Evangeline von D.W. Buffa

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel The Tragedy of the Evangeline, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Marebuchverlag.

  • --: --, 2005 unter dem Titel The Tragedy of the Evangeline.
  • Hamburg: Marebuchverlag, 2005. Übersetzt von Gunnar Kwisinski. ISBN: 3936384398.
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2007. Übersetzt von 358. ISBN: 978-3-596-17454-6. 358 Seiten.

'Evangeline' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Die Evangeline, eine hochmoderne Segelyacht der Superlative, ist in einem Sturm gesunken. Vierzehn Männer und Frauen konnten sich in ein Boot retten, darunter der Kapitän der Evangeline, Vincent Marlowe. Marlowe steht vor Gericht. Er ist für den Tod von sechs Menschen verantwortlich. Doch wird nicht die Frage verhandelt, ob er sie getötet hat. Verhandelt wird die Frage, ob er eine Wahl hatte – ob er wirklich tun musste, was er getan hat. Vor den Geschworenen steht ein Mann, der sich in höchster Not gezwungen sah eine Entscheidung zu treffen: Menschen mussten sterben, damit andere leben konnten. Die erschütternden Aussagen von Marlowe und den anderen, ihm zutiefst dankbaren Überlebenden, bringen im überfüllten Gerichtssaal Stück für Stück eine Wahrheit ans Licht, über die zu richten mit von Menschen gemachten Gesetzen nicht mehr möglich ist.

Das meint Krimi-Couch.de: »Mit diesem fulminanten Gerichtsthriller schreibt sich Buffa locker in die Erste Liga.« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Benjamin Whitfield lädt 19 Freunde zu einem unvergesslichen Urlaub ein. Von Nizza ausgehend soll Afrika umsegelt werden und dies auf seiner neu erbauten Evangeline, der modernsten Segelyacht der Welt. Die achtköpfige Crew startet unter Anleitung des erfahrenen Kapitäns Vincent Marlowe, doch auf offener See gerät die Yacht in einen furchtbaren Orkan und sinkt innerhalb von nur zwei Minuten. Ein Seenotruf ist nicht mehr möglich, da die gesamte High-Tech ausfällt. Gerade einmal 14 Menschen können sich in dieser ausweglos erscheinenden Situation in eines der Rettungsboote, einen für maximal zehn Personen konzipierten Zodiac, retten …

40 Tage später entdeckt das Frachtschiff White Rover auf dem Atlantik das Rettungsboot der Evangeline. An Bord befinden sich nur noch sechs lebende Personen in völlig verwahrlostem Zustand und die Leiche einer siebten Person, deren Kopf und Extremitäten fehlen. Das Undenkbare war geschehen. Marlowe sah während der fast anderthalb Monate langen Irrfahrt nur eine Chance, wenigstens ein paar Menschen zu retten. Ein Bootsinsasse musste getötet werden, damit die anderen sich von ihm ernähren konnten. Insgesamt fielen auf diese Weise sechs Menschen dem Kannibalismus zum Opfer.

Doch hatte Marlowe überhaupt eine Wahl? Alle Passagiere wären sicher gestorben, hätte er seine Entscheidung nicht getroffen, aber rechtfertigt dies den mehrfachen Mord? Staatsanwalt Michael Roberts scheint ein einfacher Prozess bevorzustehen, da Marlowe die Morde gestanden hat und bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen. Ein Entgegenkommen der Staatsanwaltschaft, angesichts der einzigartigen Ausnahmesituation in der sich alle Bootsinsassen befanden, lehnt er ab. Bliebe also nur noch Marlowes Verteidiger, der ebenso legendäre wie alte und gesundheitlich angeschlagene William Darnell …

Ist eine Entscheidung nach menschlichen, moralischen Maßstäben hier möglich?

Vorsicht! Wer hier angesichts des letzten Satzes zum Inhalt nun einen weiteren kitschigen und gefühlsduseligen 08/15-Roman aus den Staaten erwartet, liegt im vorliegenden Fall völlig falsch. Vielmehr ist »Evangeline« ein Gerichtsthriller erster Güte. Ja, richtig gelesen, ein Gerichtsthriller, denn rund 85% der Story spielen im Gerichtssaal, in dem sich Roberts und Darnell ein packendes, ein brillantes Duell liefern. Den Rest der Story begleiten wir Darnell in den Prozesspausen und privat, vorwiegend begleitet von seiner Lebensgefährtin, mit der er den Verlauf des Prozesses und die damaligen Geschehnisse diskutiert.

