Der letzte Bus nach Woodstock von Colin Dexter

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1975 unter dem Titel Last bus to Woodstock, deutsche Ausgabe erstmals 1985 bei Rowohlt.
Folge 1 der Inspektor-Morse-Serie.

  • London; Basingstoke: Macmillan, 1975 unter dem Titel Last bus to Woodstock. 256 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1985. Übersetzt von Marie S. Hammer. ISBN: 3-499-42718-4. 216 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1994. Übersetzt von Marie S. Hammer. ISBN: 3-499-43142-4. 216 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000. Übersetzt von Marie S. Hammer. ISBN: 3-499-22820-3. 216 Seiten.

'Der letzte Bus nach Woodstock' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Auf dem Hof eines Pubs wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Inspector Morse entwickelt eine brillante Theorie nach der anderen, doch die Wahrheit übersteigt am Ende seine wildesten Phantasien.

Das meint Krimi-Couch.de: »Formale Schwächen nicht verkennen, die Dexter in seinen späteren Romanen nicht mehr unterlaufen sind« 80°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Etwa auf halber Strecke zwischen der ehrwürdigen Universitätsstadt Oxford und dem Shakespeare-Städtchen Stratford-on-Avon liegt Woodstock. Der kleine Ort ist selbst reich an Zeugen einer eindrucksvollen Vergangenheit – so wurde Winston Churchill hier geboren und begraben – und wird daher von den Bewohnern der umliegenden Gemeinden gern besucht.

Viele Leute kommen also nach Woodstock; das ist ein wichtiger Punkt, denn für Chefinspektor Morse und Sergeant Lewis von der Thames Valley Police erweitert es den Kreis der Verdächtigen erheblich, die für den Mord an Sylvia Kayes verantwortlich sein könnten. Die junge Frau wurde im Hinterhof des beliebten Pubs »Black Prince« vergewaltigt und erschlagen aufgefunden.

Die Ermittlungen ergeben, dass Sylvia Kayes nach Woodstock getrampt ist und von ihrem Mörder auf der Straße aufgelesen wurde. Doch sie war nicht allein; Zeugen sahen sie gemeinsam mit einer anderen Frau einsteigen, die sie offensichtlich kannte. Wieso meldet sich diese nicht auf die Aufrufe der Polizei?

Die Fahndung im Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreise der Ermordeten bleibt zunächst ergebnislos. Lewis macht dafür die unkonventionellen Methoden seines exzentrischen Vorgesetzten verantwortlich, der eher auf Eingebungen als auf das Polizeihandbuch setzt, geflissentlich das Alkoholverbot im Dienst ignoriert und gern einmal ein paar Pfund bei einer illegalen Pferdewette riskiert. Zudem bändelt der Inspektor mit Sue Widdowson an, einer Mitbewohnerin Sylvia Kayes.

Ein Durchbruch wird erzielt, als der Wagen gefunden wird, in dem Sylvia Kayes ihre letzte Fahrt unternahm. Aber Bernard Crowther, der Eigentümer, ist nicht der Täter. Dennoch spürt Morse, dass der unglücklich verheiratete Dozent etwas verschweigt. Bevor er Crowther intensiver auf den Zahn fühlen kann, begeht plötzlich dessen Frau Selbstmord. Sie schickt Morse einen Abschiedsbrief, in dem sie sich des Mordes bezichtigt: Per Zufall habe sie entdeckt, dass ihr Gatte sie betrügt, und die Ehebrecherin darob in einem Eifersuchtsanfall erschlagen.

Für Lewis ist der Fall damit geklärt, doch Morse ist unzufrieden. Nicht nur gekränkte Eitelkeit darüber, offensichtlich zur Lösung nichts beigetragen zu haben, macht ihm zu schaffen. Da sind auch einige Details, die sich nicht in das glatte Bild des Gattenmordes fügen wollen. Morse ermittelt weiter – und kommt schließlich einer ebenso absurden wie tragischen Geschichte auf die Spur, die ihn letztlich sogar selbst ins Verderben zu stürzen droht …

Es wird ihm nicht zum letzten Mal so ergehen, jenem ebenso intelligenten wie verschrobenen Hagestolz Endeavour Morse, der in diesem Roman aus dem Jahre 1975 sein Debüt als unkonventioneller Kriminalist gibt, das nicht von ungefähr an eine upgedatete Neuauflage des unsterblichen Sherlock Holmes erinnert. Auch einen Dr. Watson, der stellvertretend für den Leser die dummen Fragen stellt, gibt es, obwohl sich der treue und geduldige Sergeant Lewis rasch vom Steigbügelhalter zum Reiter emanzipiert und seinen sprunghaften Chef und bald auch Freund hervorragend ergänzt.

