Grabgesang für Dr. Siri von Colin Cotterill

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Love songs from a shallow grave, deutsche Ausgabe erstmals 2014 bei Manhattan.
Ort & Zeit der Handlung: Laos, 2010 - heute.
Folge 7 der Dr.-Siri-Paiboun-Serie.

  • London: Quercus, 2010 unter dem Titel Love songs from a shallow grave. 307 Seiten.
  • München: Manhattan, 2014. Übersetzt von Thomas Mohr. ISBN: 978-3-442-54738-8. 336 Seiten.

'Grabgesang für Dr. Siri' ist erschienen als Hardcover E-Book

In Kürze:

Der siebte Laos-Krimi mit dem einzigartigenErmittler Dr. Siri Paiboun Fechten ist im Laos der Siebzigerjahre nicht gerade ein Breitensport, trotzdem landen in der Pathologie von Vientiane innerhalb kurzer Zeit drei mit dem Degen getötete Frauen auf dem Seziertisch. Die Opfer wurden mit einem gezielten Stich ins Herz ermordet. Ein rätselhafter Fall: genau das Richtige für Dr. Siri und sein Team. Der Täter scheint schnell gefunden – nur unser scharfsinniger Pathologe glaubt nicht recht an die Schuld des Mannes. Doch bald steht Siri vor ganz anderen Problemen. Als er seinen Freund Civilai nach Kambodscha begleitet, schwebt der ergraute Pathologe plötzlich selbst in höchster Gefahr. Kurz vor seinem 74. Geburtstag sieht es fast so aus, als könnte dies auch Siris letzter sein – und wieder einmal ist nur seine verflixte Neugier schuld an allem!

Das meint Krimi-Couch.de: »Spannend, lustig und mit einer ernsten Note.« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Laos 1978. Binnen drei Tagen werden drei junge Frauen mit einem Degen erstochen, einer Waffe, die in Laos laut Dr. Siri „99, (Periode) 9 Prozent“ der Bevölkerung nicht kennen. An Verdächtigen mangelt es nicht, allein es fehlen Zeugen und ausreichend verwertbare Spuren. Der siebte Fall für den einzigen laotischen Pathologen Siri hat es in sich, denn er führt in das als „K6“ genannte Gebiet, in dem sich vor allem die vietnamesische und laotische Oberklasse heimisch fühlt. Neben dem damit einhergehenden Kompetenzgerangel, bei dem Siri einmal mehr auf die Hilfe seines besten Freundes, dem ehemaligen Politbüromitglied Civilai angewiesen ist, ist der Fall auch ansonsten undurchsichtig.

Zudem gilt es noch diverse private Probleme zu lösen. Inspektor Phosy hat Eheprobleme mit Dtui, Siris Assistentin, und Geung, ein weiterer Mitarbeiter der Pathologie, leidet nicht nur am Downsyndrom, sondern vor allem an Einsamkeit. Diesbezüglich ergeht es ihm wie dem „verrückten“ Rajid, der seit geraumer Zeit in unmittelbarer Nähe von Siri wohnt, nachdem dieser ihm (im letzten Fall; Der fröhliche Frauenhasser) das Leben rettete.

„Siri, ich frage Sie ganz offen und erwarte eine ebenso offene Antwort. Sind Sie ein Schamane?“
„Wo denken Sie hin? Natürlich nicht.“
„Ausgezeichnet, mir ist nämlich zu Ohren gekommen, dass Sie … dass Sie gelegentlich der Geisterbeschwörung frönen.“
„Richter Haeng. Ich kann Ihnen aufrichtig versichern, dass der einzige Geist, den ich bisweilen beschwöre, aus vergorenem Reis besteht und einen Monat reifen muss.“

Der aktuelle Fall ist verzwickt genug, da wird Siri gemeinsam mit Civilai auf eine Staatsreise nach Kampuchea geschickt. Doch das Land ist nicht mehr das Kambodscha, welches Siri vor Jahrzehnten mit seiner ersten Frau bereist hat. Denn in dem einstigen Bruderstaat regieren seit längerer Zeit die Roten Khmer unter Pol Pot und wollen (mit aller Gewalt) einen Bauernstaat schaffen. Siri verschließt die Augen vor der Realität und bringt sich somit in höchste Lebensgefahr.

Wie immer erzählt Colin Cotterill in einem sehr unterhaltsamen, witzig-pointiertem Tonfall und nimmt dabei nicht nur die politische Situation in Laos auf’s Korn. Trotz aller Heiterkeit, die beim Lesen dieser vorzüglichen Serie aufkommt, gilt es dennoch einen kniffligen Fall zu lösen. Siri gelingt es, von den Tatwaffen und anderen Gegenständen Fingerabdrücke zu gewinnen, doch diese Methode wird nur milde belächelt.

„Es gibt keinerlei konkrete Beweise, Phosy.“
„Keine Fingerabdrücke, meinen Sie?“ Phosy lächelte.
„Nein, kein Garnichts, meine ich. Keine Augenzeugen, keine übereinstimmenden Blutspuren, kein Geständnis – gar nichts. Aber da wir ohnehin keine entsprechenden Gesetze haben, ist das vermutlich nicht weiter von Belang. Bereitet Ihnen das keine Kopfschmerzen?“

Neben dem spannenden Plot, etlichen gelungenen Pointen und grandiosem Sprachwitz, bietet der aktuelle Fall aber auch eine sehr ernste Thematik auf. Denn, wie erwähnt, hat Siri die zweifelhafte Ehre an einer Dienstreise nach Kambodscha teilzunehmen.

„Dieses Land war ihm unheimlich. Es war nicht etwa die komische, sondern die todernste Parodie eines sozilistischen Staates. Als glaubten sie tatsächlich, dass es dort so aussehen müsse wie hier. Sie hatten das Kommunistische Manifest gelesen und nichts, aber auch gar nichts begriffen.“

Was Siri nicht wissen kann, ist heute allgemein bekannt. Zwischen 1975 und 1979 kamen unter den Roten Khmer bei der versuchten Erschaffung eines Bauernstaates über anderthalb Millionen Menschen unter anderem durch Folter, Mord und Hungersnöte um; rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung.

Fazit: Zunächst beginnt die Geschichte gewohnt humorvoll, bevor einem auf den letzten hundert Seiten der Autor mit einer ungewohnt ernsten Handlung konfrontiert. Gleichwohl überzeugt der Mix aus Spannung, Wortwitz und Ernsthaftigkeit auf ganzer Linie und so bleibt Dr. Siri eine der großartigsten Ermittlerfiguren, die es in der aktuellen Krimiszene zu entdecken gilt.

Jörg Kijanski, September 2014

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irmgard kolbe zu »Colin Cotterill: Grabgesang für Dr. Siri« 24.01.2017
Das ist mein 3.Siri-Fall in diesem Jahr.Wie sagte eine Leserin? "Siri-süchtig".
Auch jetzt hat der Wortwitz noch nicht an Magie eingebüßt ,gerne schreibe ich mir die besonderen Bonmots auf:"eine Kröte trainierte ihren Bariton...".Abseits jeder Lustigkeit ist der sachliche, politische Inhalt über die damaligen Zustände in Kambodscha.Viele Angaben im Buch lassen sich auf Wiki wieder finden z.B. die "schwarzen Schlafanzüge mit den roten Schals".Die Wirklichkeit ist grausam genug, da reicht der Plot der Story durchaus zur Schnappatmung.
Ich fange heute mit dem nächsten an.
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