Der Roman glänzt dadurch, dass hier keine Paragraphenreiterei betrieben wird, sondern vielmehr auf die moralische Ebene abgestellt wird. Durfte Marlowe Menschen töten damit andere überlebten, obwohl er zum Zeitpunkt der Tat davon ausging, dass ohnehin alle sterben würden? Hätte ein Mord nicht gerade deshalb vermieden werden müssen, da nicht erkennbar war, ob nicht vielleicht schon am nächsten Tag ein Schiff zur Rettung vorbei kam? Kann er sich auf den sog. Notstand berufen, denn das ist hier die einzig relevante Frage: Marlowe steht zwar wegen Mordes vor Gericht, doch der Punkt ist nicht, ob er tatsächlich gemordet hat, sondern ob er morden musste, weil ihm keine Wahl blieb?

»Was wir getan haben, war nicht falsch. Falsch war nur, dass wir es überlebt haben.«

Trotz der zahlreichen juristischen Spitzfindigkeiten mit denen sich Roberts und Darnell duellieren ist das Buch auch für »Nichtjuristen« hervorragend geeignet. Und obwohl die Handlung überwiegend im Gerichtssaal spielt, kommt durch die Vernehmung mehrerer Zeugen eine enorme Spannung auf, denn ganz so einfach und offensichtlich wie es scheint, war es dann damals auf der Yacht und anschließend auf dem Zodiac wohl doch nicht. Nach und nach wird die ganze Tragödie an Bord des Rettungsschiffes offenbar und spaltet den Leser innerlich mehr und mehr. Kann hier ein gerechtes Urteil überhaupt gefällt werden? Zunächst erscheint die Antwort einfach: Ja, denn Mord ist Mord, doch D. W. Buffa legt den Finger in die vermeintlich offene Wunde.

Grisham war gestern.

Beide, Roberts wie Darnell, überzeugen mit ihren Argumenten und bringen den Leser ebenso wie die Jury in eine ausweglose Situation, in der die vorherrschenden Werte von Moral und Ethik neu definiert werden müssen. Oder am Ende doch nicht? So ist Evangeline deutlich mehr als nur ein (weiterer) erstklassiger Gerichtsthriller, der einen nicht nur für mehrere Stunden packt, sondern der einen nachhaltig beschäftigt und uns über wichtige Fragen des Lebens sinnieren lässt. Wie heißt es auf Seite 31 so treffend:

»Wenn es in diesem Fall um etwas geht, dann um den Tod, um seine Bedeutung und um die Frage, ob und unter welchen Umständen man ihn dem Leben vorziehen sollte.«

 

Jörg Kijanski, Dezember 2007

Ihre Meinung zu »D.W. Buffa: Evangeline«

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Siegfried Wittek zu »D.W. Buffa: Evangeline« 19.09.2010
Ein Buch, das mich fasziniert, in Bann genommen und bis zum Ende nicht wieder entlassen hat. Die Faszination besteht in der Bearbeitung von Verhaltensfindung der Menschen in Entscheidungssituationen, in denen keine Legitimationsregeln da sind, die helfen und entlasten. Lebensecht werden hier Menschen beschrieben, die ihre speziellen Beweggründe haben, eigene Unzulänglichkeiten auf ihre eigene Weise zu bewältigen, jeder aufgrund seiner selbstdefinierten moralischen Grundhaltung.
Dr. Martin zu »D.W. Buffa: Evangeline« 29.08.2010
Es ist eines der besten Bücher, das ich seit langem gelesen habe:; es stimmt einfach alles: hervorragender Plot, genau und differenziert gezeichnete Charaktere, erstklassige Dialoge. Empfehlenswert sind vor allem auch die Antonelli-'legal thrillers'. Buffa ist ein hochgebildeter Mann, der es exzellent versteht, Spannung mit philosophischen Themen zu verknüpfen.
Horst Rieger zu »D.W. Buffa: Evangeline« 26.07.2010
Ich teile die positiven Rückmeldungen- spannend, ergreifend, bewegend.
Anklage und Verteidigung, basierend auf Buffas eigener Erfahrungen authentisch und fesselnd beschreiben. Die moralische Kernfrage wird vielfältig/vielschichtig reflektiert und erfährt berechtigter Weise keine entgültige Bewertung.
Eine sachliche Frage wird allerdings nicht geklärt: Alle seegehenden Schiffe und deren Rettungsmittel sind heute mit Epirb-Bojen ( emergency position indicating radio beacon) ausgestattet. Auch bei Ausfall aller Technik senden diese Bojen ein Notsignal mit Positionsangabe, welches weltweit empfangen wird.
Dies wird von Buffa nicht berücksichtigt - oder hat er es nicht gewußt? Hier erscheint die Storry jedenfalls ein wenig konstruiert.
Stefan83 zu »D.W. Buffa: Evangeline« 14.07.2010
Vor zwei Jahren war das Buch hier auf der Krimi-Couch in aller Munde, wurde sogar in einem eigens dafür geöffneten Thread ausgiebigst diskutiert: „Evangeline“ von D. W. Buffa. Zu einem Konsens, was die verschiedenen Meinungen anging, ist es damals nicht gekommen. Ein Großteil allerdings war sich insofern einig, dass das Buch, wenn schon kein hervorragendes, so zumindest ein außergewöhnliches ist. Nachdem ich es nun gelesen habe, kann ich dem zweifelsfrei zustimmen. „Evangeline“ ist weit mehr als ein weiterer Gerichtsthriller. Und auch die forsche Ankündigung auf dem Buchdeckel, „Dies ist kein zweiter Grisham – Buffa ist besser“, klingt zwar etwas hochtrabend, hat aber seine Berechtigung, denn eine solche extreme Konfliktsituation ist bis dato wahrscheinlich noch nicht in einem Roman behandelt worden.