Die Kriminalromane von Colin Dexter bestechen weniger durch ihre komplexen Plots. Auch »Der letzte Bus nach Woodstock« erzählt die nur zu bekannte Geschichte vom Mord aus Eifersucht. Dexter interessiert sich stets mehr für die Menschen hinter der Tat, die das Duo Morse und Lewis auf den Plan ruft. Seine beiden Helden sind davon nicht ausgeschlossen. Die Morse/Lewis-Serie ist auch eine chronologische und durchaus dichte Biografie des Chefinspektors und seines Sergeanten. Bereits dieser erste Roman legt dabei das Fundament für jene zwölf Bände, die noch folgen sollten. Morses Einsamkeit, seine Liebe zu Alkohol, der Weg zum Notarzt – das sind nur drei Elemente, denen der Leser immer wieder begegnen wird und die sein geistiger Vater durchaus nicht nur einsetzt, um seiner Figur Konturen zu verleihen: An einem Zuviel der genannten Trias wird Dexter seinen tragischen Helden – zum Entsetzen seiner zahlreichen Leser – 1999 in »Und kurz ist unser Leben«, dem 13. (!) Morse-Roman, enden lassen.

Das einzige, worauf sich Morse immer verlassen kann, ist sein kriminalistischer Scharfsinn. »Sie können den Eiger in Hausschuhen besteigen, vorausgesetzt, Sie beginnen den Aufstieg an der richtigen Stelle«, fasst er im vorliegenden Roman sein Credo zusammen. Genauso geht Morse als Polizist vor. Ohnehin ist er ein »Quereinsteiger«, der seine Zeitgenossen gern und mit der Arroganz des eigentlich Unsicheren an die humanistischen Studien seiner College-Zeit erinnert.

Aber auch Colin Dexter, der lange Jahre Latein und Griechisch in Oxford unterrichtete, kommentiert das Tun und Treiben seiner Figuren gern durch vorzüglich ausgewählte Zitate oder Gedichte aus der klassischen Literatur. Diese konterkariert er allerdings jederzeit bedenkenlos z. B. durch einen Spruch, wie man ihn auf der Tür einer gut frequentierten Gaststätten-Toilette lesen kann: Britischer Humor, der scheinbar mühelos das Alltägliche mit dem Absurden, die feinen mit den niederen Instinkten verbindet und Alles in der täuschenden Sachlichkeit des Vortrags auf einen Nenner bringt, wird von Colin Dexter in höchster Vollendung zelebriert. Morses Ungeschick als Heimwerker, die peinlich- boshaften Gerüchte, die darüber im Polizeirevier kursieren, Morses selbstironisch- verzweifelte Versuch, ihrer wieder Herr zu werden, oder seine unbeholfenen Bemühungen, sich einer der seltenen Frauen in seinem Leben ins möglichst vorteilhafte Licht zu rücken – Dexter versteht es meisterhaft, gleichzeitig die Komik und die Tragik herauszustellen, die solchen Begebenheiten innewohnt, wie wohl jede/r Leser/in aus eigener Erfahrung zustimmen wird.

Dass Colin Dexter seinen ersten Roman während eines verregneten Sommerurlaubs in Wales geschrieben hat, ist wohl zum Teil nur eine jener Legenden, mit denen die üblicherweise wenig spektakulären Lehr- und Wanderjahre später zu Ruhm und Erfolg gekommener Schriftsteller von den Medien gern verklärt werden. Dennoch lassen sich gewisse inhaltliche wie formale Schwächen nicht verkennen, die Dexter in seinen späteren Romanen nicht mehr unterlaufen sind. So hängt der Plot ein wenig zu sehr an einer ganzen Kette von Zufällen, die in ihrer Häufung die Nachsicht des Lesers auf eine harte Probe stellen. Dexter bemüht sich zwar, die Straße zwischen Oxford und Stratford-upon-Avon und den kleinen Ort Woodstock dazwischen als natürlichen Schnittpunkt für seine Figuren glaubhaft zu machen, doch lässt er die Handlung ein paar Haken zu viel schlagen. Das zwingt ihn im Finale zur seitenlangen und recht ermüdenden Nacherzählung dessen, was eigentlich geschehen ist, und richtet die Aufmerksamkeit erst recht auf die Schwachstellen.

