Tropenfieber von Daniel Dubbe

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei Edition Nautilus.
Ort & Zeit der Handlung: Madagaskar, 1990 - 2009.

  • Hamburg: Edition Nautilus, 2005. ISBN: 3894014563. 160 Seiten.

'Tropenfieber' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Richard C. Karter hat schon diverse Karrieren hinter sich, als er von der Hamburger Detektei Brinkmann & Partner als Tropenforscher in Madagaskar eingesetzt wird. Auf der Suche nach seinem smarten und wesentlich jüngeren Kollegen Holger Markmann, der den Kultbuchautor Sergej Limonov aufspüren sollte und dabei ebenfalls verschwand, gerät er in den Dschungel der Großen Insel. Er trifft den alternden Gouverneur der Vanilleprovinzen und seine wunderschöne Geliebte; den Polizeichef, der für jede finstere Spezialaufgabe zu haben ist; den französischen Konsul und einen madegassischen Theaterautor, der sich für gewisse Dienste ein Stipendium in Paris erwirkt hat; europäische Touristen und junge einheimische Frauen, die nichts lieber täten, als diese heißen und aussichtslosen Tropen sofort zu verlassen. Und schließlich findet er auch den russischen Schriftsteller Sergej Limonov, allerdings unter Umständen, wie er sie sich vorher nicht hat vorstellen können.

Das meint Krimi-Couch.de: »Wo der Pfeffer wächst« 68°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Richard C. Karter ist ein belesener und erfahrener Mitarbeiter einer Hamburger Detektei. Er wird beauftragt, Erfolgsautor Limonov aufzuspüren, der vor einem Jahr vor Verleger, Agent und insbesondere vor seiner Frau geflohen und irgendwo in Madagaskar verschwunden ist. Bei der Gelegenheit kann Karter gleichzeitig auch den jüngeren Kollegen Markmann suchen, der zunächst mit dem Fall betraut war, dann aber ebenfalls verschwand. Einige Berichte, die Markmann vor seinem Abtauchen nach Deutschland übermitteln konnte, dienen Karter als erste Anhaltspunkte und Anlaufstationen im Land, wo der Pfeffer wächst.

Die Fährte ist schnell aufgenommen …

Der Leser lernt jedoch recht schnell, dass auf Madagaskar auch große Vanilleplantagen zu finden sind. In diese Region im Norden der Insel führt unumwunden die Spur des verschwundenen Autors. Hier trifft der Detektiv einen in die Jahre gekommenen Gouverneur, einen ehrgeizigen Polizeichef, einen gestrandeten russischen Diplomaten, Sextouristen und zwielichtige Hotelchefs. Die Frauen, denen er begegnet, scheinen sich allesamt in ihrer verzweifelt armen Situation bereitwillig der Prostitution hinzugeben. Wem er nicht begegnet, ist Sylvie. Sylvie ist eine femme fatale, eine bildhübsche junge Frau, die allen Männern beim bloßen Anblick den Kopf verdreht. Jene Sylvie scheint beim Verschwinden des Schriftstellers eine zentrale Rolle zu spielen, denn er hielt sich zum Argwohn aller wochenlang in ihrem Haus auf.

 …und verliert sich dann wieder

Das strukturelle Grundgerüst des Romans ist zu Beginn gut gewählt. Der Sprung aus dem Hamburger Detektivbüro über Paris an einen Strand Madagaskars ist rasant und geht in einem beinahe schon ungehörigen Tempo vonstatten. Karter muss Spuren nur aufnehmen, er braucht sie nicht erst noch zu entdecken. Die Erzählung galoppiert voran; das ist gut gemacht. Leider verliert der Autor seine Zielstrebigkeit ein wenig, indem er in der zweiten Hälfte beginnt, Rückblenden einzustreuen. Ab hier muss man dann manchmal raten, an welcher chronologischen Stelle der Handlung man sich befindet, da die Rückblenden durchaus schon mal zwei oder drei Kapitel dauern, dann aber ohne Vorwarnung wieder in die Gegenwart zurückgesprungen wird.

