Blut von meinem Blut von Declan Hughes

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel The Wrong Kind of Blood, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Irland / Dublin, 1990 - 2009.
Folge 1 der Ed-Loy-Serie.

  • New York: William Morrow, 2006 unter dem Titel The Wrong Kind of Blood. 416 Seiten.
  • London: John Murray, 2006. 346 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006. Übersetzt von Tanja Handels. ISBN: 978-3-499-24142-0. 416 Seiten.

'Blut von meinem Blut' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Vor zwanzig Jahren verschwand Ed Loys Vater. Gleichzeitig entdeckte der damals achtztehnjährige Ed, dass seine Mutter eine Affäre hatte. Er bestieg das nächste Flugzeug nach Los Angeles und kehrte nicht mehr zurück. Doch nun ist seine Mutter gestorben. Ed Loy betritt zum ersten Mal nach zwanzig Jahren irischen Boden. Auf der Beerdigung trifft er seine alte Klassenkameradin Linda, die ihn bittet, nach ihrem verschwundenen Ehemann Peter zu suchen. Loy, der in Los Angeles als Privatdetektiv tätig war, nimmt den Auftrag nur widerstrebend an. Als er jedoch auf Peters Segelboot eine Fotografie seines Vaters findet, ist sein Jagdinstinkt geweckt. Kurz darauf wird bei der Sanierung des Rathauses eine zwanzig Jahre alte Leiche gefunden …

Das meint Krimi-Couch.de: »Blutsbande in keltischer Kälte« 72°

Krimi-Rezension von Bernd Neumann

Man unterscheidet sechs verschiedene Untergruppen: Tropfen, Flecke, Spritzer, Streifen, Schlieren und Lachen. Die Rede ist nicht von amateurhaften Malerarbeiten, sondern vom Blutspurensystem innerhalb der Forensik.

Die Krimi-Scouts um Harry Rowohlt haben mutig und entschlossen zugeschlagen: Sie sicherten sich den 2006er Erstling The Wrong Kind of Blood des Krimi-Neulings Declan Hughes und haben diesen blitzschnell als Blut von meinem Blut für die deutsche Krimigemeinde marktfähig gemacht. Nach den ersten Verkaufsbestenlisten dürften sich die Entscheidungsträger strahlend die Hände reiben!

Declan Hughes ist von Hause aus erfolgreicher Dramatiker, Regisseur und Theatergründer in Irland. Mit seinem Privatdetektiv Edward »Ed« Loy setzt er die traditionsreiche Garde irischstämmiger Detectives und Sergeants (am erfolgreichsten bislang zweifelsohne in ihrer Wahlheimat Boston das Ermittlerpärchen Patrick Kenzie & Angela Gennardo vom Krimi-Barden Dennis Lehane) fort.

Edward Loy – very Irish

Ed Loy ist ebenso wie Kenzie/Gennardo vor mehr als zwanzig Jahren in den Zeiten irischer Wirtschaftsrezession in dasLand der unbegrenzten Möglichkeiten ausgewandert und seitdem als Privatdetektiv auf der Suche nach Vermissten in San Francisco tätig. Der Umgang mit Gangstern und Ganoven gehört zu seinem Alltagsgeschäft und haben diesen Mann geformt, widerstandsfähig und zäh gemacht.

Natürlich hat auch Ed Loy (mal wieder) die typischen Merkmale eines Privatdetektivs, welche sich jedoch noch steigernd mit irischen Tugenden verquirlen: er ist geschieden und er ist trinkfest, besonders im kontinuierlichen Verbrauch von Whisky der Marke Jameson. Er hat eine enorm hohe Schmerzerleidensgrenze, schlittert schnell in Frauenaffären und – das sei besonders hervorgehoben – kann seine irischen Kindheitserinnerungen, getränkt mit viel Blut, Schweiß und Tränen, nicht einfach so abnabeln.

In seiner Mentalität erinnert Ed Loy stark an Harry Hieronymus Bosch, diesen sympathischen, melancholischen und zugleich energischen Ermittler in Michael Conellys Krimireihe. Auch Bosch will Klarheit über seine familiären Wurzeln, Der letzte Coyote sei hier nochmals nachhaltig empfohlen.