Weil Dexter jedoch die Zeichnung seiner beiden Hauptfiguren auf Anhieb so verblüffend gut geraten ist, können diese Einwände das Vergnügen an der Lektüre kaum mindern. Wer also melancholische, grüblerische, einsame, schlaue Polizisten schätzt und die notorisch depressive Welt des Kommissar Wallander für eine Weile verlassen möchte, ist gut beraten, der Thames Valley Police einen Besuch abzustatten. Die Welt ist auch dort so schlecht wie im schwedischen Ystad, aber wenigstens hilft eine gesunde Dosis köstlichen Humors über diesen Tatbestand hinweg!

Ihre Meinung zu »Colin Dexter: Der letzte Bus nach Woodstock«

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Torsten zu »Colin Dexter: Der letzte Bus nach Woodstock« 22.08.2013
Der Roman ist ja nun auch schon knapp 40 Jahre alt und die gesamte Geschichte samt Auflösung und Verhalten der Beteiligten beruht auf einer gesellschaftlichen Situation die man sich heutzutage so nicht mehr vorstellen könnte. Trotzdem ist es ganz nett zu lesen wie man sich "damals", so ganz ohne Handy und emails und in einem viel konservativerem und starrem Umfeld so verabredet und getroffen hat.
Insgesamt fand ich den Roman aber (insbesondere nach den vielen Lobeshymnen auf diese Reihe) eher schwach.
Die vielgelobte Zeichnung von Inspektor Morse tritt für mich doch zu sehr hinter die angesprochenen Schwächen zurück - zu durcheinander und schwer nachvollziehbar sind doch seine manchmal auch nur angedeuteten Folgerungen aus seinen ebenfall häufig nur angedeuteten Ermittlungen und Erkentnissen. Wie schon beschrieben - nach derart vielen Haken und scheinbaren Feststellungen muss der dann letztlich tatsächliche Hergang nochmal ausführlich erzählt und von den zwischenzeitlichen Möglichkeiten abgegrenzt werden. Und Teile der Auflösung waren da für denLeser schon zu offensichtlich.
Übrigens finde ich, dass die Rezension doch schon fast zuviel vom Roman vorweg nimmt - so werden inhaltlich bis zum Selbstmord von Margaret Crowther glatt zwei Drittel zusammengefasst.
Und wieder einmal sind mir sehr störende Kleinigkeiten in der Übersetzung aufgestossen: Wenn z.B. aus unerfindlichen Gründen der Name des Wirtes Westbrook im Einganssatz des zweiten Kapitels einfach weggelassen wird, sich dann aber später ohne jede weitere Einführung wiederfindet, so ist dass etwas störend aber nicht wirklich schlimm.
Wenn aber ein ganzes Kapitel (22) auf Samstag gelegt wird, statt auf den (richtigen) Sonntag, dann ist das ärgerlich und kaum erklärbar.
tassieteufel zu »Colin Dexter: Der letzte Bus nach Woodstock« 09.03.2012
Chefinspektor Morse und Sergeant Lewis von der Thames Valley Police haben es bei ihrem ersten gemeinsamen Fall gleich mit einer ganz verzwickten Sache zu tun. Auf dem Hof eines Pubs wird eine ermordete junge Frau gefunden. Täter und Motiv sind zunächst völlig unklar u. die Ermittlungen gehen nur schleppend voran, bis es dann zu einem tatsächlichen Durchbruch kommt, müssen
Morse und Lewis ziemlich tief graben.