Bohemien Benjamin Whitfield platz fast vor Stolz, als in Nizza sein neue Segelyacht die Anker lichtet, um mit siebenundzwanzig Personen an Bord die Umseglung des schwarzen Kontinents Afrika in Angriff zu nehmen. Acht der Reisegäste auf der „Evangeline“, so der Name des hochmodernen Schiffs, sind Mitglieder der Crew unter dem Befehl von Kapitän Vincent Marlowe, welcher extra für diese Fahrt angeheuert wurde. Der Rest der Besatzung besteht aus einem bunten Gemisch reicher und prominenter Menschen, die am Deck die Freuden von Sonne, Champagner und Kaviar genießen wollen. Doch es kommt alles anders. Auf offener See gerät die Yacht in einen gewaltigen Orkan, der das Schiff binnen zwei Minuten zum Sinken bringt. Alles geht derart schnell, dass nicht mal ein Seenotruf abgesetzt werden kann. Gerade mal 14 Menschen können sich inmitten des tobenden Sturms in eines der Rettungsboote retten. Ein Zodiac, das maximal für zehn Personen vorgesehen ist …

Als vierzig Tage später das Frachtschiff „White Rover“ das mitten im Atlantik treibende Rettungsboot entdeckt, packt dessen erfahrenen Kapitän das nackte Grauen. An Bord sind lediglich noch sechs völlig abgemagerte und verwahrloste Personen, die gemeinsam mit der Leiche einer weiteren dort liegen, der neben dem Kopf auch jegliche Extremitäten fehlen. Ein Großteil der Überlebenden ist keines klaren Gedankens mehr fähig. Nur dank der Aussage Marlowes findet man heraus, was Fürchterliches auf hoher See geschehen ist. Fern jeglicher möglichen Rettung und ohne ein bisschen Nahrung, sah sich dieser gezwungen, nach und nach Lose zu ziehen und die Bootsinsassen zu töten, damit die Verbliebenen sich von diesen ernähren konnten. Am Ende fielen diesem Kannibalismus schließlich sechs Menschen zum Opfer.

Nun steht Vincent Marlowe (der vielleicht nicht ganz unbeabsichtigt genauso wie der Kapitän in Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ heißt) vor Gericht, angeklagt wegen mehrfachen Mordes. Doch wird dieses mal nicht die Frage verhandelt, ob er Menschen getötet hat. Verhandelt wird die Frage, ob er überhaupt eine andere Wahl hatte. Hätte er nicht das getan, was er getan hat, wären ohne Zweifel alle Passagiere lange vor ihrer Rettung gestorben. Bloß ist dies eine Rechtfertigung für Mord? Nicht für Marlowe, der die volle Verantwortung übernimmt und seine Schuld am Tod aller eingesteht. Keine einfache Ausgangsposition für seinen Verteidiger, den legendären alten William Darnell, der kurz vor seinem Ruhestand in diesem Fall nochmal seine Fähigkeiten unter Beweis stellen will ...

