormongesteuerten Ed Loy.
In einem weiteren Aspekt unterscheidet sich »Der Preis des Blutes« noch von seinen klassischen Vorbildern: wenn jemand zusammen geschlagen wird, bleiben körperliche Schäden und Schmerzen. Mindestens abgebrochene Zähne sind ein realistisches Tribut, nachvollziehbar für jeden, der selbst einmal mit der Faust eines unliebsamen Widersachers schmerzhafte Bekanntschaft gemacht hat.
Doch Loy hat größeres Unbill als handfeste Prügel zu befürchten, begibt er sich auf seiner Recherche zum fünfzehn Jahre zurückliegenden Mord zwischen die Fronten der IRA, der INLA (Irish National Liberation Army) und der ermittelnden, bzw. ihre Schäfchen schützenden Justizbehörden. Wenn auch Hughes die Bedeutung der INLA höher einstuft, als sie die Realität nahe legt, bleibt immer eindeutig, welch abträgliche Rolle die fanatische Politisierung privater Gesinnungen und Glaubensrichtungen spielt. Unschuldige werden zu Opfern, Schuldige werden geschützt, alles eine Frage der geltenden Interessen. Gerechtigkeit? Nur interessant, wenn sie den bestimmenden Kräften nützt. Doch wie das so ist in kapitalistisch ausgerichteten Gemeinschaften – manchmal regelt sich der Markt von selbst und unliebsame Zeitgenossen fallen ihrer eigenen Maßlosigkeit zum Opfer.
Hughes zeichnet ein düsteres Bild des gegenwärtigen Irland. Er findet keine freundlichen Worte für die IRA und ihren Kampf. Sein Augenmerk gilt den Opfern, die das Schlachtfeld manchmal nur wegen eines ungünstigen Timings nicht lebend und völlig grundlos verlassen.
Gerahmt von einem Attentat, das zwei der Protagonisten in tiefem Hass vereint, rollt Ed Loy einen Fall auf, dessen Ränder ständig mit der Politik kollidieren, dessen Zentrum aber eine rein private Katastrophe ist und bleibt.
Insofern ist es nur konsequent, dass Ed Loy, so sehr er sich und seine Existenz in Frage stellt, am Ende dem banalen Alltag mit Freuden die Hand reicht. Erleichtert wird ihm dies natürlich durch die Gegenwart einer attraktiven Frau …
Declan Hughes ist einer dieser Autoren, die ihre Leser sicher durch ein nahezu undurchdringliches Gestrüpp führen, um ihn am Ende aufatmen zu lassen, dass der Held die vertrackte Chose, beschädigt zwar, aber immerhin lebend, überstanden hat. Manchmal lockt sogar ein kleiner Bonus, der dieses eine, verdammte Leben so lebenswert erscheinen lässt. Unterschlagen wird nie, dass der Mensch den Zeitläufen unterworfen ist, dass seine Hoffnungen, Wünsche, Träume nichtig werden, wenn gewissenlose Politik meint, Schicksal spielen zu müssen. Unabhängig von allen skrupellosen Gewinnlern und simplen Verbrechern unter der Maske politischer Aktivisten, bleibt eins jederzeit Gesetz: der Mensch zeichnet sich besonders durch seine Fehlbarkeit aus. Eine Erfahrung, die ausnahmslos alle Figuren in Declan Hughes Büchern machen müssen.
Und die Schreibern von Klappentexten bewusst werden sollte, bevor sie ihre dappigen Texte öffentlich machen. Aber versteckt in der Anonymität kann man wüst Dinge behaupten, die jeder Grundlage entbehren. Seltsam, dass so etwas heutzutage noch funktioniert.
Jochen König, August 2009
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| Lylith zu »Declan Hughes: Der Preis des Blutes« | 15.09.2009 |
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