Dr. Siri sieht Gespenster von Colin Cotterill

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Thirty-Three Teeth, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Manhattan.
Ort & Zeit der Handlung: Laos, 1970 - 1989.
Folge 2 der Dr.-Siri-Paiboun-Serie.

  • New York: Soho Press, 2005 unter dem Titel Thirty-Three Teeth. 320 Seiten.
  • London: Quercus, 2008. 320 Seiten.
  • München: Manhattan, 2009. Übersetzt von Thomas Mohr. ISBN: 978-3-442-54644-2. 320 Seiten.
  • München: Goldmann, 2010. Übersetzt von Thomas Mohr. ISBN: 978-3-442-46693-1. 318 Seiten.

'Dr. Siri sieht Gespenster' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Für Dr. Siri, den einzigen Leichenbeschauer von ganz Laos, bringt der Frühling in Laos nicht nur große Hitze, sondern auch seltsame Todesfälle: Ein Bär ist aus dem Käfig eines Nobelhotels entwischt und scheint nun die Straßen von Vientiane unsicher zu machen. Denn wer oder was sonst sollte die Obstverkäuferin getötet haben, die offenbar von einer mit Klauen und Zähnen bewehrten Kreatur zerfleischt wurde? Und sie bleibt nicht das einzige Opfer. Bald werden weitere Frauen mit ähnlichen Wunden aufgefunden und zu Dr. Siri gebracht. Gleichzeitig geben ihm zwei tote Männer Rätsel auf, die auf einem vollständig verbeulten Fahrrad mitten in der Hauptstadt gefunden wurden. Mit Hilfe seiner beiden Angestellten – des unter einem leichten Down-Syndrom leidenden Mr. Geung und der zupackenden Krankenschwester Dtui – untersucht Siri die Todesfälle. Dabei bekommt er es mit einem abgesetzten König, einer Truppe russischer Zirkusartisten inklusive Dompteur und ein paar Holzpuppen mit einer riesigen Wut im Bauch zu tun.

Das meint Krimi-Couch.de: »Laugh out louder« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Mal ehrlich: Interessiert sich einer für Laos? Vielleicht jemand, der letztes Jahr billig sechs Wochen in Vietnam verbracht hat. Aber Laos. Mal ehrlich: Wer weiß schon, wo das liegt. Und dann ist es auch noch kommunistisch, gehört somit ins Wachsfigurenkabinett der Geschichte. Dr. Siri Paiboun ist mangels geeigneter Kandidaten zum staatlichen Leichenbeschauer bestellt worden und quält seine Vorgesetzten mit Eigenwilligkeit und der Einsicht, dass, wer sowieso nicht mehr lange zu leben hat, sich Freiheiten herausnehmen kann. Sein messerscharfer Verstand, in Sherlocks Logik, ist in der genauen Beobachtung verankert, hört zu. Ein durchweg sympathischer Held. Vor allem humorvoll. So jemandem folgen wir gerne nach Laos.

Zumal kein anmutender Reisejournalismus uns erwartet. Die verkohlten Überreste zweier Piloten müssen identifiziert werden. Was in einem Land, in dem nicht jeder wissen darf, was er wissen müsste, einiger Bauernschläue bedarf, um sich Schritt für Schritt der Auflösung eines Verbrechens zu nähern.

Cotterill ist clever. Er serviert uns seine Geschichten mit einem Augenzwinkern, stattet Dr. Siri mit den Kräften eines Schamanen aus, der plötzlich Sprachen versteht, die außer den Einheimischen niemand spricht, und selbst nicht weiß, woher er seine fundamentalen Kenntnisse bezieht. Pech für die Obrigkeit, dass der Mann schon so alt ist, dass er sich leisten kann, eine eigene Meinung zu vertreten und Vorkommnissen auf den Grund zu gehen, die mancher Parteibonze lieber unter den Tisch kehren würde.

The Marx Brothers

Ein einzelner Held macht keine gute Geschichte aus. Das Trio besteht aus dem unter dem Down-Syndrom leidenden Mr. Geung und der vorlauten Krankenschwester Dtui. Mit ihnen zusammen leitet Dr. Siri ein Nest der Subversiven, des Zynismus, eine Enklave im Zentrum der Macht, die einer Wirklichkeit entgegentritt, die Tag für Tag neue Maximen des Überlebens erfordert. Immergin droht jedem das Umerziehungslager.

