Der Todeskünstler von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2007
unter dem Titel The Face of Death,
deutsche Ausgabe erstmals 2007
bei Lübbe.
Folge 2 der Smoky-Barrett-Serie.
- New York: Bantam, 2007 unter dem Titel The Face of Death. 680 Seiten.
-
Bergisch Gladbach: Lübbe, 2007.
Übersetzt von Axel Merz .
ISBN:
978-3-7857-2302-9. 680 Seiten.
'Der Todeskünstler' ist erschienen als
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In Kürze:
Das Leben von Smoky Barrett verläuft endlich wieder normal. Sie ist Opfer eines verrückten Killers geworden und dem Tod nur knapp entgangen. Die schreckliche Tat hat sie noch lange in Albträumen und schlaflosen Nächten verfolgt. Ihren Beruf als FBI-Agentin wollte sie eigentlich an den Nagel hängen, doch mittlerweile hat sie neuen Mut geschöpft und geht wieder auf Verbrecherjagd. Als Smoky eines Nachts an einen Tatort gerufen wird, werden ihre schlimmsten Ängste wieder lebendig. Ein junges Mädchen droht im Haus ihrer Eltern Selbstmord zu begehen. Sie verlangt ausdrücklich nach Smoky und möchte sich nur ihr anvertrauen. Smoky findet das Mädchen im Schlafzimmer ihrer Eltern – sie kauert neben den grausam entstellten Leichen. Der Boden des Raums ist blutgetränkt; auf der Decke und an den Wänden prangen Blutgemälde. Der Todeskünstler hat das Mädchen besucht, und das nicht zum ersten Mal. Seit Jahren zerstört er das Leben des Mädchen, tötet jeden, der ihr lieb ist. Sein Ziel: sie in den Wahnsinn treiben und nach seinem Bild neu erschaffen. Smoky muss den Killer stellen, bevor er zurückkehrt und sein Werk vollendet …
Das meint Krimi-Couch.de: »Die Feinsinnigkeit einer Massenkarambolage auf der A3«
Krimi-Rezension von Lars Schafft überspringen
Soll bloß niemand behaupten, man hätte ihn nicht gewarnt! Todeskünstler heißt kein Roman übers lustige Sonntagnachmittag-Picknicken mit Oma Trudi. »Smoky Barrett«, so der etwas sonderliche Name unserer Heldin, klingt auch nicht wirklich nach der älteren Schwester von Hanni und Nanni. Und eigentlich gab ja bereits Cody Mcfadyens Erstling Die Blutlinie die Pace vor. Klar: Auch die Herren der Schöpfung lassen Menschen aufschlitzen, ausbluten, ausweiden und weiß der Teufel was noch alles. Nur lesen muss das nun wirklich keiner.
Verlieren wir ganz kurz ein paar Worte zur Story. Der »Todeskünstler« hat es auf die 16-jährige Sarah abgesehen. Aber nur indirekt: Er tötet und lässt töten, alles, was dem Mädel lieb ist. Sie lässt er am Leben, will aus ihr ein Kunstwerk kreieren, »Das zerstörte Leben«. »Live and let die« irgendwie wie im 21. Jahrhundert. Nur dämlicher.
Auf die Schliche des Todeskünstlers soll Smoky Barrett und ihr Team kommen, alles Asse auf ihrem Gebiet und alle schrecklich langweilig. Jede CSI-Folge ist besser durchdesignt, was die Figurenzeichnung angeht. Wunderbarste Gutmenschen hier, die Bitterbösen da.
Smoky selbst musste schon dermaßen viel mitmachen, dass die Überzeichnung ihres Charakters schon skurrile bis unfreiwillig komische Züge annimmt. Nicht nur, dass sie vergewaltigt worden und seitdem eine Gesichtshälfte entstellt ist. Nein, ein Serienkiller hat vor ihren Augen ihren Mann und ihre Tochter recht unhöflich in die ewigen Jagdgründe geschickt. Aufopferungsvoll tut Smoky das, was einer amerikanischen Elite-Agentin gut zu Gesicht steht: Sie nimmt mit der kleinen Bonnie eine Ziehtochter auf, die, seitdem ein Killer ihre Eltern ebenfalls über den Jordan schickte und sie selbst tagelang gefesselt an ihre tote Mutter lag, im Sinne des Wortes sprachlos ist. Tja, so ist L.A. nach Mr. Mcfadyen heutzutage. Geht´s noch?
Über fast 600 Seiten nervt uns der Autor so mit Ermittlungen zum Miträtseln (dem Leser traut er bei seinem Erzähltempo nicht sonderlich viel Grips zu) und dem Tagebuch der geschundenen Sarah, in der es so ziemlich an keiner Perversität mangelt. Das Schlimme daran: Der Thrill bei Mcfadyen ist nicht kühl, hintergründig, subtil. Sondern ganz derbe, ganz anschaulich-blöde, ausgezeichnet mit der Feinsinnigkeit einer Massenkarambolage auf der A3. Wieviele Morde Sarah mit ansehen musste, wie oft sie missbraucht wurde und was noch so alles Widerwärtiges passiert – man will das gar nicht mehr mitzählen. Kindesmissbrauch, Vergewaltigungen, Folter, Zwang zum Selbstmord, Zwang zum Mord – darf´s noch 200 Gramm mehr sein? Die Blutwurst haben wir gerade im Angebot. Geht´s noch?
Und als ob dies alles noch nicht reichte, Ihrem Rezensenten die Sprache zu verschlagen, ist genau jene es, die ihm den Rest gibt. Wenn Zigaretten »kirschrot« glühen (S. 20, okay: die Amis sind beim Nichtrauchen eh rigoroser, da verhaut man sich mit Farben und Früchten mal ganz schnell). Wenn von Smokys Freundin Callie die Rede ist und ihrer »Bereitwiliigkeit Spaß zu haben« (»Unschuldig nach den niedrig hängenden Früchten der Freude zu greifen«, S. 33). Wenn Sex nicht nur über zwei Seiten plattgelabert, sondern auch noch in der Sintflut endet (»eine Gezeitenwoge, die über mir zusammenschlägt, mich ertränkt und beim Zurückfluten die Leichen ins Meer nimmt«, S. 144). Geht´s noch?
Nein. Geht gar nicht. Plakative, bluttriefende Gewaltorgien, nicht die Spur von Suspense, kitschiger Gefühlsplüsch, Charaktere ohne jegliche Schattierungen und das Ganze in einem Stil, für den jeder Studi in »Creative Writing« eins übergezogen bekäme. Der knappe Zwanni für den Todeskünstler wäre besser angelegt in Hochprozentigem. In solchem, der übelst auf den Magen schlägt. Der Brechreiz wäre zwar der selbe, der Rausch bis dahin aber sicherlich der bessere Zeitvertreib im Vergleich zur Lektüre dieses Trashs-Thrillers. Ex und hopp.
Lars Schafft, November 2007
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