Selbstjustiz von Craig Smith

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel Silent she sleeps, deutsche Ausgabe erstmals 1998 bei Schneekluth.

  • London: Heinemann, 1997 unter dem Titel Silent she sleeps. ISBN: 0434004448. 355 Seiten.
  • Carbondale: Southern Illinois University Press, 2002. ISBN: 0809324806. 355 Seiten.
  • München: Schneekluth, 1998. Übersetzt von K. H. Kilch. ISBN: 3795115779. 475 Seiten.
  • München: Schneekluth, 1999 Im Glashaus. Übersetzt von Dagmar Roth. ISBN: 379511635X. 382 Seiten.

'Selbstjustiz' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Auf den Spuren ihrer Kindheit kehrt Josie nach Lues zurück. Vor zwanzig Jahren wurde hier ihre Mutter ermordet. Einer hat auf Josie gewartet. 'Willkommen daheim’ ist mit rotem Lippenstift auf den Badezimmerspiegel ihres Apartments geschmiert.

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Nadir36 zu »Craig Smith: Selbstjustiz« 03.07.2010
Unterschätzte Campus-Krimi- Perle?

Anscheinend handelt es sich beim dem Erstling (siehe Kommentar zu Maggies Masche) von Craig Smith um ein Buch, um das nicht nur die meisten Couch-Nutzer bislang einen Bogen machen.
Der Klappentext liest sich denn auch nicht allzu verheißungsvoll, eher nach dem hin- reichend bekannten „Verfolgte-Frau-stellt-zuletzt-ihren-Peiniger“-Schema. Und, so viel sei hiermit verraten, auf die eine oder andere Art kommt es letztendlich zu einem Showdown, der allerdings nicht die Aufklä- rung in jenem alten Mordfall bringt, der die Folie für die neuen Leiden von Josie Darling alias Fortune bilden.
Die Heldin spielt im ersten Teil allerdings nur eine Minirolle im Intrigengeflecht von Lieutnant Colt Fellows, der den Mord an Josie Hazard seinem Erzfeind anhängen und nebenbei einen unliebsamen Sheriff aufs Abstellgleis schieben kann.
Die Exposition der Geschichte, sprich Auf- finden der Leiche durch eine besoffene Studentengruppe, die Ermittlungen samt Polizeiintrigen nehmen die ersten fünfzig Seiten in Anspruch.
Ansprechend geschriebene Schilderungen und Charakterportraits, die auch jeder Überprüfung nach dem Finale Furioso stand halten und beim Wiederlesen dem inzwischen mit Durchblick gesegneten Leser ein noch ein größeres Vergnügen vermitteln. Anderseits bietet der gut durchgearbeitete und detaillierte, aber tempoarme erste Teil ein unüberwindliches Hindernis. Jedenfalls für die Fans einschlä- giger Krimis, in denen die Heldin auf den ersten 10 Seiten am Tatort, wenn nicht gar verdächtig oder gar auf der Flucht ist.
Wer derartige Erwartungen hegt, sollte auf Seite 59 anfangen. Dort geht nämlich jene Geschichte los, die auf der Rückseite ange- kündigt wurde und zu den gut verstecken Meisterleistungen dieses feinsinnigen Campus-Krimis gehört, dass Josie, bei aller-erster Gelegenheit, an den Mörder ihrer Mutter und sogar mit ihm in Konflikt gerät.
Derartige Recherchen in der eigenen Ver- gan genheit stehen zunächst aber nicht wirklich auf der Agenda der James-Joyce-Forscherin, die sich mit ihrer Arbeit über das Wort, das alle Menschen kennen, einen Namen machen will. Vielmehr will Josie Darling mit der Annahme einer Dozenten-stelle an der Universität ihres Geburtsortes ihren gewalttätigen Ex loswerden, der, nach der Scheidung schon zwei Mordan- schlä ge auf sie verübt hat. Um so größer ihr Entsetzen, als jemand in ihr Apartment eingedrungen ist und
„WilKom
DaheiM
jOsie“