Den Leser erwartet eine Tragödie. Alle Charaktere sind an einer Stelle in ihrem Leben gescheitert und müssen nun mit ihrem eigenen Elend zu Recht kommen. Lebhaft und interessant sind die Monologe, in denen die Lebensgeschichte einzelner Charaktere erzählt werden. Aber so vielschichtig die Männer in diesem Roman sind, so ähnlich werden sie sich wieder in ihrem Chauvinismus. Die Frauen Madagaskars hingegen sind austauschbar, haben sich ihrer Rolle als reines Lustobjekt im Zusammenleben mit den armseligen Männern abgefunden und erhoffen sich einen Ausweg aus der Misere, indem sie sich den spärlichen Touristen, die das Land bereisen, zum Sex gegen Geld anbieten. Doch genau das muss den madagassischen Männern nicht unbedingt gefallen …

Viel zu teuer!

Der Autor kennt Madagaskar aufgrund mehrerer Reisen und er bietet den Lesern viele Beobachtungen, die seinen Blick fürs Detail erkennen lassen. Es mag verwunderlich klingen, aber mir war beim lesen stets, als würde der betörende Duft von Vanille durch den Raum schweben. Die Zeitsprünge in der zweiten Hälfte des Romans trüben leider den insgesamt guten Gesamteindruck. Darüber hinaus bleibt der Preis des Büchleins ein ganz wesentlicher Kritikpunkt. € 12,90 für ein 160 Seiten dickes Werk ist schlichtweg eine Unverschämtheit und trübt die Krimi-Couch-Bewertung ganz wesentlich.

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Hartmuth Malorny zu »Daniel Dubbe: Tropenfieber« 04.01.2006
Der "achte" Kontinent