Unwiderstehlich wird Ed Loy von der Vergangenheit eingeholt, als er zur Beisetzung seiner Mutter eher anstandsmäßig und damit unfreiwillig in das Land seiner Kinder- und Jugendjahre zurückkehrt.

Ebenso bemerkenswert formuliert Declan Hughes den allerersten Satz in seinem Kriminalroman:

»Am Abend nach der Beerdigung meiner Mutter hatte Linda Dawson an meiner Schulter geweint, mir die Zunge in den Mund geschoben und mich gebeten, ihren Mann zu suchen.«

Welcher hartgesottene Cop mit irischem Stammbaum, keltischen Genen und einer – wenn auch nicht aktuell gültigen – Lizenz zum Schnüffeln könnte dem widerstehen? Ed Loy jedenfalls nicht, und so startet er konsequent seine Ermittlungen im Auftrag seiner befreundeten Bekannten.

Vom zwecklosen Versuch, seiner Vergangenheit zu entkommen

Im weiteren Verlauf seiner aufwändigen und vielschichtigen Untersuchungen verwuselt sich Ed Loy immer tiefer im undurchsichtigen, eng verwobenen Kleinstadtfilz, den er nur mit großer Mühe und bei hoher Selbstgefährdung auflösen kann. Das für Edward Loy bedenkliche an dem Fall wird immer mehr die sich verhärtende Tatsache, dass seine verstorbene Mutter und sein damals spurlos verschwundener Vater an der düsteren Vergangenheit der nur scheinbaren harmonischen Idylle irgendwie beteiligt sind.

Immer mehr entwirrt sich die ursprüngliche Entführungsaufklärung zu einem schicksalhaften und langjährigen Politikum in der tristen Atmosphäre von kleinen Pubs und klebrigem Geld. Es wird offensichtlich: hier hat sich im Laufe der Jahre mehr und mehr das Blut mit Whisky, Geld und Drogen verpanscht. Und mittendrin steckt Ed Loys Vater, einer der drei Musketiere …

Und immer wieder stößt er bei seinen Ermittlungen nicht nur auf pure Gewalt, sondern mehr noch auf die eherne irische Lebensmaxime »Was immer du sagst, sag nichts« und muss letztendlich feststellen, dass gerade Blut nicht alles sagt.

Declan Hughes ist ein beachtlicher Erstling, ein durchaus lesenswerter Kriminalroman gelungen. Scheinbar mühelos findet er die passenden Worte, um irisches Flair zu vermitteln: immer wieder faszinierend ist das enge Beieinander von Freundschaft und Hass der Hauptakteure, die sich seit ihrer gemeinsam verbrachten Sandkastenbuddelzeit bestens bekannt sind.

In Blut von meinem Blut werden Typen so schön plastisch beschrieben, dass man die Vorstellung gewinnt, sie beim Öffnen der Zimmertür leibhaftig vor sich zu sehen – vorausgesetzt, man traut sich.

Und dann diese knappe Schilderung von bedrückendem, armseligem (irischem) Familienmuff, der den Leser förmlich zwingt, kurzzeitig etwas flacher zu atmen:

»Es roch penetrant nach Feuchtigkeit, Staub, Reinigungsmittel und Bratensoße. Auf einer Furnierkommode im Wohnzimmer stand eine ganze Fotogalerie in billigen Rahmen.«

Oder diese überaus selbstkritische und desillusionierende Selbstbeschreibung des Arbeitsfeldes von Ed Loy als Privatdetektiv (die nicht zuletzt ein eindrucksvolles Beispiel der stilvollen, sehr gelungenen Übersetzung ist!):

»Meistens beschränkt es sich darauf, Nächte im Auto zu verbringen, kalten Kaffee zu trinken, durchgeweichte Sandwiches zu essen und in eine Flasche zu pinkeln, um einen Ehemann zu fotografieren, wenn er aus der Wohnung seiner Geliebten kommt, die Fotos dann seiner Ehefrau zu geben und zu wissen, dass der einzig Glückliche am Ende der Scheidungsanwalt ist.«

bzw.:

»Es ist nun mal Teil des Jobs, darauf zu warten, dass nichts passiert; manchmal glaubt man sogar, dass der Job aus nichts anderem besteht.«

Blut von meinem Blut ist neben sehr schöner und aufwändiger Einbandgestaltung, großartiger Übersetzung (Tanja Handels mit Förderung des Literarischen Colloqiums Berlin) ein empfehlens-, weil lesenswerter Irlandkrimi, in dem typische Familien- und Freundesbande, Landschaft und Atmosphäre dieser eigenwilligen Region eindrucksvoll beschrieben werden.