„Was hätte ich getan?“ „Was ist die richtige Entscheidung in einer solche Situation?“ „Und gibt es überhaupt eine?“ Nur eine kleine Auswahl von den Fragen, die mir während der Lektüre durch den Kopf gegangen sind und in mir zwiespältige Gefühle hervorgerufen haben, denn „Evangeline“ spielt auf bemerkenswerte Art und Weise mit moralischen Grauzonen. Wo jedoch sonst eine solche Debatte in z.B. einem Grisham-Roman Staatsanwalt und Verteidiger die Gelegenheit gegeben hätte, sich ein packendes rhetorisches Duell zu liefern, bleibt hier die Handlung erstaunlich unaufgeregt. Bis auf einige Passagen, die sich mit dem Privatleben Darnells und dessen Gesundheitszustand befassen, spielt sich die Geschichte komplett vor Gericht ab, wobei Buffa erfrischenderweise vom Juristen-Blabla weitgehend Abstand genommen hat. Stattdessen wird in der Verhandlung thematisiert, inwiefern ein Notstand vorlag bzw. ob es überhaupt eine moralische und juristische Rechtfertigung für Mord und Kannibalismus gibt und geben darf. Nach Marlowes eigener Ansicht ist dies nicht der Fall. Oder wie er selbst sagt: „Was wir getan haben, war nicht falsch. Falsch war nur, dass wir es überlebt haben.“

Er, der Beschuldigte, ist neben Verteidiger Darnell auch der Fixpunkt dieses Romans und beeindruckt mit seiner stoischen Gelassenheit im Angesicht des möglichen Todesurteils. Auch wenn der Leser letztlich durch seine Aussagen kaum Neues erfährt, sind es gerade diese Passagen seiner Rückblicke, welche fesseln, erschüttern und vielleicht auch bei dem ein oder anderen eine gewisse morbide Neugier befriedigen. Wann immer das Geschehen im Rettungsboot thematisiert, das Erlebte diskutiert wird, gewinnt die Geschichte jedenfalls an Sogkraft, erhält die oberflächlich so klare Auseinandersetzung eine ganz neue ethische Dimension. Leider erlaubt uns Buffa nur wenige solcher Einblicke in die Ereignisse auf hoher See, was ich persönlich etwas schade finde, da so stets eine gewisse Distanz zur Gefühls- und Gedankenwelt der Überlebenden bestehen bleibt. Bei der Zeichnung dieser hat der Autor zudem ein wenig zu sehr mit bekannten Stereotypen gearbeitet, was durch die gegen Ende zutage geförderten Verbindungen einzelner Figuren bedauernswerter Weise noch unglaubwürdiger wirkt. Hätte sich Buffa hier auf die sachliche Diskussion beschränkt, „Evangeline“ hätte noch weit besser werden können.

So bleibt am Schluss ein nicht ganz ungetrübtes Leseerlebnis mit einem thematischen Konflikt, der mich zwar zum Nachdenken angeregt hat, aber in den Händen eines literarisch versierteren Schriftstellerkollegen vielleicht noch besser aufgehoben gewesen wäre.

Insgesamt ist „Evangeline“ ein originelles Buch mit einer erstklassig in Szene gesetzten Gerichtsverhandlung, das gut und spannend unterhält und eine echte Alternative zu John Grisham darstellt. Die ganz große Begeisterung packte mich im Gegensatz zu vielen anderen Lesern hier auf der Couch aber nicht.
6 von 8 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
KurtMankell zu »D.W. Buffa: Evangeline« 05.03.2009
79° für diesen Roman!!!

Anfangs war ich noch skeptisch, ob mich ein Gerichtsthriller, bei welchem ich die eigentliche Geschichte schon im Voraus weiß, tatsächlich fesseln könnte.

Er konnte es, ganz bestimmt!!!

Mit einzigartiger detailierter Erzählweise lässt Buffa über die Zeugen dem Leser das Erlebte absolut plastisch darstellen. Beim Lesen habe ich das Unglück und alles was dem folgte vor Augen gehabt.
CharlyDD zu »D.W. Buffa: Evangeline« 18.10.2008
Beim Lesen habe ich mich von Anfang an in der Rolle eines Geschworenen gesehen. Buffa hat die Geschichte über den Untergang der "Evangeline" und dessen Folgen so Detailgetreu erzählt, das ich mich mit den anderen im Gerichtssaal sitzen sah.