Auf die Krimis von Colin Dexter wurde ich ehr zufällig aufmerksam, nämlich durch die TV Serie "Lewis der Oxford Krimi". Diese Serie hat zwar nichts mit den Inspektor Morse Bücher zu tun, machte mich aber auf den Autor neugierig und schon dieser erste Teil hat mir ganz gut gefallen!
Das Ermittler Duo Morse und Lewis ist ein sympatisches Gespann, das sich charakterlich ganz gut ergänzt. Lewis, der hier logischer Weise die ganze Laufarbeit machen muß und auch so ab und an
unter Morse`s unkonventionellen Methoden leiden muß, nimmt das Ganze aber gelassen und der Umgang der Beiden miteinander sorgt doch ab und an für humorige Szenen. Morse selbst ist ein
eher melancholischer Held, der unter seiner Einsamkeit leidet, ganz gern mal einen trinkt und eine Schwäche fürs Schöne Geschlecht hat.
Auch die anderen Personen im Buch hat Dexter sehr gelungen geschildert, man merkt hier, das der Autor ein großes Augenmerk auf die charakterliche Darstellung seiner Figuren hat. Anstatt eine Leiche nach der anderen zu produzieren, bleibt es hier bei einem Opfer. Beweggründe und Motivationen der Beteiligten werden gut ausgeleuchtet und am Ende zu einer schlüssigen Sache ver-
knüpft. Bis es aber soweit ist, kann man richtig gute Ermittlungsarbeit mitverfolgen, es gibt eine ganze Reihe von Spuren u. nicht alle bringen die beiden Ermittler weiter, einige Hinweise erweisen sich als unrelevant für den Fall, andere Spuren verwirren den Fall nur noch mehr u. verschiedene Zeugen sagen nicht die Wahrheit oder verschweigen die Hälfte. Dann ist da noch die wirklich sehr
ungewöhnliche Methode von Chefinspektor Morse, an einen Fall heran zu gehen. Bevor er dann auf den wahren Täter stößt, hat er eigentl. so jeden verdächtigt, der in dem Fall auftauchte u. an einigen Stellen wäre man auch als Leser geneigt, die Lösung zu akzeptieren, weil sie so logisch erscheint, nur Morse kann sich damit nicht zufrieden geben und bohrt weiter.
Die eigentliche Auflösung des Falles ist nicht wirklich ungewöhnlich und könnte man fast schon einfach nennen, wenn hier nicht verschiedene Faktoren zusammen gekommen wären, die die Auflösung des Mordes erschwert hätten und die Ermittler in die Irre führten. Außerdem setzen eine
Reihe von Zufällen eine Kettenreaktion in Gang, die letztendlich tragisch endet.
Insgesamt ein sehr gelungener Erstling der bei mir eindeutig die Lust auf mehr geweckt hat.
Ein kleines Manko hat das Buch aber doch aufzuweisen, und das sind die etwas zähen und langatmigen Ausführungen des Inspektors. Immer wenn er mal wieder an einem toten Punkt angelangt ist, reflektiert er den Fall nochmal von vorn, so das der Leser hier oft längere Widerholungen mitverfolgen muß, die ihm schön längst bekannt sind. Hier wäre etwas weniger mehr gewesen!

Fazit: ein wirklich sehr gelungener Serienauftakt, als kleine Schwäche empfand ich lediglich die doch etwas zähen Reflektionen des Inspektors zum Fall, da hier häufig viel wiederholt wurde.
Ansonsten ein typisch englischer Krimi mit gelungenem Plot, einer unerwarteten Auflösung und einer guten Portion englischen Humors.
Stefan83 zu »Colin Dexter: Der letzte Bus nach Woodstock« 16.10.2009
Nun habe ich ihn durch, meinen ersten Roman aus der Reihe um Inspektor Morse von der Thames Valley Police, und es zeichnet sich ab, dass daraus eine langjährige Freundschaft erwachsen könnte.

Colin Dexter, der inzwischen vielen gar kein Begriff mehr sein dürfte und unverständlicherweise seit Jahren bei Neuauflagen von Seiten der Verlage ignoriert wird, gehört nicht nur zu den beliebtesten Kriminalautoren Großbritanniens, sondern diente auch vielen seiner Nachfolger als stilistisches Vorbild. Aus einer gutbürgerlichen Familie stammend, unterrichtete Dexter bereits in frühen Jahren an der Universität von Cambridge und wechselte dann, nachdem bei ihm Anzeichen einer beginnenden Taubheit ausbrachen, auf einen Posten an einem College in Oxford. Und hier, im kultivierten Mileus von Oxfordshire, lässt er seit Mitte der 70er Jahre Inspektor Morse an der Seite von Sergeant Lewis auf Verbrecherjagd gehen. Die Idee zu seinem Erstling "Der letzte Bus nach Woodstock" soll ihm dabei während eines Familienurlaubs in Wales gekommen sein, als ihn Dauerregen für mehrere Tage im Hotel festsitzen ließ.