Cotterills Geschichte ist bizarr. Es treiben sich darin ein Bär, eine Truhe voller Aggressionen und ein König herum. Die wahre Stärke des Autors jedoch beweist sich in der Leichtigkeit, mit der Biographien entwirft. Selbst dem größten Schicksalsschlag wie Dtuis Verlust ihrer Familie gewinnt Cotterill Bilder wie die elffache Liebe einer Mutter zu ihrem einzigen überlebenden Kind ab. Dialoge fliegen hin und her, enden zumeist in einer Pointe, dienen nicht als Zeilenfüller.

In Trance

Grandios ist die Zusammenkunft der Schamanen, die sich versammeln müssen, um dem hehren Ziel zu dienen, ein Problem der Machthaber zu lösen. Wenn den Geistern ein Ultimatum gestellt wird, muss das Konfusion auslösen. Hier zeigen sich die komischen Züge einer Gesellschaft auf der Suche nach einer Vergangenheit, nach rituellen Wurzeln, die auf keinem Parteitag in den Statuten Aufnahme finden. Regime wechseln, aber zuweilen vergessen sie, wen sie da regieren. Und so tanzt Tik für den guten Zweck vor den Schamanen, variiert den Rhythmus so mitreißend, dass sich plötzlich eine Polonaise durch den Raum bewegt. Die Genossen Geister jedoch haben besseres vor an diesem Nachmittag.

Cotterills Dr. Siri macht Mut. Alles ist nicht so schlimm, als dass man nicht darüber schmunzeln darf. Für jemanden der sich beim Überleben nicht erwischen lässt, gibt es immer ein Schlupfloch. Cotterill ist mit seinem Dr. Siri etwas gelungen, was sich viele Autoren wünschen: einen Menschen zu erfinden, den es vorher so nicht gab. Die fein gesponnen Morde geraten dabei fast ins Hintertreffen.

Wolfgang Franßen, Juli 2009

Ihre Meinung zu »Colin Cotterill: Dr. Siri sieht Gespenster«

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mylo zu »Colin Cotterill: Dr. Siri sieht Gespenster« 04.08.2011
Wieder einmal eine - fast immer mit einem Schmunzeln - gut zu lesende Geschichte, in der der Dr. Siri anhand eines oft zunächst banalem Fall das kommunistische Regime auf die Schippe nimmt. Ja fast schon geradezu satirisch. Köstlich die Dialoge und die Verschmitztheit des Dr. Siri und die gut herausgearbeiteten Personen wie z.B. den befreundeten "Parteibonzen" Civilai.
Dazwischen immer wieder Geister, Geistergeschichten und Erscheinungen, stellenweise bis an die Schmerzgrenze obwohl man bei den Geschichten um Dr. Siri gewillt ist einiges in dieser Richtung zu akzeptieren. Satire pur und vom feinsten als der kommunistische Stadthalter den Schamanen die Verhaltensregeln für die Geister im kommunistischen Laos diktiert.
Geschichte wird gegen Ende sogar nochmal richtig spannend.
Wegen kleinen -Geister-Längen "nur" 85 Punkte
detno zu »Colin Cotterill: Dr. Siri sieht Gespenster« 25.11.2010
Nein, einen spannenden Kriminalroman darf man nicht erwarten beim zweiten Abenteuer des Dr. Siri Paiboun. Aber dafür eine Geschichte, die viel Wärme (es ist zudem sehr heiß in Laos) und Menschlichkeit vermittelt. Personen, die in einer für uns Mitteleuropäer fremden Welt versuchen, sich trotz des kommunistischen Systems (mit einer Bürokratie, die letzlich nur Mängel und Misswirtschaft verwaltet), das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Da sind mehrere Verlängerungsschnüre für einen Ventilator schon als Luxus zu bezeichnen.

Höhepunkt des Romans ist für mich ein Treffen der Schamanen mit Parteibonzen, auf dem die Geister der herrschenden Staatslinie unterworfen werden sollen.