Unter dem Titel steht: Kriminalroman. Den Fall, den der Privatdetektiv Richard C. Karter ans Tageslicht befördern soll, handelt vom Kultbuchautor Sergej Limonov, der irgendwo auf Madagaskar verschollen ist.
Das ist Daniel Dubbes Feld: Schriftsteller, Drehbuchautor und Reisejournalist. Er kennt Madagaskar und das Tropenfieber - salopp gesagt - wie seine eigene Westentasche, und darum ist dieses Buch auch ein Reiseführer. Man könnte hinfliegen und die Wege nachzeichnen, die sein Protagonist Karter auf der Suche nach dem Verschollenen Limonov begeht. In den Reisereportagen “Große Insel fern südlich” (1989 im Nautilus-Verlag erschienen) bespricht er im gleichnamigen Text die Insel Madagaskar, der mit den Worten anfängt: “Sieht aus wie die Schweiz.”
Natürlich ist “Tropenfieber” ein Kriminalroman. Auf Seite 6 werden die Personen der Handlung aufgeführt: Neben dem Privatdetektiv Karter ein Dr. David Kassowitz, der Geld verspielt hat, das ihm nicht gehörte; Raymond Lemercier, Hotelbesitzer, “hält Krokodile im Zwinger”; General Rasolofo, Gouverneur der Vanilleprovinzen; Jean-Noel Siraka, Polizeichef; sowie die junge und schöne Sylvie, die eigentlich von allen begehrt wird. Auch der französische Staatspräsident Jacques Chirac taucht kurz auf und als Boris Jelzin anruft, “natürlich wieder einmal, um ihn, die Grande Nation, anzupumpen”, hebelt Chirac, aus dem fernen Frankreich über Moskau, ein wenig zurecht.
Karter landet also in Tamatave, bezieht im Hotel Generation Quartier, geht später in die Bar Vaudou und bekommt etwas davon zu spüren, wie viele der einheimischen Frauen ihren Lebensunterhalt verdienen: “Ich kann dich ein bisschen glücklich machen”, sagte sie. “Ich bezahl dir eine Cola, aber was das Weitere betrifft, bleibe ich lieber unglücklich.”
Neben dem Spannungsbogen, den Dubbe in Rückblicken zieht, sind es seine Dialoge, die er gekonnt beherrscht - an die gesprochene Sprache gelehnt.
Man braucht nicht auf jeder Seite eine Leiche, um diesem Karter zu folgen, der im Auftrag der Firma Brinkmann&Partner erstens nach seinem ebenfalls vermissten Kollegen Markmann Ausschau hält, zweitens den Exil-Russen und Autor Limonov sucht. Stück für Stück arbeitet sich Karter sozusagen investigativ nach vorne, und präsentiert schließlich (wenigstens?) den Kopf einer Leiche. Daniel Dubbe gibt dem Leser daneben einen Eindruck der afrikanisch-madagassischen Denkens-, Verhaltens- und Lebensweise, denn Madagaskar, „Achter Kontinent“ und “Insel voller Zauber und Irrlicht”, aber auch 64 Jahre Kolonialmacht, liegt im Schnittpunkt französischer, also europäischer Einflüsse und afrikanischer Kultur, weil seit der Unanbhängigkeit 1960, (dazwischen die Stippvisite einer Militärdiktatur von 1972 bis 1975), sich die Insel erst wieder Anfang der 80er Jahre dem Westen näherte.
Sylvie möchte nach Europa, eventuell Amerika. Ihretwegen liegen die beteiligten Männer im Clinch. Sie hatte ein Verhältnis mit Markmann, dem Polizisten Siraka, dem Hotelbesitzer Lemercier, ist die offizielle Geliebte des Generals Rasolofo und gleichzeitig eine Art Schlüsselfigur dieses Buches, wiewohl sie in dem alten Schriftsteller Limonov - neben Leidenschaft - noch etwas anderes sieht: “Er war kaputt und enttäuscht. Er hatte so viele Bücher geschrieben. Aber dann hat er gemerkt, dass er Beifall von der falschen Seite bekam, dass es sinnlos ist, diese kleinen schwarzen Zeichen aufs Papier zu setzen. Künstler waren für ihn Narren.”
Und wo das Intellekt (gleich dem Geld) eine junge madagassische Frau anzieht, da reizt sie die Ferne, der reiche Westen, um etwas ausgeben zu können, weswegen sie die anderen Männer verlässt und Limonovs Trinkerei erträgt, Hauptsache, er entschließt sich endlich mit ihr abzureisen. “Was ist denn so schlecht an Europa?”, fragt sie. “Es ist zu kalt.”
“Hier ist es viel zu heiß.”
Aber Limonov will nicht, er hält Europa für dekadent, ausbeuterisch und weiß, wer ihm auf den Fersen ist. Das wissen auch Siraka, der General und David Kassowitz - alter Gegenspieler Limonovs - und der meint, von Karter darauf angesprochen: “Verschwunden - aus eurer Sicht. In Wirklichkeit ist er seiner eigenen Wege gegangen, den ihr nicht kontrollieren könnt ...”
Während Karter die manchmal gewollt ausgelegte Spur beschreitet, denn Madagaskars Geheimdienst ist noch immer von Moskau und Paris infiltriert, findet er zuerst Markmann (?), dann Limonov, der ihm seine Flucht so erklärt: “In Deutschland verfolgen mich, in dieser Reihenfolge: meine Frau, mein Agent und mein Verleger, der ein neues Buch von mir wollte ...” Doch das ist nicht der Schluss, den erklärt Dubbe, alias Karter, überraschend.
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Carlos von Kent zu »Daniel Dubbe: Tropenfieber« 13.11.2005
In dem Tropen-Krimi von Daniel Dubbe gibt es keine Schießereien, es wird nicht gemeuchelt, erpresst oder entführt. Aber es gibt zwei Detektive aus dem kühlen Norden Deutschlands. Einer davon wird – auf der Suche nach einem verschollenen russischen Bestsellerautor („Ein Iwan in New York“) – ausgerechnet im tropischen Madagaskar bald selber vermisst wird. Der andere, vom Leben gebeutelt und nun auf der Fährte seines Kollegen, tastet sich durch eine Insel voller Zauber und Irrlicht, die zwar zum Schwarzen Kontinent gehört, gleichzeitig aber viel geheimnisvoll-asiatisches in sich birgt. Mit knapper, klarer Prosa führt der Autor seine Leser durch das psychologische Unterholz seiner Figuren, deren Aktionen von Intrigen und durch die Versuchungen lasziver einheimischer Schönheiten gesäumt sind. In coolen Dialogen zeichnet er ganz nebenbei kritische Kulturkontraste zur schein-heilen Welt des alten Europa mitsamt seiner langweiligen Sicherheit gutgefüllter Konten („Es gibt nichts Wildes mehr ... und die Menschen haben keine Zeit.“). In „Tropenfieber“ werden zudem die Undurchdringlichkeit der afrikanischen Seele skizziert und die Merkwürdigkeiten der dort lebenden Weißen, durchgehend eigenbrötlerische Typen wie der Hotelier, der Krokodile hält, der französische Konsul, ein gestrandeter russischer Diplomat und ein Sextourist.
Am Schluss gibt es einen Toten und der versoffene Bestsellerautor taucht wieder auf. Aber die Erklärung vorwegzunehmen, warum dessen Buch, das in 42 Sprachen übersetzt werden sollte, dann doch nicht erscheinen kann, wäre dem Leser gegenüber irgendwie kriminell.
Martin Brinkmann zu »Daniel Dubbe: Tropenfieber« 11.09.2005
Traurige Tropen