Der Krimi beginnt auf halber Strecke zwischen Oxford und Stratford-on-Avon im beschaulichen Woodstock, einem kleinen Ort, in dem unter anderem Sir Winston Churchill das Licht der Welt erblickt hat. Nicht nur wegen dieser Berühmtheit ist es ein beliebtes Ausflugsziel für die Bewohner der umliegenden Gemeinden, die besonders den Pub "Black Prince" mit Freude frequentieren. Dort findet eines Abends der betrunkene John Saunders in der dunkelsten Ecke des Hinterhofparkplatzes die übel zugerichtete und vergewaltigte Leiche einer jungen Frau. Inspektor Morse nimmt sich des Falles an und arbeit dabei erstmals mit Sergeant Lewis zusammen. Gemeinsam wühlt man sich mithilfe von Befragungen durch das nähere Umfeld und findet bald heraus, dass die Tote namens Sylvia Kayes nach Woodstock getrampt ist. Und ihr Mörder scheint derjenige gewesen zu sein, der sie mitgenommen hat. Damit nicht genug: Eine Augenzeugin berichtet, dass Kayes zusammen mit einer anderen Frau ist, mit welcher sie offensichtlich befreundet war. Doch wer war diese andere Unbekannte? Und warum meldet sie sich nicht bei der Polizei?...

Auf gerade mal knapp 220 Seiten gelingt es Dexter eine sehr dichte Atmosphäre auf Papier zu schmieden, die zwar durchaus immer wieder die Schwächen des Debütromans (u.a. viele unnötige Wiederholungen) aufweist, im Ganzen aber mit einer Reife überrascht, die bereits zu Beginn mehr als neugierig auf die Nachfolger macht. Morse zeigt sich als Urtypus des unkonventionell ermittelnden Polizeibeamten (Sherlock Holmes war ja Detektiv in "beratender Funktion"), der weniger dem Handbuch folgt, als vielmehr auf eigene Eingebungen setzt und es mit dem dienstlichen Ton nicht so genau nimmt. Lewis nimmt dabei eine Watson-ähnliche Rolle ein und muss, obwohl älter als Morse, stellvertretend für den oftmals in die Irre geführten Leser die blöden Fragen stellen, auf die sein Vorgesetzter zumeist schon die "offensichtliche" Antwort kennt. Überhaupt ist das miteinander der Beiden ein äußerst erfrischendes, komödiantisches Element, das für stetige Kurzweil in einem Plot sucht, der in erster Linie mit seinem intelligenten, wenn auch nicht übermäßigen komplexen Aufbau und der typisch-englischen Kleinstadtstimmung überzeugt.

Die Zeichnung der Hauptfiguren ist nicht weniger gelungen, bleibt aber im Erstling noch ziemlich grob und geht vor allen auf Morse ein, von dem wir erfahren, dass er nicht nur über ein umfassendes Allgemeinwissen verfügt, welches er im allmorgendlichen Kreuzworträtsel erprobt, sondern auch eine Schwäche für hübsche Verdächtige hat. Ein Element, das sich durch die ganze spätere Reihe ziehen soll. Die wurde übrigens über viele Jahre für das englische Fernsehen verfilmt und wurde uns bisher in deutscher Übersetzung vorenthalten. Zur Auflösung des Falls nur soviel: Zwischen all den gelegten Fährten schimmerte die richtige gegen Ende leider zu sehr durch, weshalb mich dieses wenig überrascht hat.