91° für dieses unterhaltsame, kurzweilige und überaus humorvolle Lesevergnügen.
Mike zu »Colin Cotterill: Dr. Siri sieht Gespenster« 19.08.2010
Krimi, Geschichte und Märchen in einem Buch und mittendrin die liebenswürdigen Figuren Dr. Siri und seine Freunde. Einfach nur witzig und schön zu lesen. Genial, wie Cotteril den Leser in die heiße Atmosphäre von Laos zieht, gefangen nimmt und man nicht mal mehr die Stirn runzelt, wenn die Geistergeschichten auch noch so skurril werden. Nach diesem Buch war es schwer für mich, ein anderen, kühlen und realen Krimi anzufangen. Zum Glück gibt es ja viele weitere Geschichten. 90°C
Juergen zu »Colin Cotterill: Dr. Siri sieht Gespenster« 05.11.2009
Etwas Wildes und Böses macht die Hauptstadt von Laos unsicher. Es scheint, als würde ein entlaufener Bär hilflose Frauen angreifen und töten. Aber auch zwei Tote auf einem Fahrrad geben Dr. Siri Rätsel auf. Aber wie gewohnt, geht er beharrlich seltsame Wege, um der Sache auf den Grund zu gehen. Schließlich spielt bei den Vorfällen auch noch eine seltsame Holztruhe eine Rolle, ein toter Elefant und ein geheimnisvoller Gärtner.

Dr. Siri, den alternden Pathologen aus Laos kennen wir schon vom ersten Buch. Wie er dort erfahren hatte, steht er mit Geistern in Verbindung. Dies macht er sich bei seinem zweiten Fall zu nutze. Unkonventionell, ohne irgendwelche Hilfsmittel, woher auch in einem bitterarmen Laos unter frischer kommunistischer Herrschaft, löst er die geheimnisvollen Fälle. Bestimmt nicht Jedermanns Sache.das haben mir die unterschiedlichen Meinungen zum ersten Buch gelehrt. Man muss ihn halt mögen, diesen liebenswerten Dr. Siri und seine Mannschaft. Und alles ist natürlich weit entfernt von einem üblichen Krimi. Aber gerade dieses und die herrlich auf den Punkt gebrachte Misswirtschaft dieses Landes im Jahre 1974 haben es mir angetan. Skurril und abgefahren und ich habe mich köstlich amüsiert.
Sedlon3M zu »Colin Cotterill: Dr. Siri sieht Gespenster« 28.08.2009
Amüsant, schräg, rührend!Das Buch war für mich - wie schon das erste - ein Lesegenuss allererster Güte. Es hat mich zuversichtlich und fröhlich gestimmt. Jede Seite habe ich mit Bedacht gelesen, damit ich möglichst lange Freude daran haben konnte.Ein Buch für die Auszeit vom Alltag oder auch eine Gebrauchsanweisung für alle Frustrierten.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Renate zu »Colin Cotterill: Dr. Siri sieht Gespenster« 23.06.2009
Ich war bereits vom ersten Band, Dr. Siri und seine Toten, begeistert.
Auch im zweiten Teil ist der unfreiwillige "Erste Leichenbeschauer der Volksrepublik Laos" in bekannt frecher, aufsässiger und sympathischer Weise auf Mörderjagd.
Unterstützung erhält er dabei durch die bereits aus dem ersten Band bekannten Assistenten Dtui und Herrn Geung, seinen Freund Civilai und den Polizisten Phosy.
Anders jedoch, als im vorherigen Band wird diesesmal mehr Augenmerk auf Siris Beziehung zur Geisterwelt gelegt, welche vorher nur eine Nebenrolle spielte. Vernachlässigt wurde dafür leider vor allem seine unorthodoxe pathologische Untersuchungsart in einem Land, in dem Ressourcen aller Art mangelware sind. Ob dies nun eine positive oder negative Wendung ist, daran mögen sich im wahrsten Sinne des Wortes die Geister scheiden - mir jedenfalls hat auch der 2te Teil der Reihe sehr gefallen.
sue82 zu »Colin Cotterill: Dr. Siri sieht Gespenster« 15.06.2009
Spannung sucht man in diesem Buch vergeblich, hier überzeugen eher die etwas skurillen aber liebenswerten Personen und eine etwas andere Story um Laos 72jährigen (und einzigen) Leichenbeschauer.
Dieses Mal richtet sich die Story eher auf Siri's Verbindung zur Geisterwelt, als auf die Morde selber. Was hier überzeugt ist das eher unbekannte Laos, seine Überzeugungen und Bräuche.
Nur fand ich den ersten Teil um Dr. Siri und Konsorten einen Tick besser. Ist aber auf jedenfall ein Lesevergnügen der anderen Art. 80°
tassieteufel zu »Colin Cotterill: Dr. Siri sieht Gespenster« 07.06.2009
In diesem zweiten Teil um Dr. Siri bekommt es der erste und einzige Leichenbeschauer nicht nur mit einer ungewöhnlichen Hitze-periode zu tun, auch seltsame Todesfälle beschäftigen den Doktor. Aus einem Nobelhotel ist ein Bär aus einem Käfig ausgebrochen und zeitgleich werden in Vientiane mehrere zerfleischte Frauenleichen gefunden. Doch bevor sich Dr. Siri diesen
Leichen gebührend widmen kann, wird er in die alte Königsstadt Luang Prabang beordert um dort einen merkwürdigen Hubschrauberabsturz zu untersuchen, dort trift der Doktor nicht nur auf einen abgesetzten König, sondern auch auf einen äußerst korrupten Patreibonzen, der
ihm permanent Steine in den Weg legt, nur gut das es die Geister gibt. . . .
Das Buch ist wie sein Vorgänger recht unterhaltsam geschrieben und lebt auch vor allem von seinen liebevoll gezeichneten, recht skurilen Charakteren. Mir persönlich war der "Geisteranteil" ein wenig zu hoch um das Buch für mich so gut wie den Vorgänger sein zu lassen.
Trotzdem habe ich mich beim Lesen recht gut unterhalten gefühlt, denn dem Autor gelingt der Spagat zwischen der alt-hergebrachten Lebensweise, in der die Geister einen sehr hohen Stellenwert hatten u. dem neuen kommunistischen Regime mit seiner Bürokratie und Parolendrescherei, sehr gut. Wenn diese beiden Welten aufeinander treffen, ergeben sich derart
absonderliche Szenen, das man einfach schmunzeln muß.