von Martin Brinkmann

Daniel Dubbe, Jahrgang 1942, ist ein alter Hase des deutschen literarischen Undergrounds. Der gebührende Erfolg ist dem Hamburger in seiner langjährigen Schriftstellerkarriere nie beschieden gewesen. Dennoch scheint er sich die nötige Unbeschwertheit bewahrt zu haben, um gute lesbare Literatur zu produzieren.
Sein neues Buch trägt die Gattungsbezeichnung „Kriminalroman“ wohl nur aus verkaufsstrategischen Gründen. In Wahrheit hat der Autor mit „Tropenfieber“ ein Stück schöner Literatur vorgelegt, das sich keinesfalls im kriminologischen Plot erschöpft. Der Roman ist gleichzeitig ein detailfroher Reisebericht aus Madagaskar, dem Land der Lemuren, Chamäleons und Affenbrotbäume, sowie ein mit literarischen Anspielungen und erfreulich wütenden kulturtheoretischen Reflexionen bestücktes Schelmenstück.
Auf der Suche nach dem Bestsellerautor Sergej Limonov, dem Verfasser von „Ein Iwan in New York“, ist ein Privatdetektiv der Kanzlei Brinkmann & Partner auf Madagaskar verschollen. Richard C. Karter macht sich auf die Suche nach seinem jüngeren, weitaus dynamischeren Kollegen Holger Markmann. Die Recherche führt ihn direkt in das fröhlich-finstere Herz des Minikontinents.
Hier erwarten den vom Leben mehrfach niedergeschlagenen Privatdetektiv alternde Provinzfürsten und ihre schönen Geliebten, zu allem entschlossene Ordnungskräfte, ein französischer Konsul und ein madegassischer Theaterautor. Auch europäische Sex-Touristen kreuzen seinen Weg sowie laszive einheimische Frauen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als endlich wegzukommen aus diesen heißen traurigen Tropen. Schließlich trifft er unter unvorhersehbaren Umständen doch noch auf den versoffenen Zyniker Limonov.
Daniel Dubbe schreibt eine lakonische Prosa. Seine besondere Stärke ist das Verfassen cooler Dialoge. Den bisweilen etwas lockeren Umgang mit den Erzählperspektiven verzeiht man ihm leicht.
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