mit Lippenstift auf ihren Badspiegel ge- schrie ben hat. Und die geade erst einge-zo-gene Dozentine muss diese Entdeckung just in dem Moment machen, als sie im Be- griff ist, sich für eine Nummer mit der aka- demischen Nummer 1 der Lues State fer- tig zu machen, dem angesehenen Professor Valentine.
Noch lieber würde sie ja mit dem gut aus- sehenden Joyce-Forscher Dick Ferrington etwas anfangen, aber der gute Bekannte aus diversen Kongressen, hat sich, seit dem Mord an seiner Frau, sehr zum Nach- teil verändert und entwickelt sich im wei- teren Verlauf zum akademischen Wider-sacher, der die Kollegin mit dem Sittlich- keitsparagraphen erledigen will.
Denn auf der Suche nach ihrem, wegen Mordes an ihrer Mutter zu 20 Jahren Haft verurteilten, Stiefvater hat Josie einen Strip-schuppen betreten. Dort aber mit ihrer Wei-gerung aufzutreten, einen Aufruhr unter den „Säcken“ im Publikum ausge- löst.
„Säcke“, so nennen die Angehörigen der Uni die Einheimischen, die wiederum den „Luschen“ (=Universitätsangehörigen) gern einen reinwürgen. Eine Erfahrung, die Josie nicht erspart bleibt, als sie ihren Plagegeist anzeigen will. Denn während ihrer Recherche im Stripschuppen hat der Legastheniker sämtliche Scheiben ihres Golfs zerdeppert und die nächste Botschaft auf dem Sitz deponiert.
Ein gefundenes Fressen für den intrigan- ten Polizeichef Colt Fellows. Denn der fin- dige Strippenzieher nutzt ihre Anzeige dazu, um das Sicherheitsrisiko Jack Hazard erneut hinter Gitter zu bringen, um Josies Stiefvater bei der Überführung samt einem lästigen Zeugen zu eliminieren.
Doch damit nicht genug, zuvor lanciert der Oberbulle einen Artikel über den Auf- ruhr im Stripschuppen, der die allzu ver- trau ensselige Josie in ein denkbar schlech- tes Licht rückt und neue verhängnisvolle Abhängigkeiten schafft.
»Huch«, wäre eine verteufelt schlechte Grabinschrift, so lautet der innere Wende- punkt in Josies Entwicklung, inzwischen ist Seite 293 angebrochen und mehr als die Hälfte der 539 Seiten um.
Der erste Höhepunkt der Spannung lässt denn auch nicht lange auf sich warten. Kaum hat sie die ersten brauchbaren Stücke in jenem Puzzle um den Tod ihrer Mutter und ihre eigene Gefährdung, da schießt jemand beim Durchfahren einer gefährlichen Furt eine Loch in den Reifen ihres gemieteten Mustangs, den anschließenden Kampf mit der Übermacht am Ufer kann sie nicht gewinnen. Wie sie aus dieser Notlage herauskommt und wie sie den alte Mord an ihrer Mutter aufklärt, werde ich hier nicht verraten.
Nur so viel, die Lust, gleich noch einmal von vorn anzufangen, ist sehr groß, da es sich eben nicht um das übliche Gerenne von einem entsetzlichen zu einem noch scheußlicheren Tatort handelt, sondern auch um die Geschichte einer Selbstfindung. Dabei muss es keineswegs von Nachteil sein, dass der letzte „Selbst- mord“ auf der vorletzten Seite aufgeklärt wird.
Der Originaltitel „Silent, she sleeps“, bezieht sich übrigens auf die an einem Wasserfall liegende Leiche von Josies Mutter, im Rückblick auch schon ein Indiz, das sich aber, ohne Kentnis des gesamten Buchs nicht deuten lässt.
Craig Smith war ja mal Literaturprofessor in den USA. Lues ist bekanntlich die medizinsche Bezeichnung für Syphillis. Stellt sich die Frage, welcher Bildungseinrichtung er die Seuche auf den Hals gewünscht hat.
Ihr Kommentar zu Selbstjustiz

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