Mich hat das Drama um Kapitän Marlowe und die anderen sehr berührt und man beginnt automatisch sich zu fragen wie man in einer solchen Situation reagiert hätte. Die Frage ob er eine Wahl hatte und hätte einen anderen Weg wählen können, kann ich mit einem klaren Nein beantworten. Er hat durch sein Handeln den anderen die Möglichkeit geschenkt ihren letzten Funken Würde zu behalten und ihrem Tod einen "Sinn" zu geben.

Wenige Gedankengänge kann ich leider nicht ganz verstehen, wie die Auslosung und die Verschonung einiger Beteiligten.

Die fehlende emotionale Distanz mit der das Erlebte erzählt wurde, fand ich nicht störend. Dadurch wurde mir mehr Spielraum gegeben mir das Ganze selber vorzustellen. Auch die angeprangerten ständigen Wiederholungen habe ich nicht als nervend empfunden. Eher im Gegenteil: Es gab mir die Möglichkeit mir alles mehr zu verinnerlichen.

Das Urteil der Geschworenen hätte man nicht treffender Formulieren können.

Faszit: "Evangeline" ist ein emotionales, spannendes Buch was die meisten Leser sicher nachdenklich zurück lässt.

95 Grad von mir dafür.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
cat46 zu »D.W. Buffa: Evangeline« 10.06.2008
Ich fand das Buch echt klasse. Irgendwo stand, dass dies kein Pageturner ist. Nee? Was dann? Ich konnt es partout nicht weglegen, bis ich wusste, wie es am Ende ausgeht. Oje, ich möchte in Niemandes Haut stecken wollen..weder Marlowe, Verteidiger, Ankläger, Richter oder Jury. Im Gegensatz zu einigen anderen Lesern fand ich das Ende sehr gelungen. Das "Urteil" geht absolut in Ordnung und der richtige Schluss war zu erwarten und m.E. das einzig Richtige, was Buffa daraus machen konnte.
Das Einzige, was ich als etwas störend empfand, waren die ewigen Wiederholungen der Fragen an die Zeugen. Aber das gehörte sicher dazu, um die Dramatik zu verdeutlichen.
Alles in allem: ein sehr gutes Buch und nur zu empfehlen.
Anja S. zu »D.W. Buffa: Evangeline« 25.05.2008
Das hier ist ein wirklich ungewoehnliches Buch und viel mehr als ein normaler Krimi!!! Es geht weit ueber den normalen Handlungsbereich des Durchschnittskrimis hinaus und wirft interessante Aspekte zu Moral und Ethik auf. Einfach wunderbar!!!
Thomas71 zu »D.W. Buffa: Evangeline« 17.02.2008
Kein Krimi im eigentlichen Sinn, auch wenn der Roman vor Gericht spielt und ein Mann des mehrfachen Mordes angeklagt ist. Eher ein Buch über die Frage: Was passiert, wenn Menschen in Extremsituationen zu extremen Handlungen greifen? Sind sie dann noch Menschen?
Für mich ein sehr berührendes Buch, nicht so manipulativ wie Grisham, der einem bei "Die Jury" die Position des verständnisvollen Lesers aufzwingt, Buffa zwingt den Leser dazu, sich selbst zu hinterfragen und Position zu beziehen. Für mich ein klarer Hit...
Batti zu »D.W. Buffa: Evangeline« 17.02.2008
Das bewegenste Buch, dass ich seit langem gelesen habe.
Was sich auf dem Rettungsboot abgespielt hat, war eigentlich von Anfang an klar, als dies aber zum ersten Mal in direkter Form zu lesen war, war ich nur entsetzt.
Der ständige Zwiespalt der Gefühle gegenüber Vincent Marlowe und den Zeugen, die die Jury erlebt haben muss, war für mich förmlich spürbar - ich war quasi Mitten im Geschehen.
Schnell stand für mich fest, Marlowe ist frei zu sprechen und dennoch stellte ich diesen ersten Gedanken immer wieder in Frage.
Tatsächlich hört man in sich hinein und fragt sich "was hätte ich gemacht". Eine Antwort gibt es nicht, denn das Erleben einer solchen Situation und der eigenen Reaktion kann man nicht erahnen - auch nicht mit noch so großer Vorstellungskraft.

Für mich: volle Punktzahl 100°

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