Bernd Neumann, Juli 2006

Ihre Meinung zu »Declan Hughes: Blut von meinem Blut«

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Eve_03 zu »Declan Hughes: Blut von meinem Blut« 14.10.2011
Neben der Story hat mir am besten der Schreibstil gefallen. Einige Passagen habe ich mehrmals hintereinander gelesen, so gut fand ich die Formulierungen und Ausdrucksweise.

Auch die in Schreibschrift eingefügten Erkenntnisse über Blut fand ich sehr interessant.

Überraschender Schluss - für mich jedenfalls!
Feldlerche zu »Declan Hughes: Blut von meinem Blut« 25.01.2011
Gut! Spannend, viel irisch roothaarige Dickschädeligkeit und dementsprechendem Humor über die aktuelle Wirtschaftskrise. Wer die Nase voll hat von überirdischen Serienkillern und schrägen Profilern, die goldene Eier legen lassen, der wird bei Declan Hughes "Blut von meinem Blut" wieder richtig auf seine Kosten kommen.

Zur Handlung:
Ein einsamer imigrierter Wolf kommt aus den USA in seine Heimat Irland zurück um seine Mutter zu begraben. Dabei stößt er auf alten irischen Politfilz und die Leiche seines vor 20 Jahren ermordeten Vaters verlangt nach Rache.