Fazit: für mich persönlich nicht ganz so gut wie der Vorgänger, trotzdem ein herrliche
skuriles Lesevergnügen abseits her-kömmlicher Krimipfade. Einen dritten Teil um Dr. Siri werde ich auf jeden Fall lesen.
Krimi-Tina zu »Colin Cotterill: Dr. Siri sieht Gespenster« 02.06.2009
Zauberhaft. Ein Wort das ich selten verwende, das aber in jeglicher Hinsicht auf dieses Buch zutrifft.
Dr. Siri Paiboun, Pathologe wider Willen und ungefragt Träger des Geistes eines vor tausend Jahren verstorbenen Schamanen hat wieder eine Menge zu tun. Nicht nur, dass anscheinend ein wildes Tier die Stadt unsicher macht, es will auch der merkwürdige Tod eines Beamten erklärt sein und zu allem Überfluss muss er auch noch in hochoffizieller, wenn auch sehr vager Mission nach Luang Prabang, der alten Königsstadt. Und das alles obwohl es in Laos so verdammt heiß ist
Wie schon von den Vorschreibern festgestellt, handelt es sich nicht um einen Krimi. Sondern eher um eine Erzählung der Lebensverhältnisse im Laos der 70er, kurz nach der Machtübernahme der Kommunisten der Pathet Lao. Aus dem Spannungsverhältnis zwischen der althergebrachten Lebensweise, in der Geister allgegenwärtig und selbstverständlich sind, und der Bilderstürmerei der Kommunisten, die diesen Aberglauben ausrotten und durch Parolen und Bürokratie ersetzen wollen, entwickeln zwangsläufig urkomische Situationen. Gipfelnd in dem Versuch die besagten Geister den Regeln der Partei zu unterwerfen, welcher einer der absoluten Höhepunkte des Buches darstellt..
Nimmt man dazu noch den offenbar unverwüstlichen Humor der Laoten, die, soweit nicht zu glühenden Kommunisten mutiert, das Treiben ihrer neuen Herrscher ebenso wie alle anderen Heimsuchungen, man denke nur an das verdammt heiße Wetter, mit leicht belustigter Distanz sehen, und man hat was den Zauber des Buches ausmacht..
Zum Glück wurden die Bücher von Colin Cotterill als Krimis eingestuft, auch wenn die Zuordnung nicht so recht passt. Aber andernfalls wären sie mir womöglich entgangen und das wäre ein echter Jammer gewesen.
Stefan83 zu »Colin Cotterill: Dr. Siri sieht Gespenster« 27.05.2009
Der erste Band der Reihe, "Dr. Siri und seine Toten", war für mich ohne Zweifel DIE Überraschung des Jahres 2008, weshalb ich die Veröffentlichung des Nachfolgers bis zuletzt kaum abwarten konnte. Sofort bei Erscheinung bestellt, hab ich mich noch am selben Tag der Lieferung in die Lektüre gestürzt, wobei mich ein Gefühl des Nachhausekommens übermannte, denn auch "Dr. Siri sieht Gespenster" sticht mal wieder herzerfrischend aus dem Allerlei des heutigen Mainstreams hervor und ist erneut - das sollte besonders betont werden - auf ganzer Länge unterhaltsam.