Insgesamt ist "Der letzte Bus nach Woodstock" aber ein überzeugender, verblüffend gut geratener und spannender! Debütroman, der bei mir die Lust nach mehr geweckt hat und allen Freunden von melancholischen, aber gewitzten Ermittlern nur ans Herz gelegt werden kann. Bleibt zu hoffen, dass sich in nächster Zeit ein Verlag erbarmt, diese Reihe neu aufzulegen.
9 von 12 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Andrea Bollinger zu »Colin Dexter: Der letzte Bus nach Woodstock« 30.04.2009
Der allererste Morse-Roman hat in der Tat einige Schwächen (teilweise etwas umständlich, unnötige Wiederholungen etc.), ist aber dennoch unterhaltsam, und Colin Dexter hat sich danach in Rekordzeit zu einem der besten Krimi-Autoren Europas gemausert. Dass Rowohlt keine Neuauflagen ins Auge fasst, dass die deutschen Fernsehsender zwar alle hysterischen, überdrehten Elizabeth-Gerorge-Monstrositäten und die putzigen Inspector Barnaby-Filme zeigt, nie aber die herausragende Morse-Reihe, die mit Spitzen-Schauspielern kongenial verfilmt wurde, das ist schon sehr schade. Wäre die im Februar/März dieses Jahres gezeigte Spin-Off-Serie um den langjährigen Morse-Assistenten "Lewis" nicht ein guter Anlass, Colin Dexters britische Krimi-Juwelen deutschsprachigen Krimifans wieder näher zu bringen? Ansonsten: Originalbücher lesen und Morse-DVDs geniessen. Es lohnt sich - aber Achtung: Suchtpotenzial!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mylo zu »Colin Dexter: Der letzte Bus nach Woodstock« 10.08.2008
Dies war mein zweiter Morse von Dexter, da ich sie nun chronologisch lesen will, hab sie zum glück alle !!!
Auch hier wieder super, Witz, Spannung, geistreich.
„Sie können den Eiger in Hausschuhen besteigen, vorausgesetzt, Sie beginnen den Aufstieg an der richtigen Stelle“

typisch Morse. Für dieses Erstlingswerk gibt es 85 Punkte von mir. Super Lesespass.
Alexander zu »Colin Dexter: Der letzte Bus nach Woodstock« 26.12.2007
Ich bin auch der Meinung, dass die Romane von Colin Dexter mit zu dem Besten gehören, was das Krimigenre in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Wenn man hier manchmal so manch andere überschwängliche Rezension bei höchst fragwürdigen Werken liest, muss man sagen, dass Dexter hiermit großes Unrecht angetan wird... Spitzen-Krimis, und auch die Fernsehserie ist für Leute mit Englisch-Kenntnissen durchaus zu empfehlen.
RolfWamers zu »Colin Dexter: Der letzte Bus nach Woodstock« 06.12.2006
Es ist sehr sehr schade, dass die Inspector Morse-Bücher in Deutschland so schnell in Vergessenheit geraten. Die englische TV-Serie wurde hier nie gezeigt, Rowohlt hat jegliches Interesse an einer Neuauflage der Bücher verloren - ideale Voraussetzungen, dass der Autor Colin Dexter nur noch unter ferner liefen rangiert. Ich halte dagegen: Morse (möglichst chronologisch) lesen ist ein Krimi-Genuss erster Güte.
Elmar zu »Colin Dexter: Der letzte Bus nach Woodstock« 22.03.2005
Der Couch-Rezension ist in keiner Hinsicht zuzustimmen. Das komplizierte Plots nicht Dexters Sache sind, ist ja wohl absurd; dieser hier ist einer der dichtesten, durchdachtesten, die mir je in einem Krimi untergekommen sind, und entsprechend läßt sich eine 'Nacherzählung' der wirklichen Ereignisse am Ende natürlich nicht vermeiden. Langweilig ist die aber nicht. 'Zufälle' spielen auch keine besondere Rolle, im gegenteil, das Buch verbindet die konstruktive Perfektion der Ellery-Queen-Tradition mit einer realistischen Darstellung der Polizeiarbeit und einem psychologischen Scharfsinn, der etwa Ruth Rendell weit überbietet. Das Buch ist - wie fast alle folgenden von Dexter - atemberaubend spannend, so daß man sich zwingen muß, sich von der Lektüre wieder loszureißen. Großartig!
Anastasia S. zu »Colin Dexter: Der letzte Bus nach Woodstock« 04.09.2003
"Der letzte Bus nach Woodstock" ist
der beste Roman den ich je gelesen habe.Vom Anfang bis zum Ende ein Meisterwerk.Weiterzuempfehlen an alle die gerne knifflige Krimis lesen.Mit einem brillianten aber auch zugleich traurigen Ende.
Ich konnte ihn vor spannung nicht aus der Hand legen.Großen Dank an
Colin Dexter.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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