Viele Handlungsstränge sind vielfältig und das Ende ist absolt Sahnemässig gelungen. Sehr gute Unterhaltung, die man auch gerne 2- oder 3-mal lesen kann. Viel Spaß beim Lesen.
Krimi-Tina zu »Declan Hughes: Blut von meinem Blut« 23.01.2010
Der Privatdetektiv Ed Loy kehrt nach langen Jahren in Amerika nach Hause zurück um seine Mutter zu beerdigen. Er trifft eine Jugendliebe, die ihn bittet ihren verschwundenen Ehemann zu suchen. Loy willigt ein und landet unversehens in einem Wirbel aus Betrug, Korruption und Mord. Dessen Wurzeln in der Vergangenheit aller Beteiligten, einschließlich der Loys liegen.
Klingt bekannt? Ist es auch! Blut von meinem Blut ist ein Hardboiled der ganz klassischen Schule. Mit dem Unterschied, dass der Schauplatz in Irland liegt. Und wie ich beim Lesen festgestellt habe gibt für diese Art Story wohl kaum einen besseren Schauplatz als dieses Insel wo jeder mit jedem irgendwie verwandt ist und die prinzipielle Devise heisst: was immer du sagst, sag nichts. Dazu noch etwas Schwermut, von der Loy jede Menge hat, viel Whisky, sauberes Handwerk und heraus kommt ein spannender und mitreißender Krimi. Bei dem Hughes zum Glück auch auf ein aufgesetztes Happy End verzichtet hat.
Zum Thema Whisky: ja es wird reichlich getrunken in dem Buch. Aber bitte : Was erwartet ihr von einem Hardboiled Krimi in Irland?
Den anderen hier öfters angeführten Punkt, das mangelnde Irland-Flair, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Möglicherweise haben die Rezensenten ein romantischeres Bild von Irland als ich aber ich fand gerade die Atmosphäre besonders gut getroffen.
Hat mir ausgezeichnet gefallen, empfehle ich jedem Fan des Genres.
Bartensen zu »Declan Hughes: Blut von meinem Blut« 15.02.2009
Der amerikanische Privatdetektiv irischer Abstammung kehrt zur Beerdigung seiner Mutter nach Irland zurück. Eine frühere Klassenkameradin bittet ihn später, ihren Mann zu suchen.
Das ist nur Auftakt zu einem wirren Tohuwabohu aus tief in der Vergangenheit verwurzelten Familiendramen, Korruption, Drogenhandel und natürlich auch Mord.
Die Transformation der hardboiled-detective-novel aus der Urbanität der amerikanischen Metropolen in das ländlich-provinzielle Umland von Dublin, gelingt nur zur Hälfte. Der Anteil von Drogenwracks, in Slum-ähmlichen Gegenden wohnenden Menschen, der Großgangster mit ihren Villen und ihren in Fingern in der großen Politik macht es schwer, ein wenig irische Atmosphäre in diesem Roman zu finden, geschweige denn, diesen von einem amerikanischen Roman zu unterscheiden. Dazu ist mit Ed Loy die Hauptperson ein ganz typisches amerikanisches Wesen ganz im Stile von Philip Marlowe oder Harry Bosch.
Bereits auf den ersten siebzig Seiten wird man mit gefühlten 248 Namen und ihren Beziehungen untereinander bombardiert, reichlich Plot ist bereits passiert, bevor auch nur eine dieser Gestalten ein wenig an Kontur gewonnen hat.
Erst danach kehrt ein wenig Ruhe ein, die handelnden Personen gewinnen an Profil, bekommen Geschichte und Leben eingehaucht, ins Chaos kommt ein wenig Ordnung und ein wirklich spannender Plot kristallisiert sich heraus.
Ed Loys selbst miteingebundene Lebensgeschichte (in Form seines verschwundenen Vaters) rückt die Atmosphäre des Romans in die Nähe der Romane von Raymond Chandler oder Ross MacDonald, ohne jedoch deren Tiefe zu erreichen.
Blut von meinem Blut ist zwar sehr spannend, krankt aber an seiner Austauschbarkeit. Ich werde sicherlich diesem Autoren noch seine Chancen geben, in der Hoffnung, ein wenig mehr Irland und seine Gestalten in seinen Büchern zu entdecken.
Auch wenn sich dieser Kommentar eher negativ anhören mag, sind 75° mit Tendenz nach oben drin (rein aus "Krimi-Sicht" gesehen)
Heaven23 zu »Declan Hughes: Blut von meinem Blut« 04.03.2008
ich habs erstanden als Mängelexemplar, war vielleicht auch ganz gut so. Hätte ich 9 Euro dafür ausgegeben, hätte ich mich wohl geärgert! Die gesuchte Spannung kam stellenweise gar nicht auf, einfach stukturiert leider. Ich fand nichts positives daran und Bio Fan hat recht..ALkohol wo man nur hin sieht ! Schade !
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bio-Fan zu »Declan Hughes: Blut von meinem Blut« 18.11.2007
Da meine beiden Vorschreiber die irischen Whiskeys so lobend erwähnen und die werden im Laufe der Geschichte nun reichlich konsumiert, eine kritische Bemerkung dazu. Ich weiß nicht, ob das nun irischer Alltag ist oder ob Hughes nur gängige Klischees bedient- ich finde es erschreckend, dass hier nur positive Aspekte des Alkohols herausgestellt werden, ob nun morgens, mittags oder abends. Es wird peinlich viel gesoffen und nicht einer hat einen Kater.
Anyway!
Die Crimestory ist eher blass und richtig Spannung kommt nicht auf, das kenne ich besser von Michael Connelly und Dennis Lehane(beides mit irischem Hintergrund, aber in den USA spielend)..
Positiv fällt Hughes´Schreibstil auf- schnörkellos, prägnant, modern mit einem Quentchen Humor- das macht schon Spaß.
heyfisch zu »Declan Hughes: Blut von meinem Blut« 19.08.2007
Ein Privatdetektiv in Dublin, der selber viel einstecken muß und auch dann weiter ermittelt, wenn er nicht bezahlt wird. Sowas erwartet man eher aus den USA. Die Übernahme dieser Figur nach Irland ist aber gut gelungen und es macht Spaß das Ergebnis zu lesen. 80 Grad! Allerdings sollte er lieber Powers trinken, das ist der irischiste der Wiskeys.
Nickie zu »Declan Hughes: Blut von meinem Blut« 17.04.2007
Ein Zufallskauf im Supermarkt - was macht man nicht alles, wenn einem im Urlaub der passende Lesestoff ausgeht - und es war ein Glücksgriff.

Es ist ein spannender Krimi mit einem echt irischen "Privatdetektiv", der sich selbst so gar nicht in Irland sieht.
Er hat Macken und Ecken - das macht ihn liebenswert.

UND: Er trinkt den richtigen Whiskey- einer der besten auf der Welt. Alleine dafür habe ich ihn ins Herz geschlossen.
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