Das großer Aber: Colin Cotterills zweites Buch mit dem 72-jährigen Leichenbeschauer von Laos (dem einzigen!) kann nun nur noch schwerlich als Kriminalroman bezeichnet werden, denn einen Plot im Stile von Verbrechen, Ermittlung, Aufklärung sucht der Leser hier vergebens. Warum sollte ich mir dann das Buch überhaupt zulegen, wird manch einer fragen. Meine Antwort: Weil es in einer Zeit, wo andere Krimi-Autoren mit Blut und Innereien um sich werfen, heiße Latina-Ermittlerinnen an Vergewaltigungen Freude finden und Ermittler vorwiegend sozial kaputte Alkoholiker sind, eine neue Richtung einschlägt und unter dem oberflächlichen Witz eine gehörige Portion Zynismus samt Moral enthält. Die Story sei hier kurz angerissen:

Laos im Jahre 1977. Eine große Hitzeperiode ("Heiß was?", "Verdammt heiß.") hat die Stadt fest im Griff und während die meisten Einwohner ihr Haus nur noch im äußersten Notfall verlassen, muss Dr. Siri sich mit einem neuen Rätsel rumschlagen. Zwei Männer sind mitten in der Hauptstadt mit ihrem Fahrrad tödlich verunglückt, an einer Stelle wo dies eigentlich keinen Sinn ergibt. Gleichzeitig macht ein entflohener Kragenbär aus einem Nobehotel Vientianes die städtischen Gassen unsicher. Denn wer sonst könnte eine Obstverkäuferin, die von Klauen und Zähnen zerfetzt worden ist, derart zurichten?

Während die für die Ermittlungen zuständigen Beamten zusammengerollt auf dem Schreibtisch den Schlaf des Uninteressierten pflegen, stellt Siri mit seinen beiden Angestellten, den an einem Down-Syndrom leidenden Mr. Geung und der resoluten Krankenschwester Dtui, eigene Untersuchungen an und reist in die alte Königsstadt. Was folgt ist eine Tour de Force, in deren Verlauf sich der alte Doktor nicht nur mit der sturen kommunistischen Politik herumschlagen muss, sondern auch dem einen oder anderen Geist begegnet.

Vorneweg: Für wen Geister, Spiritismus und anderer Hokuspokus ein Gräuel sind, der sollte vom Buch gleich die Finger lassen. Cotterill stützt sich in dieser Geschichte sehr auf Siris Beziehung zur laotischen Geisterwelt und baut diese im Vergleich zum vorherigen Band noch weiter aus. Das wird sicherlich nicht jedermanns Sache sein. Wett gemacht wird dass aber durch die schrecklich sympathischen Protagonisten, allen voran den Doktor selbst, der in bekannt frecher und aufsässiger Art auf Mörderjagd geht. Denn auch diesmal wird sich einiger unorthodoxer Methoden bedient, um das Verbrechen aufzuklären, wobei (das kann ich versprechen) selten ein Auge trocken bleibt. Am Ende, das mir zu abrupt kam und mich seltsam unbefriedigt zurückließ, werden sich im wahrsten Sinne des Wortes wohl die Geister scheiden.

Insgesamt ist "Dr. Siri sieht Gespenster" erneut ein äußerst kurzweiliges, witziges Buch geworden, dessen politische Seitenhiebe zwischen den Zeilen stets zu lesen sind, und das mir persönlich sehr viel Spaß gemacht hat. Ganz objektiv muss man jedoch sagen: An die Qualität des ersten Bandes kann es nicht anknüpfen.
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